Klein und gemein: Zecken - was schützt?

 

KLEIN UND GEMEIN

 

ZECKEN

 

 

WAS SCHÜTZT?

 

Kurz und bündig vorweggenommen: Ein scharfes Auge und davon abgesehen ausschließlich Chemie. Alles andere ist absolut wirkungslos und die Vampire würden sich höchstens totlachen, wenn sie das könnten. Oder fühlen sich bedroht und wenn sie infiziert sind, wird’s richtig grimmig!

Und weil’s scheinbar nicht auszurotten ist: Beim Ablösen von der Haut bitte niemals drehen – Zecken haben kein Gewinde ...

Aber Ihre Mieze darf sowieso nicht ins Freie?

 

 

SAG NIEMALS NIE

 

Und Sie haben auch weder Hund noch Garten, wandern maximal ins Büro und zum Shoppingcenter, aber niemals ins Grüne? Kriegen keinen Besuch von Naturfreunden oder Hunde- bzw. Gartenbesitzern, schrubben Gemüse und Salat stets so penibel wie der Chirurg seine Hände vor der Operation, besuchen nie Ausstellungen mit tierischen Hauptdarstellern, reisen im Urlaub nur in Städte oder fahren ans Meer, ohne jeglichem Gewächs in der Nähe? Auch Terrasse oder Balkon sind für Nachbarskatzen nicht erreichbar? Ja, dann haben Sie wirklich die besten Voraussetzungen, niemals einer Zecke zu begegnen. Mal abgesehen von diesen total blöden Zufällen ...

Natürlich klammern sich Zecken nicht hinterlistig an die Gitterstäbe eines Showkäfigs oder springen in der Gemüseabteilung Kaufwillige an. Springen ist nicht ihr Ding, dafür sind sie nicht ausgestattet. Aber vielleicht schätzen Sie sommers schöne Parks oder Gastgärten und erfreuen sich nicht nur an einer feinen Erfrischung, sondern auch der schattig kühlen Nähe eines, sagen wir mal, prachtvoll blühenden Ginsterstrauchs? Und schon könnten Sie als Taxi fungieren ... das wäre allerdings nur eine der „zufälligen“ Möglichkeiten ...

Ja nun, ich will jetzt weder den Teufel an die Wand malen noch die Pferde scheu machen - die Chancen, einer Zecke zu begegnen, sind für reine Sofatiger, die bei überzeugten Stadtbewohnern ohne Bedürfnis nach Weekend-Feeling in grüner Idylle hausen, eher gering. Und die Chancen, sich einen infizierten Blutsauger einzuhandeln, noch geringer. Sag trotzdem niemals nie, denn

 

 

WER LEBT SCHON UNTER EINER GLASGLOCKE?

 

Die Zecken sind nämlich im Vormarsch, nicht zuletzt durch das permanente Einschleppen aus Urlaubsländern (Zeckenparadiese sind die Mittelmeerländer, Indien, Sri Lanka, Pakistan, Afrika und sogar die USA, auch die östlichen Nachbarn) wobei die Biester zwar vorwiegend per Hund immigrieren, indes auch häufig im trauten Heim aus dem Koffer klettern. Wer einen Skorpion übersieht, wird eine Zecke noch weniger bemerken. Immerhin gibt es mittlerweile einige Arten, die auf diese Weise ins Land gekommen sind (oder sich grad anschicken, dieses zu tun) und sich bei uns schon seit längerer Zeit ausgesprochen heimisch fühlen. Und, als hätten wir nicht schon genug „eigenes“ Kroppzeug, sowohl uns als auch unseren Katzen gefährlich werden können. Dumm ist zudem, dass sie ohne Aufkleber herumlaufen und wir nicht wissen, ob sie einfach nur ekelig sind oder auch Unheil droht.

