Welche Katze ist zur Zucht geeignet?

THE SOCIAL PETWORK

 

Welche Katze ist zur Zucht geeignet?

 

 

Waren Sie schon mal so hin und weg, dass Sie auf einer Show eine Katze quasi aus dem Käfig heraus gekauft hätten/haben, ohne viel über den Züchter oder seine Cattery zu wissen? Sie wäre/ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine bezaubernde Gefährtin, die Auge und Herz erfreut. Und Züchten stand ja sowieso nicht am Tapet.

 

 

ODER DOCH?

 

Da gäbe es freilich schon noch ein paar Kleinigkeiten zu erforschen. Spontankäufe sind ja oft der Auslöser für einen späteren Züchterwunsch, kommen aber auch bei länger dienenden Züchtern vor und die Motivation ist in der Regel dieselbe: die Mieze gefällt. Ist mir vor langer Zeit auch so gegangen (allerdings nicht auf einer Show). Es war Liebe auf den ersten Blick, zudem war sie einfach hinreißend und ich konnte nicht widerstehen, obwohl ich gar nicht auf der Suche nach einer Zuchtkatze war. Dieser Augenstern nahm zeitlebens eine Favoritenrolle ein, weil sie einfach rundum perfekt war – heißt, genau genommen: Ich hatte unverschämtes Glück. Das Herz hatte zwar so gut wie immer Vorrang bei der Wahl einer neuen Katze und dann lag ich auch nie falsch – aber der Unterschied ist: Züchter „schauen anders“.

Weil das Züchterauge in der Regel einerseits aufs Programm fokussiert ist und andererseits der Kollege und/oder die Eltern respektive Vorfahren der Katze keine Unbekannten sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass die meisten Züchter in „ihrer“ Rasse sozusagen zuhause sind und sehr viel leichter an relevante Informationen über die Zuchteignung einer Katze kommen als Laien – aber sie freilich nicht immer nutzen.

Denn in erster Linie zählen nach wie vor Schönheitskriterien, und wenn die einen halb vom Sockel hauen, wird bisweilen schon mal negiert, dass sich beispielsweise die Qualitäten des Superahnherrn später als rein äußerlich herausgestellt haben. Und, weil der doch so schön und erfolgreich und daher „gut besucht“ war, zahlreiche belastete Nachkommen zurückgelassen hat, vielleicht sogar selbst verfrüht ins Grab gesunken ist. Kann freilich auch eine Ahnfrau sein. Gerade schlechte Nachrichten pflegen sich ja zu verbreiten wie ein Lauffeuer und das macht es umso unverständlicher, dass nachweislich Negatives so oft einfach ausgeblendet oder heruntergespielt wird – und selbst ihren Tieren herzlichst zugeneigte Züchter „Ausfälle“ in Kauf nehmen und mitunter froh sind, wenn wenigstens ein Kitten überlebt respektive gesund erscheint. Das dann, schnöde Ironie der Geschichte, zuweilen alles andere denn eine Schönheit ist.

Da ist vom „Züchten mit Herz und Verstand“ mehr oder weniger eigentlich beides auf der Strecke geblieben, vom Schaden für die Rasse gar nicht zu reden, wozu genauso Profilierungsneurotiker ihr nicht unbeträchtliches Scherflein beitragen.

 

 

DER GANZ NORMALE WAHNSINN

 

Natürlich sind die äußeren Attribute bei Zuchttieren von großer Bedeutung – auch!, sollten im Zusammenhang mit der Zuchteignung indes zumindest gleichauf mit den „inneren Werten“ liegen, weil eins ohne das andere nichts taugt. Heißt: Die beste Katze ist gerade gut genug, klar, und standardgerechtes Äußeres schon mal prima, auch klar - aber das reicht bei weitem nicht.

