Silberlinge & Goldstückchen

 

 

 

 

 

SILBERLINGE UND GOLDSTÜCKCHEN

 

Ein Streifzug durch die silberne Geschichte mit einem „goldigen“ Interview

 

 

Während das Golden überwiegend auf Perser und Briten beschränkt bleibt, sind Katzen mit Silber doch bei mehreren Rassen zu finden. Ganz besondere Schmuckstückchen sind sie alle, weil Gold und Silber keineswegs nur zwei Farben unter vielen sind, sondern der Trägerin ein außergewöhnliches Flair verleihen – mit den Tipped als Königsklasse. Die es innerhalb der FIFe ab 2014 nicht mehr gibt. Also ... irgendwie ...

 

 

 

VERLIEBT IN EINE HEXE

 

Zugegeben, ich bin befangen, weil ich mein Heim seit drei Jahrzehnten mit Silberlingen teile, beginnend mit Tabbys und Smoke. Und mir erst durch die Beschäftigung mit anderen Farben der Unterschied in den Charakteren nach und nach immer deutlicher bewusst wurde, sodass ich schlussendlich vollends ihrem Zauber erlag und mich nur mehr auf Getippte (= Chinchilla/Shell) und Shadeds konzentrierte. Erst im letzten Drittel meiner Züchterlaufbahn, weil ich hin und wieder beklagenswert begriffsstutzig bin, aber es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens – denn Silberlinge sind wirklich anders. Wenngleich nicht verschwiegen sei, dass es natürlich Ausnahmen gibt und es bei der Wahl der Zuchttiere – auch hier – sehr wichtig ist, der „Chemie“ gegenüber der Schönheit den Vorzug zu geben. Sofern man nicht das Glück hat, beides in einer Katze vereint zu sehen. Und das kommt nun mal bei den Silberlingen auffallend häufiger vor, zweifelsohne nicht zuletzt dank der feinfühligen Arbeit der Züchter. Denn die Schätze sind liebliche Seelchen mit einem großartigen Gefühl für Harmonie und packen nur höchst ungern den starken Charakter aus, der definitiv dahinter wohnt. Rückgrad und diplomatisches Geschick, gepaart mit unaufdringlicher Zärtlichkeit – das bringt jedes nur einigermaßen empfängliche Herz zum Schmelzen. Das trifft auch auf die Goldstückchen zu, wenngleich etwas anders nuanciert und irgendwie treuherziger gestrickt.

Der Zauberspruch hat übrigens seine Wirkung nie verloren. Ich bin zwar leicht verführbar, weil ich alle Katzen liebe, aber bisher brachte keine meine Seele so sehr zum Klingen wie die Eisbärchen ...

 

 

WIE JUWELEN ENTSTEHEN

 

Anno 1900 wurde in Großbritannien mit der „Silver Society“ die erste Zuchtgemeinschaft gegründet, die sich ausschließlich auf Silvertabbys beschränkte. Sozusagen ein Filialclub der um 1880 ins Leben gerufenen Interessengemeinschaft zur Förderung der Tabbys, für welche die Engländer stets eine besondere Schwäche hatten. Und gezielt mit schön gezeichneten Hauskatzen experimentierten, um die Muster zu kultivieren. Sowohl in Kurz- als auch in Langhaar, sodass die Inselbriten schon lange vor uns mit einer klar abgegrenzten Zeichnung brillieren konnten. Etliche Jahre später jedenfalls wurde der Club umgetauft in „Tipped, Silver Tabby and Smoke Society“. Und das fing so an:

Lange zuvor erlag eine blaue Perserkatze aus der Cattery von Grace Hurst dem Charme eines Streuners, worauf 1882 „Chinnie“ das Licht der Welt erblickte und die erste bekannte Katze mit Spitzenfärbung gewesen sein soll. Das silbrige Fräuleinwunder hielt später Hochzeit mit „Fluffy I“, von welchem überliefert ist, dass er ein Qualitätsfell und das Gesicht eines Barockengels (!) gehabt habe, was der Tochter aus dieser Ehe wohl den Namen „Beauty“ einbrachte. Diese wiederum wurde mit Smokekater „Perso“ verpaart und ein gemeinsames Kind wiederum mit einem Silvertabby. Und bevor die Spannung nun ins Unerträgliche steigt – daraus entstand „Silver Lambkin“ (*1890), seines Zeichens nachweislich der erste und bekannteste Chinchillakater schlechthin.