Aber, Halleluja, nicht alle Zecken sind mit Erregern infiziert. Nach österreichischem Vorbild gibt es mittlerweile auch in Deutschland eine Zecken-Hotline (www.zecken.at bzw. www.zecken.de), wo verseuchte Gegenden abgefragt werden können – das sollte aber kein Grund sein, die kleinen Blutsauger auf die leichte Schulter zu nehmen, denn die Ausbreitung ähnelt allmählich einem Flächenbrand ... Abgesehen davon verletzt jeder Biss die Oberfläche der Haut und wirkt auf Bakterien oder Pilzsporen wie eine Einladung. Wenn’s übel kommt, könnten Sekundärinfektionen folgen bis hin zu tiefen, schmerzhaften Wunden. Sogar eine Zeckenstichallergie durch das Speicheldrüsensekret mit Geschwürbildung und/oder Absterben von Gewebeteilen ist möglich. Also liegt das Heil in der

 

 

VORSORGE

 

Zecken zählen wie die sehr viel kleineren Milben zu den Spinnentieren und haben entgegen diesen den Vorzug, dass wir sie mit freiem Auge erkennen und daher wesentlich leichter bekämpfen können – sofern wir es nicht mit einem ihrer Entwicklungsstadien zu tun haben: Nymphen und Larven sind schwieriger auszumachen, nichtsdestotrotz aber genauso hungrig. Weshalb das Wesentliche an der Zeckenbekämpfung eben die Prophylaxe ist! Das heißt in erster Linie: Entlassen Sie niemals eine diesbezüglich ungeschützte Katze in die freie Natur – auch nicht in den Garten oder ins Gehege, und sei es noch so klein.

Die meisten Produkte wirken praktischerweise sowohl gegen Zecken als auch Flöhe. Allerdings gibt es teils gravierende Unterschiede hinsichtlich der Wirksamkeit, etlichen scheint überhaupt jeglicher Nutzen zu fehlen. Soll heißen: Auch wenn Sie ein strikter Chemie-Gegner sind, müssen Sie diesmal eine Ausnahme machen, denn ohne geht hier leider gar nichts. Also bitte Hände weg von Halsbändern oder Sprays etc. auf „natürlicher“ Basis, ebenso von Teebaumöl, das zudem hochgiftig ist. Für die Katze, nicht den Blutsauger.

Aus langjähriger Erfahrung kann ich nur eines empfehlen: Vertrauen Sie den Arzneimittelriesen, wenn Ihnen an sinnvollen Ergebnissen gelegen ist. Die wichtigsten Hersteller samt Präparate sind in einer Auflistung extra zusammengestellt: Klicken Sie im Themenbereich „Gesundheit“ auf Parasitenbekämpfung, Wirkstoffe und Hersteller.

 

 DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK – WAS SCHÜTZT?

 

Oder lassen Sie sich vom Tierarzt bzw. einem kundigen Apotheker beraten, aber werkeln Sie nie ohne genaue Beachtung der Gebrauchsanweisung. Denn alles, was direkt auf die Katze aufgebracht wird – das gilt noch viel mehr für jedwede Geheimrezeptur, falls Sie meinen Ratschlägen misstrauen – kann bei unsachgemäßer Anwendung zu empfindlichen Reaktionen führen. Wirklich! Möglicherweise kotzt sich Mieze „nur“ die Seele aus dem Leib, kann aber genauso gut mit Vergiftungserscheinungen beim Doc landen.

 

Ø                 Die Applikation mittels Spot On (= Pipette mit einigen Tropfen Flüssigkeit) ist denkbar einfach, richtet sich meist nach dem Körpergewicht (lesen Sie die Gebrauchsinformation/fragen Sie den Doc/Apotheker) und wird im Laufe einer Zeckensaison wiederholt werden müssen. Je nach Region und Zeckendichte reicht einmal im ganz frühen Frühjahr (die Parasiten sind ab plus/minus 5-7 Grad bereits aktiv und nach der Winterruhe besonders aggressiv weil hungrig) und einmal im Spätsommer/Herbst. Haben sie’s immer gemäßigt warm, werden Sie auch im Sommer auffrischen müssen.

Der Inhalt wird direkt auf die Haut im Nacken zwischen den Schulterblättern aufgetropft (Haare ein bisschen scheiteln und darauf achten, diese nicht zu benetzen), weil die Katze da nicht drankommt. Auch wir sollten in den ersten zwei Stunden nach der Applikation die Katze an dieser Stelle nicht berühren, um Kontakt mit Flüssigkeitsresten zu vermeiden. Kinder derweil unbedingt fernhalten. Danach gibt’s keine Bedenken mehr.

