Geliebter Tyrann

 

 

GELIEBTER TYRANN

 

Hat Ihre Katze auch eine Marotte?

 

 

Wenn ja, befinden Sie sich in guter – und beachtlich großer – Gesellschaft. Denn die meisten Katzenhalter sind der Meinung, dass bei ihrer Mieze ein mehr oder minder kleines Schräubchen locker sei, sie nicht alle Tassen im Schrank habe oder was auch immer an lockeren Sprüchen zum Sammelbegriff Macke passt. Der wir zwar meist mit Kopfschütteln begegnen, sie indes nichtsdestotrotz tolerieren. Oder wie gehen Sie damit um?

 

 

 

NICHT OHNE MEINEN SCHNULLER

 

Allerdings müssten wir erst einmal „Macke“ definieren. Auf den Vorhängen schaukeln, das Sofa mülltauglich kratzen oder uns die Wurst vom Brot klauen sind eindeutig KEINE, sondern fallen in die Rubrik Erziehung (ein kleiner Lehrgang ist in Vorbereitung). Marotten sind Eigenheiten, die an sich keinen Schaden verursachen und für die es nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit eine Erklärung gäbe, in vielen Fällen sogar eine nahe liegende, aber wir finden sie halt nicht. 

Emil z.B. hat eine Macke: Wo er sich aufhält, ist auch seine Schmusedecke nicht weit, auf der er schläft, sich darunter versteckt oder bloß mit den Pfoten umklammert hält, als wär’s sein kostbarster Besitz. Phf, macht Ihre auch? Und? – schleppt sie das Ding genauso querfeldein bis zum Futternapf und hat manchmal sogar noch einen Zipfel im Maul, wenn sie aufs Klo muss? Hat es bei jedem Schritt und Tritt dabei, selbstverständlich auch im Transportkorb? Wie Randy beispielsweise, der ohne sein Gobelinkissen nicht mal mit Gewalt in den Behälter gestopft werden könnte und einen Riesenwirbel macht, wenn er auf dem Behandlungstisch beim Tierarzt nicht drauf sitzen darf – mit dem guten Stück unterm Hinterteil aber friedlich wie ein Lämmchen alles über sich ergehen lässt. Das für ihn indes nur auf Reisen ein absolutes Muss ist und ihn auch im Auto die Klappe halten lässt, egal wie lange die Fahrt dauert, während es ihn zu Hause nicht die Bohne interessiert. Bärli schon. Sein Miniaturpölsterchen dient einzig und allein den Momenten absoluter Glückseligkeit, nämlich um geschlossenen Auges mit den Vorderpfoten darauf Milchtrittchen zu machen und verzückt zu schnurren. Keine menschliche Liebkosung vermag ihn in diesen Trancezustand zu versetzen – genauso wenig wie irgendein anderes Kissen oder sonst was. Eine ziemliche Herausforderung, weil es zwecks unabdingbarer Reinigung immer wieder mal nicht verfügbar ist. Und weil Bärli dann in mitleiderregend depressive Ratlosigkeit verfällt und regelrechte Freudentänze aufführt, wenn sein Talisman wieder auftaucht, hilft die freundliche Nachbarin neuerdings mit ihrem Trockner aus.

Dass viele Katzen eine Vorliebe für vor allem längeres Menschenhaar haben, in das sie „eintauchen“, wann immer sie drankommen (meist im Bett oder auf der Schulter sitzend) und genüsslich zu Treteln, Schnurren und Nuckeln beginnen, ist nicht direkt ungewöhnlich, freilich der Frisur bisweilen weniger zuträglich. Interessanterweise machen sie das aber oft sogar bei Fremden, die, katzenfreundlich gestimmt, mit einer gewissen Rührung gern die Demontage ihrer Fönwelle hinnehmen. Etwas lästiger gestaltet sich Emelys Vorliebe, sich nächtens in die Armbeuge zu kuscheln und alsbald anzufangen, glücklich am Schlafanzug zu nuckeln. Bevorzugt nahe der Achselhöhle, wobei irgendwie keine geschmacklich ansprechenden Assoziationen aufkommen wollen und zudem das Nachtgewand dermaßen vollgesabbert wird, dass Frauchen neben dem Bett einen Stapel T-Shirts zum Wechseln deponiert hat.

