Schön herausgeputzt - Pflege für Show & Alltag

 

 

 

 

SCHÖN HERAUSGEPUTZT

 

Pflegetipps für Show und Alltag

 

 

 

Perserkatzen ohne Schönheitsbad auszustellen geht gar nicht, das weiß jeder (und feixt vielleicht „Drum hab ich ja keine“). Spätestens bei den sogenannten Naturrassen scheiden sich indes schon die Geister, könnte bei Wasser und Shampoo die Natur doch verloren gehen. Und Kurzhaariges wird oft bloß gekämmt, während Siamesen sowieso von ganz alleine stets adrett aussehen.

Ja, alles ist möglich ...

Die nachfolgenden Tipps sind jedenfalls auf alle Rassen anwendbar und wiewohl es für den Badetag nebst Full Service auch zwei Leichtvarianten für Newcomer bzw. Katzen gibt, die das vielleicht nur alle Jubeljahre mal brauchen, geht es keineswegs nur ums Baden – sondern auch um die Pflege von „Einzelteilen“ und wie man seine Mieze im Alltag adrett halten kann.

 

 

SCHÖNHEIT SCHÜTZT VOR ÄRGER NICHT

 

Tatsache ist, dass auf einer Show die Richter das Sagen haben und das prüfende Auge mit deutlich mehr Wohlgefallen auf einer schmuck gepflegten Katze ruht. Klar muss sie in erster Linie dem Standard entsprechen, weil da innere Schönheit allein leider nun mal kein Gewicht hat – die Pflege aber schon. Dass alle vor Ehrfurcht in die Knie gehen, obwohl bei der Mieze „en nature“ die höflichste Untertreibung aller Zeiten ist, kommt nämlich im wirklichen Leben nicht vor. Und selbst dann wäre der Sieg nicht gewiss. Weil Pflege auch etwas mit Respekt zu tun hat – es ist eine Schönheitskonkurrenz und da kann sich bei „Wie Gott sie schuf“ ein Juror schon mal gefoppt fühlen. Verdrießlich, aber nachvollziehbar. Immerhin tanzen ja auch wir, selbst als fachliche Idealbesetzung, manierlich gewaschen, gekleidet, onduliert und ohne Trauerränder unter den Fingernägeln zu einem Vorstellungsgespräch an. Von wegen guter Eindruck und Konkurrenz ...

Die Wirkung des guten ersten Eindrucks kann indes schnell verpufft sein, wenn er nicht halten konnte, was er versprach. Mit gutem Grund sei hier daher ein besonders Beispiel angemerkt: Frisch dem Bad entstiegen, riechen wir gut. Katzen auch. Vor allem Kurzhaariges landet aber nur selten in der Wanne, weil auch ohne Brimborium schick. Je nach Umfeld kann’s dann indes freilich passieren, dass sie dem Juror nicht unter die Nase geht – wörtlich genommen: Katzenfell „speichert“ (ebenso wie Kleidung) Gerüche und kann den Besitzer, der daran gewöhnt ist und es somit nicht immer bemerkt, schnell als passionierten Raucher, Anhänger der mediterranen Knoblauch-Küche oder Putzmuffel enttarnen. Es soll auch Menschen geben die vom Lüften nicht viel halten, Futterreste rund um den Napf sorglos vor sich hin gammeln lassen oder es mit dem Saubermachen der Katzenkistchen nicht so genau nehmen ... Wie auch immer, dieser Cocktail kann dem Kampfrichter schon mal den Atem rauben, und ist er womöglich auch noch mit dem falschen Fuß aufgestanden, ist Schluss mit lustig. Die Mieze jetzt halt mal tüchtig einzuparfümieren könnt’s mitunter natürlich bringen. Sofern der Herrscher über Wohl und Wehe nicht stracks vom Hocker fällt.

Dass die Mieze stinkt, wird übrigens keiner in den Bericht reinschreiben und sich mit dem Besitzer auf eine Diskussion einlassen. Richter haben andere Möglichkeiten, denn irgendein Fehler findet sich immer ... Das lapidare „ex vorgestellt“ darf auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit der Gesamtzustand gemeint ist = Konstitution, Gesundheit, wie gut oder nicht Mieze sich selbst präsentiert und den Rummel verkraftet. Ein Erscheinungsbild, das aus seelischer Balance, Rundumbetreuung und guter Ernährung, sprich Lebensqualität resultiert und die „chemische“ Pflege in der Punkteskala an den Rand des Geschehens verweist. Die indes durchaus das Zünglein an der Waage sein kann ...

 

 

ALSO REIN IN DIE WANNE?

 

Ja nun, das ungeliebte Manöver der Badeprozedur sollte für Perserkatzen und Semilanghaar obligat sein - laut überwiegender Richtermeinung auch für Naturrassen. Ob Ihre Katze nun das volle Programm braucht oder die Leichtversion bzw. die Behandlung von Einzelteilen ausreichend ist, müssen Sie selbst entscheiden, denn das hängt vom allgemeinen Pflegezustand und nicht zuletzt von Fellbeschaffenheit und/oder –farbe ab. Also lesen Sie erst mal wertfrei alles durch und treffen hinterher Ihre Entscheidung.