ABER beachten Sie bitte: Zecken wandern oft bis zu einigen Stunden auf der Katze herum und können dabei herunterfallen oder abgestreift werden und sonst wo landen. Bevor sie nicht angedockt und vom präparierten Blutcocktail genascht haben, geben sie aber den Löffel nicht ab!! Heißt: Absammeln (siehe ff). Das kann auch hinsichtlich der Leichen notwendig werden, wenn die Zecke zwar stirbt, aber nicht loslässt.

Ø                Sprays und Puder, die je nach Wirkstoff häufiger aufgebracht werden müssen, haben sich gleichfalls gut bewährt – sofern Ihre Katze nicht Fersengeld gibt, wenn Sie mit dem Spray wedeln (immer auf Augen/Nase/Mund achten = Kopf nur von der Nackenseite einsprühen und Gesicht mit der Hand abdecken, bei der Vorderfront Hals strecken und ebenfalls das Gesicht schützen) oder in seltenen Fällen dazu neigt, das Zeug abzulecken. Was ihr genauso wie streichelfreundlichen Kleinkindern nicht gut bekommt.

Vorteil: Kommt der Vampir mit einer derart behandelten Körperstelle in Berührung, segnet er unverzüglich das Zeitliche.

Ø               Ungezieferhalsbänder haben nach meiner Erfahrung die geringste Erfolgsquote aufzuweisen. In der Regel setzt die Wirkung (wie beim Spot On zuvor) erst nach der ersten Blutmahlzeit ein. Oder sollte. Entweder dauert das zu lang oder der Parasit umschifft die Gefahrenregion. Jedenfalls waren die im Halsbereich immer mausetot, während sie auf den Ohren, Schnurrhaarkissen, Kinn, bisweilen an den Beinen und vereinzelt sogar am Hinterteil/Flanken fröhliche Orgien feierten. Und: Nein, ich habe kein fragwürdiges Billig-Irgendwas gekauft ...

Ø               WICHTIG: Niemals in Kombination verwenden, immer nur Spot On oder Halsband oder Spray oder Puder = sonst Vergiftungsgefahr!!

Ø                Gehört zwar nicht so ganz hierher, aber weil wir ja mitunter beides haben: Darf Ihr Hund mit in den Urlaub und es geht nach Süden, sei zur Vorsorge das wasserfeste Protectorband empfohlen, das nicht nur vor Zecken, sondern auch vor der gefährlichen Leishmaniose = ein Erreger, der von Sandmücken übertragen wird, schützt. Tierarzt!!

 

GLÜCKLICH IST ...

 

Wer als Gartenbesitzer oder Stadtflüchtling in flohfreien Gegenden logiert (das gibt’s) und keine Kleinkinder hat, ist am besten beraten mit PUDER: Da eine erwachsene Zecke überwiegend auf niedrigen Gewächsen ihrer Opfer harrt und sich dann fallen bzw. abstreifen lässt - und zwar innerhalb eines Sekundenbruchteils, ist die Kopf-, Hals-, Nackenregion Angriffsziel Nummer eins. Das heißt, es reicht aus, diese Stellen zu behandeln. Nun kann man einer Katze nicht einfach den Kopf einstauben, also pappen wir’s auf Finger und Handflächen und massieren es schön ein: Stirn nur im Bereich der Ohren, Nacken, Bäckchen, Hals, Kehle, Lätzchen und bei großen Katzen ein wenig die Brust runter bis zu den Beinen. Das ist wie Verwöhn-Kraulen und lässt sich so gut wie jede schnurrig gefallen – TIPP: Präparieren Sie die vorderen Regionen zuletzt. Das Zeug stinkt und je später die Katze draufkommt, desto besser ...

Je nach Zeckenreichtum und Grünzeug rundum kann es dann (wie bei mir) genügen, im Frühling die Prozedur alle paar Tage/einmal pro Woche zu wiederholen, sommers zu pausieren und im Herbst in größeren Intervallen bis kaum. Alles probiert, keine Kosten und Mühen gescheut – DAS hat’s gebracht. Und sparsam ist’s auch, die Dose geht jetzt ins fünfte Lebensjahr und ist immer noch nicht leer = acht Katzen. Die bei der Fellpflege (auch untereinander) in den ersten beiden Tagen übrigens die Kopfregion ausgespart ließen, danach scheint es nicht mehr gestört zu haben.

