Exquisite Pralinen im Abendkleid - Perser chocolate/lilac

 

EXQUISITE PRALINEN IM ABENDKLEID

 

Perser chocolate & lilac

 

 

Zartbitter, dunkler Nougat, heller Nougat, feinherb, auf Eis, marmoriert, mit Pünktchen wie Streusel ... wem läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen? Milchschokolade gibt’s in Verbindung mit Katzen freilich nur in anderen Genkombinationen, denn die Verdünnung von chocolate = lilac ist eher einem verblassenden Veilchen vergleichbar. Dafür halten die Fellpralinen länger und man kann sie streicheln, da schmelzen auch gleich die Herzen und der Slogan „Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“, gewinnt eine ganz neue Bedeutung ...

 

 

LUST AUF SCHOKOLADE?

 

Kennen Sie Forrest Gump? „Das Leben ist wie ein Schachtel Pralinen“, zitiert da Tom Hanks seine Filmmutter, „man weiß nie, was man kriegt“. Das lässt sich ziemlich nahtlos auf die Zucht von Chocolates übertragen, denn so gut wie jeder Züchter arbeitet mit Trägertieren und weiß oft auch nicht, was im Wurfkorb liegen wird. Innerhalb gewisser Grenzen natürlich, sozusagen je nach Glasur und Füllung der Elterntiere. Daher ist die Lust auf Schokolade einer Liebe mit zartbitterer Note vergleichbar – umso süßer freilich, wenn beim Auspacken eine erhoffte Praline nach der anderen zum Vorschein kommt. Oder auch keine, weil das Schicksal aus einer Laune heraus anders entscheiden hat. Und natürlich auch, wenn eine Trägerkatze mit einem Nichtträger Hochzeit hielt ...

Also lassen Sie uns in der Pralinenschachtel kramen und damit beginnen, wie das Chocolate überhaupt in die Perserkatze kam.

 

 

UND ES BEGAB SICH ...

 

dass, weil in England offenbar besonders viele interessante Straßenkatzen herumlaufen, Anfang der 1950er eine langhaarige Colourpoint seal gefunden wurde – von Brian Sterling-Webb (Briarry), einem der umtriebigsten Züchter Großbritanniens, der auch Freunden von Britisch Kurzhaar und Cornish Rex ein Begriff sein wird. Da er sich bereits seit 1947 mit der Pointvariante der Perser beschäftigte, bleibt unklar, warum ihm gerade die Bubastis Georgina genannte Streunerin das Chocolate schmackhaft gemacht haben sollte, aber Historiker sind sich ja häufig nicht einig. So ist auch nicht ganz heraus, welche Kurzhaar den Persern tatsächlich das Schokoladebraun geschenkt haben - und das hier auseinander zu klamüsern hätte vermutlich dieselbe Wirkung wie eine Schlaftablette. Also bleiben wir dabei, dass die historischen Spender-Siamesen wirklich Chocolatepoint und keine Missinterpretation der Rassenummer 29 gewesen sind - unter welcher der britische GCCF bis heute die Havana (einfärbig braune Orientalkatzen) registriert. Und die in etwa parallel kultiviert wurden (davon ein andermal). Ein solcher war jedenfalls der Vater des legendären ersten Chocolate (self) Langhaar in England: Briarry Bruno, geboren 1960. Oder 1957, je nachdem, welchem Chronisten man glaubt, die zudem aus seiner Mutter mal eine nicht näher bestimmte Kurzhaar, mal eine reife Perserdame machen.

Auch dass Brian für sein Zuchtprogramm nur die besten Perserkatzen heranzog, die er finden konnte, muss in Relation gesehen werden. Natürlich gab es Unterschiede, aber hätte man eine Perserkatze damals ihres Pelzes beraubt, wäre sie doch ziemlich orientalisch dahergekommen. Weshalb Briarry Gohar (sealpoint, *1953 aus Georgina mal schwarzem Perser, der Pointträger gewesen sein muss) heute grade mal als mittelmäßiger Birmatyp durchginge.

 

 

BITTERSCHOKOLADE

 

Denn langes Haar allein macht aus einer Katze bei weitem noch keine Perser. Dazu kommt, dass das Gen für Langhaar rezessiv ist und beide Eltern es zeigen oder im Erbgut verankert haben müssen, andernfalls es nur kurzhaarigen Nachwuchs gibt – wie eben bei Verpaarungen mit Siamesen oder Havana oder anderen Kurzhaar (sofern reinerbig). Damit nicht genug, wird auch Chocolate rezessiv vererbt und nur sichtbar, wenn beide Eltern es zeigen oder tragen. Oder auch nicht, rezessive Gene sind sozusagen ein schwer berechenbares Völkchen.