Dass wir uns die Marotten mit der Decke und den Kissen aufs Aug drücken lassen, ist noch verständlich und macht keine wirklichen Umstände, auch des Hauptes Zierde kriegen wir wieder hin (sofern die Dauerwelle hält) - aber jede Nacht im Halbschlaf mal die Wäsche zu wechseln klingt schon recht tapfer.

 

 

ECHTE HELDEN

 

Nicht weniger wacker auf die Geduldsprobe gestellt werden wir, wenn’s um die Tischmanieren unserer Lieblinge geht, denn die Mehrheit zeigt einen beklagenswerten Mangel an Schicklichkeit. Vom Teller oder direkt aus dem Napf scheint’s weniger zu schmecken, als wenn die Bröckchen erst einmal daneben platziert werden, wobei natürlich haufenweise Krümel übrigbleiben und der Futterplatz einem Schlachtfeld gleicht. Da muss eine große, abwaschbare Unterlage her, klar. Mit welcher man mitunter die ganze Küche pflastern müsste, weil’s trotzdem stets ein Daneben gibt.

Tja, Freunde, immer noch besser als wenn Rocky mit jedem Bissen Fleisch durch die Wohnung donnert und dann irgendwo verspeist, sodass die halbe Familie hinterher damit beschäftigt ist, die Reste einzusammeln, bevor sie sich als Maden selbständig machen. Oder wenn Kiwi die Bröckchen vor dem Verzehr erst in Frauchens Schuhe schmeißt. Schuhschrank? Kein Hindernis. Mangelt es am passenden „Gefäß“, macht Kiwi ihn auf und angelt sich eins heraus. Sportschuhe sind übrigens besonders beliebt, während die Highheels nur in Ausnahmefällen dran glauben müssen. Großmütig ein Paar zu opfern hat’s übrigens nicht gebracht, wohl weil’s nicht getragen wurde. Vielleicht würde es Käse auf dem Speisezettel bringen?

Ganz anders gestrickt sind jene Leisetreter, die während der Mahlzeit Unterhaltung oder sogar Körperkontakt wünschen. Wie Krümel, die ohne verbale Aufmunterung erst gar nicht mit Fressen anfängt (und daher eine gute Figur hat). Bei testweisem Schweigen sitzt sie unschlüssig neben dem Napf und wackelt mit den Ohren, als würde sie ihren Anspruch auf den Inhalt bezweifeln – Krümel ist 14 Jahre alt und seit ihren Kindertagen eine Einzelkatze, der nie eine andere etwas hätte streitig machen können! Tiger ebenfalls nicht, der wiederum auf der Küchenzeile zu speisen wünscht und nicht einmal seine Lieblingsleckerei anrührt, wenn sie zu ebener Erd’ serviert wird. Couch ist okay, wie alles was erhöht ist, nur der Fußboden ist unter seiner Würde.

Liebling (je)der Hausfrau wäre vielleicht Romy, denn sie veranstaltet keine Schweinerei, klaut indes stets ein Hängerchen und zieht es über den Napf, wenn sie ihre Mahlzeit für beendet erachtet und nicht alles aufgefuttert hat. Ist die Schale jedoch leer, deponiert sie eine Fellmaus darin und deckt sie zu. Da kann man schon ins Grübeln kommen, oder?

PAPIERTIGER

 

Die meisten Katzen mögen Papier. Man kann drauf liegen und es „besetzen“, Stapel zum Einsturz bringen und mit den Flugobjekten um die Wette jagen, um danach einzelne Blätter unter Schränken oder Teppichen zu verstecken oder zu Schnipseln zu verarbeiten. Letzteres ist eine Lieblingsbeschäftigung von Mickey, der nicht nur den Kids gern bei den Schularbeiten hilft, sondern auch so manche Seite einfach aus den Heften reißt, wenn grade keiner zuguckt. Welche er dann genüsslich zerkaut, was häufig Unerfreuliches zur Folge hat, weil die Reste als Beweis für brav erledigte Aufgaben kaum noch tauglich sind.

