Sinnesorgane - Schmecken

WUNDERWELT DER SINNE

 

SCHMECKEN

 

Der Geschmack (Zunge) zählt wie das Riechvermögen zu den chemischen Sinnen, die nur zur Orientierung in der Nahdistanz von Bedeutung sind. Hund und Mensch sind Mieze da ein bisschen überlegen ... aber nur teilweise, denn Katzenzungen können noch allerlei mehr als Schmecken. Wobei wir gleich ein paar Redensarten auf den Grund gehen.

 

 

KATZENWÄSCHE

 

Dieser Begriff kann theoretisch nur extrem schlechter Beobachtungsgabe entsprungen sein, denn wir bezeichnen damit ein halbherziges Abschlecken jenseits von Bad oder Dusche – und keineswegs die penibel gründliche Wäsche, mit der Katzen mehrmals täglich ihr Outfit adrett halten. Praktisch gesehen war Baden freilich über die Jahrhunderte innerhalb unserer Kultur ein Luxus. Die feine Gesellschaft benetzte morgens Augen und Fingerspitzen und überdeckte mit jeder Menge Parfüm den (beachtlichen) Körpergeruch, während sauberes Wasser für das Volk eine Kostbarkeit war, die nicht verschwendet werden durfte. Gebadet wurde höchstens zu besonderen Feiertagen, und dann musste ein Zuber für die ganze Familie samt Gesinde reichen ...

Unseren feliden Reinlichkeitsfanatikern macht das dagegen keine Mühe, denn sie haben alles stets dabei, was sie brauchen: Reichlich Speichel und ihre Zunge. Sie reinigt und glättet ihr Kleid, entfernt mit den darauf befindlichen Hornstacheln abgestorbenes Haar und verteilt dabei eine Cholesterol-haltige Substanz aus den Talgdrüsen, die von der Sonne zu Vitamin D umgewandelt wird. Zudem dient die Zunge zur Thermoregulation: Bei warmem Wetter wird deutlich häufiger gewaschen als bei niedrigen Temperaturen, weil das Verdunsten des Speichels Kühlung bringt. Und da der Speichelfluss willkürlich reguliert werden kann, gibt’s auch mit dem Nachschub keine Probleme.

 

 

KATZENTISCH

 

Am „Katzentisch“ saßen früher die Kinder und/oder das Personal, für die abseits der Tafel (oft sogar in einem separaten Raum bzw. der Küche) extra gedeckt wurde – um störungsfrei speisen zu können und vor allem Rangunterschiede deutlich zu machen. Noch mehr abgesondert wurden Haustiere verköstigt bzw. werden es immer noch, was diesen aber eher recht sein dürfte, weil sie gern in Ruhe futtern. Jedenfalls haben Katzen ihr Essbesteck immer dabei: Weil sie im Gegensatz zu anderen Tierarten Flüssigkeit nicht aufsaugen oder schlürfen können, wird die Zunge zum Löffel geformt. Während sie bei fester Nahrung ähnlich einem Förderband funktioniert und die nach hinten gebogenen Papillen wie die Zinken einer Gabel verhindern, dass das Futter abstürzt (wenn’s wieder rausfällt, hat das andere Gründe). Gleichzeitig werden die Geschmacksrichtungen intensiver unterschieden. Verwirrenderweise wird die Zunge als sehr temperaturempfindlich beschrieben, obwohl spezielle Rezeptoren dafür bisher nicht belegt sind. „Heiß gegessen“ wird indes eindeutig nicht.

Und schon sind wir beim beliebtesten Sinnesorgan unserer Gourmetkritiker, dem Schmecken.

 

 

NASCHKATZEN

 

Geschichten über die heiklen Fressgewohnheiten unserer Leisetreter sind legendär. Sie reichen vom Streuner, der nur Abfälle kannte und, nachdem er plötzlich zu Eigenheim mit Kühlschrank avancierte, nicht mal dem teuersten Dosenfutter etwas abgewinnen wollte ... bis hin zum verwöhnten Stubentiger, der jedes Billigangebot in sich hineinstopft, obwohl ihm ein Haubenkoch zur Verfügung stünde. Dieses über die Maßen verblüffende, weil wählerische Verhalten hat wohl den Miezen die Bezeichnung Naschkatze eingebracht – die wir zwar überwiegend im Zusammenhang mit Süßem verwenden, aber genauso für Topfgucker oder Menschen gilt, die den vielfältigen Genüssen eines reichhaltigen Büffets mehr abgewinnen können als einem Riesenschnitzel. Die eben gern naschen ...

