Sinnesorgane - Ohren

WUNDERWELT DER SINNE

 

OHREN

 

Das Gehör einer Katze, das den mechanischen Sinnesleistungen zugeordnet wird, ist schlicht und ergreifend phänomenal und fast nicht zu toppen, lassen wir Delfine und Fledermäuse mal außen vor ... Und wieso reagiert sie dann nicht, wenn wir rufen? Tja, wahrscheinlich ist ihr nicht danach ...

 

 

HAST DU TÖNE !

 

Während die Hausfrau den Staubsauger schwingt und die Stadtverwaltung vor dem Haus wieder mal aus kryptischen Gründen die Straße aufreißen lässt, ruht Mieze im „siebten Himmel“: Umgeben von einem Kissenberg liegt sie im Bett auf dem Rücken, streckt alle Viere von sich und schläft den Schlaf der Gerechten. Selig und tief. Plötzlich öffnet sie die Augen und schießt, ohne die üblichen Dehn- und Streckübungen nach dem Aufwachen, in den Flur und bezieht Position vor der Tür. Gerade noch rechtzeitig, denn auf deren anderer Seite steckt eben Herrchen den Schlüssel ins Schloss. Es folgt das große Begrüßungsritual – aber: Wie konnte Mieze das wissen? Der Hausherr war eine Stunde früher dran als gewöhnlich ...

Nun, die ungewöhnliche Zeit hat an sich nur untergeordnete Bedeutung und ist in diesem (und ähnlichem) Fall schuld daran, dass die Katze ihre obligaten Gymnastikübungen vernachlässigen musste: Der beachtliche Geräuschpegel rundherum hat sie nämlich etwas ins Hintertreffen gebracht und den Motor der Familienkutsche überhören lassen - den sie normalerweise problemlos von dem anderer Autos unterscheiden kann. Erst der zusätzliche Auslöser des Schlüssel-Geklimpers, hinsichtlich der Entfernung außerdem wesentlich näher, brachte sie eilends auf die Beine. Denn alle in ihren Alltag eingebundenen Geräusche hört eine Katze – fast - jederzeit und kann sie auch blitzschnell zuordnen ... Je nachdem, wie tief sie gerade schläft.

 

 

LAUSCHANGRIFF

 

Allerdings hängt die unmittelbar erfolgende Reaktion auch davon ab, wie schnell eine „erweckende“ Veränderung über sie hereinbricht – durch einen Knall aus dem Tiefschlaf gerissen wird sie selbst dann einige Sekunden zur Orientierung brauchen, wenn’s in ihrem Haushalt häufiger mal knallt ... Allerdings wechseln (wie bei uns auch) die Schlafperioden in regelmäßigen, wellenartigen Abfolgen mit leichten und mittleren Phasen, und der felide Tiefschlaf dauert auch jeweils nur sechs bis sieben Minuten. Abgesehen von diesem können Katzen aber in jeder Periode für sie relevante Geräusche wahrnehmen und vom stets wachen Unterbewusstsein mithilfe gespeicherter Erinnerungen taxieren – gefährlich, unwichtig, bedeutsam und so fort. So wird das Öffnen von Büchsen oder verschiedener Türen ebenso wie die Bewegungsabläufe menschlicher (und tierischer) Mitbewohner bzw. deren Schritte automatisch überprüft und die erforderliche Reaktion darauf abgestimmt. Das heißt alles, was in ihren Tagesrhythmus eingebunden ist, wird aus den Alltagsgeräuschen herausgefiltert, gespeichert und unterbewusst abgerufen. Und da hört sich nun mal das Öffnen einer Dose Gulasch anders an als das einer mit Katzenfutter ...

Nur wenn das Gewohnte mit einem fremden (oder seltenen) Geräusch unterbrochen wird, erfolgt die Reaktion mit einer minimalen Zeitdifferenz, etwa wenn Sie plötzlich mit Straßenschuhen übers Parkett donnern, obwohl normalerweise Pantoffel-Pflicht herrscht. Dann kann es passieren, dass die aufgeschreckte Mieze ihr Heil in der Flucht sucht, bevor ihr der peinlich Irrtum bewusst wird – und sich in einer sogenannten Übersprungsreaktion in eine verlegenen Putzorgie rettet.

 

 

HÖRWUNDER

 

27 Muskeln dirigieren das Spiel der Ohren unabhängig voneinander in jede Richtung. Durch Messung der Zeitdifferenz – bereits ein Unterschied von 0,000 01 Sekunden wird wahrgenommen - mit der Geräusche an den beiden Ohrmuscheln auftreffen, kann eine Schallquelle mit einer Genauigkeit von 1,5 Grad lokalisiert werden. Der Hörbereich der Katze liegt bei 65 kHz (nach elektrophysiologischen Untersuchungen angeblich sogar bei 100 kHz) und ist damit dem von Mensch und Hund weit überlegen (siehe Kasten).

Während wir die Stille der Natur genießen, hört Mieze eine große Symphonie und im wahrsten Sinne des Wortes die Mäuse husten (oder singen ...), denn auch sie kommunizieren untereinander durch Laute im Ultraschallbereich. Kein Wunder also, dass Anschreien einer Katze nicht nur Angst macht, sondern sogar körperliche Schmerzen verursacht und demzufolge tunlichst unterlassen werden sollte – ganz abgesehen davon, dass es sowieso nichts bringt (außer, dass der Schreihals sich vielleicht abreagiert hat).