Und unsere Wiese wird auch nie so kurz abgebissen, dass sich Zeckenlarven darauf wohl fühlen würden – falls sich jetzt eine Krise anbahnt, weil das Gärtnerauge wohlgefällig auf dem penibel kurz geschorenen Rasen liegt: Freie Rasenflächen sind nicht sehr beliebt (da wird’s den jugendlichen Vampiren schnell zu heiß), sie bleiben lieber in der schattigen Nähe von Sträuchern. Mehr Details siehe Kapitel „Six Feet under“

 

SCHLÜPFRIGE SCHEISSERCHEN

 

Eine Katze von erwachsenen Zecken befreien ist jedenfalls eine vergleichsweise leichte Übung, denn sie haben die Langsamkeit erfunden und trödeln wie erwähnt oft ewig herum, bis sie unters Katzenfell Richtung Gastmahl abtauchen. Somit sind sie leicht auszumachen und abzusammeln, sofern Mieze keine diesbezüglich ungünstige Fellfarbe hat. Bei aller Saumseligkeit haben sie jedoch ein bedauerliches Geschick zum Verschwinden genau in dem Moment, in dem wir sie arretiert zu haben glauben – weil sie aufgrund ihrer Anatomie leicht durch die Finger schlüpfen, wenn Sie diese nicht richtig fest zusammenpressen (was den Biestern übrigens nicht mal Kopfweh beschert). Das Suchspiel könnte sich vom Teppich (Fallenlassen ist ja ihre Spezialität) und nähere Umgebung absuchen bis hin zum kompletten Kleidungswechsel ausdehnen, denn vom Pulloverärmel bis in Ihre Dessous brauchen sie seltsamerweise keineswegs lange. Und: Glauben Sie nicht, Sie könnten sie auf der Haut spüren ...

 

Ø                 Gruselt Sie’s sowieso, sie anzufassen, ist eine Verhaftung mittels Klarsicht-Tesafilm angeraten. Klebt die Zecke gut dran, schlagen Sie das Streifchen um und schließen sie ein. Theoretisch dann ein Fall für die Mülltonne (außer Haus), würde ich trotzdem empfehlen, den Vampir zu betonieren. Wie gesagt: Schlüpfrige Scheißerchen. Und zähe sind sie auch.

 

Bei einer Invasion wird sich bei derlei Detailverliebtheit die Mieze vermutlich längst vom Acker gemacht und unterwegs ein paar verloren haben, weshalb erfahrene Killer mit Fingern absammeln und eine nach der anderen zügig zwischen Fingernagel und harter Unterlage hörbar knacken lassen ... Notfalls spannen Sie eine Tesafilm-Straße und verfahren wie vor. Eile ist ja nicht geboten, wegrennen wird keine.

 

BLUTOPER

 

Bereits angedockte Zecken sind aufzuspüren, indem man vorsichtig mit den Fingern durchs Fell pflügt. Bei Katzen mit längerem oder sehr dichtem Haar zuerst dort, wo’s am kürzesten ist (weil da der Blutsauger weniger Mühe hat), danach Scheitel für Scheitel Mieze „umgraben“... Teilweise oder schon voll gesogene Zecken sind oft auch so gut sichtbar und Letztere lassen sich lässig pflücken, andernfalls

 

Ø                 fummeln Sie bitte nicht lange rum, denn bei Störung presst die Zecke Speichel- und Magensekrete in die Stichstelle – und diese können infiziert sein. **)

Ø                 Teilen Sie sachte das Fell, legen den Blutsauger einigermaßen frei und setzen die Zeckenzange (Tierarzt, Fachhandel) an (mit entsprechend langen Fingernägeln geht’s auch), so dicht an der Katzenhaut wie möglich, hebeln die Zecke mittels leichtem Hin- und Herruckeln senkrecht heraus (noch einmal: nicht drehen) und deponieren sie z.B. zwischen mehreren (!!!) Lagen Küchenpapier (weil das eine fiese, blutige Angelegenheit wird), in einem Plastiktütchen oder z.B. leeren Alu-Futter-Säckchen und hämmern sie sofort platt. Das muss sein!