Von bemerkenswerter Körpergröße, mit extrem langem Haar und beachtlicher Halskrause, wurde er als die Säule der Chinchillazucht angesehen - und aufgrund seiner Berühmtheit nach seinem Hinscheiden (er wurde 17 Jahre alt) ausgestopft und im Naturhistorischen Museum in London ausgestellt. Und wenn er nicht den Motten anheim gefallen ist, steht er da immer noch und wird gelegentlich abgestaubt.

 

 

 

DIE ENGLÄNDER SIND SCHULD

 

Säule hin, Säule her, die Färbung schien gewöhnungsbedürftig zu sein. So vermerkte der Züchter John Jennings angesichts der ersten 1893 im Crystal Palace ausgestellten Silbernen: „Die Chinchilla ist eine merkwürdige, aber sehr schöne Katze. Das Fell an den Haarwurzeln ist silbern und wird zum Haarende schieferfarbig.“ Erstaunlicher ist, dass diese Bezeichnung damals auch für die Tabbys verwendet wurde (Chinchilla Striped z. B.), die aber ihrerseits wie die Getippten genauso unter Silver Grey firmierten.

Kurz vor der Jahrhundertwende sollte nun Ordnung in das Verwirrspiel kommen und die hehre Riege der Wichtigen einigten sich auf „Chinchilla“ nur für die Getippten. Die Züchter wurden nicht gefragt und auch die Einwände der allseits bekannten Frances Simpson, doch statt dem Namen eines Nagetiers (das noch dazu ganz anders aussieht) „Silvers“ zu wählen, wurden abgeschmettert. Damit nicht genug, schaffte man 1902 nicht nur die Bezeichnung Silver Shaded für die dunkleren Katzen ab, sondern ließ sie gleich überhaupt durch den Rost fallen – sie wurden nicht mehr anerkannt und konnten auch keine Pokale mehr bekommen. Was vermutlich auf fürstlichem Mist gewachsen war, da Prinzessin Viktoria einige sehr helle Chinchillas ihr Eigen nannte und auch ausstellte. Diesen könnte zudem der erste Standard von 1903 auf den Leib geschneidert worden sein, worin „hellstes Silber, fast weiß an den Wurzeln“ gefordert wurde „ohne dunkle Streifen, Flecken oder brauner Färbung“.

Da gab’s dann viele Ausgestoßene, zumal es große, professionell geführte Catterys mit angestelltem Pflegepersonal gab und die Preise schwindelerregend waren. Um die zu dunkel geratenen Miezen nun nicht alle verschenken zu müssen, verkaufte man sie kurzerhand in die USA ... und etliche Nachkommen kamen nach den beiden Weltkriegen als Chinchilla wieder zurück ... Glück im Unglück, denn das Ausgrenzen der Shadeds hatte den Genpool enorm verkleinert und Inzucht war an der Tagesordnung.

 

BABYLONIEN UND KEIN ENDE

 

Unterdessen und um sich vielleicht aus dem Geplänkel herauszuhalten, hatte sich bei den britischen Züchtern als Sammelbezeichnung für beide Varietäten Tipped eingebürgert. Und sie sind dabei geblieben. Resteuropa musste natürlich eigene Wege gehen und trennte sie erst in Chichilla und Silver Shaded ... um dann schlussendlich die Chinchilla Tipped zu nennen und die Shadeds blieben, was wie waren. Was wiederum die Züchter wenig berauschend fanden, weil es sich logischerweise lange nicht so hübsch anhört. Daher wird Chinchilla nach wie vor verwendet und tut immerhin niemandem weh – anders als im ewigen Kleinkrieg zwischen Britisch blau und Kartäuser, weil da beides verschiedene Rassen sind.

Falls Sie nicht mehr durchblicken: Sie sind nicht allein. Denn so mancher Silberzüchter, der eine Tipped aus England holt und sich über das lupenreine Chinchilla-Pedigree freut, erleidet eine herbe Enttäuschung ... Aber die Rettung naht (oder auch nicht), denn die FIFe (bei welcher die Chinchilla sowieso nie Chinchilla hießen sondern Shell) hat beschlossen, beide Varietäten ab 2014 zusammenzufassen und ohne Unterscheidung einheitlich „Shaded“ zu nennen. Amen.

 

 

WO KOMMT DAS SILBER HER?

