Hilfe, sie pinkelt daneben

HILFE, SIE PINKELT DANEBEN

 

 

Unsauberkeit ist wahrscheinlich DAS Problem, bei dem auch der geduldigste Katzenfreund die Nerven wegschmeißt und bei dem einer Mieze am ehesten das Wohnrecht entzogen wird und die dann entweder im Tierheim landet oder zum Wanderpokal wird – oder bestenfalls auf Lebenszeit im Bad inhaftiert bleiben muss. Zu allem Übel ist es auch noch eine kompliziert strukturierte Misere, weil nicht nur sehr viele Möglichkeiten als Ursache infrage kommen, sondern weil sie schwierig in den Griff zu kriegen ist. Zumeist ...

 

Fakt ist, dass sich bereits nach ein paar Mal anderswo im Hinterkopf einnisten kann, das wäre immer so gewesen und das Warum wird vergessen. Also kommen Sie in die Gänge!

 

 

DER (GAR NICHT MAL SO) KLEINE UNTERSCHIED

 

Wenn eine bislang „brave“ Katze sich anderswo löst als im Kistchen, setzt sie ein Zeichen. Eines, das Artgenossen lesen könnten wie eine Zeitung. Wir nicht. In den meisten Fällen lässt sich bei Kastraten das für potente Katzen & Kater typische Markierverhalten (ja, das können in der Tat beide) zwar ausschließen, wurde die/der Gute aber erst kastriert, nachdem unser Heim beinahe zum Wohn-Klo mutiert ist, kann diese Gewohnheit freilich beibehalten werden – selten, aber doch. Für die Mädels ist mit dem Eingriff die Sache quasi postwendend gegessen, doch könnte sich vereinzelt ein seelisches Problem „dazu geschlagen“ haben und Sie müssen die Ursache ergründen. Bei einem Kater wiederum muss berücksichtigt werden, dass nach Entschärfung der Vulkan ja noch nicht erloschen ist. Das heißt, er sich nicht nur eine Weile noch erfolgreich fortpflanzen könnte, sondern es dauert, salopp gesagt, bis die Botschaft im Gehirn angekommen ist. Hat der „Denkprozess“ noch Wochen später kein Ende gefunden, ist bei ihm genauso wie bei den Mädels „danach“ das Markieren in Unsauberkeit übergegangen. Wenig Trost, ich weiß.

Die theoretisch leichteste Übung für uns wäre herauszufinden, ob dem Dilemma ein „technisches Problem“ zugrunde liegt. Abgesehen freilich von einer möglichen organischen Ursache. Also lassen Sie uns das zunächst kurz näher beleuchten:

 

Ø                 Markieren – Überwiegend nur Harn, meist an gleichen, strategisch wichtigen Stellen. Mehrheitlich potente, seltener kastrierte Tiere. Kater besonders an senkrechten Flächen, Mädels eher in hockender Stellung: Wir dürfen/sollen zuschauen.

Ø                 Unsauberkeit – Hauptsächlich Harn, seltener auch Kot. In der Regel wechseln die Plätze. Zuschauer unerwünscht.

Ø                 Weder noch - Harn- und/oder Kotabsatz aufgrund „technischer“ Probleme. Kann bei Katzen jeden Alters vorkommen. Zugucken wird als peinlich empfunden, aber hingenommen.

 

Hauptauslöser sind

 

Ø                 Fürs Markieren: Paarungsbereitschaft, Revierabstecken

Ø                 Für Unsauberkeit: Ein seelisches (Angst, Schock, Zurücksetzung, Einsamkeit) oder gesundheitliches Problem aller Altersstufen. Fehler bei der Sozialisierung = Aufzucht von Jungtieren

Ø                 Für Weder noch: Fehler bei der Eingewöhnung von Jungtieren, andere Versäumnisse, Senioren-Probleme

Ø                 organische Ursachen: Zumeist Blasen-/Nierenentzündung, Schmerzzustände, Durchfall, Verstopfung etc.

 

 

AHA-ERLEBNIS

 

Das Markieren bleibt für gewöhnlich zunächst auf wenige Orte/Objekte (persönliche Gegenstände: Schreibtisch, Kleidung, Zeitungen, Schuhe, Schachteln; alles was neu ist, grade mal so herumliegt oder den Duft des Besitzers trägt) konzentriert. Da indes die strategische Platzierung Vorrang hat, muss alles mögliche dran glauben, egal ob waag- oder senkrecht. Hat der Delinquent seine Wahl getroffen, sucht er/sie diese/n Ort/e immer wieder auf, um nachzubessern (was eine gewisse Vorhersagbarkeit zulässt). Dann wird

 

Ø                 mit aufrecht erhobenem Schwanz und meist zitternder Schwanzspitze ein waagrechter Harnstrahl abgesetzt, wobei Kater (Hoffnung ade) vorher häufig die Streukiste frequentieren. Mädels kriegen dieses Kunststück auch hin, favorisieren aber eher eine hockende Stellung.