Charly wiederum hat eine unziemliche Neigung zu Klopapier, was insofern blöd ist, weil es für das Katzenklo keinen anderen Platz gibt als Bad/Toilette, weshalb seine Menschen die Tür nicht einfach geschlossen halten können. Würde freilich keinen großen Unterschied machen, denn Jonas ist auch geübt in der Kunst des Türenöffnens – trotz heruntergeklappter Klinke. Das Badezimmerschränkchen in luftiger Höhe, wo die Papierrollen nun hinter verschlossenen Türen (ohne Griff!) lagern, konnte er zwar noch nicht knacken, aber auch der Mensch in Action kommt nicht ran. Oder vergisst hinterher, die Rolle verschlusssicher zu retournieren. Dann schlägt Jonas’ große Stunde und er ruht und rastet nicht, bis der Pappkarton zum Vorschein kommt, der sich so gut zum Fußballspielen eignet. Das hebt er sich immer als Krönung auf, denn zuvor muss jedes Blatt gewissenhaft zerpflückt und/oder in Endlosschleifen abgerollt und mit rasantem Tempo im Haus verteilt werden. Jonas ist übrigens ein Freigänger, hat jedoch einen siebten Sinn und ist ohne Ausnahme zur Stelle, wenn wieder mal Großkampftag im Supermarkt war. In der Regel werden ja nun leichter verderbliche oder gefrostete Vorräte zuerst verstaut, und dann liegt so eine Riesenpackung Toilettenpapier schon mal eine Weile unbewacht und nutzlos herum. Verpackung aufschlitzen, eine Rolle klauen und ab durch die Mitte wie eine Rakete dauert nur wenig länger als ein Wimpernschlag ...

 

 

TECHNIKER

 

Dass Katzen Türen öffnen und vereinzelt sogar einen Drehknauf bezwingen können, ist vermutlich nicht wahnsinnig neu. Dass Katzen generell eine Abneigung gegen geschlossene Türen haben und so manchen Besitzer mit ihren Rein-Raus-Spielchen damit in den Wahnsinn treiben, auch nicht. Schranktüren und Kommodenschubladen aufdröseln, Wäsche und Pullover rausschmeißen und/oder sich darin ein Nest bauen, damit lässt sich zur Not irgendwie leben. Und wenn das Business Schwarz oder Dunkelblau erfordert, wird’s eben in Kleidersäcken verstaut. Bisher habe ich allerdings nur von einer einzigen Katze gehört, der es gelungen ist, den Reißverschluss eines solchen aufzukriegen und sich darin häuslich niederzulassen (und erst nach Stunden banger Verzweiflung dort aufgespürt werden konnte), aber wer kennt schon die Dunkelziffer?

Nun, Kühlschränke üben zweifellos eine gewisse Faszination aus, der wir aber eher wenig abgewinnen können, wenn uns ein Teil des Inhalts abends entgegenfließt. Oder, wie es mir einmal passiert ist, sich die Lammkeule fürs Osteressen buchstäblich ins Nichts aufgelöst hat (raten Sie mal, wo ich nach langem Suchen den restlos abgenagten Knochen gefunden habe) und sich die auf dem Boden verstreuten – nur vordergründig unversehrt erscheinenden – Milchpackungen als komplett leer erwiesen haben. Zähne reinschlagen und aufschlecken, was rauskommt, bis zum letzten Tropfen. Am späten Samstagabend. Frohe Ostern! Warum Minka allerdings den Tiefkühler bloß aufmacht und sich dann trollt (und die Stromrechnung in die Höhe treibt), das weiß der Himmel. Noch viel weniger, wieso sie immer wieder mal die Mikrowelle einschaltet und sich dann drauflegt, denn wärmer wird’s dadurch kaum, aber vielleicht hat sie was übrig für therapeutische Schwingungen?

Als Technikfreak geoutet hat sich jedenfalls T.C., der vor allem das Telefon und den Anrufbeantworter so lange unterhaltsam fand, bis zur Freude der Kids die gesamte Familie auf Handys umgestiegen ist. Allerdings erst, als er bei seinen Tastenspielchen offenbar mal den Notruf „gewählt“ hat, was für Tumult in der Nachbarschaft und einige (kostenpflichtige) Aufregung sorgte. Aber er hat’s mit Knöpfen. Die Küchentür ist zwar (mit Schlüssel) abgeschlossen, damit er nicht am Herd herumfummeln und die Bude abfackeln kann, aber es gibt ja sonst auch noch ein paar anderswo. Aktuell studiert er, wurde mir berichtet, die vom Hi-Fi-Turm ...

