Der Wurm im Getriebe

KLEINE SCHLANGE IM PARADIES

WÜRMER

 

 

Dass eine Infektion mit Parasiten je nach Art öfter als uns lieb ist gar nicht verhindert werden kann, wenn Mieze Auslauf im Freien genießt – vom kleinen Gehege bis zu Wald und Flur -, sollte eigentlich niemand überraschen. Kommt aber doch nicht bei gepflegten Stubentigern in ebensolchen Wohnungen vor – oder? Na ja, ist zwar nicht alltäglich, aber durchaus möglich. Nicht nur, aber besonders in der warmen Jahreszeit können wir z.B. an den Schuhen haftende infektiöse Wurmeier oder Larven als „Geschenke“ heimbringen ...

 

 

UND WOHER?

 

Vorkommen könne sie überall, im Bus, im Supermarkt, gerne natürlich auf der Hundewiese oder wo sonst eben viele Menschen (mit und ohne Bello) zusammentreffen. Relativ leicht etwa in der Tierarztpraxis, ohne jetzt den Veterinären zu nahe treten zu wollen – aber selbst die gewissenhafteste Putzfee wird nicht nach jedem Patienten den Boden wischen. Oder die Sessel, wo gerne Katzenkörbe abgestellt werden respektive kleinere Hunde oft dem Unvermeidlichen entgegenbibbern. Sie ziehen die Schuhe schon vor der Wohnungstür aus und dort werden sie auch geputzt? Fein, hoffentlich landet das aufgrund der Erschütterung abfallende Ei nicht auf Ihren Hausschuhen. Sofern es nicht sowieso an Ihrer Rückfront klebte. Bevor Sie jetzt den Notarzt brauchen: Natürlich ist das konstruiert, aber der Zufall regiert die Welt.

 

 

DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN

 

Abgesehen davon bleibt aufgrund der Vielfalt der Infektionswege fast kein Tier im Laufe seines Lebens von einer Wurminfektion verschont. Andere Haustiere oder tierische Besucher, Beutetiere wie Mäuse, Ratten und Vögel, rohe Innereien bzw. Fleischabfälle von Wild, Nutztieren oder Fisch kommen als Überträger ebenso in Frage wie Flöhe und Zecken. Wenn wir die Kirche im Dorf lassen und im Land bleiben. Diesbezügliche Geschenke aus Urlaubsländern, möchten Sie z.B. eine südliche Schöne retten, sind eine andere Sache.

In der Regel erfolgt die Infektion

 

Ø                 oral = Mieze verschluckt ein Ei oder eine Larve oder einen infizierten Floh/Zecke (z.B. bei der Fellpflege), Maus, Piepmatz ... wie gehabt.

Ø                 Hakenwürmer haben eine zusätzliche Spezialität drauf, denn ihre Larven bohren sich aktiv durch die Tierhaut (meist am Ballen oder Unterbauch) und wandern im Körper bis in den Darm.

Ø                 Eine weitere Quelle sind Muttertiere, deren im Körpergewebe ruhende Larven (sogenannte Dauerlarven) sozusagen termingerecht erwachen und über das Blut sowohl in die Gebärmutter als auch die Milchdrüsen einwandern, d.h. es werden bereits die Ungeborenen infiziert und bekommen nach der Geburt über die Milch ständig Nachschub (Spulwürmer).