Ø                 Genauso wie Kastraten (beiderlei Geschlechts, die manchmal jedoch die stehende Position bevorzugen) und pubertäre Jungtiere.

Ø                 Dem Markieren mit Kot geht in der Regel (nicht immer!) eine penible Suche nach dem passenden Ort voraus = die Katze/Kater scharrt irgendwo auf dem Boden, dreht sich ein paar mal um die eigene Achse - und findet’s dann doch nicht so gut, also anderswo auf ein Neues.

Ø                 Gleiches Verhalten kann man auch bei Katzen beobachten, die, weil das Lösen mit Schmerzen verbunden ist (= nächstes Kapitel), das Kistchen meiden, also beobachten Sie gut!

 

Eine unsauber gewordene Katze hingegen verewigt sich so gut wie nie an senkrechten Flächen und Harn oder Kot werden (aus unserer Sicht) mehr oder minder wahllos verteilt. Am liebsten dort, wo sich das Tier im Augenblick der Tat so ungestört wie möglich fühlt. Häufig ist zu beobachten, dass es seine Kiste deutlich weniger bis gar nicht mehr benutzt oder direkt daneben oder auf deren Rand uriniert oder kotet – in welchem Fall es auch ein „technisches“ Problem sein könnte. Siehe Kapitel Palastrevolution.

Haben Sie nun einen Youngster zu Hause und möchten wissen, was Sache ist, pilgern Sie erst einmal zum Doc und fragen an, ob der jugendliche Stinker schon „reif fürs Messer ist“. Und lassen bei alle anderen abklären, ob das Malheur eine gesundheitlichen Grund hat.

 

 

SICHER IST BESSER – AB IN DIE PRAXIS

 

Organische Ursachen sind logischerweise nicht zu unterschätzen. Wie jede Krankheit. Wieso benutzt sie nicht trotzdem ihre Toilette? Weil eine Katze (ungeachtet ihres Alters), die Beschwerden beim Harn- oder Kotabsatz hat, diese sehr häufig mit dem Ort des Geschehens in Verbindung bringt und das „Killerklo“ meidet in der Hoffnung, dass es anderswo nicht wehtut. Und, weil diese Zuversicht eine trügerische ist, mit wachsender Verzweiflung eben wechselt. Abgesehen von Durchfall und einer für die Katze oft viel quälenderen Verstopfung gibt es eine ganze Reihe medizinischer Gründe, die sie dazu bewegen können, das Kistchen als Feind zu betrachten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

Ø                 Infektionen des Harntraktes oder Harngrieß/Steine

Ø                 Entzündungen im Magen-Darmtrakt

Ø                 Verdauungsstörungen mit/ohne Blähungen

Ø                 Nierenprobleme

Ø                 Diabetes

Ø                 Fehlfunktionen der Schilddrüse

Ø                 schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparates

Ø                 Störungen des Nervensystems

 

Zwecks Diagnosehilfe kann es nicht schaden, Beobachtungsposten zu beziehen: Definitiv Doktor ist angesagt,

 

Ø                 wenn der Harn dunkel verfärbt oder mit Blut gemischt ist (dann bitte hurtig!!);

Ø                 wenn (meist mit Mühe und konzentriert angespannter Miene) nur kleine Harnmengen abgesetzt werden = mehrfach täglich ein Fingergut voll oder immer wieder mal wenige Tröpfchen;

Ø                 wie ist die Kotkonsistenz? Durchfall (ein häufiger Grund) kann genauso Schmerzen auslösen wie zu harter Kot, wobei die Katze dann meist tief in die Hocke geht und presst und presst, bis endlich einige steinharte Kügelchen kommen. Oder die Kotmassen sind so voluminös, dass sie genauso Mühe hat, sie herauszukriegen;

Ø                 maunzt die Katze dabei oder zeigt andere Symptome von Schmerz? Dazu gehört etwa heftiges Peitschen mit dem Schwanz oder Zeichen momentaner Aggression.