 

Gute Frage. Aber das wissen wir nicht. Zwar gibt es einige Wildkatzenarten, die es wahrscheinlich zeigen, aber da Wildbiologen solchen Details wenig Aufmerksamkeit schenken und salopp von Weiß sprechen, wird’s bei der dringenden Vermutung bleiben. Abgesehen davon werden die schönen Wilden bei den domestizierten nicht mitgemischt haben, lässt aber den Schluss zu, dass es sich um ein natürliches Gen handelt. Was unter anderem erklärt, warum Silber bei den sogenannten Naturrassen wie Norwegischen Waldkatzen, Maine Coon und Sibirische Katzen von Anbeginn als zulässige Farbspielart anerkannt wurde. Einen guten Hinweis bietet auch die Perserhistorie, in der mehrfach von „schattiert“ und „rauchfarben“ die Rede ist, die Urahnen das Gen aus ihren jeweiligen Heimatländern also mitgebracht haben müssen.

Die kurzhaarigen Tipped hingegen wurden gezielt gezüchtet, allerdings erst um 1960 herum, soweit bekannt sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich und (Ost-) Deutschland. Und alle Pioniere bedienten sich langhaariger Katzen, um die spezielle Ausprägung des Tipping zu erreichen respektive die Farbe in die Tabbys einzubringen.

Die eigentlich keine Farbe im herkömmlichen Sinne ist, weil es Silber allein gar nicht gibt, nur in Verbindung mit Pigment = Farbe, also schwarz, rot, chocolate oder was auch immer.

 

 

WIESO EIGENTLICH SILBER UND NICHT WEISS?

 

Klingt eben gut. Die Blauen sind ja auch nicht blau. Quatsch! Ernsthaft: Beides beruht auf völlig unterschiedlichen Genen mit einem komplett differenten Erbgang! Vermutlich hat man die Bezeichnung Silber deshalb gewählt, weil das silberne Haar hohl bzw. mit Luft gefüllt ist und die Lichtbrechung eine Art silbrigen Glanz hervorruft. In einem bestimmten Winkel zumindest, in dem sich meine Silberlinge noch nie befunden haben dürften, aber wer sieht das schon so eng? Zuständig für das Phänomen ist der Melanin-Inhibitor (= Farb-Unterdrücker), der das Pigment = die Farbe im einzelnen Haar bis in die Spitze zurückdrängt, während der restliche Teil eben farblos ist. Sich aber nichtsdestotrotz einen Hauch vom Weiß bzw. der tatsächlich weißen Unterwolle abhebt, weil die jeweilige Farbe in der Haarspitze noch ein kleines bisschen mitredet. Nicht nur deshalb gibt es unterschiedliche Nuancen von Silber, sodass einige Katzen insgesamt betrachtet kälter und andere wärmer wirken. Was man meistens nur dann sehen kann, wenn zwei verschiedene nebeneinander stehen.

 

 

THEORIE UND PRAXIS

 

Gehen wir nun vom Geschmeide aus und die Kenntnis beschränkt sich auf weniger hochkarätigen Silberschmuck, kann es vorkommen, dass ein Laie in Katzenfarben seine silberne Mieze als weiße Katze mit silbernen Haarspitzen beschreibt ... Was nun eine genetische Meisterleistung wäre. Oder ein Wunder. Unhöflich muss ich freilich anmerken, dass ich sogar Züchter kenne, die selbiges gleichfalls steif und fest behaupten. Nun ja, eigentlich sollten sie’s besser wissen, doch sind Tipped (Chinchilla, Shell) vom Fellkleid her indessen einer weißen Katze wirklich nicht ganz unähnlich und ohne entsprechendem Argusauge der Unterschied nur an den gefärbten Spitzen erkennbar - dem Tipping.

Welches, folgt man treu den Vorgaben der Genetikbücher, bei den Chinchillas von der Spitze weg etwa ein Achtel der Haarlänge ausmacht, bei den Shadeds etwa ein Viertel und bei den Smoke die Hälfte. Die Praxis sieht etwas anders aus, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Werke entweder aus vorchristlicher Zeit stammen oder derlei Details einfach immer wieder abgeschrieben wurden. Dazu gehört ebenso, dass Shadeds bis zum Sprunggelenk schwarze Fußsohlen haben müssen, Getippte aber weiße. Diese Vorschrift, vor etwa 30 Jahren noch streng sanktioniert, wurde längst ad adcta gelegt - hauptsächlich wohl deshalb, weil es zunehmend mehr Getippte gibt, die dunkle Sohlenstreifen oder zumindest einen dunklen Daumenabdruck haben (ein sogenannter Wildfleck), vom Fellkleid her aber zu hell sind, um als Shaded zu gelten. Welche ihrerseits häufig ähnlich beschuht sind und das Indiz seine Gültigkeit verlor. Ja nun, in der FIFe ist das demnächst sowieso alles eins.