 

 

DUMM GELAUFEN

 

Bedauerlicherweise gibt es so gut wie keine eindeutigen Anhaltspunkte, die auf den Beginn einer Wurminfektion hinweisen – abgesehen vom gesunden Menschenverstand in Bezug auf Freigänger, da müssen Sie eigentlich automatisch damit rechnen. Überdies hängen etwaige Symptome stark vom Alter der Katze ab, von ihrem Gesundheitszustand, ihrer Widerstandsfähigkeit und nicht zuletzt von der Wurmart. Damit ist Ihre Beobachtungsgabe ebenso gefordert wie jene des Veterinärs bzw. sein entsprechender Verdacht. Zum Beispiel ratsam bei

 

Ø                 klarer Fall: Sichtbaren Wurmteilen in Kot, Erbrochenem oder in der Analregion (auch im Fell inklusive Hinterbeine) klebend

Ø                 aufgeblähtem Bauch (bei Kitten häufig ein „Wurmbauch“ – massiver Befall kann sogar zum Tod führen!!) oder eingefallenen Flanken

Ø                 Hartnäckiger Durchfall, Blut im Urin (da ist generell Gefahr im Verzug), Blut im Kot (Darmverschluss und/oder Nierenversagen möglich)

Ø                 Erbrechen, Blut im Speichel (sofern nicht ausgelöst durch scharfes Katzengras)

Ø                 Unerklärlicher Husten mit/ohne Atemnot (also nicht im Gefolge einer Erkältung)

 

Das war‘s aber leider noch lange nicht, denn es gibt noch eine Reihe weiterer Störungen, die entweder als Anzeichen für einen Wurmbefall gewertet werden können respektive bereits eine massive Schädigung signalisieren:

 

Ø                 Glanzloses, struppiges Fell, Haarausfall,

Ø                 schlechte Wundheilung, Ekzeme, Juckreiz, Schwellungen

Ø                 Blutarmut (Anämie)

Ø                 Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Abmagerung

Ø                 herabgesetzte Vitalität, Apathie

Ø                 Krämpfe, Bewegungsstörungen, (temporäre) Lähmungen

Ø                 Herz-Rhythmusstörungen

Ø                 kommt vor: Sehstörungen

Ø                 und sogar verminderte Fruchtbarkeit

 

Irgend etwas davon bemerkt, keine Ursache gefunden? Und – noch immer nicht beim Tierarzt gewesen?

 

 

GESUNDE KATZE VERGRÄMT DEN WURM

 

Ja, aber leider nicht immer nachhaltig genug. Um noch einmal auf die paradiesischen Lebensbedingungen zurück zu kommen: Gerade bei der gesündeste Katze von allen kommt es gelegentlich zu einem latenten Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit (siehe Mutterkatze = Spulwürmer), in welchem Fall es relativ lange dauern kann, bis sich irgendeine Auffälligkeit einstellt. Aufgrund dessen aus einer im Anfang üblicherweise mehr oder minder harmlosen Besiedlung in Folge schwere Komplikationen entstehen können.

Ohne Frage kann jeder Parasit, egal ob in oder auf der Katze schmarotzend, sehr wohl auch ernsthaft ihr Leben bedrohen. Besonders leichtes Spiel hat er natürlich, wenn Mieze aus welchem Grund auch immer nicht topfit ist, denn eine geschwächte Kondition (Krankheit, Mutterschaft, Trächtigkeit, Stress) bietet ideale Vermehrungsbedingungen für jeden Schädling.

Womit sich die Katz‘ in den Schwanz beißt: Parasit macht krank – Krankheit schwächt – Schwäche begünstigt Parasit. Außerdem wird dadurch die Immunabwehr herabgesetzt, die Anfälligkeit für Infektionen steigt – darum sind vor allem Jungtiere extrem gefährdet, weil ihre Widerstandskraft nicht ausreichend ist bzw. je nach Alter nicht sein kann.

Übrigens: Einige der unerfreulichen Genossen sind auch auf Menschen übertragbar und können sogar zu schweren Organstörungen und -schäden führen – aber nicht nur deshalb sollte jede Parasitose ernst genommen und möglichst unverzüglich behandelt werden.