Sehr wohl berechenbar ist hingegen, das sei hier aus guten Grund erwähnt, wenn es um die Vollfarbe geht: Wer zwei Lilacs miteinander verpaart, darf keine Chokis erwarten. Aus „verdünnten“ Eltern kann niemals Nachwuchs in Vollfarbe kommen. Umgekehrt funktioniert das schon, d.h. zwei Chocolates können lilac Nachkommen haben – sofern beide das Gen für Verdünnung tragen (= weil bei rezessiven Genen jeder Elternteil eins beisteuern muss, damit es fallen kann). Gilt übrigens für alle Vollfarben/Verdünnungen ungeachtet der Rasse und wird um einiges komplizierter, wenn andere Merkmale/Farben mitspielen – so können aus zwei Blauen z.B. Lilacs fallen, aus zwei Lilacs aber keine Blauen ... Daher: Genetik-Kurzcrashkurs beendet.

Zusammen mit der Verbesserung von Typ und Körperbau hatte Brian demnach an mehreren Fronten zu kämpfen – aber er war nicht allein, sondern wurde tatkräftig unterstützt von Mrs. S.M. Harding (Mingchou), die für die ersten Lilac-Langhaar verantwortlich zeichnete und mit einer Tochter von Briarry Bruno, Mingchiu Lilak, die erste Lilac mit Points züchtete: Mingchiu Sulafour. Die Anerkennung der Perser Colourpoint 1955 hat Brian noch erlebt, die der einfärbigen wohl nicht. Mrs. Harding setzte indes nach seinem Tod seine Arbeit fort und war zwei Jahrzehnte lang besonders aktiv.

Beide Pioniere dürften einen regen Erfahrungsaustausch mit Holland gepflegt haben, wo sich Regina van Wessem (Siyah Gush) etwa ab 1960 mit den Chocolate-Persern zu beschäftigen begann. Offenkundig angeregt durch den schon fast klassischen Unglücksfall Perser mal Siam, schaffte sie zudem mittels US-Katzen eine kontinuierliche Typverbesserung. So hatten ihre Pralinen diesbezüglich einen Vorsprung, waren in der Farbe jedoch deutlich dunkler als die britischen. Nichtsdestotrotz hinterließ sie ihrer Nachfolgerin eine ansehnliche Basis zur erfolgreichen Weiterzucht, deren bekanntester Vertreter, Willem van Hoog Moersbergen, alle drei Pionierlinien in seinem Stammbaum vereinte.

 

 

DELIZIÖS VEREDELT

 

Auch die amerikanischen Schokostückchen gründen darauf, denn bereits 1963 reiste Briarry Mould nach Übersee, gefolgt von vier Mingchiou’s und Anfang der 1970er einiger Siyah Gush. Das Interesse war beachtlich, aufgrund der vergleichsweise wenigen Basistiere (selbst relativ eng miteinander verwandt) Inzucht indes an der Tagesordnung. Außerdem ließ deren Typ für den US-Geschmack zu wünschen übrig - und eine neue Ära begann. Einige Züchter schufen über Solids (teils mit Weiß) eine breitere Basis, andere über Colourpoint. Speerspitzen waren Catterys wie Jolee, Ha-Lee, Degentilly oder Kissncats, allen voran jedoch zwei Legenden: Janet Tyra (Tyland) und Toni Renzacci (Cactusway), die weltweit für ihre Cocholate/Lilac berühmt war/ist und die Zucht dieser Farben geprägt hat wie vermutlich niemand vor oder nach ihr. Toni gab vor ihrem Tod ihre wichtigsten Katzen an ausgewählte Züchter, eine davon war Lorraine Shelton (Featherland), die bereits 1987 von ihrer Mentorin mit Cactusway’s Anderil Elevenflame ihre erste Katze bekam und mit GRC Cactusway Chocolate Memories die letzte Showkatze, die Toni gezüchtet hat. Lorraine hat sich 17 Jahre lang den Chocolates in verschiedenen Variationen gewidmet und mit GRC Featherland Weird Science den ersten Grand Champion in der Perser choc/lilac Tabby-Division der CFA gezüchtet. Deren im Jahr 2000 geborenen Papa nannte sie interessanterweise übrigens Featherland Why Did U Say Burma? ...