 

Auch Verhaltensänderungen sind Grund genug für den Besuch beim Doc: Unruhe, Nervosität, unübliche Passivität bis zur Apathie, blasse Schleimhäute, Appetitlosigkeit, erhöhte Temperatur, müde, glanzlose Augen. Ein bisweilen unterschätztes Alarmsignale wäre auch, wenn die sonst so Penible ihre Körperpflege vernachlässigt. Im Prinzip könnte jede Erkrankung negative Erfahrungen mit dem Kistchen provozieren, weil Mieze Ursache und Wirkung nicht auseinanderklamüsern kann. Beispielsweise wenn sie just am stillen Örtchen eine Schmerzwelle überrascht, die damit gar nichts zu tun hat/haben muss. Manchmal behält sie das störende Verhalten auch nach Gesundung bei, da sie die Toilette sozusagen noch in schlechter Erinnerung hat!

Gibt der Doc Entwarnung, weil er die Patientin auf Herz und Nieren überprüft und auf den Kopf gestellt, aber nichts Organisches gefunden hat, geht’s jetzt zur Sache: Zuvor indes

 

 

DIE ULTIMATIVE GRUNDREGEL:

KEINE STRAFEN

 

Gäbe es eine Steigerung fürs definitiv Letzte, wäre sie hier angebracht! Dass Strafen Angst sowohl auslösen als auch verstärken, ist ja nun nicht neu. Dass es absolut gar nichts bringt außer einer Verhärtung der Fronten bis ins Unendliche, schon weniger. Doch dass seelische Züchtigungen die Welt einer Katze komplett zum Einsturz bringen können – und sie sich mitunter nie wieder davon erholt – wird seltsamerweise noch immer häufig negiert. Sensible Blümchen kann schon sehr harsches Zurechtweisen aus den Pfötchen kippen lassen, werden Mieze jedoch strafweise Körperkontakt, Streicheln oder andere Rituale verweigert, ist das Fiasko vorprogrammiert. Liebesentzug ist neben körperlicher Gewalt die wohl übelste Maßnahme schlechthin.

Also bitte keinerlei Herzlosigkeiten oder Übergriffe wie anschreien, mit der Zeitung aufs Hinterteil klatschen oder als Gipfel aller Hirnlosigkeit womöglich mit der Nase in die falsch platzierte Hinterlassenschaft stupsen – machen Sie sich nichts vor, sie kann es nicht verstehen. Selbst in Flagranti ertappt heißt (in diesem Fall) für sie höchstens, an dieser Stelle ist es nicht genehm. Ergo sucht sie so lange eine andere, bis sie ungestört ist und niemand zuschaut. Und wird lernen, sich rechtzeitig aus dem Staub zu machen bzw. Ihnen überhaupt aus dem Weg gehen – was weiß man schon, wann der Mensch urplötzlich wieder mal so ausrastet? Verunsicherung und Unglücklichsein wachsen, das Vertrauensverhältnis ist dahin und Sie haben Ihren wichtigsten Trumpf verspielt: Die Chance auf Kommunikation. Die brauchen Sie aber, wenn Sie Erfolg haben möchten. Daher

  

MIT GRUSS UND KUSS, DEIN MENSCH

 

Erziehungsmittel Nummer eins ist Lob. Sehr witzig, was gibt’s da zu loben? Na ja, Sie werden das Verhalten Ihrer Katze doch nicht auf die stillen Geschäfte reduzieren und „den Rest“ vergessen. Es gibt immer irgendeinen Anlass zu Lob und in diesem Fall ist es besonders wichtig, ihr zu zeigen, dass sie Ihre Liebe nicht verloren hat. Allerdings sollten Sie es auch so meinen und nicht nur aus Therapiegründen missbrauchen, denn sie könnte die Halbherzigkeit des Tonfalles richtig deuten und ihre Verunsicherung wächst. Jede Katze wird sich bemühen, sofern Sie eine gute Beziehung zueinander haben, Ihnen zu gefallen, auch wenn sie nicht immer versteht, was Sie meinen. Setzen Sie daher vor allem in solchen Krisenzeiten auch nichts als selbstverständlich voraus, denn ebenso wie bei Menschen untereinander oder bei Katzen untereinander findet auch bei einem Mensch-Katze-Duo mitunter gleichzeitig eine Neuordnung im Gemeinschaftsgefüge statt und das Klima verändert sich.

 

WARUM MACHT SIE DAS BLOSS?