 

 

WURMLOS GLÜCKLICH

 

Im Grunde wollte ich darauf gar nicht zu sprechen kommen, aber ein mir nachhaltig in Erinnerung bleibendes Ereignis veranlasst mich zur offenbar doch notwendigen Kehrtwende: Als Katzenfreund gerät man ja immer wieder mal unverhofft in die Schusslinie (ergo werde ich nie wieder eine Katzenzeitung im Bus lesen) ebensolcher, und so wurde mir nicht nur der bisherige Lebensweg einer bestimmt sehr lieben kleinen Katze offenbart, sondern auch die Tatsache, dass selbige durch den Einsatz von Teebaumöl ihrer Würmer verlustig ging. Nun bin ich ein höflicher Mensch, also rang ich mir nur ein erstauntes „wie das?“ ab, worauf mein erster (unaussprechlicher) Gedanke – da rennt ein Wurm vorbei, wird beträufelt und gibt den Löffel ab – beinahe bestätigt wurde: Gerannt ist er zwar nicht, die Mieze hat ihn erbrochen und daraufhin wurde er vom auf Naturmedizin eingeschworenen Frauchen im Teebaumöl ertränkte. Friede seiner Seele. Glücklicherweise nahte mein Bestimmungsort, also wurde ich der Versuchung enthoben, den nächsten sich aufdrängenden Gedanken vielleicht doch auszusprechen, beschränkte mich auf eine Blitzaufklärung und entfloh ... Klingt erfunden, ich weiß, und ich wünschte wirklich, es wäre so. Nun, entweder war’s ein Stückchen Wollfaden oder tatsächlich ein Wurm, dessen Verwandte nach und nach ähnlich gemeuchelt wurden, sofern freiwillig aus der Katze kommend. Wahrscheinlicher ist, dass das arme Opfertier sie alle noch immer hat. Und ich bete, dass der Mieze selbst ein ähnlicher Anschlag erspart geblieben ist.

Kurz und bündig: Teebaumöl (sehr giftig für Katzen) ist zur Parasitenbekämpfung (welcher auch immer) definitiv nicht geeignet und Schmarotzern generell schnurzpiepegal. Wie jegliches Mittel aus der Naturheilkunde maximal unterstützen kann, weshalb ich allen Anhängern dringlich empfehlen möchte, bei sämtlichem Ungeziefer den grünen Pfad zu verlassen und zum Wohle der Katze den Händen eines Schulmediziners und der Chemie zu vertrauen.

 

 

EINER GEGEN ALLE

 

Zumal die (auch) diesbezüglich wirklich ausgeschlafene Pharmaindustrie mit einer Reihe hervorragender Präparate aufwarten kann, die an sich schon relativ lange keinerlei Ähnlichkeit mit den früheren Entwurmungs-Krimis haben, die zwischen Katze und Mensch in regelmäßigen Abständen Feindschaftskundgebungen anzettelten. Konstant nachgerüstet können etliche Arzneien mittlerweile allerlei „tot“ machen, d.h. nicht nur einem einzelnen Parasiten an den Kragen gehen, sondern in Kombination gegen mehrere Fieslinge wirksam werden. Diese sogenannten Anthelminthika mit Breitbandwirkung machen insofern Sinn, als eben selten konkrete Rückschlüsse auf Einzeltäter möglich sind – und daher zudem ideal geeignet für Freigänger.

Einige Beispiele:

 

Ø                 Bei Mischinfektionen mit den häufigsten Haken-, Rund- und Bandwurmarten (aller Stadien) wird der Veterinär zu Bewährtem greifen, das sich auch bei trächtigen Katzen als gut verträglich erwiesen hat, wie z.B. Milbemax (Tabletten mit Herzwurm-Prophylaxe, nicht für Katzen unter zwei Kilo Körpergewicht geeignet) oder Droncit (Tabletten, Spot-On, Injektionslösung, nicht unter ein Kilo KGW). Spul-, Haken- und Bandwürmern (aller Stadien) rücken auch Profender (Pipette) oder Panacur (Tabletten, auch gegen Lungenwürmer) zuleibe.