Keine falschen Schlussfolgerungen bitte, denn Lorraines „Lieblingsfarbe“ ist (wie der Sprössling recht eindrucksvoll beweist) Typ.

Worauf wir nach Europa heimkehren und auch ein bisschen die Uhr zurückdrehen.

 

 

SWEET DREAMS

 

Da waren die Pralinen nämlich derweil in den Dornröschenschlaf gesunken und mussten knapp vor 1980 erst wieder wachgeküsst werden. Als erfolgreichste „Prinzen“ gelten Angelika Weber (Baarlam’s Haide) und Ingeborg Lohny (von der Philippsburg). Letztere hatte den ersten Lilac/Chocolate Wurf im DEKZV und bemühte sich zudem um Anerkennung dieser Farben durch die FIFe - erteilt 1981 für die Einfärbigen inklusive Schildpatt. Ab dem Folgejahr wurde der Kleiderschrank erweitert um die analog der bisher bei den Perserkatzen erlaubten Spielarten wie Tabby, mit Silber oder mit Weiß.

Zu dieser Zeit kam Holland neuerlich „ins Gerede“, wo Gertrud van der Jagdt (Legerepi) ein gutes Händchen bewies, britische und amerikanische Linien famos zu vereinen und mittels Rückverpaarungen die besten Merkmale zu konsolidieren. Spätestens als Dagmar Fonger (Geshoron’s) mit GIC Legerepi Sueno (*1984) einen Aufreger par excellence erwarb, der im Durchmarsch Titel und Nominierungen hamsterte, brach das Legerepi-Fieber aus. Für die Zucht dieser Farben zweifellos ein Meilenstein, war der Look ebenso prägend wie der besonders für die damalige Zeit exzellente Typ, wie ihn beispielsweise EC/GIP Chocolate Maradonna Legerepi (choc gestromt) zeigte. Auch FIFe Richterin Gerda Marie Busch-Hoffmann (Painter’s), die eng mit Dagmar Fonger zusammenarbeitete, veredelte ihre Bonbons mit Legerepi „Süßstoff“. Auf beide Damen gehen etliche erfolgreiche Katzen zurück und sie gehören daher zum Fundament der deutschen Chocolategeschichte.

Ein Fundament, das heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist, nicht zuletzt weil ab den 1990ern viele gute Perserkatzen (unterschiedlicher Farben) aus den USA geholt und für die Zucht von Trägertieren herangezogen wurden. Und werden. Denn der Grundtenor aller exzellenten Züchter lautet noch immer: Outcross, Outcross, Outcross ... Freilich gibt’s auch Kleingedrucktes zu beachten, wofür ich wieder einen Slogan bemühen möchte, der da lautet: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Heißt: Der Vorsprung, den Amerika aufgrund unseres Dornröschenschlafs hatte, dürfte zwar aufgeholt sein, aber exquisite Pralinen bleiben Köstlichkeiten - von Meistern ihres Fachs in kleinen Dosen angeboten ...

Wie zum Beispiel von meinem Interviewpartner, der sicher vielen Züchterkollegen aus der Seele spricht und auch Interessierten etwas zu sagen hat:

 

 

 

 

CHOCOLATE IST ETWAS FÜR WIRKLICHE LIEBHABER

Interview mit Axel B. Fiedler, Cattery „Maryhill“, www.maryhill.de

 

 

Herr Fiedler, erinnern Sie sich noch an Painter’s Daydreamer?

Axel B. Fiedler: Ja selbstverständlich erinnere ich mich an ihn! Ein sehr schöner Kater! Wir waren zu der Zeit mit unserem ersten Zuchtpaar, der chocolate Kätzin IC Geshoron’s Patricia und ihrem blue-smoke Halbbruder IC Geshoron’s Ruben häufig auf Ausstellungen unterwegs. Painter’s Daydreamer kam aus den gleichen Linien und ging ebenfalls auf den damals hervorragenden chocolate Kater GIC Sueno Legerepi zurück. Die Attrativitätswelle der Chocolates begann gegen Ende der 80er Jahre und wurde von Catterys wie Geshoron’s, Painter’s und last not least Legerepi geprägt. Man kannte sich von Ausstellungen und man kann beinahe sagen, dass die Familie der Chocolates recht gut zusammengehalten hatte. Es gab ja noch kein Internet und somit war ein ganz anderer Zusammenhalt gefragt, bei dem sich auch viele Freundschaften entwickelt haben! Wenn man an Painter’s Daydreamer denkt, dann darf man aber keinesfalls Katzen vergessen wie Choc-Chocarrero Legerepi (choc), Choc-Maradonna Legerepi (choc-tabby) oder Geshoron’s Urian (lilac), um nur einige zu nennen.

