HOMÖOPATHIE FÜR SHOWTIERE

& gegen REISESTRESS

 

 

Nicht jede Katze kommt mit dem Showgeschehen gut zurecht und einige sind zweifellos zuhause besser aufgehoben. Was uns ebenso zweifellos zur Ehre gereicht, wenn wir darauf Rücksicht nehmen. Andere wiederum nehmen’s mit links, manchmal immer, manchmal aber nur eine zeitlang – und dann können wir ihnen oft durchaus hilfreich homöopathisch unter die Ärmchen greifen.

 

 

ZUR SACHE, SCHÄTZCHEN

Aber bitte mit Gefühl

 

Die meisten Katzen sprechen auf Argentum am besten an (meine persönliche Nr. 2 wäre Phosphorus) und wir werden damit das Auslangen finden. Die anderen Arzneien sind für die Ausnahmefälle, die’s ja auch gibt. Für alle gilt, dass sie ungeachtet der naturgemäß nur allgemein gehaltenen Symptome auf jede Katze passen können. Ums Testen und individuell variieren werden wir also nicht herumkommen, wobei je nach Gefühl (?), Symptome/Typ auch zwei Mittel kombiniert werden dürfen. Mieze „sicherheitshalber“ unreflektiert alles einzufüllen wird’s nämlich nicht bringen, sondern wir müssen mit einer Arznei beginnen und die Wirkung beobachten. Bleibt sie aus oder ungenügend, geht’s zurück an den Start.

Heißt, wie zudem aus den Behandlungsvorschlägen ersichtlich, dass kaum etwas allein vor Ort geradegebogen werden kann, lediglich in Fortsetzung vereinzelt als Unterstützung einer vorangegangen heimischen Kur. Die nächste Show ist dann sozusagen die Generalprobe und zeigt, ob wir richtig gelegen sind und die Spiele nun applausverdächtig beginnen können. Kling nach „Super, dann rennen wir fünfmal auf eine Ausstellung und treten fünfmal unverrichteter Dinge den Rückzug an oder wie?“ Nein, das nicht, hängt freilich davon ab, wie gut wir unsere Pappenheimer kennen. Denn nicht mal so selten lässt sich schon beim ersten Versuch ein Aha-Erlebnis verbuchen.

 

Ø                 Das am häufigsten eingesetzte Mittel ist wie erwähnt ARGENTUM NITRICUM D30, das verschiedene Symptome von Angst im Arzneimittelbild hat: Platzangst, Angst vor Neuem, Durchfall aus Angst/Aufregung, ängstliches Gliederzittern. Zusätzlich kann bisweilen beobachtet werden, dass die Katze nicht allein bleiben will (Trennungsangst), desorientiert oder konfus wirkt und auf Zuspruch kaum bis gar nicht reagiert. Wir beginnen mehrere Tage vor der Show und geben das Mittel einmal täglich, eventuell noch eine Gabe vor dem Richten.

Ø                 Kater (Mädels seltener), die sich möglicherweise von Feinden umzingelt sehen oder, wenn sie häufig auf denselben Kontrahenten treffen (z.B. beim Nominieren oder auf der Bühne) und eine persönliche Abneigung entwickeln, kann täglich eine Gabe NUX VOMICA D30, beginnend mehrere Tage vor der Show, helfen.

Das Mittel wird auch bei allgemein nervösen, leicht aufbrausenden Tieren eingesetzt, mit Vorzug wenn sie unter Verdauungsstörungen leiden und wechselweise ängstlich reagieren.

Ø                 Zappelig, übererregt und bei plötzlichem Lärm oder Geräuschen ganz aus dem Häuschen ist der PHOSPHOR Typ. Häufig (selbstverständlich nicht immer) sind das feingliedrige Tiere mit zartem Pelzchen, die gleichfalls oft ungern allein bleiben und mitunter zwischen schneller Erschöpfung und ebensolcher Erholung pendeln: PHOSPHORUS D200 also, eine Gabe eine Stunde vor der Show; je nach Wirkung notfalls eine weitere vor dem Richten.

