Lebenselixier Wasser

 

 

LEBENSELIXIER

WASSER

 

 

 

Mit dem Wasser geht es uns zwar nicht ganz so wie mit dem Strom (der ja bekanntlich aus der Steckdose kommt ...), aber es zu haben ist für uns so selbstverständlich geworden, dass wir nicht viel darüber nachdenken. Erst die Wellness-Welle hat es uns näher ins Bewusstsein gerückt. Und das ist gut so ...

 

 

 

FALTENFREI DURCHS LEBEN

 

Nicht nur die jährlich steigende Anzahl natürlicher oder geschmacklich aufgepeppter „Gewässer“ in den Supermarktregalen sprechen eine deutliche Sprache: Wasser versorgt uns mit lebensnotwendigen Stoffen, hält uns gesund und sogar die Fältchenbildung im Zaum – jenseits künstlicher Kosmetik. Also schütten wir lernfähig zwei Liter täglich in uns hinein und hoffen, dass die werbewirksamen Versprechen auch stimmen. Und wie sieht das bei unseren Katzen aus?

Auch nicht anders. Und auch nicht anders als immer schon ... Der Wasserhaushalt der Katze unterliegt einem besonderen Mechanismus, der mit ihrer Wüsten- und Steppenabstammung erklärt wird. Denn dort hängt das Überleben von der Fähigkeit ab, Wasser rationell zu konservieren. In der Niere werden daher maximale Wassermengen rück-resorbiert und dem Organismus wieder zur Verfügung gestellt. Was wir bei der Wahl des Nahrungsangebotes unbedingt berücksichtigen müssen (siehe Trockenfutter).

 

 

WIE VIEL IST GENUG?

 

Eine 3-4kg schwere Katze nimmt etwa 25ml pro Tag auf – die Variable liegt zwischen fünf und 80ml und ist individuell verschieden, je nachdem eben, was Mieze auf ihrem Teller vorfindet. Feuchtfutter enthält zwischen 70 und 75% (frisches Fleisch 60 bis 76%) gebundenes Wasser, wodurch der Bedarf zu etwa 90% gedeckt ist. Das restliche Wasser ergibt sich aus den Stoffwechselprozessen (= metabolisches Wasser) respektive muss zusätzlich aufgenommen werden. Bei Katzen, die viel Feucht-/Fertigfutter erhalten, entsteht daher manchmal der Eindruck, sie würden zu wenig oder gar nichts trinken. Haben Sie diesbezüglich trotzdem Sorge, reichern Sie eben jede Mahlzeit mit ein wenig Wasser an = Sauce ist fast immer beliebt, wird meist zuallererst geschlürft und der „harten Arbeit“ des Bröckchenkauens vorgezogen.

Wichtig zu wissen ist, dass

a) bei einer Magen-/Darmentzündung (Durchfall) der Wasserhaushalt bereits gestört ist und Trinken für die Patientin doppelt wichtig. Tut sie’s nicht freiwillig, bitte nicht einfach einfüllen (das wäre Quälerei), sondern ab zum Tierarzt;

b) der Wasserbedarf von Jungtieren mit durchschnittlich 77ml/kg Körpergewicht doppelt so hoch ist wie bei der erwachsenen Katze. Weshalb wir notwendigerweise der frischen Nahrung Wasser zusetzen müssen, auch wenn der Brei dann etwas unappetitliche Formen annimmt = „zusetzen“ heißt aber nicht ertränken!! Erinnert das Zeug im Napf eher an schon mal verdaut, waren Sie eindeutig zu großzügig ...

Sollten Sie Winzlinge aufziehen: Besonders in der Zeit der Futterumstellung von Muttermilch auf feste Nahrung, in der es häufig zu Durchfall kommen kann, lässt sich der beleidigte Verdauungstrakt schlicht durch den Zusatz von Wasser – ohne Pülverchen, sonstiger Unterstützung und auch nicht in Form von Milchbrei oder ähnlichem = bitte NUR reines Wasser – sehr leicht wieder beruhigen. Sofern wir rechtzeitig (sicherheitshalber also tunlichst präventiv) reagiert haben, sonst kann sehr wohl (ärztliche oder homöopathische) Hilfe notwendig werden.

 

 

ABER SIE TRINKT JA

 

Das ist fein. Dennoch müssen Sie berücksichtigen, dass es zum Beispiel bei Trockenfuttergaben (= maximal etwa 10% Wassergehalt) über längere Zeit immer zu wenig ist. Warum? Weil Katzen im Gegensatz zu anderen Tieren die fehlende Flüssigkeit im Körper nicht durch entsprechend vermehrtes Trinken ausgleichen, sondern durch erhöhte Rückresorption in den Nieren. Gar nicht gut. Denn dadurch steigert sich die Konzentration des Harns und die Gefahr einer Harnsteinbildung wird größer.

