Sinnesorgane - Augen

WUNDERWELT DER SINNE

 

 

DIE AUGEN

 

Die Augen einer Katze gehören zweifellos zum Faszinierendsten an ihrer Ausstattung ... obwohl eigentlich alles grandios und spannend ist an dieser schöpferischen Meisterleitung, mit welcher der Natur sozusagen ein Gesamtkunstwerk gelungen ist – der sich nicht einmal die nüchterne Wissenschaft entziehen kann, selbst wenn sie Augen und Sehvermögen bloß trocken als Gesichtssinn bezeichnet ...

 

 

AUGENWEIDE

 

Nicht von ungefähr ranken sich ganz besonders um die Augen (und deren Farbe) eines Lebewesens die meisten Geschichten, und vom bösen über den seelenvollen Blick bis hin zum unschuldigen Blau fand jeglicher Ausdruck Eingang in literarische Beschreibungen. Und selbst die auf Unbeweglichkeit bedachte Mimik eines Pokerface wäre keinen Pfifferling wert, würden dabei die Augen nicht ausdruckslos bleiben. Sie gelten zu recht als Spiegel der Seele, denn sie gewähren Einblick in die emotionale Befindlichkeit unseres jeweiligen Gegenübers, wodurch in der Regel die Reaktion bestimmt oder zumindest beeinflusst wird. Sofern wir darauf achten. Weshalb auch beispielsweise viele Menschen auf den starr und leer wirkenden Blick eines Reptils mit Unbehagen reagieren, weil sie daraus nichts ablesen können.

Unergründlich dreinschauen können Katzen freilich genauso, das weiß jeder, der sich schon mal gefragt hat, was wohl in diesem Moment in dem kleinen Köpfchen vorgehen mag, wenn Mieze ins Nichts zu starren scheint. Offenen Auges nichts sehen kommt im kätzischen Repertoire aber nicht vor, beobachtet wird immer, wiewohl gelegentlich nur auf Sparflamme. Wobei dann das reduzierte Wahrnehmungsvermögen durch andere Sinnesleistungen wie dem Gehör ausgeglichen wird. Wachsamkeit liegt jeder Katze sozusagen im Blut, gehört zu ihrer natürlichen Grundausstattung und wird nur nach penibel ausgetesteter Sicherheit im behaglichen Heim sparsamer eingesetzt.

Das fehlerfreie Funktionieren des Wunderwerkes Katze wird freilich vom perfekten Zusammenspiel all ihrer Sinne bestimmt, die ein eminent starkes Team abgeben, weshalb wir sie im Grunde nicht auf ein Detail beschränken können – aber irgendwo müssen wir ja anfangen ...

 

 

DAS SINNESORGAN AUGE ...

 

dient zur Wahrnehmung elektromagnetischer Wellen bestimmter Länge. Der Bereich des sichtbaren Lichts liegt für die Mehrzahl der Wirbeltiere zwischen 390 und 760 nm (Nanometer = nano = das Milliardstel einer Einheit). Durch optische Hilfseinrichtungen wie Hornhaut, vordere Augenkammer, Linse und Glaskörper gelangt das Licht auf die Netzhaut, in welcher die lichtempfindlichen Sinneszellen (Stäbchen und Zapfen) liegen. Diese wandeln die Lichtreize in elektrische Spannungen um und leiten sie über den Sehnerv (der bei der Katze aus 130 000 Einzelfasern besteht) ins Zentralnervensystem weiter. Je nach Lichteinfall verändert die Iris (Regenbogenhaut) reflexartig die Pupillen von einer kreisrunden Öffnung bis zu einem schmalen, senkrecht stehenden Schlitz, um so die Stärke der Beleuchtung konstant zu halten.