Ø                 Das vermutlich bekannteste Mittel für Jungtiere gegen Spul- und Hakenwurmbefall ist Banminth (Paste), das Babys bereits ab dem zehnten Lebensstag verabreicht werden kann (empfohlene Wiederholungen beachten!), aber genauso für Erwachsene (ein- bis zweimal jährlich gegeben) bzw. Zuchtkatzen (während der Rolligkeit) oder trächtigen Katzen (zehn Tage vor und nach der Geburt) geeignet ist.

Ø                 Ziemlich scharf schießen kann z.B. Stronghold (Spot-On), das sowohl Spul- und Hakenwürmer sowie Haarlinge eliminiert als auch zur Vorbeugung gegen Herzwurm und Ohrmilben dient, außerdem Flöhe (aller Entwicklungsstadien) und Flohdermatitis bekämpfen kann. Es darf sowohl bei Kitten ab der sechsten Woche als auch bei trächtigen und säugenden Katzen eingesetzt werden.

 

Allein die Unterschiedlichkeit hinsichtlich der Parasiten lässt ahnen, dass das keine Spielwiese für Laien ist. Zudem hängen Häufigkeit und Dosis vom jeweiligen Medikament ab, ebenso von Alter, Gewicht und Allgemeinbefinden der Katze und auch die Wirkdauer differiert – weshalb Sie einerseits immer genau den Beipacktext studieren müssen, noch besser kundige Beratung einholen. Beim Tierarzt! Dem Sie aufgrund der variierende Intervalle beispielsweise auch gleich den ungeliebten Job des Verabreichens überlassen könnten ...

 

MEDIZINAL UMSICHTIG

 

Da logischerweise eine Arznei Mittel nichts töten kann, das nicht da ist und eine Prophylaxe analog einer Seucheimpfung nur in bestimmten Fällen möglich, geht es primär um die Wurmbekämpfung im Sinne von Vorsorge durch regelmäßige Wiederholung der Medikation – wodurch entweder der Wurm abgetötet oder die Entwicklung der Larven verhindert wird bzw. beides. Heißt: Turnusmäßige Entwurmung nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Und: Hände weg von Mittelchen, die in Supermarktregalen oder Tierhandlungen frei erhältlich sind und bestenfalls eine Alibifunktion erfüllen. Wurmbefall ist ein ernsthaftes Übel und muss ebenso ernsthaft = fachkundig und für die Katze so schonend wie möglich therapiert werden. Dazu braucht es den punktgenauen Einsatz starker Medikamente, die nicht zu Unrecht als „gefährlicher Abfall“ bezeichnet werden und auch nicht im Hausmüll entsorgt werden oder in Kinderhände gelangen dürfen! Und weil bei unqualifiziertem Gebrauch der Schaden über eine (bestenfalls) Vergiftung weit hinausgehen kann – das Zeug soll ja die Parasiten und nicht die Patientin „tot“ machen – ist der Veterinär der beste Berater dafür, welches Präparat perfekt auf die individuellen Erfordernisse Ihrer/jeder Katze zugeschnitten ist!! Aber trotzdem ist

 

MITDENKEN GEFRAGT

 

Misstrauen wäre z.B. angebracht, wenn „vorsorglich“ eine Wurmkur angeraten wird bei einer aufgrund Durchfall geschwächten Katze oder immer dann, wenn die Mieze in schlechter allgemeiner Verfassung ist – da kann man ernsthaft an ihrem Lebensfaden säbeln oder die Katze erholt sich zeitlebens nicht mehr völlig!! Hier gilt: Erst kräftigen, dann entwurmen - sofern tatsächlich gerechtfertigt.

 

Ø                 Weshalb Pharmafirmen vor Verabreichung (wenn nicht nachweislich begründet) generell eine parasitologische Kotuntersuchung empfehlen = frische Kotprobe (möglichst ohne haufenweise Streukügelchen) in einen Plastikbecher schaufeln und unbedingt am gleichen Tag (andernfalls können die Testergebnisse verfälscht werden) ins Labor, auf die Vet.Uni oder zum Doc (falls dieser dafür eingerichtet ist) bringen.