Was tun? Einerseits nur absolut Erstklassiges kaufen, selbst wenn die Preise im Vergleich astronomisch anmuten, andererseits Trocken- und Feuchtfutter zumindest im gleichen Verhältnis anbieten. Eine winzige Prise Kochsalz im Futter regt ebenfalls nicht nur das Durstgefühl an, sondern auch die Wasserausscheidung (rechtfertigt aber keine Billigprodukte). Das heißt, Wasseraufnahme und –abgabe werden gleichermaßen stimuliert, stellen das Gleichgewicht wieder her und die „Nierenspülung“ funktioniert auch wieder. Gutes!! Trockenfutter enthält zwar in der Regel etwa 1% (oder mehr) Kochsalz, doch bleibt durch den extrem niedrigen Wassergehalt die Gesamtbilanz negativ.

Dosenfutter frisst sie gar nicht? Tja, dann steht wahrscheinlich eine Schale mit Trockenfutter rund um die Uhr zur Verfügung. Praktisch für uns, übel für die Mieze und allenfalls in der heißen Jahreszeit vertretbar, weil Feuchtfutter tagsüber schneller vor sich hingammelt, derweil wir aushäusig dafür die Taler verdienen.

Und: Trinkt eine ausgewogen ernährte und/oder ältere/alte Katze „so brav“, wird das häufig als „gesundes Anzeichen“ interpretiert – ist es aber nicht immer, sondern oft ein (erster) Hinweis auf einen Nierenschaden. Ein Check durch den Doc wäre angeraten.

 

 

MIEZE IM SUPERMARKT

 

Nun ist nicht alles Wasser so gesund, wie es aussieht. Nicht nur in ländlichen Gebieten kann gelegentlich eine eher grausam anmutende Brühe dem Wasserhahn entsteigen, während Stadtbewohner (vor allem während der Sommermonate) je nach Region bisweilen mit Chlorzusätzen „verwöhnt“ werden. Wer mag das schon? Und logischerweise ist das auch nichts für die Katz‘ !

Je nach Beschaffenheit kann Abkochen oder eine „Veredelung“ Richtung Tee = Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, nur ganz, ganz kurz gezogen, eine halbwegs nützliche Alternative sein – sofern Mieze nicht die Ohren runterklappt und verweigert. Aber wenn Sie selbst schon lieber zu den attraktiven Gewässern im Supermarkt greifen, weil Sie Ihren heimischen Wasserwerken nicht vertrauen (oder denken, in den Flaschen wär’s gesünder), sollten Sie diese Liebe auch Ihrer Katze angedeihen lassen – „stilles“ Wasser mögen alle. Der Vergleich hinkt zwar ein bisschen, aber nicht von ungefähr ist frisches (weil weiches) Regenwasser bei allen unseren Schätzen sehr beliebt, obwohl das, was heutzutage so vom Himmel kommt, leider auch nicht mehr so ganz unbedenklich genossen werden kann. Aber was ist das schon?

Wichtig ist die Temperatur – auf keinen Fall zu kalt – und bitte immer frisch, das heißt, je nach Zimmer-/Außentemperatur zumindest täglich wechseln, denn länger stehendes Wasser fördert die Bakterienbildung.

 

 

DIE SACHE MIT DER WASSERSTELLE

 

Mieze muss jedenfalls immer Zugang zu einer Wasserquelle haben (selbstverständlich ebenso Freigänger oder Gartenbesitzer), wobei es individuell verschieden ist, welchen Platz sie dafür bevorzugt. Mitunter wird empfohlen, Wasser- und Futternapf weitab voneinander aufzustellen, weil auch Raubkatzen niemals an Wasserstellen fressen. Wer immer diese Theorie geboren hat, ganz korrekt ist sie nicht. Denn gerade Wasserstellen sind „der“ Tummelplatz schlechthin und ein ideales Reservoir für einen reich gedeckten Tisch. Manche spezialisieren sich sogar darauf, die Beute IM Wasser zu schlagen, um dessen schnelle Flucht zu vereiteln oder zumindest zu behindern. Wird sie hinterher an einen geschützten Ort verschleppt (sofern transportabel), dient das lediglich der Sicherung vor fremden Übergriffen oder rabiater Verwandtschaft des Opfers.

Stellen Sie also mehrere Wassernäpfe auf (das ist jedenfalls nicht übel) und bemerken, dass sie lieber weitab vom Futternapf trinkt, muss das keinen diesbezüglich ursächlichen Zusammenhang haben. Vielleicht üben ja an einer bestimmten Stelle Ihrer Behausung die Erdstrahlen eine günstigere Wirkung aus – Katzen haben einen Sensor dafür ...

Übrigens: „Weit weg“ gilt nur für Futter- und Wassernapf im Zusammenhang mit dem Kistchen. Wer speist oder trinkt schon gern neben dem Klo?

 

 

 

 

 

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