Bitte beachten Sie auch die speziellen Vorschläge im Anschluss an das Kapitel Trocknen.

 

 

            ZUVOR NOCH EINIGE TIPPS

 

Absolut ideal für den Trainingsbeginn sind die Sommermonate. Fällt das Ergebnis nicht wie gewünscht aus, lassen sich Fehler bis zur Showsaison meist noch korrigieren. Mieze kann sich nicht erkälten, wenn sie abhaut und nix ist mit gut abtrocknen. Oder weil sie, wenn’s sehr heiß ist, das lauwarme Wasser hoffentlich weniger abschreckend finden wird. Der Ort des Geschehens sollte jedenfalls immer angenehm temperiert sein und gewährleisten, dass keine Zugluft entsteht, bis die Katze nach dem Trocknen genügend abgekühlt ist (erkälten kann man sich auch im Sommer!).

Gut wäre, wenn Sie die „Steward-Technik“ beherrschen (melden Sie sich mal zur Mitarbeit), die das Handling enorm erleichtert, weil man die Katze fast in jede beliebige Stellung bringen kann, ohne sie zu ängstigen oder á la Schraubstock zu arretieren – wozu Neulinge automatisch und unbeabsichtigt neigen und die Katze logischerweise verärgern. Nach etwas Übung wird sie sowohl beim Baden als auch auf Shows nicht hampeln. Das freut nicht nur die Richter ...

Wie auch immer: Riskieren Sie weder Panik noch eine Situation, wo Sie im Geist schon den Notarzt kontaktieren – das wird nix und auch ein andermal nicht besser. Also brechen Sie rechtzeitig ab, bevor Mieze dermaßen vergrämt ist, dass Sie sich jeglichen neuerlichen Versuch abschminken können. Klarerweise ist nicht Zwang, sondern Vertrauen die Basis, die eine Katze zur vollen Schönheit erblühen - und sie auch zeigen – lässt. Tolles Fell und darunter ein frustrierter Finsterling degradiert jeden Pokal zum Nachttopf ... Sieht Mieze nach der Premiere also eher wie ein zerrupftes Huhn aus, ist aber dafür guter Dinge – sei’s drum. Kein Meister ist je vom Himmel gefallen.

 

            Badetag – wann?

Da Katzen ja nun Individuen sind und sowohl innerhalb einer Rasse als auch hinsichtlich Alter und Fellfarbe eine sehr unterschiedliche Textur haben, sollten Sie den idealen Zeitpunkt vorher austesten: Wie lange die Pracht vorhält bzw. nach wie vielen Tagen bei Kurzhaarigen das Pelzchen standardkonform liegt.

Hier also nur Richtwerte:

 

Ø                 Bei allen Katzen/Rassen, wo Fülle und/oder aufstehendes Fell gewünscht wird, wird Baden zumeist zwei bis drei Tage vor der Show empfohlen (Perserprofis mit Showneigung baden in etwa alle vier bis sechs Wochen, je nach Textur, und frischen am Vortag häufig nur noch auf);

Ø                 bei allen, deren Fell fließend hängen bzw. am Körper anliegen soll, ruft die Wanne nie später als eine Woche vor der Ausstellung;

Ø                 Einzelteile wie z.B. weiße Füße, Tränenspuren oder (Vollkater) Hinterteile am Vorabend überprüfen und gegebenenfalls behandeln.

Ø                 Berücksichtigen Sie eventuell auch den Härtegrad Ihres Wassers: Bei hartem muss unter Umständen das Entfetten wiederholt werden, bei weichem sollten Sie das Shampoo stärker verdünnen, weil Sie sonst spülen bis Sankt Nimmerlein;

Ø                 wesentlich fürs Gelingen ist jedenfalls „Wasser satt“, d. h. das Fell muss komplett durchtränkt sein, damit das/die Shampoo/s ihre Wirkung voll entfalten können! Und erst wenn es klar abläuft, dürfen Sie mit Spülen aufhören – bitte nicht schlampen: Jeglicher Seifenrest kann alle Mühe zunichte machen!! Siehe auch Badetag Schritt vier: Essigspülung!

 

         Fönen – oGottoGott?

Oft nicht nur für ungeübte Menschen und Katzen eine Mutprobe, besonders wenn Letztere langes, längeres oder sehr dichtes Fell/Unterwolle hat, weil sie um den Fön nicht herumkommen wird. Hat Mieze noch keine Bekanntschaft mit diesem Ding gemacht, hier ein Vorschlag zum Austesten (die Reihenfolge können Sie natürlich variieren, Sie kennen Ihre Katze besser als ich). Wichtig: Nie ins Gesicht und stets Kopfbereich aussparen.