 

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie mit einem Lebenspartner zurechtkommen müssen, den Sie sich nicht selbst ausgesucht haben? Hochentwickelten, sensiblen und intelligenten Tieren wie unseren Katzen oder Hunden wird da eine bemerkenswerte Leistung abgefordert und genauso wie wir brauchen sie manchmal ein Ventil: Klappt es nicht mit dem Anpassen oder Wegstecken, bauen wir unseren Frust in einer verbalen Schlammschlacht ab, knallen mit den Türen, kriegen Kopfschmerzen oder ein Magengeschwür. Scheut eine Katze nicht den Konflikt, wird sie auch kämpfen ... und in letzter Konsequenz pinkeln, wenn alle Signale unbeachtet geblieben sind.

Seelchen sind gefährdeter, weil sie oft als solche nicht erkannt werden. Häufig sind es daher die freundlichen, sich friedlich unauffällig verhaltenden, absolut angepasst scheinenden Katzen, deren seelisches Gleichgewicht leichter aus dem Lot gerät. Sich zur Wehr setzen entspricht nicht ihrem Naturell, aber glücklich sind sie auch nicht. Und ihre stille Art sucht ein ebenso stilles Ventil. Was jetzt nicht bedeuten soll, dass Sie Ihre bisher unkomplizierte und liebenswürdige Begleiterin argwöhnisch beäugen und fürchten müssen, irgendwann mal in einer Pfütze aufzuwachen ...

Leben mehrere Katzen miteinander und nur eine greift zu dieser Notlösung, weil sie sich unterdrückt oder von uns zu wenig beachtet fühlt, kann das hin und wieder eine Art Gruppenpinkeln auslösen. Entweder weil sich eine andere aus ähnlichen Gründen anschließt oder mittels eigener Duftmarke den Boss herauskehrt. Da braucht es Subtilität bei der tröstend bevorzugenden Behandlung, aber mit Geduld und Spucke, sozusagen, wird es sicher klappen.

Weil wir schon bei der Rangordnung sind: Auch ein Katze & Mensch-Duo ist eine Gruppe, Hinweisschild braucht’s da freilich keines, denn dass Harn- oder Kotmarke eine an uns gerichtete Botschaft ist, ist ja wohl klar. Die Frage ist nur, wie übersetzen wir’s denn?

 

SIGNALE

 

Tritt Unsauberkeit von jetzt auf gleich auf, ging dem ein markantes Schockerlebnis voraus (Polizeisirene, Haushaltsunfall, unliebsame Besucher mit/ohne Kleinkind/Hund, anderes kurzfristiges Getöse) und die reflexartige Handlung wird nicht wiederholt. Falls doch, war der Auslöser kein Einzelfall und vom tagelang herumwerkelnder Installateur über einen Hausgast oder neuen Lebenspartner ist alles möglich. Häufig löst Trennungsangst Unsauberkeit aus, also zeitweilige (Urlaub) oder bleibende (Scheidung, Tod) Abwesenheit der Bezugsperson oder eines Partners (Hund, Artgenosse). Weil geduldig, kann es dauern, bis Mieze realisiert, dass das Herzblatt nicht mehr wiederkommt. Nun, alles, was einer Katze auf der Seele lasten kann, lässt sich hier nicht aufzählen. Fakt ist, dass ihre „feuchte Reaktion“ ein Hilferuf ist und dass sich die Grenze zwischen Angst und Frust oft schwer ziehen lässt. Letztendlich hängt es davon ab, wie wir damit umgehen.

Um denkbar nahe an die Ursache heranzukommen und nicht am falschen Ende anzusetzen kann es nicht schaden, alles aufzulisten, was Ihnen einfällt. Meist sind unbeachtete Kleinigkeiten der Auslöser – sonst wäre Ihnen die Re-Aktion vermutlich schon früher aufgefallen! Eine mit Ihnen/Katze/Haushalt vertraute Person kann helfen, damit Sie sich beim Nachdenken nicht ständig im Kreis drehen. Versuchen Sie einen Zeitraum einzugrenzen, in welchem sich in Ihrem Haushalt etwas verändert hat.

Kommen Sie trotzdem nicht dahinter, kann oft der Platz, den Mieze zur Demonstration des seelischen Unmutes wählt, schon der erste Hinweis sein.

