Sinnesorgane - Tasten und Fühlen

WUNDERWELT DER SINNE

 

TASTEN UND FÜHLEN

 

 

Für den Tastsinn bei der Katze sind Haut, Muskulatur und Sinneshaare zuständig. Von Letzteren hat Mieze ziemlich viele und keineswegs nur die, die uns geläufig sind. Daneben wird auch noch gefühlt, nämlich mittels Temperatursinn, der die Wahrnehmung durch Kälte- und Wärmerezeptoren und freie Nervenendigungen ermöglicht. Insgesamt eine wahrhaft fürstliche Ausstattung, die ihresgleichen erst finden muss ...

 

 

RADAR IM HAAR

 

Ihre wichtigsten Sinnes- oder Tasthaare trägt eine Katze im Gesicht. Dazu gehören die Schnurrhaare auf den Schnurrhaarkissen der Oberlippe, auf jeder Seite in vier fast horizontalen Reihen mehr als ein Dutzend – besonders prächtig bei der Deutsch Langhaar oben. Dann die etwas schwächeren Spürhaare in der Augenbrauen- und Backenregion sowie die kürzer und dünner ausgebildeten am Kinn. Die kennen wir alle, aber wussten Sie, dass sich auch direkt über dem Handwurzelgelenk Spürhaare befinden? Und genauso in den über das gesamte Fellkleid verstreuten, nicht weniger wichtigen Leithaaren? Die im Unterschied zum normalen Haar in einem Sinus (= blutgefüllten Säckchen) enden, mit in Nervenenden mündende Tastkörperchen versehen sind und unabhängig vom periodischen Fellwechsel nur einzeln abgestoßen werden. Außerdem kann man an den Sinneshaaren in demselben Maße wie an den Fellhaaren den allgemeinen Gesundheitszustand ablesen.

Wahrgenommen werden Reize wie Berührung, Druck, Schmerz, Juckreiz bis hin zum allerfeinsten Hauch. Diese enorm hohe Empfindlichkeit beruht auf dem hydraulischen Prinzip, das heißt die winzigste Richtungsänderung des Sinneshaares wird auf das Blut im Sinus und vielfach verstärkt auf die Tastkörperchen übertragen. Zuständig für die aktive Bewegung jeden Sinneshaares ist ein Muskel, besonders gut an der Reaktion der Leithaare zu beobachten, wenn z. B. kleine „Schauer“ wie abgehackte Wellen über den Körper laufen, wenn Mieze schläft.

Es ist auch nicht der Geruchssinn, sondern der Tastsinn, der Babys die Zitzen finden lässt und dafür sorgt, dass sie sofort nach der Geburt die richtige Richtung ansteuern und danach „ihre private“ Milchquelle ohne Probleme orten können. Zu diesen wunderbaren Requisiten gehören außerdem Sinneszellen an den Pfotenballen, in der Analregion und an der Klitoris. Und die nicht äußerlichen ...

 

 

INNERE WERTE

 

Rezeptoren der Muskulatur regeln die Lage der Körperteile und die Stellung der Gliedmaßen zueinander, sodass eine zielgerichtete Bewegung ohne eine ständige visuelle Kontrolle möglich ist (= Reflex). Die Rezeptoren der inneren Organe wiederum messen beispielsweise den Blutdruck oder den Füllungsgrad des Magens. Zum Tastsinn gehörende Sinneszellen hat eine Katze überdies in der Gekrösefalte des Bauchfells zur Befestigung des Darms und seiner Anhangsorgane, ebenso an der Bauchspeicheldrüse. Wobei sie sich dabei oft der Unterstützung von über die Körperfläche hinausragender Sinneshaare bedienen. Hätten Sie nicht gedacht, oder?

 

SICHER IM „BLINDFLUG“

 

Ihre extrem sensiblen Fühler gewähren einer Katze weiters gemeinsam mit dem Sehvermögen eine außergewöhnlich gute Raumorientierung. Sie lenken ihre Wege nicht nur sicher durch die Dunkelheit, sondern ermöglichen aufgrund der extrem kurzen Laufzeit ihrer sensorischen bzw. motorischen Impulse den Grad, die Richtung, Geschwindigkeit, Dauer und sogar den Rhythmus blitzschneller Bewegungen zu folgen - und sie punktgenau zu lokalisieren. Mieze könnte daher selbst mit verbundenen Augen ein in Reichweite befindliches Beutetier mit präzisem Nackenbiss töten. Und wer sie bei der Untersuchung von Objekten oder bei starker Erregung schon mal beobachtet hat wird bemerken, dass sie die Schnurrhaare weit nach vorne und fächerförmig auseinander spreizt – je nach Größe des anvisierten Objekts – um nur ja nichts Wissenswertes zu verpassen.

In der Dämmerung ist uns Mieze sechsfach überlegen, bei vollkommener Dunkelheit sieht sie freilich auch nichts. Fällt das Auge als Informationsquelle aus, übernehmen die Haare eine adäquate Funktion, indem sie aus den kleinsten Luftdruckveränderungen „lesen“: Vor Möbelstücken etwa entsteht ein Luftstau oder winzige Wirbel, weshalb Mieze auch dann nicht gegen das Stuhlbein kracht, wenn’s im Zimmer zappenduster ist. Daher ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sie die gute Vase aus Unachtsamkeit vom Kamin schubst.