Nehmen Sie sie ein paar Mal mit ins Bad, z.B. wenn Sie an der eigenen Fönwelle werken und beobachten ihre Reaktion, ohne sie anzublasen. Oder fönen mangels Eigenbedarf irgendwas Imaginäres = unterste (leiseste) Stufe. Hat sie sich einigermaßen an das Geräusch gewöhnt, starten Sie gezielt in Abständen ein paar Testläufe, Wochen vor dem Badetag: Fön auf unterste Stufe und erst nach einer Weile probehalber auf Schwanzansatz, Schwanz oder Beine pusten. Klappt das, schalten Sie (nächstes Mal?) eine Stufe höher und wandern vom Schwanzansatz über den Rücken und die Seiten und (je nach Reaktion vielleicht erst beim nächsten oder übernächsten Mal) auf Brust, Bauch und Hinterfront. Bleibt der Herzinfarkt aus, werden am Badetag wahrscheinlich auch Sie keinen kriegen ...

 

 

GRUNDAUSSTATTUNG

 

Shampoos

Für eine erwachsene Katze mit langem/längerem Haarkleid und Full-Service brauchen Sie mehrere Shampoos, bei Kurzhaarigen kann je Textur - wie bei Kitten (ungeachtet der Felllänge) – eins/zwei reichen wie folgt:

 

Ø                 Nur für Erwachsene: Ein dafür ausgewiesenes Entfettungs-Shampoo als Vorwäsche. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Waschpasten Marke USA (vor allem wenn Sie eine weiße oder gescheckte Katze mit viel Weiß haben, deren Haut sehr viel empfindlicher ist), weil sie den Säuremantel der Haut angreifen, sodass diese nach mehrmaliger Anwendung trocken und rissig wird. Manchmal daran zu erkennen, dass sich die Katze scheinbar grundlos ständig kratzt;

Ø                 ein mildes, pH-neutrales Shampoo fürs Gesicht, hinter den Ohren, am Kinn und eventuell die Hemdbrust. Bei Kitten/Katzen mit kurzem bzw. sehr zartem Pelzchen können Sie es auch für den Körper verwenden;

Ø                 ein neutrales Shampoo für die Vorwäsche, falls Entfetten nicht nötig ist und Sie

Ø                 für den Hauptwaschgang eins passend für die Fellfarbe verwenden: Gute Marken bieten meist drei Varianten an: Für schwarze-dunkle, rote sowie weiße/silberne (= „Whitener“ sind nicht empfehlenswert für gescheckte) Katzen;

Ø                 nur für Erwachsene: Je nach Gesundheitszustand des Haarkleides oder je nach Textur kann ein abschließend Conditioner notwendig sein – der zwar zum Teil die Prozedur des Entfettens wieder zunichte macht, aber bei trockenem, sprödem Haar oder nach Verwendung einer Waschpaste werden Sie nicht darum herumkommen. Gründlich spülen!! - so lange, bis Sie keinerlei Widerstand spüren (und es "quietscht"), wenn Sie mit der Hand über den Rücken streifen, d.h. die Hand darf nicht "gleiten".

 

Bei Schuppen oder Parasitenproblemen kann zu Beginn ein medizinisches Shampoo benutzt werden (manche Züchter verwenden es auch zum Entfetten – aber bitte nie bei Trächtigen! Die, wie Säugende, auf einer Show sowieso nichts verloren haben). Der Tierarzt, Apotheker oder (ideal) ein Profi kann beraten, beachten Sie trotzdem unbedingt die Hinweise des Herstellers!!

 

 

Woher nehmen?

Exzellente Produkte mit der bestmöglichen Wirkung sind Spezialpräparate und im Zoofachhandel mangels Nachfrage selten erhältlich. Fragen Sie (Ihren) Züchter oder grasen das Internet bzw. die Händler auf den Ausstellungen ab, die ja eher zielgerichtet anbieten und zudem auch mit Präparaten jenseits einer Badeorgie dienen können, z. B. Farbpuder oder Sprays fürs Finish etc. Zwecks Vergleich kann es auch keineswegs schaden, sich mal auf einer CFA/TICA Show zu tummeln ...

Auch wenn Pflegeserien längst keine US-Domäne mehr sind, ist man damit jedenfalls nicht schlecht beraten. Wie alle wirklich guten Präparate sind sie zudem recht sparsam im Verbrauch, sodass nicht am falschen Ende gespart werden muss.