 

 

KATZE MÜSSTE MAN SEIN

 

Marotten allerorten, wieso nehmen wir sie hin? Weil wir sie lieben und glücklich sehen möchten? Aufgrund eines unterschwellig schlechten Gewissens, weil die Mieze tagsüber allein ist und wir ihr keinen Partner gönnen können/möchten, warum auch immer? Weil es einfacher ist, sich mit kleineren Unarten zu arrangieren, als eine Prozedur der Erziehung in Gang zu setzen, der wir uns nicht gewachsen fühlen oder für die wir keine Zeit/Geduld haben? Für die es bei einer mehrere Jahre alten Katze mehr oder weniger sowieso zu spät wäre oder weil Versuche an Übersetzungsfehlern in der Kommunikation gescheitert sind und wir nicht weiterwissen? Die Gründe sind so zahlreich wie die Macken, die Katzen an den Tag legen, und inwieweit man unseren Umgang damit noch als Kompromiss bezeichnen kann, ist zweifellos individuell unterschiedlich.

Mehreren Umfragen zufolge - allesamt zwar älteren Datums, was freilich nichts besagt, an welchen überwiegend Frauen teilgenommen haben, was vielleicht schon was besagt – sehen wir in unserer/unseren Katze/n einen (mitunter sogar besseren) Partner. Einen Mitbewohner, der Rechte hat und dessen Eigenheiten respektiert und toleriert werden, (vermutlich) solange diese weder den Hausfrieden noch das Interieur über Gebühr gefährden.

 

PSYCHOLOGE AUF LEISEN PFOTEN

 

Immerhin reden gut zwei Drittel ziemlich viel mit ihrer Katze (nicht nur Singles), erzählen von ihren Sorgen oder berichten, wie der Tag so gelaufen ist – also im Prinzip wie mit einem Ehepartner/Lebensgefährten -, fühlen sich interessanterweise aber auch uneingeschränkt verstanden. Dass Mieze sich nur am Tonfall orientieren kann und weder Ahnung hat worum es geht noch Kontra geben könnte, wird dabei wohl der springende Punkt sein, denn allein wichtig ist, dass sie zuzuhören scheint. Ein beträchtlicher Anteil der Befragten ist übrigens der Meinung, ein glaubhaftes „Miau“ zustande zu bringen, einmal mehr Glück, dass wir nicht immer verstehen, was Mieze uns sagt.

Im Gegenzug erweisen wir ihr (mit einem Topergebnis von siebzig Prozent aufwärts) die Höflichkeit, uns beim Verlassen der Wohnung von ihr zu verabschieden und sie beim Heimkommen sofort zu begrüßen, kennen (und feiern) ihren Geburtstag, beschenken sie zu Weihnachten, verwöhnen sie überhaupt gern, entschuldigen uns für etwaige Vergehen, bemühen uns redlich um Erklärungen bei notwendigen Verboten, würden für sie mangels entsprechend optimaler Ersatzversorgung auf den Urlaub verzichten, überlassen ihr das Kopfkissen, fühlen uns total elend, wenn sie sauer ist ... und können ihr nie wirklich böse sein. Tja, Katzen machen aus uns bessere Menschen. Wir sind ja auch wirklich gut erziehbar. 

 

 

NACHTIGALL, ICH HÖR' DIR TRAPSEN

 

Nun, dass Ergebnisse von Umfragen ein bisschen gefärbt sind, liegt auf der Hand, denn kein Katzenhalter wird sich daran beteiligen, um forsch zuzugeben, dass er seine Katze nicht leiden kann oder schlecht behandelt. Manch Macho Man tut derlei auch schon mal als Affentheater ab und würden bei Todesstrafe nicht zugeben, dass er daheim vor seiner Katze auf dem Bauch rumrutscht und zerfließt, wenn sie schnurrt und schmeichelt. Total peinlich, so was. Echte Ekelpakete gibt’s natürlich schon, aber um die geht es hier genauso wenig wie um Erziehung, sondern um Macken.