Und weil sie ihren Radar auf Höchstleistung trimmen können, lernen auch erblindete Katzen, sich im bekannten Terrain problemlos zurechtzufinden – freilich werden in diesem Fall genauso alle anderen noch funktionierenden Sinne auf Touren gebracht, um im Teamwork das Manko so gut es geht auszugleichen. Machen wir ja nicht anders.

 

 

KEINE HALBEN SACHEN

 

Der Temperatursinn wird, weil als „Fühlen“ zum Sammelbegriff geworden, meist mit dem Tastsinn gemeinsam beschrieben. Wärmerezeptoren (Ruffinische Körperchen) und Kälterezeptoren (Krausesche Endkolben) sowie freie Nervenendigungen steuern die Wahrnehmung der Umgebungstemperatur und die Thermoregulation. Die Steuerzentrale liegt in einem Teil des Zwischenhirns, die Rezeptoren überwiegend in der Haut, aber auch in einzelnen Körperorganen. Sie messen unaufhörlich sowohl die Kerntemperatur als auch die der Körperoberfläche und leiten die Informationen weiter, sodass jede Abweichung vom Sollwert zum Ausgleich eine physiologische bzw. verhaltensbiologische Reaktion auslöst.

Nur bei Babys funktioniert das noch nicht, für sie ist die richtige Nestwärme überlebenswichtig – bereits eine halbe Stunde bei 20 (!) Grad lässt ihre Körpertemperatur schon sinken! Erst im Alter von zwei Wochen können sie diese selbständig konstant halten. Und natürlich ist auch bei Erwachsenen irgendwann der Plafond erreicht, wobei es weniger Kälte als zu starke Hitzeeinwirkung ist (z. B. im durch die Sonne aufgeheizten Auto), die zur Schädigung des Gehirns und des übrigen Organismus führt und bei mangelnder Möglichkeit zur Wärmeabgabe mit dem Tod der Katze enden kann.

 

 

Wie gut fühlen wir?

Mit dem Tast- oder Fühlsinn registrieren auch wir jede Berührung mit einem Gegenstand, wobei spezielle Nervenendigungen in der Haut den Berührungsreiz über Nervenbahnen ins Gehirn weiterleiten. Diese Nervenendigungen befinden sich überall zwischen den Zellen der Epidermis, also der äußeren Hautschicht, zu deren typischen Arten die Pacinischen Tastkörperchen gehören, die vor allem an den Fingerballen in großer Dichte vorhanden sind. Nichtsdestotrotz ist der Tastsinn beim Menschen der am wenigsten entwickelte Sinn, allerdings sozusagen lernfähig, und kann bis zu einem gewissen Grad gut trainiert werden. Beispielsweise ist er bei blinden Menschen oft sehr differenziert ausgeprägt, sodass die kleinen Erhebungen der Braille-Blindenschrift sowohl erfasst als auch unterschieden werden können.

Der Mensch hat auf einem Quadratzentimeter Haut im Durchschnitt zwei Wärme-, 13 Kälte-, 25 Druck- und 200 Schmerzpunkte. Körperhaare können durch die Hebelwirkung die Empfindlichkeit steigern, was im Unterschied zu uns Tiere zur besseren Orientierung nutzen.

 

 

Was kann der Hund?

Ziemlich viel und mehr als wir. Auch ein Hund hat mehrere Tastorgane. So bewahren ihn die Tasthaare um die Schnauze (Vibrissen), an den Augenbrauen, Ohren und den Beinaußenseiten vor Kollisionen und dienen als Orientierungshilfen im Dunkeln oder an engen Stellen. Dabei stellt er sich zwar recht gut an, aber an die Feinfühligkeit einer Katze kommt er bei weitem nicht heran! Gefühlt wird vom Hund mit der Zunge, dem Nasenschwamm, den Lefzen und mit den Pfotenballen, womit er Wärme, Kälte, Weiches und Hartes unterscheidet. Ebenfalls nicht übel, aber in keinem Vergleich zum kätzischen Wunderwerk.

Der Tastsinn ist auch beim Hundewelpen das zuerst ausgebildete Sinnesorgan und dient zusammen mit dem nächst folgenden, dem Geruch, noch vor dem Öffnen der Augen zum Erkennen, wer zum engsten Familienkreis gehört.

Außerdem haben auch Hunde über den ganzen Körper in den Haaren Tastrezeptoren verteilt, die gute (z. B. streicheln) wie schlechte Erfahrungen registrieren und als solche im Gehirn gespeichert werden. Was nicht zuletzt Körperkontakt als ungemein wichtig für emotionale Bindungen an oberste Stelle reiht. In diesem Punkt gibt’s einträchtigen Gleichstand, denn für Hunde ist das genauso essenziell wie für Katzen und uns ...

 

 

 

 

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