 

Was Sie noch brauchen:

Ø                 Verwenden Sie Shampoos, die verdünnt aufgetragen werden, vereinfacht es das Handling, wenn Sie für jeden Waschgang einen Becher mit dem jeweils gebrauchsfertigen Shampoo bereitstellen. Zum Einschäumen können Sie es dann auch auf einem großen Schwamm verteilen;

Ø                 einen Waschlappen fürs Gesicht;

Ø                 ein fusselfreies Tuch, um Wasser- oder Seifenspritzer vom Gesicht (Augen, Ohrinneres, Nase, Mäulchen) abzutupfen;

Ø                 ein Eimerchen zum Spülen – falls Sie ohne Duschkopf arbeiten müssen;

Ø                 ein Eimerchen mit Essig-Lösung = ½ Tasse weißen, destillierten (ganz normalen) Essig auf etwa drei/vier Liter Wasser als letzte Spülung;

Ø                 einen Stapel saugfähiger Handtücher;

Ø                 einen leistungsstarken (Flüster-) Fön zum Trocknen (für alle Längerhaarigen unerlässlich, bei Kurzhaar abhängig von Textur/Felldichte ... oder Laune);

Ø                 einen feinen Kamm und einen „luftigen“ und/oder eine feste Bürste (z.B. mit Metallstiften, deren Spitzen Plastikhütchen haben); ein kleines Kämmchen oder eine Zahnbürste fürs Gesicht;

Ø                 eine feste Gummimatte als Unterlage, die den Pfötchen Halt gibt, sonst fängt Mieze zu Rudern an = unten rutschig und von oben Wasser: Hiiiilfe! Die Matte, gut ausgeschüttelt, können Sie später beim Fönen auch auf den dafür vorgesehen Tisch (oder das Bügelbrett) legen, sofern Sie keinen Profi-Pflegetisch haben;

Ø                 Was Sie sonst noch brauchen könnten, hängt davon ab, was einer entsprechenden Extra-Verschönerung bedarf – siehe dazu die Spezial-Tipps.

 

Und ohne ein entsprechendes „Gefäß“, in das Sie Mieze am Badetag setzen, geht es natürlich auch nicht. Sie einfach in einen Eimer zu tauchen ist übrigens keine gute Idee.

 

Ø                 Die Badewanne. Ohne Duschfunktion braucht’s ein Eimerchen zum Spülen. Die Duschtasse. Da kriegt auch Mensch was ab (Badehose?)

Ø                 Für beide Varianten bietet sich eine kleine Plastikwanne mit Ablauf an, was, weil kleiner, den meisten Katzen besser gefällt. Außerdem steht sie nie im Wasser. Falls derlei nicht zu bekommen ist, können Sie in eine Babybadewanne oder Ähnliches Löcher reinbohren.

Ø                 Das Waschbecken oder die (penibel geschrubbte) Spüle. Ohne schwenkbaren Sprühkopf werden Sie auch hier ein Eimerchen brauchen.

 

Nachfolgend nun drei Vorschläge für die Badeorgie - mit „Steigerung“, abhängig davon, ob es für Sie/Mieze eine Premiere ist, ob es die Leichtvariante tut oder ein Full-Service angedacht ist.

 

 

PREMIERE

 

Wie erwähnt kommen Kurzhaarige seltener in die Wanne, aber wenn Sie eine weiße, gescheckte oder helle Katze zwecks Show erwerben, sollten Sie das in Erwägung ziehen und beim Züchter vorfühlen. Ebenso immer dann, wenn Mieze ein Gehege zur Verfügung hat.

Ziert die künftige Best in Show langes/längeres Fell, sollte sie kein Neuling in Sachen Schönheitsbad sein und beim Züchter schon einmal Bekanntschaft mit dem ungewöhnlichen Nass gemacht haben. Es wäre sinnig, dabei zu sein und sich das live zeigen zu lassen. Müssen Sie „hilflos“ alleine werken und haben keine Ahnung, wie die Katze reagiert, fangen Sie am besten „klein“ an. Und zwar tunlichst lange vor der Show. Planen Sie zwei, drei störungsfreie Stunden ein, vor allem um seelisch besser gerüstet zu sein - das ist wichtig, denn Nervosität ist ansteckend!

Und jetzt geht’s los:

 

Ø                 Legen Sie alle notwendigen Utensilien griffbereit á la die Hoffnung stirbt zuletzt

Ø                 und beginnen erst mal mit einer schlichten „Wasserprobe“, um sowohl Ihre als auch die Belastbarkeit des Opfertieres zu testen = Mieze holen, Türe schließen, Wasser bis zum Erreichen der richtigen Temperatur leicht plätschern lassen und sie

a) ins leere (oder halbvolle = der Bauch sollte noch im Trockenen sein) Becken setzen.

b) Mit beiden Händen sanft halten, streicheln, beruhigend flöten, dann linke Handfläche (sofern Sie Rechtshänder sind) vor die Brust, Finger zwischen die Vorderbeine und warmes Wasser über ihren Rücken rieseln lassen. In der Regel finden das fast alle Katzen angenehm, solange Sie am hinteren Ende beginnen und der Kopf außen vor bleibt.

c) Klappt das, wird das Fell bis auf die Haut getränkt und dann das Gesicht mit dem Waschlappen feucht gewischt – ohne die Augen zu benetzen oder dass Wasser in die Ohren kommt.

Ø                 Theoretisch war’s das: Herausnehmen, gut abtrocknen (fönen?), kämmen, loben, Leckerli.