Die Mindestvoraussetzung ist zwar der Stammbaum und berühmte Namen samt vieler Titel sind total fein, das Studieren macht aber nur Sinn, wenn es mit darüber hinausgehenden Informationen gekoppelt ist. Für Laien gern ein ziemlicher Hürdenlauf, denn manchmal kann es schon schwierig sein, bei einem ins Auge gefassten Jungtier die Kontinuität der äußeren Erscheinung seiner Vorfahren zu hinterfragen und sachdienliche Auskünfte zu bekommen. Im Wesentlichen geht’s dabei zwar nur um die ersten zwei Generationen (weshalb das Wundertier in der fünften eher das Pedigree als die Kitten aufpeppt) und die werden ja hoffentlich noch alle am Leben und irgendwo live zu sehen sein – aber wenn’s ans Eingemachte geht, nämlich mögliche Fehler in den Erbanlagen, wird’s haarig und Newcomer oft mit kontroversen Gerüchten gefüttert. Besonders wenn es um Fehler im Sinne von Defekten und Anomalien geht, die eine Katze/Kater in vielen Fällen von vorneherein von der Zucht ausschließen, aber mitunter auch bei ganz „normalen“ Dingen, die wichtig für die Zuchttauglichkeit sind. Dennoch lassen sich Fehler nie ganz ausschließen – aber viele sind vermeidbar – und ohne praktische Erfahrungen wird’s auch nicht gehen, selbst wenn wir absolut alles bedenken, was es zu bedenken gibt.

 

 

WAS GIBT’S ZU BEDENKEN?

 

Allerlei. Und das beginnt sozusagen mit der praktischen Theorie, nämlich der bereits ansatzweise erwähnten Familiengeschichte:

 

Ø                 Jedes Zuchttier muss gesund, vital, seiner Rasse entsprechend gut entwickelt und sozialisiert aufgezogen sein, also stabil im Wesen und mit gutem Temperament – das gilt nicht nur für die eigene Katze mit angedachter Karriere, sondern wir

Ø                 erwarten das genauso von Eltern, Großeltern und Geschwistern, wollen wissen wie fruchtbar diese sind, welche Lebenserwartung die Vorfahren hatten und woran sie gestorben sind.

Ø                 Ist ein Katerchen für die Zucht gedacht, gilt zusätzlich, dass beide Hoden bereits bei der Geburt abgestiegen sind und es sich verhält wie ein Teil der Familie, also nicht schon als Jungspund das Alphatier herauskehrt und später seine Gruppe und/oder die Bräute traktiert. Deckkater haben ja wesentlich mehr Nachkommen als ein Mädel und Charakterfehler somit eine üblere „Breitenwirkung“. Weshalb wir mit dem Vatertier in seinem Umfeld einen persönlichen Kontakt herstellen sollten.

 

Im Klartext geht es also um erstrebenswerte Charakteristika, die entweder genetisch begründet sind oder vorgelebt und genauso weitergegeben werden. Alles gut und schön, aber nun seh’ ich die Zuckermaus auf der Show (oder beim Züchter daheim), sie ist auch noch zu haben – und dann frag ich, woran die Verwandtschaft gestorben ist?

 

 

CHECK FELIS

 

Na ja, mit der Tür ins Haus zu fallen freut keinen, aber wenn Sie von vorneherein die Absicht haben zu züchten, sollten Sie damit auch nicht hinterm Berg halten, sodass er verstehen kann, warum sie ihn löchern. Auch wenn Sie die Katze schon haben und nun mit schicken Kinderchen liebäugeln, sollte er es vorher wissen und wird Sie entsprechend beraten können. Oder nicht, warum auch immer.

Im Vorfeld alles herauszufinden wird trotzdem nie lückenlos klappen, ist aber einen Versuch allemal wert weil ein wichtiger Schritt zur Vermeidung bzw. Minimierung von Rückschlägen. Heißt: Je mehr Verwandte mit positiven Eigenschaften Sie in diesem Zusammenhang aufspüren können, desto größer der Gewinn, und je gravierender respektive häufiger die Nachteile, desto eher Hände weg - vom Züchten, lieben und vielleicht ausstellen können Sie das Schätzchen ja trotzdem, aber halt besser als Kastrat.

Alles viel zu mühsam, nicht möglich oder Sie haben über die Familiengeschichte nur teilweise Erhellendes herausgefunden und es war immerhin nicht abschreckend negativ? Und dass die Maid oder der Knabe einen super Charakter hat ist sowieso klar? Fein. Dann nehmen wir sie mal genauer unter die Lupe:

Immens wichtig zu wissen ist nämlich, welche Erbkrankheiten bei der gewählten Rasse auftreten können, denn vor allem wenn es um die Zuchttauglichkeit geht, ist damit nicht zu spaßen. Um derlei ausschließen zu können, sollten nicht nur Eltern/Großeltern entsprechende Tests aufweisen, sondern natürlich genauso die zukünftige Mutter/Vater - bevor sie/er aktiv werden darf. Jeder Club wird seine Mitglieder darüber aufklären, bei welcher Rasse welche Tests empfohlen werden oder verpflichtend sind. Was möglichst umgehend erfragt werden sollte - und je nach dafür erforderlichem Alter logischerweise durchgeführt! Bei etlichen Rassen haben sich Züchter zu Interessengemeinschaften zusammengeschlossen, aber auch einzelne Züchter bieten auf ihren Websites und/oder in Foren umfassende und seriöse Auskünfte über „ihre“ Rasse. Es sind Profis, die meist keine Frage offen lassen – was nicht auf alle Veröffentlichungen im Netz zutrifft, es wäre daher wichtig, sich durchzufragen.