Das Mittel bietet sich auch an, wenn die Katze glaubt, auf einer Show (oder beim Doc) schlechte Erfahrungen gemacht zu haben (die uns vielleicht entgangen sind) und entweder schon beim Anblick des Transportkorbes, beim Tierarzt-Check am Einlass oder spätestens beim Einquartieren in den Käfig die Krise kriegt.

Ø                 Schlägt eine Katze ohne jegliche Anzeichen von Ankündigung plötzlich zu – vor allem wenn wir ihr empfindliches Reagieren auf Geräusche, Licht und Berührung nicht genügend beachtet haben – kann eine (mit Glück einmalige) Kur das Problem beheben: 10 Tage lang je einmal Belladonna D30, abschließend eine Einzelgabe CALCIUM CARBONICUM C200.

Ø                 Katzen, die auf Shows (oder schon während der Reise) ständig grummeln oder knurren, quasi prophylaktisch fauchen und/oder die Käfignachbarn durch die Gitterstäbe zu attackieren versuchen, könnten gleichfalls homöopathisch kuriert werden, was aber insofern ein wenig kompliziert ist, als bei normalem Verhalten zu Hause keine Besserung wahrgenommen werden kann. Passen die Symptome wie „die Faust aufs Aug’“, versuchen wir unser Heil mit täglichen einer Gabe HYOSCYAMUS D30 und wechseln nach etwa zwei Wochen zu C200 in größeren Abständen (ein-zwei-drei-vierwöchentlich).

Ø                 Findet Mieze Shows ganz easy, verträgt aber das Autofahren nicht (sie jammert, ist unruhig, wechselt ständig die Position), hilft NUX VOMICA D6, beginnend ½ Stunde vor der Fahrt (während dieser im Akutfall mit Würgereiz dreimal alle 10 Minuten), dann ein-, zwei-, dreistündlich bis zur Ankunft.

Ist ihr aber so blümerant, dass sie speichelt, erbricht und/oder unwillkürlich Kot und Urin abgehen, greifen wir zu COCCULUS D4 und verabreichen es wie vor.

* Falls gewünscht, können beide Mittel auch als Kur angewendet werden: Dreimal täglich zehn Tage lang.

Werden gleichmäßige, ruhige Fahrten toleriert, aber das Anfahren und Bremsen verursachen Übelkeit/Erbrechen, dann kann eine einzige Gabe STRYCHNINUM PHOSPHORICUM D200 das Problem für mehrere Monate beheben ... mit Glück sogar fürs ganze Leben und wir können die Arznei weiterschenken.

 

Übrigens: Manch Katze rotiert im Reisekäfig bzw. reagiert mit Übelkeit, weil sie mit der klaustrophobischen Enge nicht zurechtkommt, unter der gestauten Wärme leidet etc ...

 

 

SHOWDOWN

 

Alle aufgezählten Auslöser (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, was auch für die Arzneien gilt) betreffen durchwegs „normale“ Katzen, die sich daher - ohne Säbelgerassel in Richtung „der Richter/Nachbar/Gärtner hat meine Katze verdorben“ oder ähnlich Sinnigem -einer Beeinflussung des Nervenkostüms am zugänglichsten zeigen. Dass wir unsere Beautys heutzutage auf jeder Show selber präsentieren dürfen (meist mit Ausnahme der Best of), ist ein zusätzliches Plus. Cholerikern oder Zappeligen (Besitzern!) sei indes ein „Träger“ empfohlen ...

Ausstellungen sind Teil eines Hobbys und sollten Spaß machen. Tunlichst auch der Hauptdarstellerin. Egal ob sie ein Topstar ist oder der olympische Gedanke vom „Dabei sein ist alles“ vorherrscht (ist ja immerhin noch nicht komplett ausgestorben).