Denn ins Klo schmeißen dürfen Sie die Biester nicht, sie sind Überlebenskünstler und klettern auch unbeeindruckt mit der Kochwäsche aus der Waschmaschine (alles schon da gewesen).

Ø                 Was Sie auch nicht dürfen ist, den Leib der Zecke beim Aushebeln zu quetschen = a) würden Sie ihr den Kopf abreißen, der muss aber auch raus, b) pumpt sie wie vorerwähnt (möglicherweise infiziertes) Sekret in die Bissstelle – und das tut sie auch, wenn Sie Öl, Nagellackentferner, Benzin oder was auch immer aufträufeln!! Das macht sie höchstens rabiat oder lässt sie unbeeindruckt, töten wird es sie definitiv nicht. Nur die Katze stinkt wie ein Iltis oder fühlt sich besudelt.

Ø                 Bleibt dennoch der Kopf oder ein Stück vom Mundwerkzeug in der Haut zurück: Desinfizieren und abwarten, bis Sie’s mit der Pinzette entfernen können. In der Regel schaut das wie ein rotes Pustelchen aus und kann in den nächsten zwei, drei Tagen sogar ein wenig größer werden, schmerzt und juckt aber nicht.

Wenn Sie Homöopathie praktizieren, werden Sie SILICEA (D6/D12/D30/D200, die Potenz ist sekundär) zuhause haben und geben einige Tage lang täglich zwei (D6/D12) oder eine (D30/D200) Dosis, danach in größeren Abständen. Das Mittel schließt den Fremdkörper ein (sodass sich nichts entzünden kann), der dann sukzessive von den Hautschichten heraus geschoben wird.

**) Jüngeren Forschungen zufolge dauert es zwischen zwei und 24 Stunden, bis Sekrete abgesondert werden. Während eine andere (unbestätigte) Meldung besagt, dieser Zeitraum gelte nicht für infizierte Zecken, die den Erreger sofort ins Blut pumpen würden. Bei mir als Normalverbraucher stellt sich da die Frage, wieso drängen sich die Erreger vor bzw. wer hat die Studie bezahlt. Andererseits enthält der Zeckenspeichel Toxin, das zur lokalen Betäubung dient, damit das Opfer nichts bemerkt, und sinnvollerweise natürlich beim Zubeißen freigesetzt werden muss. Also doch gleich Infektionsgefahr? Jedenfalls können wir das Biest sowieso nicht nach der Uhr fragen, insofern sind Spekulationen relativ müßig.

 

 

HEIMSPIEL

 

Falls Sie ein Pferd haben, eine Voliere im Garten oder eine Vorliebe für Urlaubs-Idylle auf dem Bauernhof, seien auch noch die Indoor lebenden Lederzecken kurz erwähnt: Weil ihre bevorzugten Wirte Tauben/Vögel sind (die sie auch verschleppen), bei eklatantem Mangel aber auch mit anderen Blutspendern vorlieb nehmen. Sie ziehen sich tagsüber in Ritzen zurück und überfallen ihre Wirte nachts im Schlaf, wobei sie gruppenweise losmarschieren und ziemlich weite Strecken mit beachtlichem Tempo zurücklegen. Was einer romantischen Übernachtung im Heuschober einiges an Reiz nehmen dürfte.

Die Rote/Braune Hundezecke lebt und vermehrt sich gleichfalls nur Indoor, schätzt indes eher die Gemütlichkeit einer Wohnung. Sollten Sie fündig werden, kommen Sie um eine ganzheitliche Wartung Ihres Refugiums nicht herum, das heißt, Sie müssen nicht nur die Haustiere versorgen, sondern den gesamten Wohnbereich behandeln  = mittels selbsttätigen Sprüh-Neblern bzw. Akarizid-haltigen Kaltnebeln, und zusätzlich einen Umgebungsspray einsetzen. Alle Details dazu finden Sie unter „Vampiralarm – Flöhe“.