Ist alles im grünen Bereich, ist eine sehr große Hürde schon mal geschafft. Aber noch nicht die letzte ...

 

PEANUTS?

 

Darüber hinaus können nämlich noch andere Unerfreulichkeiten vorkommen, welche sich der peniblen Ahnenforschung häufig entziehen oder erst später auftreten, gleichwohl Katze/Kater die Zuchttauglichkeit absprechen. Definitiv selbstverständlich, wenn sie selbst betroffen sind, abhängig vom Defekt auch der jeweilige Paarungspartner samt beider Verwandtschaft oder wenn Kitten mit Missbildungen geboren werden, denn ohne rigorose Selektion ist hier kein Land in Sicht. Als da wäre

 

Ø                 Taubheit, Patella Luxation, Anomalien wie eine Einbuchtung des Stirnknochens, Verformung des Brustbeins, zu enge Nasenöffnungen, primäre Lidfehlstellungen, Glasknochenkrankheit, Kaliummangel- oder Spastisches Syndrom, Hämophilie;

Ø                 Kitten mit Gaumenspalte oder Wolfsrachen sind in der Regel Todeskandidaten, Nabelbruch lässt sich manchmal korrigieren, in der Zucht hat ein solches Tier jedoch nichts verloren.

 

Nun gibt’s freilich Fehler, die nicht immer genügend ernst genommen oder als solche gar nicht erkannt werden, weil sie beispielsweise die Lebensqualität vordergründig nicht (gravierend) beeinträchtigen und/oder die Katze ja trotzdem steinalt werden kann. Dazu zählen etwa

 

Ø                 Unter-, Vor- oder ein schiefes Gebiss. Über Generationen mit gesunden Partnern zwar streng selektiv korrigierbar, sollte eine Katze/Kater dennoch nicht zur Zucht verwendet werden, wenn sie bei der Nahrungsaufnahme behindert ist, also ohne spezielle Hilfestellung nicht alleine fressen kann;

Ø                 weniger auffällig sind fehlende Fang- oder Schneidezähne, allerdings oft eine Vorstufe zur völligen (angeborenen) Zahnlosigkeit;

Ø                 einhodige Kater sind nicht zuchttauglich, und obwohl beide Eltern dafür verantwortlich sind, wird gern vergessen, dass die Anlage über die weiblichen Verwandten verdeckt weitervererbt wird und in logischer Konsequenz eine Art Schneeballeffekt zur Folge haben kann;

Ø                 ein Knickschwanz kann auch mit Anomalien anderer Skelettabschnitte, etwa einer Verengung des Beckens, einhergehen;

Ø                 Schielen ist eine Behinderung, die sich potenzieren und den normalen Bewegungsablauf schwer einschränken kann.

 

Übrigens: Zur Aufdeckung rezessiver unerwünschter Merkmale (wie beispielsweise einem Knickschwanz) kann es reichen, wenn diese bei mindestens zehn Nachkommen derselben Elterntiere nicht gefunden werden. Garant ist es freilich keiner.

 

 

DER KLEINE HORRORLADEN

 

Wesentlich weniger aufmerksam werden wir bei einem relativ seltenen weil sehr schleichend in verschiedenen Stadien auftretenden Problem, das in seiner Anfangsphase eigentlich beinahe niedlich wirkt, nämlich einem

 

Ø                 Ringelschwanz

 

Gleich vorweg: Bitte nun nicht jede gut gelaunte Katze argwöhnisch beäugen, die ihren Spazierstock im leichten Bogen aufrecht trägt! Manche strecken ihn im 45-Grad-Winkel kerzengerade über den Rücken, Spitze nach unten, andere tragen ihn wie einen Henkel, wobei die Spitze oft den Rücken berührt - das muss keineswegs zwingend als Vorstufe betrachtet werden. Kann – kann! - sich allerdings ins Gegenteil verkehren und sollte unter Beobachtung bleiben: Ringelt sie ihn nämlich seitwärts zu einer richtigen Schnecke oder in Verlängerung des Rückens nach unten, wiewohl nur zeitweilig, könnte schon Feuer am Dach sein und in einer grausamen Beeinträchtigung münden:

Nämlich wenn sie den Ringel zwischen die Beine zieht und quasi am Bauch trägt – und dieses auch bei Harn- und Kotabsatz, was das arme Tier total am Leben verzweifeln lässt, weil ihm Sauberhalten absolut unmöglich ist. Der brutal einzige Ausweg ist die Amputation und die einzige Möglichkeit, diese Qual auszuschließen, mit einer auch nur teilbetroffenen Katze niemals zu züchten.

Großartig. Bleibt bei all dieser Problematik denn überhaupt noch eine Katze übrig, mit der man gefahrlos züchten kann? Aber klar doch. Nur eins noch ...

 

 

REIFE FRÜCHTCHEN

 

Sind nun alle Eventualitäten weitgehend ausgeräumt, wäre es vor dem Countdown nicht übel, uns mit der Zuchtreife zu befassen: Eine junge Katze sollte nicht vor der zweiten Rolligkeit gedeckt werden, egal ob frühreif oder Spätzünder. Das lässt sich indes nur individuell entscheiden und hängt sowohl von den Clubvorschriften ab als auch von der allgemeinen Entwicklung. Die äußere hält zwar mit der inneren nicht Schritt, sondern die Geschlechtsreife hinkt hinterher, aber

 

Ø                 Voraussetzung ist, dass wie erwähnt eine Zuchtkatze bei der Premiere nicht nur kerngesund, sondern ihrer Rasse und dem Alter entsprechend bestens entwickelt, kräftig, vital, wach und aufmerksam sein muss;

Ø                 zu früh ins Rennen geschickt kann das eigene Ausreifen von Katze/Kater hemmen und vor allem vom Muttertier oft später nicht mehr aufgeholt werden, was auch Auswirkungen auf Konstitution und Widerstandskraft hat, ebenso auf die Entwicklung der Nachkommen.

Ø                 Zu junge (genauso wie bereits zu alte Kater) können durchaus willig werken, doch die Katze kann leer bleiben oder der Wurf extrem klein ausfallen (meist in jeder Hinsicht)

 

Der Deckakt ist eine körperliche Leistung, die dem Kater viel abfordert. Trächtigkeit und Geburt wiederum kosten eine Katze Substanz und nicht jede ist dem gewachsen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Mickerlinge beiderlei Geschlechts sind nicht zuchtgeeignet, und das hat nun nichts mit der Rasse zu tun, denn auch eine voll erblühte, ausgereifte Siam muss keine filigrane Hungerharke sein, um elfenhaft elegant zu wirken (gerade Siamesen sind auffallend schwer im Vergleich zum Aussehen). Manchmal braucht eine Katze einfach noch Zeit, manchmal ist es vernünftiger, sie nicht Mutter werden zu lassen. In jedem Fall unerlässlich ist, ihr zwischen den Geburten und dem Herrn der Spermien zwischen den Hochzeiten wirklich! ausreichend Zeit zur Erholung zu lassen, bis sie weder topfit und bereit für neue Schandtaten sind.

 

 

LEARNING BY DOING

 

Sie haben aus lauter Sorge, dass die/der Gute am Stock geht, bevor Sie hier durch sind, sowieso schon losgelegt? Ja, da stehen Sie wohl nicht allein auf weiter Flur und können jetzt immerhin schon eigene Erfahrungen beisteuern. Ist der Start analog nachfolgender Aufzählung gut gelungen – und es geht in der Folge genauso weiter, haben Sie eine wirklich gute Zuchtkatze ...

 

Ø                 Madame hat ein normales Sexualverhalten an den Tag gelegt; wurde in einem rassespezifisch üblichen Alter erstmals rollig (und wird später einen halbwegs nachvollziehbar regelmäßigen Zyklus haben); gab sich ohne Krise einem galanten Kater nach kurzer Gewöhnung (maximal wenige Tage) hin und hat im Verlauf einiger Deckakte mühelos aufgenommen;

Ø                 Die Geburt verlief problemlos, ohne dass ernsthaftes Eingreifen nötig war;

Ø                 die Wurfgrößen lag in etwa zwischen drei und sechs Kitten; darüber oder darunter kann mitunter vorkommen. Bei überwiegend darunter heißt es oft, „diese Rasse“ hätte nie größere Würfe, das lasse ich jetzt mal unkommentiert;

Ø                 sie ist (und bleibt) sowohl psychisch wie physisch fähig, ihren Nachwuchs artgerecht zu versorgen und großzuziehen; hat also ein ausgeglichenes Naturell, ist körperlich ausgereift respektive in Top Zustand und eine vorbildliche Mutter ohne „Milch“ Probleme.