Abschließend noch ein kleiner Hinweis: Die Anlage für den Toleranzpegel ist teils gewissermaßen erblich! Hat Mieze also etwa einen grimmigen Showmuffel als Papa oder (seltener) Mama, kann von klein auf vorab sinniges Handling nicht schaden. Damit die Show nicht doch irgendwann zur Blutoper wird.

Wen’s interessiert: Der Artikel „Aggression auf Shows“ befasst sich mit möglichen Ursachen und ist im KatzenJournal unter Zucht & Show nachzulesen.

 

 

 

 

 

REISEAPOTHEKE

 

 

Katzen haben mit Ortswechsel wenig am Hut. Selbst wenn sie wissen, jetzt geht’s in die Ferien, kommen sie je nach Ziel zwar größtenteils gern an, plädieren aber fürs Beamen. Weil die meisten einfach ungern unterwegs sind, ungeachtet dessen, welche Erfahrungen sie gemacht haben. bzw. in Zusammenhang mit diesem kleinen Behältnis bringen, in das sie gestopft werden. Ob nun Hurra oder doch nicht –

 

 

JEDE REISE IST MIT STRESS VERBUNDEN

Grundsätzliches übers Fasten

 

Stress legt sich immer zuallererst auf Magen und Darm und kann (nebst anderen Misslichkeiten) Durchfall und/oder Erbrechen auslösen, weshalb Mieze vorher oft die Mahlzeit verweigert wird und ihr nervöse Menschen daheim mit dem Kistchen hinterher rennen.

Ob eine Katze nun fasten muss oder nicht, hängt in erster Linie vom Transportmittel (bei Flugreisen immer) und der seelischen Befindlichkeit ab, logischerweise auch von der Reisedauer. Dienlich ist daher vor allem, den Verdauungsvorgang einzukalkulieren, der von der Futteraufnahme bis zur Ausscheidung 20 bis 28 Stunden in Anspruch nimmt. Reine Fleischmahlzeiten (roh) verlängern den Vorgang und Durchfall verkürzt ihn natürlich extrem.

Indes kann eine überforderte Katze trotz (oder weil) leerem Magen/Darm die letzten Tropfen aus sich herausquetschen, was nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele sehr schmerzhaft ist.

 

 

DIE WICHTIGSTEN REISEBEGLEITER

 

Da wir ja nicht immer zu Shows touren oder auf Brautschau unterwegs sind, enthält die Reiseapotheke natürlich allerlei, was zusätzlich zur homöopathischen Hilfe generell von Nutzen sein kann. Reaktionen aufs Autofahren wurden im vorigen Kapitel (Homöopathie für Showtiere) schon erwähnt und hier nur zwecks Vereinfachung bzw. der Vollständigkeit halber wiederholt:

 

Ø                 Augensalbe (frisch vom Tierarzt!!), Zeckenzange, Desinfektionsmittel, Zellstoff, Schnellverband. Schadet nie, je nachdem wohin wir unterwegs sind;

Ø                 das klassische Mittel für alle Reisekrankheiten, die mit Brechreiz und/oder starkem Speichelfluss, Schluckbeschwerden mit/ohne Durchfall (und/oder unwillkürlichem Abgang von Kot oder Urin) einhergehen ist: COCCULUS D4 – 3mal eine Gabe in 10-Minuten-Abständen ½ Stunde vor Antritt der Reise (oder Auftreten der Beschwerden), danach alle 2-3 Stunden, falls erforderlich;

Ø                 Stehen Nervosität/Aufregung im Vordergrund (Brechreiz mit/ohne Begleit-Durchfall): NUX VOMICA D6 – im Akutfall 3mal eine Gabe alle 10 Minuten, danach alle paar Stunden wiederholen, je nach Erfordernis. Hilft auch bei verdorbenem Magen.