Ein häufiger Tatort ist das Bett: Welche Seite? Ihre oder die Ihres Partners? Hat sie mit Ihnen ein Hühnchen zu rupfen oder mit ihm? Der Weisheit letzter Schluss ist das zwar nicht, weil es dennoch differente Interpretationsmöglichkeiten gibt, aber möglicherweise ist Eifersucht im Spiel. Gelegentlich wird Mieze schon mal aus dem Bett geschubst oder mit teilweisem Schlafzimmer-Verbot bedacht, wenn ihre Menschen unbeobachtet miteinander spielen wollen ... also wird sie bei der nächsten Gelegenheit ihre Kränkung deutlich machen. Allerdings gibt es in der Tat sehr besitzergreifende Katzen/Rassen und auch solche, die unsere Spielchen mit Kampf verwechseln und dann den Partner attackieren, weil sie "ihren" Menschen entweder nicht teilen oder ihn beschützen möchten. Ohne Lösung eines solchen psychischen Problems werden Sie indes kein Land gewinnen.

Tatort Eingangstür: Eine kurze Stippvisite zur netten Nachbarin könnte theoretisch schon gereicht haben, den Wunsch nach weiteren Ausflügen zu dokumentieren. Sommerliche Ausflüge sowieso ... Allerdings wissen Katzen sehr gut, durch welche Pforte wir ins Unendliche verschwinden und können damit anzeigen, dass sie sich zu lange alleingelassen fühlen und/oder z.B. (weil urlaubsbedingt) der Catsitter kein akzeptabler Ersatz ist.

Tatort Badezimmerteppich: Nicht schlüssig erklärbar. Könnte mit den Duftstoffen der gummierten Unterseite zu tun haben, wobei allerdings hinterher (= Gewohnheit?) ersatzweise aufgelegte Handtücher genauso dran glauben müssen. Denkbar wäre auch, dass wir ein Signal an dieser Stelle nie übersehen würden. Ergo kann es nicht schaden, die Ursache zu hinterfragen. Die bisweilen ziemlich simpel sein kann, etwa wenn ihr Klo in der Nähe steht oder sie mal schauen wollte, wer da was so treibt, und nassgespritzt wurde. Fällt Ihnen nichts ein: a) Doktor (Blasentzündung o.ä.?), b) nur bei Bedarf auflegen oder permanent waschen.

Tatort ?? Sind es verschiedene Plätze, die Ihre Katze abwechselnd immer wieder aufsucht und kein erkennbares Muster dahinter, könnte es an „Versäumnissen“ liegen, die Sie verschuldet haben ...

 

 

SZENARIEN EINER PALASTREVOLUTION

 

Harmlose Ursachen jenseits organischer oder psychischer Probleme gibt’s nämlich auch. Etwa wenn man nicht bedacht hat, dass ein Kistchen quasi mit der Katze mitwachsen muss. Ist es nur eine Schale, krallen sich manche an den Rand und hampeln frei schwebend darüber (machen Sie wirklich oft genug sauber?) - da kann man nicht auch noch passend zielen. Steht die Gute indes brav mit allen Vieren in der Einstreu, mit der Nase platt an der Wand von wegen ungestört, kann bei einer zu kleinen Toilette auch mal das Hinterteil im Freien hängen, ohne dass sie es bemerkt. Also eilen wir pflichtschuldigst (oder mit Grimm im Bauche) und erwerben entweder ein Riesenklo á la Badewanne (wo sie möglicherweise kaum drüberkommt bzw. nicht sehen kann, wo sie landet) oder einen überdachten Palast. Vielleicht auch noch mit Schwingtür ...

Vor der sie sich fürchtet oder nicht dahinterkommt, wie's funktioniert. Oder das Ding ist trotzdem zu klein und sie kann sich ohne Verrenkung kaum umdrehen oder Probemulden graben (und schaufelt dabei die halbe Einstreu durch den Eingang). Dazu kommt: Selbst wenn’s eine Luxusvilla mit Filter ist, gibt es keinen Luftaustausch und der Geruch staut sich. So manche Katze mag das nicht, sie gräbt und gräbt und riecht sich immer noch = hängen Sie die Tür aus! Reicht das nicht, entfernen Sie den Filter, sodass das Odeur durch das Gitterchen entfleuchen kann. Andersherum kann sich besonders der Umstieg auf eine parfümierte Einstreu zu einem Ärgernis auswachsen, weil sich die Katze dann zwar selber nicht mehr riecht (was ja eh nicht will, drum gräbt sie’s ja ein. Hoffentlich), aber sie möchte wissen, WAS sie eingräbt. Unterlässt sie bloß das Verscharren, haben Sie Glück gehabt ... aber auch nicht komplett gewonnen. Das alles kann, genauso wie ein anderer Standort oder andere Ärgernisse (siehe nächstes Kapitel), einer Katze das Kistchen verleiden, hat jedoch nichts mit Unsauberkeit zu tun.