Ø                 Keine Katze ist zuchttauglich, wenn sie zu Kaiserschnitt- oder Frühgeburten neigt, die Schwangerschaften schwierig verlaufen, sie generell schwer aufnimmt oder ihre Kinder nicht betreut.

Ø                 Kein Kater ist zuchtgeeignet, der Hodenanomalien oder eine schlechte Spermaqualität aufweist (wenn zum Beispiel trotz wiederholter Belegung nicht nur eine Katze leer bleibt). Deckt er widerwillig oder bricht auf halber Strecke ab, hat er in der Regel Schmerzen oder die Seele ist aus dem Lot.

 

Alles bilderbuchmäßig gelaufen? Herzlichen Glückwunsch! Das war’s endlich? Na ja, bliebe noch

 

 

THE SOCIAL PETWORK

 

Wer züchtet, wird es letztendlich nicht bei einer Solomieze belassen und dann kann es wie bereits angesprochen vorkommen, dass der Blick auf den Charakter zugunsten anderer Wünsche flötengeht. Manche Züchter achten andererseits so penibel auf Gesundheit und Tests, aber nicht darauf, ob und wie die Tiere miteinander zurechtkommen und ich möchte nun niemand unterstellen, dass er das tut, damit sich sein Kapital nicht verabschiedet. Zwar ist beim Züchten mitunter der Weg das Ziel, denn selbst ein Gesamtkunstwerk lässt sich in Windeseile verhunzen, wenn die Paarungspartner nicht harmonieren. Aber Tatsache ist, dass viele Katzen Disharmonien in der Gruppe mit Sterilität oder anderen Problemen quittieren, sodass so manche ihre tollen Gene samt und sonders beim Tierarzt ließ, welcher frühzeitig durch Kastration die seelischen Wogen glätten musste. Was meistens funktioniert, aber nicht immer. Soll heißen: Selbst eine Katze mit dem absolut idealen Gemüt wird irgendwo ihre Grenzen haben.

Die beim Kater schneller erreicht sein können, wenn er möglicherweise ungemütliche Vorfahren hat und zu allem Übel auch noch separiert gehalten wird. Oder in die falsche Familie kommt, dann kann es nämlich passieren, dass er

 

Ø                 aggressiv, hypersexuell und unhandlich wird (etwa auch auf Shows ausrastet) oder genauso aufgrund psychischer Belastung durch mangelnde Libido „glänzt“. Auch Kater können sensible Blümchen sein und sich von grimmigen Ladys in die Flucht schlagen lassen. Sehr oft ist die Ursache jedoch ein Alphakater als Vorgänger, der noch als Kastrat die herrschende Pfote über seinen Harem hält, sodass der Nachfolger sich an die Damen gar nicht erst rantraut. Etwa daran erkennbar, dass das Veto des Despoten (meist) nicht für eine neu hinzugekommene Kätzin gilt.

 

 

GLÜCK UND GLAS

 

Viele Züchter haben eigene Freudenspender im Haus, die aus unterschiedlichen Gründen auch hausfremde Ladys beglücken dürfen, was Gefragte bisweilen ziemlich in den Seilen hängen lässt, während andere schlicht nicht ausgelastet sind. Und dann sozusagen aufgrund eines Hormonstaus ansatzlos über die Braut herfallen wie über eine Beute und einfach niederbügeln. Was ihn, selbst wenn er schön ist wie Apoll, als Zuchthengst ungeeignet deklariert. Eigentlich ungerecht. Denn in den meisten Fällen werden nette Kater durch falsche Haltung miesepetrig oder aggressiv gemacht, doch davon ein andermal mehr.

Für eine Premiere sowieso der denkbar schlechteste Start überhaupt, können Stress und Schock auch aus der wesensfestesten erfahrenen Lady ein Nervenbündel machen und Folgen zeitigen. Es kann zu bösen Prügeleien und Verletzungen kommen und dazu führen, dass sich die Katze beim nächsten Mal schon wegzittert, wenn grade mal die Haustür ins Schloss fällt. Oder sie jeden Kater kreischend in die Flucht schlägt und/oder sich kaum je wieder freiwillig decken lässt. Bestenfalls vergeht ihr alles und die Rolligkeit setzt aus, oder sie hat die Schnauze voll und widersetzt sich trotz „erfolgreicher“ Vergewaltigung (die ebenfalls mit Verletzungen verbunden sein kann) der Konzeption.