Die Geschmackspapillen liegen bei der Katze überwiegend am Zungenrand, weshalb manchmal bereits ein leichtes Antippen mit der Zungenspitze genügt, um herauszufinden, ob etwas genießbar ist (die erste „Warnung“ erfolgt ja via Geruch). Sie kann sauer, salzig, scharf und bitter sowie eine Vielzahl von Geschmackskombinationen unterscheiden, da ein Großteil der Sinneszellen gleichzeitig auf mehrere Reize reagiert. Sinneszellen, die auf süße Stoffe ansprechen, konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Wäre auch gar nicht gesund, denn Zucker schädigt Miezes Zähne noch mehr als unsere – sollte sie also mal über die Geburtstagstorte herfallen, dann nicht weil sie süß ist, sondern fett. Zum Ausgleich findet sie im Wasser (sogar im destillierten) noch Aroma (wir übrigens auch, wenngleich nicht so intensiv), weshalb es immer frisch angeboten werden sollte. Apropos Angebot ...

 

 

KATZENKINDER

 

Nun können Katzen mit sagenhafter Sturheit an ihren Gewohnheiten hängen (wofür sie erklärbare Gründe haben, meistens jedenfalls), auf ihre Futtervorlieben trifft das aber nur peripher zu. Geschmack ist nämlich angeboren und nur zu einem geringen Teil anerzogen.

Was Züchter beispielsweise bei der Aufzucht ihrer Kitten beobachten können – die Kleinen sind ja geschmacksmäßig sozusagen noch unverdorben. Genaugenommen zwar nur teilweise, weil wir die Vorbildwirkung der Mutter berücksichtigen müssen, aber stellen wir den Winzlingen eine Auswahl zur Verfügung, können Akzeptanz und Vorlieben innerhalb eines Wurfes ganz verschieden sein: Während sich das eine Kätzchen übers Dosenfutter oder den Brei stürzt und das liebevoll geschabte Fleisch links liegen lässt, sind die Geschwister vom Letzteren nicht wegzukriegen. Und umgekehrt.

Zu Beginn der Umgewöhnung auf feste Nahrung kann das daran liegen, dass die Geschmacksknospen noch nicht voll „erblüht“ sind, d. h. dem Kätzchen ist das Wahrnehmen aller Aromen im vollen Ausmaß noch nicht möglich. Obwohl die Entwicklung dieser Sinnesleistung normalerweise mit Ende der vierten Lebenswoche abgeschlossen ist, gibt es immer wieder mal Spätzünder. Volle Funktionstüchtigkeit hindert freilich nicht daran, etwas zu mögen und anderes abzulehnen. Und zwar konsequent (siehe auch Kasten), weshalb sowohl Fressverhalten als auch Körpergewicht während der Wachstumsphase stets überwacht werden müssen.

 

 

KATZENGRAS

 

Kürzlich habe ich eine Suppe aus Kopfsalat gekocht und gedacht: so muss Gras schmecken. Seither verstehe ich die Kühe besser, war nämlich absolut köstlich (könnte indes auch etwas mit der Mascarpone-Obers-Basis zu tun haben). Auch Katzen fressen regelmäßig Gras (so sie können), wie fast alle Carnivoren (Raubtiere, Beutegreifer), weil die Bitterstoffe darin unter anderem die Verdauung anregen. Und wahrscheinlich (durch Auslösen von Erbrechen) den Magen von Schadstoffen reinigen, was wissenschaftlich bislang nur hinsichtlich abgeschluckter Haare erwiesen ist. Aber auch hier kommt das felide Geschmacksempfinden zum Tragen, denn Gras ist nicht gleich Gras, wie jeder beobachten kann, der seiner Katze im Garten schon mal dabei zugesehen hat, wie wählerisch eine Reihe von Hälmchen gekostet wird, bevor sie eins goutiert – und in der Regel übrigens nur anknabbert und nicht schluckt.