Ich wünsche erfolgreiches Morden!

 

 

Im Prinzip finden Sie im Internet so viele Informationen über Zecken und Arten, dass Sie vermutlich ein Jahr mit Lesen beschäftigt sind. Speziell auf Katzen bezogen bleibt die Flut eher überschaubar, aber ich will Sie nicht weiter plagen. Sollten Sie sowieso bestens im Bilde sein, steigen Sie hier also einfach aus ... 

Andernfalls möchte ich Ihnen zumindest noch den vielseitigsten Serienkiller näher vorstellen und im Anschluss, was sonst so auf uns alle zukommen kann:

 

 

SIX FEET UNDER ...

 

Wenn Katzen Zecken haben, handelt es sich fast immer um den Gemeinen Holzbock, der auf der ganzen Welt zu Hause ist, seltener um die Rote/Braune Hundezecke, die an der globalen Verbreitung sozusagen noch arbeitet. Beide gehören zu den Schildzeckenarten – und versorgen, weil nicht wählerisch, Mensch wie Tier mit einer Reihe unerfreulicher Erreger.

Der Holzbock lebt und vermehrt sich ausschließlich im Freien, vorwiegend im Unterholz von Mischwäldern und Gestrüpp, auf Wiesen nahe am Waldrand bzw. Sträuchern, das heißt in der freien Wildbahn genauso wie in Parks oder Gärten. Und er wählt für jedes Entwicklungsstadium (Larve-Nymphe-Erwachsene) einen jeweils größeren Wirt, z.B. Maus-Katze-Mensch. Oder Katze-Hund-Pferd, was halt so daherkommt.

 

Ø                 Larven und Nymphen sehen aus wie kleine, grünlich-braune Kügelchen und bevorzugen schwach behaarte Körperstellen, sitzen daher hauptsächlich auf den Ohrrändern, Ohrmuscheln, Augenlidern, in der Nähe des Mundes, seltener auf den Lippen, gerne auch in den Zehenzwischenräumen. Lokale Hautreaktionen mit Schwellungen an den Stichstellen können als erste Anzeichen auftreten.

Ø                 Während die Larven knapp über dem Boden auf Gräsern sitzen, wagen sich Nymphen und Erwachsene weiter hinauf und können in luftiger Höhe (bis zu einem Meter, gelegentlich sogar darüber) auf einen Wirt warten.

 

In unseren Breiten theoretisch nur im Frühjahr und Herbst, weil der Holzbock 1. Kälte nicht leiden kann, sie behindert seinen Entwicklungszyklus und untergräbt seine sowieso nicht berauschende Mobilität, und 2. sommerliche Megahitze gleichfalls nicht schätzt. Theoretisch. In der Praxis bringt das wenig, denn bei unseren Wetterverhältnissen können Sie sich den Rest denken.

Tatsächlich nimmt sowohl die Zeckendichte als auch deren Infektionsrate permanent zu, weil das Bakterium von den Zeckenweibchen an die Nachkommenschaft weitergegeben wird. Lediglich in geografisch höher gelegenen Gebieten (in etwa von 1000 Metern aufwärts) gibt es leichte Entwarnung und die Infektionsrate sinkt. Das könnte ja vielleicht etwas mit den Rehen zu tun haben, denn interessanterweise sollen Zecken z.B. Borrelien-frei werden können, wenn Sie bei Rehen (oder auch Amseln, die indes weiter unten leben) andocken. Jedenfalls könnten Sie gefahrlos Ihre Katze mitnehmen, wenn Urlaub auf der Alm angedacht ist (und im Stall keine Lederzecken wohnen ...).

 

Ø                 In tieferen Lagen schaut’s anders aus: Zahlreiche Stiche (selten auch einzelne) in Nähe der Wirbelsäule können sogar zu Lähmungen und Bewegungsstörungen führen, weil wie erwähnt das im Zecken-Speichel enthaltene Toxin zur lokalen Betäubung dient, um den Stich zwecks ungestörter Orgie schmerzfrei zu machen.