 

Bei Durchfallpatienten kann es nicht schaden, die Untersuchung auf Bakterien und Viren auszudehnen. Allerdings sei erwähnt, dass mikroskopische Analysen den Ist-Zustand wiedergeben, d.h. ist das Ergebnis negativ und weder Eier noch Larven nachweisbar, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Katze keine Würmer hat – weitere Nachweismöglichkeiten finden Sie bei den jeweiligen Parasiten. Trotzdem eine wichtige Chance, die nicht ungenutzt bleiben darf, zumal derlei eher zu den Ausnahmeresultaten gehört. Besteht begründeter Verdacht, sollte daher der Test wiederholt bzw. eine andere Variante gewählt werden.

 

Und nun möchte ich Ihnen noch das „Ensemble“ vorstellen, damit Sie wissen, welches Theater Mieze (oder Ihnen) blühen könnte. In erster Linie die üblichen Verdächtigen der verschiedenen seit langem hier heimischen Wurmarten sowie die aufstrebenden Ehrgeizigen und die wichtigsten Nebendarsteller. Einzelne der Parasiten sind nicht nur der feliden Hygiene wegen von Interesse, sondern verlangen aus human-pothegenen Gründen besondere Aufmerksamkeit.

 

 

DER WURM IM GETRIEBE

 

 

BANDWÜRMER (Zestoden)

 

Katzen sind vielfach Endwirte für verschiedene Bandwurmarten, die je nach Spezies zwischen einigen Millimetern bis zu mehreren Metern (!) lang werden können. Fast alle benötigen etliche Zwischenwirte und sind Zwitter, ihre Finnen gelangen über die Nahrungskette in den Dünndarm und entwickeln sich in verschiedenen Organen zu adulten (erwachsenen) Würmern. Sie können die Katze erheblich schädigen und sogar zu ihrem Tod führen. Nachweis: Makroskopische Untersuchung auf Larven/Eier von Kot und Anusbereich der Katze. Die Auflistung folgt in etwa (weil Regional bedingt) der Häufigkeit des Vorkommens.

 

Ø                 Der typische Katzenbandwurm gehört zu den Taenien (die insgesamt relativ leicht zu bekämpfen sind), heißt Hydatigera taeniaeformis und kann praktisch jede freilaufende Katze infizieren, am häufigsten über Beutetiere wie Mäuse und andere Nager sowie durch rohe Innereien von Wild oder Nutztieren. Die beweglichen Larven verursachen beim Auswandern Juckreiz am After, bei Jungtieren konnte zudem Abmagerung, Appetitlosigkeit, Schwäche bzw. ein struppiges Haarkleid beobachtet werden. Bei Massenbefall gleiche Symptome ebenso bei erwachsenen Katzen.

Ø                 Der Gurkenkernbandwurm, Dipylidium caninum ist auch bei der Katze kein seltener Gast, erkennbar am meist hellrosa fleischfarbenen Aussehen seiner Glieder. Juckreiz am After lässt die Patientin „Schlittenfahren“ (kann jedoch auch Symptom einer Analbeutelentzündung sein). Bei Massenbefall dieselben Symptome wie beim Katzenbandwurm. Die Eier entwickeln sich in Flohlarven, weshalb eine Behandlung in Kombination mit einer Floh- bzw. Haarlingsbekämpfung nötig ist. Dieser Bandwurm kann auch im Menschen (Kinder!) seine Geschlechtsreife erreichen, hygienischer Umgang mit einer infizierten Katze ist daher unbedingt zu beachten. Was jetzt bitte nicht heißt, ab ins Kämmerlein und zu die Tür, sondern resolut die Parasiten bekämpfen!