 

Dank deutscher Bemühungen sind die PER choc/lilac 1981/82 von der FIFe anerkannt worden. Wie es scheint, haben sich die Lilacs seither deutlich besser durchgesetzt als die Pralinen – ist Chocolate weniger attraktiv?

Den Eindruck habe ich ehrlich gesagt nicht. Bei den Britisch Kurzhaar muss ich Ihnen allerdings Recht geben. Da sind die Lilacs deutlich in der Überzahl und meines Erachtens auch durchgezüchteter als die Chocolates. Wahrscheinlich liegt das an der Zuchtbasis mit Blauen beziehungsweise Creme, denn so wirklich häufig sind Briten in den unverdünnten Farben nicht gerade. Vielleicht wegen der Möglichkeit, schwarze Kitten - und das auch noch in „Liebhaberqualität“ - zu bekommen. Das Interesse seitens der Liebhaber dürfte sich bei einem schwarzen und eventuell etwas zu leicht gebauten Briten doch eher in Grenzen halten. Aber wie gesagt, bei den Persern habe ich den Eindruck nicht. Da sind es eher die verdünnten Farben (zumindest bei den zahlenmäßig ohnehin schwindenden Solids), die etwas ins Hintertreffen geraten sind.

 

Sie waren ja schon als Junge von Smokes in Schwarz und Chocolate fasziniert und sind á la „der Weg ist das Ziel“ nie wirklich davon abgewichen – was hat Sie so unbeirrbar daran festhalten lassen?

Vielleicht liegt es daran, dass ich denke, selbst eine eigenständige Persönlichkeit zu haben und mich nicht über meine Katzen und Showerfolge definieren muss. Deshalb kann ich meinen Weg gehen und an dem arbeiten, was ich für richtig halte. Auch habe ich mich nie von irgendwelchen Modeerscheinungen in der Katzenszene beeinträchtigen lassen. Ich kann mich gut erinnern, wie auf einmal jeder mit Tabby, dann mit Silber-Tabby und schließlich mit Bicolour (die sich bereits erstaunlich lange halten) angefangen hat und das, was bis dahin wichtig war, auf einmal unbedeutend wurde. Mir klingt noch immer das Zauberwort „Zuchtumstellung“ in den Ohren.

Kommt dann noch die Weisheit des Alters (?) dazu, dann sieht man den ganzen Showzirkus mit etwas anderen Augen. Ich möchte natürlich niemandem zu nahe treten, jeder hat seine eigenen Gründe für sein Handeln, aber manchmal denkt man sich eben seinen Teil. In den ganzen Jahren habe ich schon viele mit Zucht und Ausstellung beginnen sehen und möchte ironischerweise sagen, dass noch mehr wieder aufgehört haben. Wer gleich mit fünf Kätzinnen und zwei Katern beginnt, dem kann kein langes Züchterleben beschieden sein. Schon nach wenigen Jahren ersticken sie dann in Katzen und die ganze Sache wächst über den Kopf. Klein anfangen und sich dann im Rahmen der Möglichkeiten, räumlich wie zeitlich und natürlich auch finanziell, zu entwickeln, ist mein Ratschlag an Zuchtanfänger. Und niemals vergessen, dass man auch Vertrauen in die eigene Linie haben muss. Nicht jedes Tier, das man in der Zucht hat, muss auch ein Showüberflieger sein. Steckt was Vernünftiges im Stammbaum, dann kommt das auch wieder, selbst wenn die Nase halt mal etwas länger geworden ist.

 

Von 1989 bis 1995 hatten Sie auch die Leitung der (zeitweilig ein bisschen kränkelnden?) Interessengemeinschaft Choc/Lilac im DEKZV inne - wissen Sie noch, wie viele Mitglieder es damals gab? Und was aus der IG geworden ist?