Ø                 Hat der Parasit die Katze mit Borrelien infiziert, der das Blut mit Hilfe eines Gerinnungshemmers flüssig hält, kann sie schwer erkranken. Glücklicherweise kam das bisher nur selten vor, aber eine ist schon zuviel – könnte ja unsere sein. Beginnend mit (leider meist erst einige Wochen nach dem Biss) Mattigkeit und Appetitmangel, kann in Folge eine gewisse Berührungsempfindlichkeit beobachtet werden, in weniger gravierenden Fällen vereinzelt Fieberschübe, schmerzende Gelenke und/oder ein generell beeinträchtiges Allgemeinbefinden. Unbehandelt kann das in Arthritis, Arthrose, Nieren- und Herzschäden münden. Hat’s Mieze voll erwischt, kommt es außerdem zu gichtartigen Gelenksbeschwerden und Lähmungen, was durch Befall der Muskel- und Nervenzellen häufig zu Herz- und Hirnschäden führt, auch mit Todesfolge.

Wie gesagt: Selten, aber sag niemals nie. Bei begründetem Verdacht sind wiederholte Blutuntersuchen (mit Bewertung NUR im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild) und rund zwei Wochen lang hoch dosierte Antibiotika nötig. Leider ohne dauerhafte Immunität, d. h. eine Neuinfektion ist jederzeit möglich.

Durch das Fellkleid wird das typische erste Anzeichen = lokale Hautveränderung mit Rötungen oft übersehen, die ersten Anzeichen sollten daher schon ausreichen, den Doc aufzusuchen – unter Hinweis auf festgestellten (oder möglichen) Zeckenbefall.

Borrelien können zwar auch von anderen Insekten (Flöhe, Stechmücken) und sogar Fliegen übertragen werden, aber der Holzbock ist sozusagen der Hauptlieferant. Für Hunde gibt es eine Borreliose-Impfung (sollten Sie unbedingt nützen!), für Katzen und uns noch nicht. Eine Übertragung der Borrelien vom Tier auf den Menschen ist zwar nicht möglich, aber wenn sich der Holzbock an uns vergreift, ist natürlich Gefahr im Verzug (im Bild die für eine Infektion typische „Wanderröte“). Denn die Infektionsrate steigt und steigt und die Warnungen der Mediziner haben mittlerweile Alarm-Status.

FSME indes, die berüchtigte Frühsommer Meningo Enzephalitis, führt bei Menschen zu Gehirnhautentzündung (mit möglicher Todesfolge), ist für unsere Pelztiger aber ungleich weniger riskant, weil sich das Virus in ihnen nicht vermehren kann. Allerdings haben Viren eine unangenehme Vorliebe zum Mutieren, also ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit.

 

 

DER GAR NICHT SO KLEINE HORRORLADEN

 

Von den über 50 verschiedenen Krankheitserregern, für die Zecken als Überträger infrage kommen, sind zwar nur einige für Mensch & Katz’ wirklich gefährlich, dafür haben’s die hauptverantwortlichen Schildzeckenarten aber tüchtig in sich:

 

Ø     Lyme-Borreliose ist, „menschlich“ gesehen, insofern fies, als bei nicht sofortigem Erkennen/Behandlung etwa zwei Jahre nach der Infektion bleibende Spätschäden auftreten (z. B. Multiple Sklerose ähnliche Hirnveränderungen) können. Katzen siehe vor.

Ø               Babesiose, eine früher Texasfieber genannte anämische Erkrankung, ist für Menschen (bisher) ungefährlich, schädigt jedoch die Katze: Gestörtes Allgemeinbefinden, Apathie, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Fieberschübe, krankhafte Milzvergrößerung und mitunter Gelbsucht. Aufschluss durch herabgesetzte Werte roter und weißer Blutkörperchen gibt eine Blutuntersuchung. Überträger der einzelligen Blutparasiten (Babesien) sind Schildzecken (Braune/Rote Hundezecke), die bevorzugt in warmen Häusern leben und sich vermehren, weshalb wie erwähnt sowohl alle Räume gründlich entwest werden müssen als auch sämtliche Ritzen zusätzlich ausgesprüht.