Gleiches gilt für kleine Kätzchen, die’s quasi beim Züchter noch gewusst haben (interessierte solche finden Ausführliches darüber im Ratgeber ZÜCHTERFIBEL) – und im neuen Heim postwendend vergessen? Quatsch. Lesen Sie mal bei Haltung – Der Tag, an dem die Katze kommt nach. Am besten natürlich, bevor die Mieze einzieht ...

Auch alten Katzen, die sich eine gewisse Leibesfülle angefuttert haben, geht der seltsame Schrumpfungsprozess ihrer Toilette irgendwann mal so auf die Nerven, dass Mühsal und Plackerei inakzeptabel sind – an sich daran erkennbar, dass die Hinterlassenschaft direkt vor dem Örtchen platziert wird. Oder, siehe vor, fürs wesentliche Ende keinen Platz finden, ohne das zu realisieren. In Ermangelung eines Steigbügels könnte genauso nachlassende Gelenkigkeit das Hineinsteigen erschweren bzw. wachsende Beschwerden das Lösen nach davor verlagern. Wird das eine Weile ignoriert im Sinne von seufzend weggeputzt, kann sich daraus freilich eine Gewohnheit entwickeln und diese mitunter trotz später doch noch angeschafftem seniorengerechtem Kistchen beibehalten werden. Zudem können sehr alte Katzen gelegentlich tatsächlich vergessen, wo in aller Welt denn bloß das Klo steht.

Abgesehen davon liegt aber das Lösen jenseits des Kistchens bei Senioren – besonders bei anderswo und nicht nur daneben - sehr oft am Nachlassen des Blasenschließemuskels. Was zeitweilig dazu führen kann, dass es sie im Schlaf überkommt. Auch das hat mit Unsauberkeit nichts zu tun und wäre medizinisch beeinflussbar. Vor allem die Naturheilkunde kann hier viel bewirken, ohne den Organismus zu belasten und den Oldie zu vergrämen.

 

WOHN-REFORM

 

Noch ein paar Tipps, die helfen können, je nach Situation das Beheben der Ursache zu erleichtern – oder die möglicherweise auslösend daran beteiligt waren. Starten Sie am besten gleichzeitig mit Seelestreicheln, Spiel-Sessions oder was immer Ihnen einfällt – wer sich geliebt fühlt, hat zumindest keine seelischen Probleme ... Aber erwarten Sie keine Wunder und fassen sich in Geduld!

 

Ø                 Erhöhen Sie die Anzahl der Toiletten, wählen verschiedene Ausführungen (mit/ohne Haube/Schwingtür) und machen die Katze in ruhigen Momenten damit bekannt (sachte reinsetzen, keinesfalls zwingen, darin zu bleiben). Nicht pausenlos, sonst schaffen Sie neue negative Erinnerungen.

Ø                 Senioren und Kitten sollten fast drüber stolpern, heißt gut sicht- und leicht erreichbar platzieren. Beide brauchen einen niedrigen Einstieg!

Ø                 Auch wenn Sie nur eine Katze haben: Unbedingt täglich saubermachen bzw. Streu wechseln, je nach Produkt.

Ø                 Ruhiger Standort, keinerlei Störungen während der Geschäfte (nicht mal entferntes Zugucken = Kleinkinder tun das ganz gern, wenn sie mitkriegen, dass „das“ zum Problem geworden ist. Oder Bello steckt mal den Kopf durchs Türchen. Igitt, wie peinlich).

Ø                 Niemals neben/nahe dem Futterplatz – einmal Durchfall quasi neben dem Teller, kann ihr das Örtchen total verleiden. Oder beides.

Ø                 Ungehinderten Zugang gewährleisten (wenn’s Kistchen etwa im WC/Bad steht); so manche „Unsauberkeit“ hat ihren Ursprung in einer versehentlich geschlossenen Tür.

Ø                 Achten Sie in einem Mehrkatzenhaushalt darauf, dass keine einer anderen aufgrund wechselnder Animositäten den Zugang/das Verlassen verwehrt (kommt bei mehreren Streukästen selten vor)

Ø                 neue Einstreu = neue Toilette; belassen Sie bis zur Akzeptanz die gewohnte am bisherigen Standort oder direkt daneben (Achtung bei Hobelspänen, sie könnten Holzschutzmittel-Reste enthalten)

Ø                 Vermeiden Sie Reiniger auf Ammoniak-Basis. Der Geruch ähnelt dem Katzenurin, in der Kiste riecht‘s daher nach fremder Katze und nach „besetztem Gebiet“, weil Harn (als Teil der Katzensprache) ja auch zum Reviermarkieren dient.