 

 

SILBERNE WUNDERWELT

 

Und auf die silbernen Abessinier und Somalis z. B. trifft das alles gleich überhaupt nicht zu, weil die a) fast immer gefärbte Fußsohlen und b) kein Tipping haben, sondern Ticking ... Gaaaanz großer Unterschied!, und bedeutet, dass nicht nur die Haarspitzen (= engl. tip = Spitze) allein pigmentiert (gefärbt) sind, sondern beim Ticking jedes Haar in der jeweiligen Grundfarbe mehrfach gebändert wie ein Ringelsöckchen. Abhängig von der Länge können Abessinier etwa drei, Somalis bis zu sieben Bänder haben. Diese wegzuzüchten und die Farbe auf die Spitze zu konzentrieren, wird aufgrund ihres ganz eigenen Erbganges schwer möglich sein. Aber wozu auch? Da haben die Züchter ganz andere Sorgen, siehe Rufismus.

Nur die Naturrassen haben es leichter, weil sie nicht auf Farbe gezüchtet werden und sie daher niemand - diesbezüglich – unter die Lupe nimmt. Weil sie ebenso wie z. B. Rex oder Türkisch Angora auch nicht gezielt auf „Reinsilber“ (= Tipped/Shaded) gezüchtet werden, sodass eine Katze zusammen mit einer/mehreren Farbe/n bzw. Muster in Teilbereichen auch Silber zeigt. Tabbys sind ein eigenes Kapitel. Bei den vorgenannten Rassen ebenso zugelassen wie etwa bei den Egyptian Mau oder Britisch Kurzhaar, ist eine schöne Zeichnung mit gutem Kontrast zum Silber natürlich das Um und Auf. Schwierig genug und daher eine Königsdisziplin, wenn’s ein Züchter gezielt angeht. In der gleichen Liga mit höchstem Level spielen auch die Chinchillas und Shadeds mit, eine ganz andere – eigene – Welt, weshalb es nur wenige Rassen gibt, wo dieses Kleid züchterisch bis an die Grenze der Perfektion gepflegt wird. In erster Linie bei Perser/Exotic und Britisch Kurzhaar, auch die seltenen Burmillas gehören dazu. Danach wird’s dünn ...

Nicht zuletzt deshalb, weil es ein schwieriges Zuchtziel ist und selbst heute noch ein klares, sauberes, fleckenloses Silber samt gleichmäßigem Tipping nicht unbedingt zu den leichtesten Übungen gehört.

 

 

SISYPHUSARBEIT

 

Weil - mal abgesehen davon, dass die Katze ja nicht nur aus Farbe besteht, sondern auch der „Rest“ statutenkonform sein sollte - die Züchter mit so etwas Unerfreulichem zu kämpfen haben wie Rufismus. Dieser Begriff aus der Erbbiologie wurde vom lateinischen „rufus“ = rötlichbraun abgeleitet und als Bezeichnung für Genwirkungen, die zum Verblassen des roten Pigmentes führen, 1937 von einem Herrn namens Reinig geprägt. Gemeint ist ein Spektrum von Gelbfärbung, meist im Frontbereich (Brust, Pfoten, Gesicht), das vor allem bei Katzen mit Agouti auftritt und von Polygenen (poly = viel) verursacht wird. Sie bewirken einen Ausfall im Bereich des Chromogenpigments, nicht der Chromogenbildung selbst. Was uns, zumal zielführende Erkenntnisse fehlen, aber nicht klüger macht.

Die Praxis hat gezeigt, dass der Farbton umso stärker auftritt, je mehr Rufus-Polygene eine Katze hat und dass man die nur schwer wieder los wird. Wie Mieze dazu gekommen ist, lässt sich oft nur schwer bis gar nicht nachweisen, wenn Ahnenforschung nicht möglich ist. Auf dem Weg zu neuen Farben bzw. Typverbesserung sind jedoch immer wieder mal Vollfarben eingekreuzt worden und auf diesem Umweg auch in die Silvertabbys gelangt, respektive vice versa. Was einzelne Züchter so machen, ist ja nicht dokumentiert. Immerhin ist bekannt, dass vereinzelt auch Abessinier zwecks Eliminierung unerwünschter Zeichnungsmuster mitgespielt haben, und weil deren Wildfärbung ja auf Rufus-Polygenen basiert – voilà! Jedenfalls lassen sich latent mitgeschleppte Rufus-Polygene relativ leicht „aufmöbeln“, wenn „Reinzucht“ zur Nebensache wird oder z.B. die Rot-Serie Einzug in die Linien hält. Und mitunter kann auch das Golden dabei die Pfoten mit im Spiel haben, wiewohl einige Züchter Silvers und Goldens kreuzen und vom Rufismus verschont bleiben.