Ø              Ehrlichiose, ausgelöst durch Rickettsien (Bakterien), sucht Mensch und Tier heim, wurde bei Katzen allerdings bislang nur selten festgestellt. Der Erreger befällt vorzugsweise Leukozyten und ruft Allgemeininfektionen hervor mit Anzeichen wie hohes Fieber (bis über 40 Grad) wässriger-/eitriger Augen- und Nasenausfluss, Anämie, Atemnot, Abmagerung, wechselnder Durchfall und geschwulstartige Vergrößerungen der Lymphknoten. Blutausstriche bzw. Antikörpertests samt Differentialdiagnose (auf Babesiose, Hämobartonellen) und medikamentöse Behandlung bis zu zwei Wochen bringen Mieze wieder auf die Beine.

Mikrobiologen der Uni Zürich haben (bei Menschen) übrigens eine neue Erkrankung namens Neoehrlichiose nachgewiesen: Hohes Fieber, Gewichtsverlust, Unwohlsein. Mittels Antibiotikatherapie vollständig heilbar.

Ø                 Hämobartonellen, Ursache der feliden infektiösen Anämie und auch in unseren Breiten nicht direkt selten, können innerhalb weniger Tage zum Tod führen. Und sind somit extrem gefährlich, besonders für Katzen mit vorgeschädigtem Immunsystem: Parasiten, Bakterien, Stress, akute oder chronische (Virus-) Erkrankungen (z.B. FeLV). Symptome sind bis zu 41,5 Grad hohes Fieber, Schwäche, Appetitlosigkeit, hämolytische Anämie (Auflösung der roten Blutkörperchen), gelbliche Schleimhäute, beschleunigte Atem- und Pulsfrequenz, vereinzelt Milzvergrößerung. Bei milderem Verlauf bzw. wenn die Patientin die akute Phase überstanden hat, wechseln symptomlose Intervalle mit Krankheitsschüben (gleicher Symptomatik) einander ab. War die Katze vorher nachweislich gesund, sind die Chancen auf Heilung mittels Langzeitbehandlung zwar gut, sie bleibt jedoch auch nach der Genesung latent infiziert. Theoretisch ist sogar eine Spontanheilung möglich, aber ich würde mich nicht darauf verlassen ...

Ø                Zeckenlähme kann mitunter gleichfalls zum Tod führen, wenn beginnend mit einer Lähmung der Muskulaturen der hinteren Extremitäten diese quasi zu den vorderen wandert und schließlich die Atemmuskulatur erreicht. Wird die Zecke rechtzeitig abgelöst, ist die Lähmung innerhalb von 12 bis 24 Stunden reversibel – aber wann ist rechtzeitig? Weshalb Sie bei jeglicher Auffälligkeit wie z.B. Fieber, Schwellung der Lymphknoten oder undefinierbaren Verfallserscheinungen nicht lange fackeln sollten, sondern unverzüglich den Doc aufsuchen!!

 

Übrigens: Weil ihr Nutzen für das Gleichgewicht in der Natur nicht so recht ersichtlich ist und sie auch auf niemandes Speisekarte zu stehen scheinen, wandern die Vampire recht unbehelligt durchs Dasein – Methusalems sollen bis zu zehn (!) Jahre alt werden können, wobei ich mich allerdings schon frage, wer sich eine so lange aufgehoben hat. Wenn sie sich mit uns anlegen, lautet das Motto daher mit gutem Grund: Keine Gnade!

Zum Schluss noch kurz ein Quantum Trost: Wer sich darüber geärgert hat, weil’s winters oft so schnatterkalt war, wird dieser Frohbotschaft etwas abgewinnen können: Derlei arktische Temperaturen dringen tief ins Erdreich und machen den Blutsaugern, die sich dahin zwecks Winterruhe zurückgezogen haben, scharenweise den Garaus. Weshalb in solchen Jahren mit etwas Glück die Invasion moderater ausfallen kann/könnte. Dass die Ekligen zwecks Ausgleich bei der Vermehrung gern ein Schäufelchen zulegen (was denkt sich die Natur eigentlich dabei?), überlesen Sie jetzt ganz einfach mal ...

 

 

Zeckenbilder: Wikipedia & Internet

 

 

©   KatzenJournal, all rights reserved

Site Originated 22.03.2013