Ø                 Der Reifungsweg von Mesocestoides-Arten führt über Hornmilben und Vögel bzw. Mäuse bis in die Katze, die Zwischenstadien können Bauchfellentzündung hervorrufen. Diese Spezies wird als chemotherapeutisch schwer beeinflussbar angesehen, was die Vorsorge bedeutsam macht.

Ø                 Für den Fuchsbandwurm (Echinococcus), der sich bevorzugt in Feldmäusen entwickelt und in Europa mit steigender Tendenz verbreitet, ist die Katze zumeist nur Nebenwirt, dafür ist er für Menschen (lebens-)gefährlich. Bei Massenausscheidung sieht der Kot wie mit Mehl bestäubt aus.

Ø                 Eine weitere Dipylidium-Art (spp.) scheint vermehrt aus dem mediterranen Bereich eingeschleppt zu werden, deren Eier im Unterschied zu den caninum-Verwandten jedoch auffallend weiß sind (und bei der Untersuchung einzeln eingekapselte Eier aufweisen).

Ø                 Roher Fisch ist z.B. Überträger des Fischfinnenbandwurms für Katze (Hund und Mensch), abgesehen von gelegentlichen Verdauungsstörungen, Anämie und Vitamin-B12-Mangel sind indes kaum Symptome erkennbar.

Ø                 In Hasen und Kaninchen entwickelt sich der Taenia pisiformis, die Infektion erfolgt durch Aufnahme von deren Innereien.

 

 

SPUL- UND HAKENWÜRMER (Nematoden)

 

Dabei handelt es sich um fadenförmige, drehrunde (deshalb gern mit der Bezeichnung Rundwürmer zusammengefasst) und oft nur wenige Millimeter bis Zentimeter lange Würmer, die in erster Linie Jungtiere extrem schwer schädigen können. Die Erwachsenen paaren sich im Darm des Wirtes und ernähren sich von Darminhalt, Schleimhautzellen, Körpersubstanz und Blut. Ein erwachsenes Weibchen legt täglich bis zu mehreren Tausend Eiern ab, die mit dem Kot ausgeschieden werden und sich zu infektiösen Larven entwickeln. Von Haustieren aufgenommen (geschluckt) durchwandern sie verschiedene Organe, wobei sie beträchtlichen Schaden anrichten können, wieder Richtung Darm und der Zyklus beginnt erneut.

 

Ø                 Toxocara mystax (syn. cati), der so genannte Katzenspulwurm, ist mit einer Befallsrate von über 70 Prozent zweifellos der häufigste Wurmparasit bei Katzen. Er wird bis zu zehn Zentimeter lang, seine Larven verkapseln sich bei der Organwanderung zumeist in der Körpermuskulatur, werden vermutlich durch Hormone während einer Trächtigkeit aktiviert und dadurch zur Haupt-Infektionsquelle für Katzen schlechthin. Die Übertragung kann ebenso durch kontaminierten Kot oder Beutetiere erfolgen. Schleimiger Durchfall ist das wesentlichste Anzeichen, Jungtiere neigen außerdem zum Kümmern und rachitischen Beschwerden. Nachzuweisen durch mikroskopische Kotuntersuchung bzw. Würmer im Kot/Erbrochenen. Bei nachgewiesenem Befall muss die Behandlung unbedingt wiederholt werden, weil sonst nicht alle Wanderstadien erfasst werden können.

Auch der Mensch kann an Toxocarose erkranken und je nach befallenem Organ mit Asthma, Krämpfen und Augenschäden reagieren, wobei Fieber generell ein Begleitsymptom ist (Nachweis: Serologische Blutuntersuchung). Vorsorge: Katzen (mit Freilauf) regelmäßig entwurmen, Streuschalen häufig und mit heißem Wasser säubern.

Ø                 Toxascaris leonias findet sich eher bei Hunden bzw. Großkatzen und kommt bei Hauskatzen nur recht selten vor, die Infektion erfolgt vorwiegend über Mäuse.