Wenn ich mich richtig erinnere, dann waren es Anfang der 90er Jahre an die 40 Mitglieder. Leider scheint sich die IG aufgelöst zu haben. Na ja, ob sie gekränkelt hatte, könnte natürlich ein subjektiver Eindruck sein. Aber in diesem Zusammenhang möchte ich nur sagen, dass sich eine IG – wie natürlich auch jeder Verein – nicht in Befindlichkeiten verlieren sollte. Es geht um eine „Sache“, und die gilt es in der jeweiligen Zielsetzung zu erreichen.

 

In einem Artikel von Ihnen stand zu lesen, Chocolate-Smoke wäre eine Farbe für Enthusiasten. Sie züchten sie, sind also einer – aber warum muss man das sein?

Eine gute Frage! Die Variante der Chocolates ist schon an und für sich etwas für wirkliche Liebhaber. Den meisten fehlt der Bezug zu dieser Farbe. In der Form der Chocolate-Smoke wird’s noch etwas spezieller. Ihnen fehlt die dramatische Schönheit einer Black-Smoke mit leuchtenden Augen im vollen Winterfell. Man muss sie einfach mögen und das tut nicht gerade das Gros. Ich bezeichne sie als Farbe für Enthusiasten, weil die Zucht wirklich nicht einfach ist. Es gilt Typ, Körperbau, Augenfarbe, schönes Chocolate und tolle Smoke-Kontraste zu vereinen. Bei so vielen Komponenten ist es schwierig, eine ausgeglichene Summe hinzubekommen. Eine sehr gute Kätzin in dieser Farbe ist meine Maryhill Indirah, nur könnte ihr Kontrast noch besser sein. Eine Tochter von ihr, Maryhill Prada Design, ist in dieser Hinsicht deutlich besser, nur ist sie eben nicht Choc-, sondern Black-Smoke. Aber abwarten: neuer Wurf, neues Glück?

 

Insgesamt beschäftigt sich heute, sagen wir mal, eine angemessene Zahl von Züchtern mit dieser Farbe, und eigentlich arbeiten alle mit Trägertieren, wie Sie auch – wieso? Was ist so übel an Chocolate mal Chocolate?

In der Chocolateszene haben zwei Catterys Geschichte geschrieben: In den USA „Cactusway“ und in den Niederlanden „Legerepi“. Wer sich deren Stammbäume betrachtet, wird feststellen, dass sich ihr Erfolg auf der Arbeit mit Trägern begründet. An Chocolate mal Chocolate ist mittlerweile nichts schlimmes mehr. Gehen wir mal 20 Jahre zurück: Da wurde gerade in Holland eingekauft, was das Zeug hält. Immer in der Farbe und auch noch in der gleichen Linie zu verpaaren bringt aber nur kurzfristigen Erfolg, es werden nämlich auch die weniger guten Eigenschaften gefestigt. Auch wenn die Katzen sehr gut waren, so war immer noch einiges zu verbessern. Zumal die Linie auf nur wenige Ausgangskatzen zurückging und eh schon alles relativ eng verwandt war – das dann noch in den Folgegenerationen wiederum miteinander zu verpaaren, kann nicht wirklich empfehlenswert sein. Eine Verbesserung geht eben nur über den Weg, erfolgreiche Linien in anderen Farben einzukreuzen, die daraus fallenden Träger werden dann am besten wieder untereinander verpaart. Wenn dann ein Kitten in Chocolate oder Lilac fällt, dann sollte das wiederum in einem Outcrossprogramm verwendet werden. Die Zucht über Träger bedeutet immer drei Schritte vor und zwei zurück. Aber nur auf diesem Weg kann der gesamte Typ auch wirklich konstant verbessert werden. Dann spricht auch mal nichts gegen eine Verpaarung Choc mal Choc, nur der Background muss schon entsprechend vorbereitet sein. Glücklicherweise ist ja seit einigen Jahren der Gentest erhältlich, so dass niemand mehr gezwungen ist ein Jungtier zu behalten und dann erst bei Zuchteinsatz feststellen muss, dass es doch kein Träger war.