 

Gleichzeitig müssen Sie natürlich putzen, bis die Schwarte kracht. Im gut sortierten Fachhandel (oder im Internet) wird eine Reihe sehr effizienter Reinigungsmittel angeboten, mit welchen Sie Ihrem misshandelten Heim wieder zur Blütenfrische verhelfen können. Zwecks umfassender Desensibilisierung kann sich hinterher ein Pheromonspray bewähren. Die Zeiten des (übrigens völlig nutzlosen) sogenannten Fernhaltesprays sind endgültig Geschichte!

 

 

FEIN, ABER ...

 

Müssen Sie den Missetäter überhaupt erst ausforschen oder wissen gar nicht, wo er sich überall verewigt hat – es ist wichtig, keine „Restplätze“ zu übersehen, die Erinnerungen wachrufen könnten – ist guter Rat teuer. Mitnichten. Und auch technisch gesehen nicht schwierig, reden Sie mit Ihrem Doc

 

Ø                 der durch Verabreichen von 0,3 Milliliter einer zehnprozentigen Na-Fluorescin-Lösung subkutan oder 0,5 Milliliter oral den Harn färbt. Der Farbstoff ist wasserlöslich und zwei Stunden danach im Urin zu sehen. Im verdunkelten Raum können Sie mittels UV-Lampe (vom Doc ausleihen) die jeweils frequentierte Stelle orten als auch den Täter überführen. Beginnen Sie mit dem Hauptverdächtigen und setzen bei negativem Ergebnis zwei Tage später mit einem anderen Tier fort, bis der Sünder ermittelt wurde.

Ø                 Kennen Sie ihn, stehen aber ratlos im müffelnden Zimmer und wissen nicht, wo überall Sie putzen müssen, kann Sie der „Stink-Finder“ (Internet, Zoogeschäfte) auf die Spur bringen. Das ist eine extrem helle UV-Lampe, mit der sich Urin, Kot, Erbrochenes, Blut, Speichel - alle organischen, fluoreszierenden Flecken - aufspüren lassen. Sogar einige Arten von Pilzsporen.

 

 

AUS DIE MAUS

 

Wie unschwer zu erkennen, ist Unsauberkeit ein Problem mit Steigerungspotenzial – dem sich nicht jeder gewachsen fühlt.

Die gute Nachricht: Hat die Beziehung zu Ihrer Katze bislang gestimmt, haben Sie alle Chancen, das Problem zu meistern. Die weniger gute ist die teilweise etwas strapazierte Sache mit der Chemie, die hier aber durchaus ihre Berechtigung hat. Dass nicht immer alle miteinander können, kommt ja nicht nur innerhalb der Art vor. Dazu kommt, dass wir rauskönnen aus dem Tempel, die Katze nicht. Und aus ihrer Haut schon gar nicht, es liegt immer an uns, etwas zu ändern. Falls Sie also noch nie wirklich Zugang zueinander hatten (die Frage, warum Sie sie dann haben, sei hier mal ausgeklammert) und nicht voll hinter dem Programm stehen, ist es – und das sage ich jetzt wirklich wehen Herzens – für alle Beteiligten besser, Mieze ein neues Zuhause zu suchen. Denn aus einem Probieren mit Krampf kann nichts Gutes entstehen und die Katze leidet mehr, als wir uns vorstellen können, weil sie unsere Anspannung (und Ablehnung!) spürt. Mal abgesehen vom sowieso fragwürdigen Erfolg.

Suchen“ bitte, nicht an den Nächstbesten abschieben, der daherkommt. Wenn das neue Umfeld stimmt, besteht ja berechtigte Hoffnung, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst! Die Crux dabei ist, dass es einerseits unseriös wäre, den Grund für die Vergabe zu verschweigen, die Offenheit andererseits die Chancen der Katze minimiert – ein Balanceakt. Der schöne Spruch „ehrlich währt am längsten“ kann immerhin die Spreu vom Weizen trennen und wäre dem Risiko vorzuziehen, dass sich nach einer unterschiedlich langen Eingewöhnungszeit das alte Leiden erneut einstellt und die arme Mieze wieder vor Ihrer Tür steht – bestenfalls. Beliebte Alternativen sind Tierheim, Einschläfern oder Degradierung zum Wanderpokal ... Super. Und jetzt?