 

Ist Miezes Vertrauen aber größer als die Sorge, ertränkt zu werden, können Sie natürlich fortsetzen – entweder mit nur einem Waschgang (siehe Badetag) oder einen Probedurchlauf starten wie künftig angedacht. Und sollte der Katze zwischendurch der Geduldsfaden reißen, hören Sie eben auf.

 

 

LEICHTVARIANTE

 

Geeignet für alle Katzen, die derlei nur hin und wieder brauchen bzw. für die diese recht lässige Methode absolut ausreichend ist. Oder zum Probieren, wenn z.B. Mieze schon Erfahrung hat, Sie aber nicht. Oder weil sich die Gute just vor der Show in der Blumenerde gewälzt oder sich sonstwie großflächig bekleckert hat:

 

Ø                 Becken (natürlich eins ohne Löcher) halbvoll mit gut warmem Wasser (der Katze wie vor nur bis unterm Bauch reichend), Shampoo darin auflösen, Katze hineinstellen, das Fell bis zur Haut gut tränken (Gesicht aussparen), einmal spülen, danach verdünntes Shampoo gut einmassieren, aufschäumen, Stöpsel ziehen und spülen, bis das Wasser klar bleibt.

Ø                 Wie immer gut abtrocknen, fönen je nach Notwendigkeit, kämmen, Küsschen ...

 

 

BADETAG - VOLLES PROGRAMM

 

Vorbereitung im Trockendock

      Legen Sie alles in Griffweite, das Sie je nach Prozedur und Gutdünken benötigen.

      Zuerst wird das Opfertier gut durchgekämmt und eventuelle Knoten aufgezupft. Kämmen Sie mit dem Strich (= wie das Fell liegt) und beginnen mit dem Werkzeug des geringsten Widerstandes, danach folgt die Feinarbeit und zum Schluss geht’s ans Eingemachte = Achseln, Bauch, Schwanz, Hinterfront. Oder diese heiklen Stellen peu à peu zwischendurch – wie’s beliebt müssen Sie selbst herausfinden. Abschließend streifen Sie mit feuchten Händen noch einmal kräftig drüber, um lose Haare zu entfernen (die bei Nässe gern filzen). Und nun heißt’s „Zur Sache, Schätzchen“:

 

Das Procedere ist immer gleich:

Ø                 Fell (Kopf aussparen) bis auf die Haut gut anfeuchten, das jeweilige Shampoo aufbringen, einmassieren, einschäumen und danach jedes Mal gut spülen.

Ø                 Bei hartem Fell und/oder gelben/schmutzigen Pfoten, an schneller fettenden Stellen wie Achselhöhlen, Schwanz und Höschen (NIE im Gesicht) massieren Sie zuvor ganz wenig Shampoo mit den Fingern unverdünnt ins trockene Fell und geben danach so viel Wasser dazu, dass es sich gut aufschäumen lässt;

 

Schritt eins: Entfetten

Wahlweise auch ein medizinisches Shampoo, aufbringen und verfahren wie vor.

 

Schritt zwei: Vorwäsche & Hauptwaschgang

Falls Entfetten nicht nötig ist, sollten Sie sich trotzdem zu einer Vorwäsche aufraffen. Macht Ihr Friseur ja auch, weil das Shampoo erst dann seine volle Wirkung entfaltet und das Haar wirklich sauber ist. Ein neutrales Shampoo können Sie für Vor- und Hauptwäsche verwenden; ein Farbshampoo nur für den Hauptwaschgang.

 

Schritt drei: Kopfbereich

Können Sie auch zwischendurch machen (z.B. wenn ein Shampoo kurz einwirken muss), aber die meisten Katzen finden Herumwerkeln im Gesicht weniger lustig. Sieht es proper aus, kann (bei nicht weißen/hellen bzw. Kurzhaarigen) feucht wischen genügen.

 

Ø                 Zuerst das pH-neutrale Shampoo hinter den Ohren und am Kinn unverdünnt ins trockene Fell einmassieren,

Ø                 Wangen, Kinn, Hals, Oberkopf, Nacken anfeuchten, das 1:8 verdünnte Shampoo auf den Waschlappen kippen und sachte kreisend auftupfen, NICHT aufschäumen, und mit dem so oft im frischen Wasser ausgedrückten Waschlappen abwischen, bis alle Seifenreste entfernt sind und das Wasser klar bleibt.

Ø                 Achten Sie unbedingt darauf, dass weder Seife noch Wasser in Augen, Nase, Mäulchen, Ohrmuscheln gelangen und tupfen verdächtige Spritzer mit dem fusselfreien Tuch ab!