Ich erinnere mich noch gut an das Zuchtgespann Fonger und Busch-Hoffmann: Frau Busch-Hoffmann hatte fröhlich Träger mit Nichtträger verpaart und die Nachkommen aus solchen Verpaarungen locker flockig mit Trägern oder Katzen, die nicht mal nachweislich Träger waren verpaart. Was hatte sie bekommen? Einen Wurf mit vier Chocs und einem Lilac. Frau Fonger hatte brav nachweisliche Träger miteinander verpaart und der Kommentar in der Szene gegen Ende der 1980er war: „Frau Fonger züchtet jetzt Schwarz und Blau“ – kein einziges Choc/Lilac bei mehreren Würfen!

 

Eine US-Züchterin riet, niemals mit Chocolate zu beginnen, weil Zuchterfahrung und genetisches Wissen einen unschätzbaren Vorsprung geben. Sie haben selbst ein paar Umwege gemacht – hat das in diesem Sinne genützt?

Sagen wir mal so: Wer mit Chocolates beginnt, der sollte wissen wie die Genetik funktioniert! Ich selbst habe ja auch gleich mit dieser Farbe begonnen, allerdings bereits im Vorfeld so viel an Information und Wissen gesammelt, dass ich nicht mehr blauäugig an die Sache heranging. Unheimlich viel hatte mir auch meine intensive Stewardtätigkeit gebracht. Damals war ja der Steward beim Richten derjenige, der die Katze hält. Dabei haben sich meist tolle Gespräche mit dem Richter ergeben und ich konnte unheimlich viel lernen! Auch hatte ich sehr gute Lehrmeister! Zum einen waren dies Dagmar Fonger und Gerda-Marie Busch-Hoffmann für die Chocolates und dann Rosemarie und Norbert Böttger (von Gunayel), die mir die Zucht auf Typ näher gebracht haben.

Eine wahrlich gesegnete Verpaarung war die Kombination meiner schwarzen Kätzin Easy-Bee von Gunayel, DM mit dem Choc-point Kater GC&GIC Tyland On The Road Again. Hiervon gingen 1994/95 insgesamt fünf Nachkommen in die Zucht, unter anderem nach Österreich in die Cattery „of Little Cloud“ von Lucia und Ludwig Leyrer. Die Tiere waren auch auf Ausstellungen sehr erfolgreich und konnten sich gut gegen andere Schwarze und Blaue durchsetzen! Man bedenke, dass es Chocolate-Träger waren! Ihre Nachzuchten waren sowohl in Chocolate/Lilac als auch in Colourpoint einfach ein Traum! Von Familie Leyrer habe ich wieder zwei Kätzinnen zurückgenommen: Honey-Moon of little Cloud (schildpatt) und Carmencita of Little Cloud (choc-schildpatt), die Mutter von Indirah. Man sieht, der Umweg hatte sich gelohnt.

 

Nun ist das Chocolate bei vielen Katzen oft noch sehr dunkel und wirkt dadurch kalt & unattraktiv – woran liegt das?

Die Farbintensität wird über Polygene gesteuert. Vereinfacht kann man es so ausdrücken: Tiefschwarze, dunkle Chocolate oder feurig Rote sind vergleichbar, sie haben sehr viele dieser Polygene. Im Gegensatz dazu stehen zum Beispiel die ganz hellen Blauen oder Creme mit relativ wenigen dieser Polygene. Schwarze mit einem hellen Schwarz oder fahle Rote haben ebenfalls nur wenige dieser Polygene. Folglich ist die logische Konsequenz, dass man für die Chocolates eben superhelle Blaue einsetzen sollte. Leider führt dies aber auch dazu, dass die resultierenden Schwarzen dann wiederum keine gute Farbe haben. Hilfreich wäre natürlich die Verpaarung von Choc mal Choc, hier sind die Möglichkeiten zur Selektion besser – wenn dann nicht das leidige Thema „Typ bekommen und erhalten“ wäre. Es ist besonders das Thema der Zucht auf Farbe, das in der Vergangenheit leider stark vernachlässigt wurde. Wichtiger, erscheint mir manchmal, ist die Zucht auf Pokale.

 

Braun-Serie, anderer Farbton, gleiches Problem: Cinnamon. Die Farbe geistert ja schon seit Jahrzehnten durch die Katzenszene, ist bislang bei den Persern aber noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen – könnte das an der Schwierigkeit liegen, Cin/Fawn von Choc/Lilac deutlicher voneinander abzugrenzen?