Für das Hell-Dunkel-Sehen sind die Stäbchen verantwortlich, und da die Katze ein Dämmerungstier ist, ist ihre Netzhaut auch überwiegend mit Stäbchen ausgestattet. Sie enthalten einen roten Farbstoff, den Sehpurpur, der bei Belichtung in Sehgelb übergeht und bei Anwesenheit von Vitamin A wieder in Sehpurpur zurück verwandelt wird. Was deshalb wichtig zu wissen ist, weil ein Mangel an Vitamin A die Fähigkeit der Dunkeladaption beeinträchtigen und zur Nachtblindheit führen kann! Nur im zentralen Bereich der Retina, der Stelle des schärfsten Sehens, sind vermehrt Zapfen zu finden, welche zudem auch für die Farbwahrnehmung zuständig sind.

 

 

AUGEN“SCHMAUS“

 

Programmiert auf kleine Beutetiere sind weite Entfernungen nicht relevant, weshalb die beste Sehschärfe einer Katze zwischen zwei und sechs Metern liegt. Wird das Mindestmaß unterschritten, zum Beispiel wenn wir ihr ein Stückchen Wurst präsentieren, bestimmen Geruchssinn und bisherige Erfahrungen die Reaktion. Begegnen wir Mieze im Garten und die Entfernung ist größer als sechs Meter, wird sie vermutlich flüchten, wenn wir sie nicht ansprechen (Stimmen sind für sie so unverwechselbar wie Fingerabdrücke für Forensiker). Es kommt also auf die Entfernung an, denn alles darunter oder darüber erkennt sie nur an Umrissen.

Dafür hat sie ein extrem weites Gesichtsfeld, welches ihr auch räumliches Sehen ermöglicht, das heißt es gestattet Tiefenwahrnehmung und Einschätzen von Entfernungen. Unerlässlich für das Erkennen, Fixieren und den punktgenauen Sprung beim Beutefang ist diese Sonderausstattung unter den Säugetieren nur bei Primaten und Raubtieren so hoch entwickelt. Eine Fähigkeit übrigens, die kleinen Kätzchen bereits zwischen dem zehnten und neunzehnten Lebenstag zur Verfügung steht, allerdings erst mit der vierten Lebenswoche ihre volle Funktionstüchtigkeit erlangt.

 

 

AUGENFARBEN

 

Die Augenfarbe der Katze ist abhängig von der Struktur des Irisstromas (eine milchig-trübe Gewebeschicht), der Anzahl darin eingelagerter Pigmentzellen (Melanin) und dem Vorhandensein von Pigmentepithel (Epithel = oberste Zellschicht, Deckgewebe) auf dem Hintergrund der Iris. Wir sehen gelbe, orange, bernsteinfarbene, grüne oder blaue Augen in den unterschiedlichsten Nuancen. Blaue Augen sind eigentlich ein optisches Phänomen, das nur dann auftritt, wenn eine schwarze Fläche (das Pigmentepithel) durch das Irisstroma betrachtet wird – wie bei allen kleinen Kätzchen, die deshalb blaue Augen haben. Erst etwa ab der vierten, fünften Lebenswoche werden Pigmente eingelagert und machen die künftige Augenfarbe erkennbar. Fehlt aber jegliches Pigment, schimmern die unter der Retina liegenden Blutgefäße hindurch und die Augenfarbe erscheint rötlich (Albinismus).

Für das gelbgrüne bis goldgelbe Aufleuchten angestrahlter Katzenaugen (unabhängig von der Augenfarbe) ist das in der Aderhaut liegende Tapetum lucidum verantwortlich, das auftreffendes Licht reflektiert und das Sehvermögen in der Dämmerung verstärkt – bei Katzen 130 Mal mehr als beim Menschen. Weißen Katzen mit blauen Augen fehlt dieses Tapetum lucidum (und auch Neugeborene haben es noch nicht, es entwickelt sich erst zwischen der zweiten und achten Lebenswoche) und eine Odd-eyed macht das für uns bemerkbar: Die Pupille des blauen Auges ist weiter geöffnet als die des orangefarbenen. Und: In Verbindung mit der blauen Augenfarbe (im Erwachsenen-Alter) kann das dominante Weiß übrigens auch für eine mögliche Sehschwäche verantwortlich sein.