 

Schritt vier: Essigspülung

Streifen Sie mit den Händen möglichst viel Wasser aus dem Katzenfell oder wickeln Mieze kurz in ein dickes Frotteetuch, setzen sie dann ins halbvolle Becken mit sauberem, warmem Wasser und gießen langsam die vorbereitet Essiglösung über den Körper (NIE über den Kopf!!). Zwei-dreimal mit dem Eimerchen wiederholen, bis das Fell wieder richtig trieft. Damit können etwaige allerletzte Seifenspuren herausgeschwemmt werden, zudem gibt es dem Fell einen schönen Glanz. Gründliches Spülen am Ende ist das absolute A und O, denn Shampoo-Reste verkleben das (dann glanzlose) Fell, wirken wie ein Magnet für Staub und Schmutz, lassen es schneller zusammenfallen und viel schwerer fönen bzw. kämmen.

 

Schritt fünf: Trocknen mit dem Fön

Ø                 Zunächst streifen Sie mit kräftigen Strichen so viel Wasser aus dem Fell wie möglich;

Ø                 dann wird Mieze in ein (angewärmtes) dickes Badetuch gewickelt, um das meiste Wasser rauszupressen (ohne die Katze zu quetschen, klar), sodann unter ständigem Wechseln des Handtuches frottiert (nicht zausen), bis das letzte fast trocken bleibt;

Ø                 nun mit einem groben Kamm oder der Bürste mit den „behüteten“ Metallstiften das Fell tunlichst schmerzfrei in Form kämmen, danach mit einem feineren Kamm, wobei Sie zwecks leichterem Arbeiten während des nachfolgenden Fönens zwischendurch etwas alkoholhaltigen Spray aufsprühen können.

Ø                 Bei Lang/Halblanghaar und Katzen mit etwas aufstehend gewünschtem Fell wird stets gegen den Strich gefönt, bei allen anderen dürfen Sie wechseln (es legt sich ja hinterher wieder), bis jedes einzelne Haar vollkommen trocken ist.

 

Bitte hören Sie nicht bei „eigentlich schon“ trocken auf – das Fell würde zusammenfallen und die Mühe war vergeblich. Außerdem hält die Wirkung des aufwändigen Manövers bei gründlichem Fönen wesentlich länger, also halten Sie durch und die Katze bei Laune! Das gilt besonders für eine

 

Ø                 schöne Hemdbrust – wo sich das Fell nämlich unglaublich gerne kringelt, wenn es nicht unter Einsatz von Bürste/Kamm komplett trocken ist und glatt fällt – gilt selbstverständlich nicht, wenn die Löckchen (z.B. bei Selkirk/Rex) erwünscht sind.

Ø                 Nie „auf der Stelle“ fönen, das wird unangenehm! Wackeln Sie mit dem Fön und halten ihn so ständig in Bewegung, prüfen immer wieder mit der Hand am Pelzchen die Temperatur, und

Ø                 blasen NIE NIE NIE der Katze ins Gesicht!

 

 

Trocken-Alternativen

Trocknen ist, wie im Prinzip die gesamte Prozedur, eine Wissenschaft für sich und jeder hat da so seine Methode bzw. Erfahrungen. Langhaar-Profis verwenden einen in der Höhe verstellbaren Pflegetisch (wie der Hundefriseur), der freies Handling ermöglicht, aber der Küchentisch oder das Bügelbrett tun’s auch (Gummiunterlage, damit Mieze Halt hat). Im Prinzip geht’s so am schnellsten (und effektivsten), sodass keinem die Arme abfallen. Freistehend hat die Katze zudem die Möglichkeit abzuhauen – zumindest theoretisch – und fügt sich deshalb vielleicht etwas bereitwilliger (?) ... Manche Züchter setzen sie indes nach dem Frottieren in einen Gitterkäfig und fönen durch die Gitterstäbe – was ich bei Panik vor dem Gerät als total herzlos empfinde. Und wenig zielführend, weil das ja nur obenrum funktioniert, nicht aber im Bauch-, Achsel-, Hals-, Genitalbereich und der Schwanzunterseite. Unter der Voraussetzung, dass sich Mieze willig gibt, ist die Idee so übel nicht, allerdings müssen Sie

 

Ø                 gleichmäßig rundherum fönen (damit sie, weil bewegungslos, nicht „einseitig“ friert), bis sie zu etwa einem Drittel trocken ist

Ø                 und sie fürs Finale sowie für untenherum herausholen und freihändig werken.

 

Mit einem normalen Kennel oder Korb funktioniert das mangels Luftaustausch nicht: Zuerst zittert sie sich weg, danach beginnt das feuchte Fell zu „dampfen“ ... und sich zu kringeln. Das geht sogar bei Siamesen. Käme das für Sie sowieso nicht infrage, hat Gabriele Schumann – siehe Gastautoren – (nicht nur) für Perser(Langhaar-)Katzen-Besitzer eine Alternativ-Idee ...