 

 

IMMER IN BALANCE

 

Das Ohr, genauer: die Sinneshaare in den Bogengängen und im Vorhof des Innenohrs steuern zudem das Gleichgewicht und lösen verschiedene Reflexe aus wie z.B. das Drehen des Körpers im freien Fall. Dadurch wird gewährleistet, dass eine Katze sprichwörtlich tatsächlich auf ihren vier Pfoten landen kann. Vorausgesetzt, sie hat genügend Zeit dazu ... denn kippt sie im Halbschlaf grade mal über die Bettkante, fällt freilich auch sie zumeist unsanft aufs Kreuz ...

Während bei Neugeborenen der Gehörgang verschlossen ist und sich erst in etwa um den neunten Lebenstag zu öffnen beginnt (vollständig funktionsfähig mit circa 17 Tagen), sind die durch den Gleichgewichtssinn hervorgerufenen Reflexe sofort nach der Geburt „einsatzfähig“ – für die kleine Mieze als Nesthocker allerdings kaum von Bedeutung. Für den Züchter jedoch sehr wohl, wenn er z.B. bei einem weißen Kitten wissen möchte, ob es hören können wird: Die Degeneration der Struktur des Innenohrs, die ein- oder beidseitige Schwerhörigkeit unterschiedlichen Grades bis zur völligen Taubheit zur Folge haben kann, setzt zwischen dem vierten und sechsten Lebenstag ein – vorher brauchen Sie also weder mit den Fingern zu schnippen noch in die Hände zu klatschen ... Was übrigens erwachsenen Katzen, macht Mensch so etwas öfter (oder wie es zur Lieblingsbeschäftigung von Ausstellungsbesuchern gehört), nicht mal ein müdes Blinzeln wert ist ...

 

 

Markenzeichen

Die Stimme eines Menschen ist für eine Katze so unverwechselbar wie bei uns die Fingerprints! Sie kann „ihren“ Zweibeiner auch aus einem Chor heraushören (so selbiger nicht brüllt, dass die Wände wackeln) - und sogar dessen Befindlichkeit erkennen. Na ja, der Ton macht die Musik, oder?

 

Wackeldackel

Während unsere Ohren mehr oder weniger unbeweglich sind, können Hunde wie Katzen beide Ohren unabhängig voneinander drehen (Katzen besser als Hunde) – und zwar reflexartig. Das heißt, das Tier muss sich nicht der Schallquelle zuwenden, sondern das Ohr richtet sich automatisch in die jeweilige Richtung. Wodurch klar wird, dass sie auch die Schallrichtung wesentlich besser orten können als der Mensch – und erheblich schneller, weil der Zeitunterschied sehr viel geringer ist, währenddem der Schall an beiden Ohren auftrifft: Der messbare Winkel beträgt beim Menschen 8,4 Grad, beim Hund hingegen nur 2,4 Grad.

 

„Rausch“frei

Was wir mit unseren Vierbeinern – Hund wie Katze - gemeinsam haben, ist, dass die Ohren auch als Gleichgewichtsorgan dienen, was unter anderem bei der Überwindung von Hindernissen eine besondere Rolle spielt. Bei einer Entzündung mit verstopftem Gehörgang etwa kommen wir daher alle drei schon mal ins Trudeln ... Weshalb plötzlich auftretende Unsicherheiten beim Gehen, in Bewegung bzw. der Koordination auch als Anzeichen einer Ohrerkrankung angesehen werden können und der Tierarzt kontaktiert werden sollte. Am besten schnell.

 

Dog-walk

Die obere Hörgrenze des Menschen liegt bei 28.000 Hertz (alles darüber wird als Ultraschall bezeichnet), die des Hundes bei circa 38.000 Hertz, während der Frequenzbereich der Katze bei 65.000 Hertz liegt. Woraus folgt, dass Hunde sozusagen die Flöhe husten, die Katzen aber auch das Gras wachsen hören – und eine Fülle von Geräuschen registrieren, die uns logischerweise verborgen bleibt. Weshalb es häufig zu für uns völlig unverständlichen Reaktionen kommt!! Daran sollten Sie denken, bevor Sie Ihren Hund ausschimpfen, weil er beim Spaziergang wieder mal auf den Ohren zu sitzen scheint ...

 

Mensch, hör‘ mal, wer da hämmert

Im Vergleich mit unseren Vierbeinern schneiden wir kläglich ab - dafür halten wir sozusagen mehr aus (oder müssen, wie man‘s nimmt): Unser Gehör ist am empfindlichsten zwischen 500 und 3.000 Hertz, d. h. Schwankungen in der Tonhöhe werden bei Tönen in mittlerer Höhe am besten wahrgenommen. Hinsichtlich der Lautstärke registrieren wir zwischen 1.000 und 3.000 Hertz bereits Abweichungen von einem Dezibel – bis zu 90 Dezibel bieten die Gehörknöchelchen einen gewissen Schutz, die einen Teil des Druckes abfedern. „Erst“ ab circa 130 Dezibel setzen Schmerzen ein ... Da sind unseren Hunden und Katzen schon längst die Gehörgänge „geplatzt“... Klingt lustig, ist es aber nicht. Drehen Sie das Radio leiser ...

 

 

 

 

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