 

 

SCHÖNE AUSSICHTEN

 

Die Lösung heißt Gartenplatz. Interessanterweise hat’s das in fast allen „unlösbaren“ Fällen gebracht, wie mir mehrfach berichtet wurde. Mieze bekam ein Katzentürchen (mit teils dahinter und davor jeweils ein Kistchen sowie Futter-/Wassernapf, teils entweder/oder), konnte kommen und gehen wie es ihr beliebte und ihr Leben selbst in die Pfote nehmen. Vor allem aber war sie nicht nur mit dem Erkunden dieses Riesenreviers bis über die Ohren beschäftigt und musste sich komplett neu orientieren, sondern es ermöglichte ihr auch eine Rückbesinnung aufs Ureigenste. Sozusagen. Klingt nach Seelenklempner ... ist auch so.

Um beim Jargon zu bleiben: Alle „Testkatzen“ sind wieder zu Katzen geworden, die sich aus freien Stücken immer mehr dem Menschen anschlossen. Aus ihrer Sicht natürlich, aber darum geht es ja. Anfangs nahmen sie nur die Annehmlichkeiten geregelter Futterversorgung in Anspruch, gelegentlich ein Plätzchen auf dem Sofa und nach und nach ein paar Streicheleinheiten bis hin zur Verwöhnorgie. Aber nach unterschiedlich langer „Bewährungsfrist“ (längste dokumentierte: ein Jahr, also Geduld!) fügten sich alle in den Haushalt ein und die Symbiose war wiederhergestellt. Selbstverständlich unter Beibehaltung des freien Zu- und Weggangs. Mit Ausnahmen: Zwei Katzen zogen bei Nachbarn ein und eine verschwand spurlos. Die Ungewissheit, was immer ihr geschehen sein mag, tut unglaublich weh und ich hoffe, Sie halten mich jetzt nicht für herzlos – aber wie schmerzhaft sind zehn Jahre Haft im Badezimmer, im Keller oder im Tierasyl?

In diesem Sinne: Gutes Gelingen und ein schönes Leben!

 

 

Kleine Putzkunde:

 

·        Es müssen alle Stellen, die als "Filial-Klo" missbraucht wurden, so oft geputzt werden, bis bei der Katze alle eindeutigen Erinnerungen verblasst sind (nicht vergessen, ihr Geruchsvermögen ist unserem weit überlegen!)

·        Pressen Sie aus frischen Flecken mit Küchenpapier zuerst soviel Flüssigkeit heraus wie nur geht (falls möglich, legen Sie dabei auch ein paar Lagen drunter), bis es trocken aussieht

·        Eingetrocknete Flecken mehrmals mit Wasser anfeuchten, sonst wie vor

·        Danach kleinflächig putzen (um den Restharn nicht zu verteilen), wieder trocken pressen und dann großflächiger weitermachen – schwebt dann der neue Geruch ein bisschen in der ganzen Wohnung, passt das schon. Finden Sie Essig-Odeur o.ä. nicht so berauschend, können Sie

·        alternativ nach der Putzorgie auch zu Pheromonspray oder z.B. Outright Lemon Air Conditioner (falls Sie da dran kommen) greifen oder

·        basteln selber einen Raumspray: Qualitativ hochwertige ätherische Öle (Apotheke, Drogeriemarkt), sanfte Düfte mit angenehm entspannender Wirkung wie Lavendel, Rose, Kamille, Zitrone oder Heublumen – zehn Tropfen + ca. 1/4l 60º-warmes Wasser in eine Sprühflasche, kräftig schütteln, fertig. Prüfen Sie die Konzentration, bevor Sie sprühen, wenn’s für Sie schon bisschen intensiv ist, kippt die Katze erst recht weg. Und das Sofa soll’s ja auch aushalten.

·        Verwenden Sie niemals Putzmittel auf Salmiak-Ammoniak Basis (in scharfen Reinigern gern zu finden) - der Geruch erinnert Katzen an Urin und Sie landen ein Eigentor!!

 

Lassen Sie sich bitte von der allerbesten Werbung nicht einreden, ein Mittel könne Gerüche eliminieren – die Luft austauschen geht nun mal nicht. Gerüche können immer nur überdeckt werden. Heißt: Eine gelegentliche Kontrolle und nachsprühen kann nicht schaden.

 

 

 

 

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