Ø                 Blutig gestreifte, schleimige Durchfälle, Anämie (kann bei Jungtieren schnell zum Tod führen), Abmagerung und struppiges Fell sind die Anzeichen für den Befall mit Hakenwürmern (Ancylostoma tuebaeforme). Auch als Hautmaulwurf bezeichnet, weil sich die Larven (die im feuchten Gras bis zu drei Monate lebensfähig bleiben) durch die Haut bohren und im Zwischenwirt herumwandern. Sie ritzen die Darmwand und saugen Blut. Die häufigste Übertragung erfolgt durch orale Aufnahme bzw. Beutetiere.

Ø                 Der Hakenwurm des Hundes (A. caninum) wurde in Katzen nur selten festgestellt und kann in diesen auch nicht geschlechtsreif werden. Auch der aus subtropischen Gebieten bekannte A. brasiliensis konnte zwar nur selten in der Katze nachgewiesen werden, im Menschen allerdings schon, also Vorsicht im Urlaub!

 

 

MAGENWURM (Ollulanose)

Dieser ebenfalls zu den Nematoden zählende Parasit wird als Besonderheit angesehen: Winzige ein Millimeter groß, lebt er unter dicken Schleimschichten im Magen, alle Larvenstadien bis zum adulten Wurm werden im Wirt durchlaufen – d.h. durch regelmäßige Selbstinfektion bleibt der Wurmbestand im Magen aufrecht erhalten. Damit ist der Magenwurm sozusagen zweiter Sieger in Europa, denn mit einer Befallsrate von mittlerweile über 40 Prozent rangiert er gleich hinter den Spulwürmern.

Gefährdet sind in erster Linie Freigänger mit größerem Aktionsradius, sofern sie Würmer aus dem Erbrochenen infizierter Tiere aufnehmen (beispielsweise reintreten und sich hinterher die Füße sauberlecken). Leitsymptom ist erhöhter Brechreiz. Appetitlosigkeit, Abmagerung und generelle Schwäche sowie Gastritis können folgen, eine Beteiligung am Tod des Wirtes ist in wenigen Fällen nachgewiesen. Der Parasit wird nicht mit dem Kot ausgeschieden, weshalb ein Nachweis nur über erbrochene Würmer bzw. provoziertes Erbrechen möglich ist. Empfohlen wird aufgrund der besseren Resultate (98 Prozent) eine Magenspülung. Die Therapie ist schwierig und erfordert Geduld.

 

 

HERZWURM (Dirofilaria immitis)

 

Nicht häufig, aber immer öfter, weil der Erreger sozusagen als Reisekrankheit gilt bzw. durch steigenden Import von Katzen aus dem südlichen Europa und Amerika immer mehr Verbreitung findet. Hierzulande gilt der Hund als Hauptwirt, die Überträger – verschiedene Stechmückenarten – finden aber auch Katze gut und infizieren ebenso Menschen. Die Würmer werden bis zu 30 Zentimeter lang, besiedeln die Lungenarterie und die rechte Herzkammer und ernähren sich von Blut.

Starker Husten, Blut im Speichel, Nachlassen der Vitalität, Venenstauung, Ödeme, Schwellungen, Funktionsstörungen von Leber, Milz und Nieren, Erweiterung der rechten Herzkammer, Bluthochdruck – ohne Behandlung kann der Tod eintreten, also besser vorsorgen. Nachweis: Blutausstrich. Die Therapie liegt ausschließlich in der Hand des Tierarztes, da durch den plötzlichen Tod der Würmer große Mengen von Fremdeiweiß freigesetzt werden und die Katze einen letalen Schock erleiden kann. Abgesehen davon sind einige Substanzen extrem giftig.

 

 

PARASITEN DER HARNBLASE & ATEMWEGE

 

In der Harnblase und in den angrenzenden Nierensystemen bzw. Atemwegen können bei Katzen drei Arten von Fadenwürmern auftreten, nämlich der Nieren- und der Lungenwurm sowie der Haarwurm des Fuchses. Sie sind glücklicherweise ziemlich selten, können jedoch auch vom Haushund eingeschleppt werden und die Katze infizieren.