Katzen können sich so verkrampfen (Menschen übrigens genauso), dass nichts geht und sie leer bleibt oder die Früchte vorzeitig abstößt. Gibt’s dennoch Nachwuchs, kann der Wurf extrem klein ausfallen, die Kätzchen schwächlicher sein und/oder später zu unerklärlichen Erkrankungen neigen. Jedenfalls gibt es zahlreiche Berichte, die darauf schließen lassen, wenn man nur genügend tief gräbt, und das ließe sich jetzt breittreten, dass jedem Züchter alle Ambitionen vergehen – Fazit ist, dass aus solch einer Situation einfach nichts Gutes entstehen kann.

 

 

MUTTERFREUDEN UND –LEIDEN

 

Nun schließen wir allerdings sehr oft vom Verhalten einer Katze uns gegenüber auf ihre allgemeinen Charaktereigenschaften und sind dann völlig pardauz, wenn die so Liebe, Sanfte und Ausgeglichene plötzlich die Zicke herauskehrt. Den Kater hingenommen hat und sich auch während der Trächtigkeit ziemlich friedlich gab – und dann wie eine Furie ihre Kitten verteidigt, sodass sich keiner in die Nähe ihres Nestes wagt. Eine etwas diffizile Situation, weil das einer Katze nicht zwingend die Zuchttauglichkeit abspricht, aber zu denken geben sollte, da es dann mit dem Vertrauen nicht weit her ist. Das heißt, entweder ist sie ist seelisch wirklich nicht stabil, oder in ihrem Umfeld ist etwas im Argen und sie war eigentlich nie glücklich. Vielleicht nicht augenfällig, weil eine sogenannte stille Natur?

Meist bekommen dann die Ladys ein eigenes Revier zugewiesen und die Kitten müssen später in die Gruppe integriert werden. Das kann kompliziert werden, aber durchaus funktionieren, wenn wir uns entsprechend reinhängen – ideal ist es nicht. Denn es ist eine Zeit voller Anspannung, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist, und das kriegen die Kleinen sehr wohl mit. Zumal sich die Mutter dann oft bereits seelisch abnabelt und viel zu früh das Interesse an ihnen verliert. Gibt’s Kuschelersatz in Form einer Tante oder eines Onkels (WIR sind KEIN Ersatz!), ist zwar die Sozialisation überwiegend gesichert, aber das Fehlen der mütterlichen Wärme, Fürsorge und Geborgenheit hinterlässt eine Lücke, die sich in der Weiterzucht aufbauen kann wie eine Welle zum Tsunami. Kann, sofern das Jungtier später auf ähnliche Verhältnisse trifft. Und das ist ja leicht möglich, wenn wir beim Einkaufen auf die Schönheit und die Gesundheit mehr achten als auf charakterlichen „Kleinkram“ ... Daher zum Abschluss noch ein Wörtchen über

 

 

ZÜCHTERTUGENDEN

 

Als da wären Herzensbildung, moralische Verantwortung, Einfühlungsvermögen, Geduld, Geduld, Geduld, theoretische Kenntnisse ... Kritikfähigkeit von der Sorte Selbsterkenntnis und eine gewisse Leidenschaft, ohne Ziele zu sehr hochzuschrauben, damit sie nicht in Manie ausarten. Bisschen Kohle auf der hohen Kante wär’ auch nicht übel, gewinnorientiertes Züchten ist keine Tugend und nicht alles ist umsetzbar, ohne dass selbst die gesündesten Katzen Einbußen in ihrer Lebensqualität hinnehmen müssen.

Aber die schlichtweg optimalste Haltung überhaupt ist des Pudels Kern, weil nur glückliche und gut sozialisierte Katzen ebensolche Kinder haben und ihre neuen Besitzer gleichfalls glücklich machen. Und bei sorgfältiger Planung werden dann auch noch alle so schön, dass es gar nicht mehr auszuhalten ist. Grandiose Option, oder?

Und eine Visitenkarte, wie sie sich ein Züchter besser gar nicht wünschen kann. In diesem Sinne: viel Erfolg und viel Spaß!

 

 

 

 

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