Cinnamon ist mit Sicherheit eine sehr interessante Variante. Für die Perser würde das ein ähnliches Programm bedeuten, wie die Zucht der Chocolates vor 30 Jahren. Es würde gelten, die Farbe mit dem Persertyp zu vereinen. Ein oder zwei Züchter alleine können das aber nicht bewerkstelligen, für ein solches Zuchtprogramm wären zu viele Katzen notwendig. Und wohin mit den ganzen Liebhabertieren, die dabei automatisch fallen? Die Sache mit der Zucht auf Farbe (siehe oben) gilt für Cinnamon und Fawn natürlich ebenso. Tja, und für den Liebhaber sind unterm Strich eh fast alle Katzen „grau“.

 

Stimmt es, dass die kleinen Pralinen gerade im abgabefähigen Alter eher hässliche Entlein sind und es zum schönen Schwan ein bis zwei Jahre dauert? Wenn ja, wieso?

Dieses Phänomen kenne ich aus der Zeit, als wir hauptsächlich schwarze Kitten hatten. Irgendwann fangen sie an und werden mehr oder weniger grau. Im Alter von drei Monaten haben so gut wie alle einen hellen Kragen und helle Seiten. Unkundige (und das haben auch schon Richter zum Besten gegeben) sagen dann, das wäre Smoke. Über dem Kopf, Nacken und Rücken beginnt dann das Fell allmählich durchzufärben. Spätestens mit dem zweiten Erwachsenenwinterfell ist die Farbe dann vollständig ausgebildet. Diese Farbentwicklung machen auch die Chocolates durch, nur sieht die Vermischung von Braun mit Grau alles andere als attraktiv aus. Bei ihnen kommt noch hinzu, dass sie manchmal zu Geisterzeichnung neigen. In Kombination damit, dass sich der Typ bei einem Kitten mit drei Monaten meist erst mal verabschiedet hat, die Nase nach vorne zeigt und Ohren auf dem Kopf sitzen, die bereits zwei Jahre alt sind, kann schon mal der Eindruck eines hässlichen Entleins entstehen. Mein Rat: Augen zu und durch, was mal da war kommt auch wieder.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 1991 meine choc-smoke Kätzin Chanel No. 1 von Bel Caprice als Jungtier präsentiert hatte. Eine gute Freundin meinte mit leicht nach oben gezogenen Augenbrauen: „DAS ist die Farbe, die du immer wolltest? Sie sieht eher aus wie ein alter gebrauchter Putzlappen!“

 

Wie uncharmant! Nun, Maryhill ist seit 1987 registriert – wenn Sie zurückblicken, sind Sie zufrieden? Gab/gibt es besondere Highlights, Rückschläge?

Rückschläge gibt es immer in der Zucht. Nach über 20 Jahren dürfte man (leider) so ziemlich alles erlebt haben. Das geht schon mal damit los, dass wir einige Mädels hatten, die nicht aufgenommen haben, ebenso wie einen sterilen Kater (leider war sein Vater schon kastriert). Würde man jede durchwachte und mit Sorgen geplagte Nacht anrechnen, so wäre das Konto übervoll. Aber wenn nach einer Pechsträhne ein Wurf Babys in der Kiste liegt und alles glatt läuft, geht einfach die Sonne im Herzen auf. Und wenn man ein Sorgenkind hat, das winzig auf die Welt kam, mit der Flasche großgezogen wurde und es geschafft hat, dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat. Auf jeden Fall kann ich rückblickend sagen, dass die Chocolates einen Status erreicht haben, von dem man vor 30 Jahren nur hatte träumen können. Herzlichen Dank an alle Beteiligten auf der ganzen Welt!

 

Und was wäre Ihr ganz persönlicher Züchtertraum?

Vor vielen Jahren hatte ich das Glück, bei einer befreundeten Züchterin einen Kater in Lilac-smoke sehen zu dürfen – das wäre ein Ziel, das ich einmal unheimlich gerne erreichen würde. Diese Farbe mit einem Typ, wie ich ihn bei meinen Schwarzen hatte. Jetzt mache ich aber primär erst mal mit Chocolate-Smoke weiter, irgendwann wird auch was in Verdünnung fallen. Frei nach Rüdiger Hoffmann: „Ich bin noch jung, ich kann warten“.

Wünschenswert wäre mir eigentlich, dass es den Persern allgemein gelingen wird, wieder den Status auf Ausstellungen zu erreichen, wie sie ihn früher hatten: Wieder einmal allein 20 Schwarze zu sehen, und eine schöner als die andere ...

 

 

 

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