Ihr geliebter Tyrann hat sich eine zugelegt, die Ihnen dermaßen auf den Keks geht, dass Sie’s ihr gern abgewöhnen würden? Tja, wenn es sich womöglich um eine langjährige Gewohnheit handelt, sollten Sie sich das gut überlegen, weil die Sache aus dem Ruder laufen und sich dann die Hölle auftun kann. Denn dass Katzen ziemlich erfinderisch sein können, wenn’s um Retourkutschen geht, ist ja nicht direkt unbekannt. Andererseits sind sie sehr wohl bis zu einem gewissen Grad erzieherisch zu beeinflussen – ich bitte, die Wortwahl zu beachten! Ein Erziehungslehrgang ist hier aber nicht Thema und steht auch nur sehr peripher im Zusammenhang mit Macken und Eigenheiten. Daher hier nur ein Tipp, weil man’s gar nicht oft genug erwähnen kann:

Dass Steuersenkung oder Weltfrieden Illusionen sind, wissen wir. In die gleiche Kategorie fällt die Sache mit der Zeitung bzw. Wasserpistole/Blumenspritze, die gern als Erziehungsmaßnahme empfohlen werden, weil man die Hand ja nicht benutzen soll, damit Mieze nicht handscheu wird. Wachen Sie auf!

Wir haben die Zeitung doch in der Hand, wer kann da allen Ernstes glauben, sie brächte den berühmten „Klaps“ nicht mit uns Verbindung? Theoretisch wäre Zeitung okay, wenn sie NICHT gegen die Katze gerichtet ist und logischerweise nicht berühren darf. Das heißt, es geht nur ums Geräusch – aus der Entfernung!!, um die akustische Unterstützung unserer Ermahnung. Da können Sie genauso gut in die Hände klatschen ... Sehr ähnlich verhält es sich mit der Blumenspritze: Wenn Sie keinen Feuerwehrschlauch mit entsprechender Reichweite benutzen, werden Sie 1. in der Nähe sein und 2. wird die Katze schnell unterscheiden lernen, ob sie nur dann bei dieser Aktion nass gespritzt wird oder auch, wenn Sie nicht anwesend sind ...

Unterschätze niemals die Intelligenz einer Katze!

 

SCHLUSSPUNKT - IN EIGENER SACHE

 

Ich persönlich halte wenig von Strafen, weil es auch ohne geht, um beiderseits stressfrei zu einer Übereinstimmung zu gelangen. Weil ich genauso harmoniesüchtig bin wie meine Leisetreter, aber es hat immerhin über die Jahrzehnte funktioniert. Natürlich ging es nicht immer ohne ein harsches Nein oder Händeklatschen, und weil ich auch nur ein Mensch bin, ließ ich die eine oder andere Schimpfkanonade vom Stapel – die nix gebracht hat, außer dass alle wie von Zauberhand verschwunden waren, klar. Menschen mit „Zuständen“ geht man eben sicherheitshalber erst mal aus dem Weg. Und wahnsinnig konsequent war/bin ich auch nie, zugegeben, weil ich dem Charme einer sachten Anfrage um Ausnahme einfach nicht widerstehen kann. Jedenfalls meistens. Nur wenn diese Begünstigung dann alle halbe Stunde eingefordert wird, flüchte ich mich ins Nichthören und Nichtbemerken. Klappt immer noch und heißt für die Katze: Mit Geduld zurück an den Start.

 Daher kaufe ich auch brav und ohne zu murren stets einen neuen Rosmarin im Töpfchen, wenn Carlo den auf der Fensterbank wieder mal nach Strich und Faden verdroschen hat, sodass die Zweiglein nur mehr traurig herunterhängen. Sofern sie das überhaupt noch können, er ist da ziemlich rigoros. Es fasziniert mich einfach, weil er einerseits nach jeder Ermordung ausgiebig und mit Akribie seine Vorderpfoten wäscht, andererseits hinterher stracks zum Futternapf stapft. Carlo ist ein Senior und ich frage mich, ob es ihm dabei um die appetitanregende und/oder Magenbeschwerden lindernde Wirkung geht, für die der Rosmarin unter anderem bekannt ist. Und ob er das Zerkauen der Nadeln vielleicht als Überdosierung empfindet und sich daher mit Pfoten-Parfümieren begnügt.

Tja, ohne Zweifel eine Marotte, möglicherweise eine mit Tiefgang, wie die meisten Macken, die unsere Katzen an den Tag legen. Aber pflegen nicht auch wir alle unsere persönlichen Eigenheiten?

 

 

 

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