Falls es Sie tröstet: Übung bringt’s – Sie werden besser und schneller, je sicherer die Handgriffe sitzen, und das Opfertier wird in gleichem Verhältnis ruhiger. Jedenfalls wenn Sie keine Gewitterziege haben, die beim Bürsten schon ausrastet. Was übrigens a) nichts anderes ist als Angst und b) auf schlechter Erfahrung beruht, denn keine Katze wird als Miesepeter geboren, sondern dazu gemacht. Und: Nein, Ausnahmen bestätigen nicht die Regel. Wir ernten immer, was wir säen, auch wenn es mitunter lange zurückliegt. Jedenfalls darf man als Halter nicht zwingend dem Züchter den Schwarzen Peter zuschieben, weil manchmal genauso das eigene Versäumnis eine Rolle spielen kann.

Entschuldigen Sie den Sidestep, zurück zum Thema: Bleibt der Fön Feind Nummer eins und Sie oder Mieze (mit dem langen, längeren oder sehr dichten Haarkleid) können sich auch mit dem Gastautoren-Tipp nicht anfreunden, verfügen Sie hoffentlich über einen Wäschetrockner zwecks kräftiger Erwärmung dicker Handtücher, in welche das Opfertier jeweils für mehrere Minuten so lange gewickelt (und zwischendurch gekämmt) wird, bis es ganz trocken ist. Allerdings lässt das Ergebnis (Ausnahme: Kurzhaar) in der Regel schon zu wünschen übrig.

Geht nun wirklich gar nichts, lassen Sie’s lieber und/oder versuchen es mit der Behandlung von „Einzelteilen“. Siehe ff ...

 

 

SPEZIELLE TIPPS von A bis V

 

 

AUGEN

 

Braune Tränenspuren sind bei allen (Show-)Katzen verpönt und machen auch reine Sofatiger nicht glücklich, weil es sie irritiert, häufig ein Herd für Bakterien ist und sogar die Härchen ausfallen können. Entsprechend milde und nicht reizende Präparate, Augenwässer (z.B. homöopathische) zur täglichen Reinigung, sollten das Problem eigentlich gar nicht erst entstehen lassen, bisweilen aber, zugegeben, leichter gesagt als getan. Leider wehren sich viele Katzen gegen das ständige Gefummel, weil sie ja nicht wissen können, dass es nur schlimmer wird und sie letztlich doch „dran glauben“ müssen. Jedenfalls sind die Zeiten, als man forsch zum Tränenfleckentferner gegriffen hat, eigentlich vorbei. Glücklicherweise, denn die Augen sind schneller entzündet als man glaubt und häufiges Benutzen greift die in dieser Region besonders zarte Haut an = die Haare fallen aus!

Und dadurch, dass die Katze sich putzt, sind natürlich genauso die Vorderpfoten betroffen, die gleichermaßen behandelt werden müssen.

Es gibt ein extra Shampoo für dunkle Verfärbungen, das sehr sparsam mittels Q-Tipp (oder einem Finger) aufgetragen, damit leicht einmassiert und danach mit einem weichen, nicht fusselnden feuchten Tuch (z.B. Microfaser) sanft weggewaschen wird, bis alle Seifenreste verschwunden sind. Wenn eine Einmalbehandlung nicht reicht, müssen Sie’s natürlich in Abständen wiederholen, bei Katzen, die gebadet werden, z.B. zwischen den Waschgängen.

Alternativ können Sie auch mal mit einem Optiker reden: Ein mildes Benetzungsmittel für Kontaktlinsen, täglich angewendet, kann das Übel verhindern. Um Missverständnissen vorzubeugen müssen Sie ihm aber auf jeden Fall sagen, wozu Sie es benutzen möchten!!

Grundsätzlich gilt für alle Mittel – und das ist bitte wirklich ernst gemeint -, die Sie rund ums Auge verwenden (wollen): Probieren Sie’s an sich selber aus. Ist es auch nur ansatzweise irgendwie unangenehm, geht es Katze genauso und Sie sollten die Hände davon lassen.

Übrigens: Ständiges Tränen hat zumeist eine gesundheitliche Ursache, z.B. falsche Ernährung (zu viel Trockenfutter?). Auch ein sogenanntes Rolllid ist möglich (einwärts gedrehter Lidrand, sodass die Härchen am Augapfel kratzen – unter einer gute Lichtquelle ist das zu sehen. Wenn nicht, legen Sie diese Möglichkeit ad acta). Eine weitere: Verstopfte Tränenkanäle (in der Nase, sodass die an sich normale Tränenflüssigkeit, unentbehrlich für das Feuchthalten des Augapfels, innen nicht abfließen kann). Reden Sie mal mit Ihrem Tierarzt. Nur so als kleinen Tipp nebenbei, hinterfragen Sie Diagnose & Behandlung. Nicht jedes Problem muss chirurgisch angegangen werden. Und bei einer rigorosen Futterumstellung wird eine Katze, die alle Fünfe beisammen hat, (vernünftigerweise) nicht mitspielen ...