 

 

AUGENBLICK

 

Einem chinesischen Sprichwort zufolge kann man von den Augen einer Katze die Tageszeit ablesen, was durch die veränderte Pupillengröße aufgrund des unterschiedlichen Tageslichteinfalls immerhin nachvollziehbar ist. Bedenkt man freilich die ausgedehnten Schlafenszeiten einer Katze, spricht diese hübsche Geschichte nicht direkt für die chinesische Arbeitsmoral, aber um die geht es hier ja auch gar nicht. Katzen werden jedenfalls zu den Augentieren gezählt, das heißt, dass ihr Dasein genauso visuell geprägt ist wie unseres. Wenn eine Katze erblindet, büßt sie demzufolge einen Großteil ihrer Lebensqualität ein. Glücklicherweise ist jedoch ihr Sehvermögen dem des Gehörs ebenbürtig, sodass ein derartiges Manko wieder ausgeglichen werden kann – allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Innerhalb eines ihr bekannten Terrains (Wohnung, Gehege, gesicherter Garten) wird sich die Beeinträchtigung einigermaßen im Rahmen halten und die Katze kann lernen, damit problemlos zurecht zu kommen. Nur in freier Natur hätte sie nicht die geringste Chance zu überleben.

 

 

Farben & Bewegung

Während Menschen Farben aller Wellenlängen des sichtbaren Spektrums wahrnehmen, bleibt die Katzen- und Hundewelt auf dichromatisches Sehen beschränkt, das heißt, verschiedene Nuancen von blassen Gelb- und Blautönen.

Dafür sind uns die Vierbeiner bei schlechten Lichtverhältnissen (z.B. in der Dämmerung) weit überlegen, weil sie Grautöne durch ihr großes, peripheres Gesichtsfeld wesentlich besser differenzieren können und damit auch deutlich sensibler auf Bewegung reagieren. Alle drei nehmen bewegliche Objekte besser wahr als stationäre, am besten der Mensch, während Hund und Katze stationäre Objekte eher ignorieren.

 

 

Gesichtsfeld und optische Sehschärfe

Das Gesichtsfeld (der sichtbare Raum in Graden) umfasst auf einem Auge beim Hund 280o, bei der Katze 200o  und beim Menschen 150o. Binokular (beide Augen zusammen) ist der Hund mit 30-60o allerdings Mensch und Katze mit je 140o weit unterlegen.

Die Katze hat über 50 Dioptrien zur Verfügung, der Hund 41,5 und der Mensch 19. Beim Scharfstellen ist freilich ein (junger) Mensch mit 13 Dioptrien der Katze mit 9-10 überlegen, während der Hund mit zwei bis vier schwach ausgestattet ist. Was z.B. bedeutet, dass er alles, was näher als 30 bis 40cm ist, nicht scharf sehen kann.

 

 

Fern-Sehen

Photorezeptoren, lichtempfindliche Nervenzellen in der Netzhaut, registrieren beim Menschen 50 Bilder pro Sekunde, weshalb ein Film im Fernsehen (60Hz) als kontinuierliche Bildfolge ohne Unterbrechung wahrgenommen wird. Katzen und Hunde mit etwa 70 bis 80 Bildern pro Sekunde sehen dagegen vermutlich nur rasch flimmernde Einzelbilder. Nix mit gemeinsam Sportschau gucken oder im Duett bei Casablanca weinen ...

 

 

Übrigens ...

Anstarren gilt als grob ungehörig und kann auch vom Hund als bedrohlich empfunden werden – ganz besonders, wenn Katz‘ oder Hund den Menschen nicht kennen. Aber wir betrachten nun mal gern, was wir lieben – Mieze wird deshalb dabei höflich blinzeln, also tun Sie das bitte auch, wenn Sie ihr (oder Bello) ins Gesicht sehen und es freundlich meinen.

 

 

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