 

Ø                 Dioctophyme renale, der Nierenwurm, erreicht eine Länge bis zu einem Meter und wurde in vielen Tieren und auch im Menschen gefunden, jedoch kaum bei Katzen. Die Infektion erfolgt nur durch Fressen von Regen- bzw. Ringelwürmern und rohem Süßwasserfisch. Leitsymptom ist Blut im Urin. Harnstauung und degenerative Veränderungen des Nierengewebes bzw. eine Entzündung der Nieren und des Nierenbeckens bis hin zum vollständigen Nierenversagen sind möglich. Die Eier sind mikroskopisch im Urin nachzuweisen, der Wurm muss freilich chirurgisch entfernt werden.

Ø                 Zu den Capillaria-Arten gehört der wesentlich moderatere Lungenhaarwurm (bis zu drei Zentimeter), dessen Eier gleichfalls mit dem Urin ausgeschieden werden. Gefährdet sind Freigänger, potentielle Zwischenwirte sind Regenwürmer und Wildtiere wie z.B. Füchse oder Igel, welche die Eier hochhusten und wieder abschlucken, worauf sie über den Magen/Darmkanal an die Außenwelt gelangen und von der Katze aufgenommen werden können. Stärkerer Befall verursacht mehr oder weniger röchelnden Husten, Bronchitis, manchmal Nasenausfluss, Anämie und rapide Verschlechterung des Allgemeinzustandes.

Ø                 Aelurostrongylus abstrusus, gleichfalls ein Lungenwurm, konnte in einigen Gebieten bei fast 90 Prozent der Freigänger in Bronchien und Lunge nachgewiesen werden. Zwischen- bzw. Transportwirte sind Schneckenfresser wie Reptilien oder Kleinsäuger. Chronischer Husten, Nasen- und Augenfluss, erhöhte Atemfrequenz, wechselnder Appetit, Abmagerung und deutlich gestörtes Allgemeinbefinden sind die Symptome – die (mit Sekundärinfektionen) bei geschwächten Tieren ohne Behandlung auch zum Tod führen können. Die Eier sind im Kot oder Speichel nachweisbar, eine röntgenologische Absicherung wird empfohlen.

 

 

TRICHINEN

 

Wie viele andre Säuger können auch Katzen nach Aufnahme infizierter Nager an einer Trichinellose erkranken und zunächst im Darm, später die Larven in der Muskulatur beherbergen. Schwacher Befall bleibt meist unbemerkt, bei massivem Auftreten (im Darm) kommt es zu Erbrechen, blutigem Durchfall, Fieber und (in den Muskeln) zu Muskelschwäche, steifen Bewegungen, Atemnot, Behinderung der Atemtätigkeit - Atemstillstand möglich. Nachweis: Muskelbiopsie (oder post mortem!).

 

 

SAUGWÜRMER, EGEL (Trematoden)

 

Aufgrund ihres komplizierten Wirtswechsels nicht sehr oft anzutreffen, wurden aber immerhin bei Katzen in Holland, Ungarn und Ägypten nachgewiesen. Die Infektion erfolgt zumeist z.B. über rohen Fisch, einige weniger bekannte Arten können über Vögel und andere Säuger übertragen werden. Die Parasiten wandern über Lunge und Dünndarm, leben vorwiegend in den Gallengängen von Katzen (Hunden und Menschen) und führen zu Entzündungen der Gallenwege, ausgeprägter Anämie, Verdauungsstörungen, Gelbsucht, Ödemen und im fortgeschrittenen Stadium zu Bauchwassersucht. Ähnliche Symptome können auch auf das Konto von Kokzidien gehen. Nachweis: Kotuntersuchung.

 

 

 

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