Das hartnäckige Übel könnte man freilich minimieren bzw. herauszüchten, indem man strengste Selektion walten lässt, d. h. eine Rufismus-„geschädigte“ Katze nur mit einem nachweislich „freien“ Partner verpaart, gleichermaßen mit den Nachkommen verfährt und sich so immer eine Generation weiter in die richtige Richtung hangelt. Der beste Weg zu sauberem Silber. Freilich mühsam und daher heute nicht mehr so wahnsinnig modern ...

Das Ergebnis freilich fulminant!

 

 

Interview mit Angelika Niesel

Britisch Silber & Golden „d’Oaxaca“, www.katzenzucht-oaxaca.de

 

 

Du gehörst zu den Pionieren der deutschen Silberzucht, mittlerweile dominieren indes die Goldens – wieso?

Ja, angefangen hatte ich vor über 30 Jahren mit Silver-shaded Briten, für mich traumhafte Katzen. Einige Jahre später sah ich dann Briten in Golden-tabby/shaded und fand den Farbschlag faszinierend. Als zu meiner Überraschung in einem meiner Würfe erstmals zwei goldene Kätzchen im Nest lagen, war mein Interesse endgültig geweckt. Ich finde die Goldenen nicht nur optisch schön, sondern mag auch den knuffigen, rustikalen Charakter. Und wenn man wie ich schon einige Generationen im Hause hatte, erkennt man gewisse Eigenheiten immer wieder, z.B. das gemütliche Herumkullern, das lässige Selbstbewusstsein, das aktive Schmusen und den guten Appetit.

Wie schwer ist es, schönes Golden zu bekommen? Gibt’s Schwachstellen?

Es gehört wohl auch eine Menge Glück dazu, einen schönen Goldton zu bekommen. Ich stelle heute immer noch fest, dass es viele verschiedene Nuancen gibt. Vor allem bei Neugeborenen reibt man sich manchmal die Augen, weil man es nicht glauben will. Da gibt es fast schwarze oder gräuliche, braune und cremefarbene bis zu fast roten Fellchen. Allerdings gleichen sich die Farben nach ein paar Wochen meistens ziemlich an, sobald auch das Ticking herauswächst. Am schönsten von der Farbe her werden meiner Meinung nach die schon fast rot geborenen. Da muss man dann selektieren so gut es geht. Katzen mit einem grauen Gold sehen halt nach "Hauskatze" aus. Eine warme Farbe ist auch vom Standard her gewünscht. Ich würde die Fellfarbe als fuchsrot bezeichnen.

Schwachstellen? Abgesehen von dem relativ engen Genpool? Ganz ehrlich gesagt, gibt es doch schon mal Probleme mit Kryptorchismus und Schwanzfehlern. Darauf sollte peinlichst genau geachtet werden. Ansonsten ist die Linie sehr gesund. Von HCM und PKD-Problemen habe ich so gut wie nie gehört.

Was sollte bedacht werden, wenn man mit dieser Farbe starten will?

Auch wenn es schon sehr schöne Exemplare gibt: Man darf nicht vergessen, dass dieser Farbschlag noch sehr jung und demzufolge noch nicht fertig durchgezüchtet ist. Zudem ist die Reihe der Vorfahren sehr begrenzt und man wird immer mal einen Outcross machen müssen, wobei man aber möglichst grünäugige Katzen nehmen sollte. Das grenzt die Auswahl natürlich auch wieder stark ein. Es ist also noch richtig anspruchsvolle züchterische Arbeit zu leisten. Und ich kann nur sagen: Wer einmal ein Goldschätzchen hatte, der wird nie wieder darauf verzichten möchten.

 

 

Tja, bis auf so hartnäckige Naturen wie mich, für die – trotz Neigung zu den Goldigen - Silber immer noch das Nonplusultra ist. Aber das ist ja das Schöne am Züchten: Wer die Wahl hat, hat auch die Qual ... Übrigens auch, was den Farbton betrifft:

 

 

So unterschiedlich kann Golden ausschauen ...

 

 

 

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