Kennen wir das „Spielchen“ schon, können wir bis zum Reisetag mit einer 10-Tage-Kur vorsorgen, während dieser wir beide Mittel einmal täglich geben (vorzugsweise im Wechsel: Eins morgens, eins abends);

Ø                 findet Mieze Autofahren an sich nicht übel (wörtlich genommen), kommt aber mit unserem Fahrverhalten nicht zurecht, soll heißen bei schnittigen Überholmanövern, plötzlichem Bremsen oder Kavalierstarts (oder beim Starten/Landen eines Fliegers) „hebt’s ihr die Innereien“ bis ans Kinn, können wir mit STRYCHNINUM PHOSPHORICUM D200 vorsorgen. Eine Einzelgabe spätestens kurz vor Reiseantritt könnte das Problem möglicherweise sogar bleibend beheben. Gegen eine Änderung des Fahrstils hätte sie vermutlich trotzdem nichts einzuwenden ...

Ø                 akute Kreislaufschwäche (Kollaps mit/ohne Darmschwäche, Durchfall) braucht VERATRUM ALBUM D4, direkt auf die Mundschleimhaut aufgebracht. Kann bei Bedarf in kurzen Abständen wiederholt und auch bereits eingesetzt werden, wenn Mieze Anzeichen einer sich anbahnenden Hysterie erkennen lässt;

Ø                 Avena/Phosphor „Wala“-Ampullen (problemlos auch oral einzugeben) mobilisieren die Selbstheilungskräfte und nützen bei Kreislaufproblemen (Unfall, Schock) und zur allgemeinen Beruhigung. Anwendung wie Beipacktext;

Ø                 plötzlich auftretende Anzeichen (erste Phase) einer Entzündung/Erkältung (häufiges Niesen, leicht schwimmende Augen, eventuell eine einzelne kleine, etwas schleimig wirkende Träne im inneren Augenwinkel): ACONITUM D30 – 3mal eine Gabe in 10-Minuten-Abständen. Notfalls nach ein, zwei Stunden je eine weitere Dosis. Ist der Spuk dann nicht vorbei oder die Symptome sind bereits stärker ausgeprägt, wirkt das Mittel nicht mehr und wir müssten mit BELLADONNA fortsetzen, idealerweise mit wenigen Gaben D30/200 (siehe Kinderkrankheiten/Augen) in größeren Abständen;

Ø                 sehen wir „nur“ wässrig tränende Augen als Folge von Zugluft (offene Autofenster, Klimaanlage = Frischluft/Heizungsgebläse!): ALLIUM CEPA D4 – 3mal eine Gabe in 10-Minuten-Abständen, danach je nach Wirkung in mehrstündlichen Intervallen bzw. 5-3mal täglich, bis alles wieder okay ist;

Ø                 Stich- und Bissverletzungen, die nicht bluten, aber rasch unglaublich anschwellen und bisweilen höllisch weh tun bzw. berührungsempfindlich sind: LEDUM D4 – 3mal eine Gabe in 10-Minuten-Abständen, danach 2-3-stündlich bis zur Besserung;

Ø                 immer ideal bei Schlag, Sturz, Unfall, Traumen und sogar für ein überanstrengtes Herz: ARNICA D30 - 3 Gaben innerhalb der ersten Stunde und 3 Gaben über den Folgetag verteilt.

 

Nur so als Tipp am Rande, falls Reisen mit Katze bisher nicht am Tapet standen: Voraussetzung ist IMMER der Chip (seit 2012 reicht eine Tätowierung nicht mehr aus), der EU Impfpass und eine gültige Tollwutimpfung (nicht jünger als 30 Tage und nicht älter als 12 Monate). Beim Grenzübertritt differieren je nach gewählter Destination die sanitären Einfuhrbedingungen auch innerhalb der EU Mitgliedsländer und sollten möglichst früh erkundet werden. Infos über die aktuelle Gültigkeit erteilen Konsulate, Veterinäramt, ÖAMTC/ADAC.

Fluggesellschaften haben ebenfalls unterschiedliche Sonderbestimmungen und die beginnen schon damit, dass viele keine Kleintiere in der Kabine erlauben ... Aber das würde jetzt zu weit führen. Nicht zu weit führt der Hinweis, dass einhellig von Beruhigungsmitteln abgeraten wird, da lebensbedrohliche Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind.

 

 

 

 

 

 

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