Stubenkatzen bleibt derlei Genuss freilich verwehrt, weshalb wir brav regelmäßig Grünes im Töpfchen anschleppen müssen oder aus Samen ziehen – um dann ebenfalls schon mal festzustellen, dass nicht alles gleichermaßen ankommt. Da hilft nur geduldiges Austesten ... schließlich muss Mieze ja ihrem Ruf als Naschkatze gerecht werden ...

 

 

Mit Verwöhnen gar nicht erst anfangen – geht das?

Nicht wirklich. Ein abwechslungsreich gedeckter Katzentisch ist definitiv der beste Garant, unsere Pelznasen nicht schon von Kindesbeinen an in eine (manchmal fatale) Einbahnstraße zu schicken. Und „glänzt“ das Angebot eher durch Einseitigkeit, wird jenes Kätzchen, dem das nicht schmeckt, sich nicht der Not gehorchend daran gewöhnen, sondern einfach weniger fressen und sich auch nicht so gut entwickeln wie die Geschwister.

Eine Prägung unserer Bequemlichkeit (oder Geldbörse?) zuliebe ist zwar möglich, aber nicht bleibend, d. h. die Katze differenziert später, hat sie die Wahl, sehr wohl zwischen der bekannten ungesunden Billigpampe und Qualitätsfutter und wird sich instinktiv ihren Bedürfnissen gemäß entscheiden. Allerdings ist sie im Unterschied zu vorbildlich aufgezogenen Artgenossen eher geneigt, auch mal Mangelhaftes zu akzeptieren, was, bleibt‘s bei „zwischendurch“ nicht schadet. Demzufolge greift die (als Verkaufsargument?) hin und wieder gern zitierte Behauptung, die Katze wäre leicht zu ernähren, weil nicht verwöhnt, nur vordergründig. Weshalb so mancher Käufer später aus dem Wundern nicht herauskommt, weil entweder die Hälfte dessen, was auf dem Futterplan steht, verschmäht wird oder sich die Mieze als „schlechter Fresser“ outet. Was jedem Katzenfreund immer zu denken geben sollte.

Nicht nur im reifen Alter kann sich allerlei ändern.

 

Können’s Hund & Mensch besser?

In gewisser Weise. Auch beim Hund werden Geschmacksempfindungen ausgelöst durch die Berührung wasserlöslicher Substanzen mit der Zunge, und wie Mensch und Katze kann er eine Vielzahl von Geschmackskomponenten unterscheiden. Und zwar aufgrund eines Zusammenspiels verschiedener Reize, wie Oberflächenbeschaffenheit, Temperatur, Geruch und Geschmack. Isoliert von allen anderen Einflüssen kann der Geschmackssinn mithilfe der in den Schleimhautfalten eingebetteten Rezeptoren unterscheiden zwischen sauer, salzig, bitter – und süß. Scharfes offensichtlich nicht. Mieze und wir können das, nur auf die süßen Genüssen muss sie verzichten. Und obwohl Katzen als extrem heikel bezeichnet werden, hat keiner sein Geschmacksempfinden dermaßen verfeinert und auf Hochtouren gebracht wie der Mensch ...

 

Kosmetik á la Hund & Mensch

Während wir Wasser, Seife und allerlei anderen Schnickschnack bemühen, um uns sauber und gepflegt zu halten, kommen wir an Miezes Bedürfnis nach Reinlichkeit längst nicht heran ... derweil Bello grade mal über seine Füße schleckt ... oder so. Schmutzfinke sind Hunde trotzdem keine, aber im Unterschied zu den Katzen benutzen sie ihre Zunge nicht zur Körperpflege. Sie wälzen sich lieber im nassen Gras, einer Pfütze oder was auch immer, um den gleichen Effekt zu erzielen. Wobei es auch mal ein Schlammloch sein darf. Und „parfümieren“ sich gern mit Substanzen (bevorzugt Aas), die in der Regel selten beim Besitzer Freude auslösen ... Eine „Unart“ übrigens, die auch Katzen drauf haben, aber wenigstens waschen sie’s selber wieder ab...

 

 

 

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