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DAUERWELLE

 

So pflegeleicht kurzhaarige Rexkatzen auch sind, in die Wanne sollte eine Showkatze trotzdem. Jedenfalls wenn das Rexing aufbricht, also zwischen den Wellen ein Abstand sichtbar wird, der unordentlich und ungepflegt ausschaut. In krassen Fällen kann sogar die Welle selbst aufbrechen. Ähnliches gibt’s z. B. auch bei Briten oder Abessiniern (etc.), vor allem bei älteren, zu dicken oder wenn sie rollig sind bzw. kaum gepflegt werden = die (mitunter fettigen) Fellbüschel schichten sich wie ein Schindeldach und stehen oft auch leicht auf. Nicht gut.

Baden also, aber sehr moderat, sonst leidet der Fettfilm der Haut, d. h. nur ein Waschgang mit dem richtigen (passend milden) Shampoo reicht. Nicht zwingend vor jeder Show, nur wenn es notwendig ist = schmutzig oder fettig, und nie später als drei Tage vor dem Ereignis, denn frisch aus der Wanne ist die Ondulation weg!! Das Rexing braucht ein paar Tage, um wieder einen komplett geschlossenen Wellengang zu zeigen.

Weil das Pelzchen mangels Deckhaar leicht brechen kann, werden Rexkatzen übrigens ausschließlich MIT dem Strich gestreichelt bzw. gebürstet/gekämmt. Nur bei nassem Fell besteht diese Gefahr nicht, aber Sie dürfen beim Trocknen dennoch niemals fest rubbeln und sollten auf jeden Fall fönen. Geht ja schnell.

Für alle Tage finden Rexlein mit einer weichen Bürste oder einem feinen Kamm pflegendes Auslangen.

 

 

FETTSCHWANZ

 

Keineswegs nur ein Katerproblem, kommt auch mal bei Mädels oder Kastraten vor. Es sollte im Prinzip regelmäßig angegangen werden, weil das fettig-talgige, gelbbraune Sekret das Haar leicht brechen und sogar ausfallen lassen kann. Und dann zumeist nicht mehr nachwächst ... Daher ist auch gefühlvolles Handling sehr wichtig, damit keine (bleibenden) „Löcher“ entstehen.

Als Alleinbehandlung eignet sich z. B. Goop Orange: Sachte! ein wenig ins trockene Fell der fettigen Partie massieren, den ganzen Spazierstock einschäumen und gründlich !!! spülen (längeres Haar trocken fönen). Wird die Katze gebadet, kann damit vorbehandelt werden. Bitte nicht zu oft verwenden, weil Waschpaste wie erwähnt die Haut stark austrocknet. Auch Ekzeme sind möglich.

Alternativ kann, wenn’s ganz so arg nicht ist, etliche Stunden vor dem Bad (damit das Fett gut aufgenommen wird) vorsichtig Stärkemehl einmassiert werden; bürsten Sie aber so viel wie möglich vor dem Waschgang sachte wieder aus, sonst pappt’s. Stärkemehl eignet sich auch für zwischendurch, muss aber nach dem Einwirken ausgewaschen werden. Zwecks Vorbeugung oder wenn die Katze Waschen nicht erlaubt, eignet sich z.B. Talkumpuder sehr gut, einmassieren, einwirken lassen und gut ausbürsten.

 

 

FÜSSE

 

Weiße oder Gescheckte sollten ungeachtet der Rasse gebadet werden, weiße/helle Füße/Beine jedoch ohne Ausnahme auf jeden Fall! Unverdünntes Shampoo ins trockene Fell massieren, danach gut spülen und trocken rubbeln (längeres Haar kämmen) sollte kein so großes Drama sein.

Bei dunklen Verfärbungen an der Pfoteninnenseite, die entstehen, wenn die Katze ihre tränenden Augen putzt, lesen Sie bitte im Kapitel Augen nach. Wird bei Verfärbungen eine Waschpaste (Goop) nötig, stäuben Sie nach dem gründlichen Auswaschen etwas Stärkemehl (oder Babypuder, das indes nicht fettfrei ist) ins feuchte Fell und kämmen es nach dem Trocknen aus.

Ob Vorschrift oder Empfehlung, etwa eine Woche (spätestens 24 Stunden) vor der Show die Krallen zu kürzen kann nicht schaden = Krallenzange, NUR die kleine weiße Spitze und NIE mit der Schere (1. splittert die Kralle, 2. tut’s beim Kratzen doppelt weh). Ist ein Vollbad angedacht, schützt diese Maßnahme auch Ihre Haut..

 

 

GRANNENHAARE & BRINDLING

 

Im Grunde haben alle Katzen Grannen. Entweder nur am Rücken und der Schwanzoberseite oder auch an Flanken, Schultern und mitunter sogar an den Beinen. Manchmal viele, manchmal nur wenige – und sie sollten weg. Mit Ausnahme von Rassen natürlich, wo sie „dazugehören“ wie z.B. bei Norwegischen Waldkatzen, verlängern Grannen besonders bei Kurzhaarigen optisch das Fell und können etwa bei einer Siam sozusagen überdeutlich ins Auge fallen. Bei einer Rasse, wo der Juror gegen den Strich ins Fell fährt, um Textur, Dichte (und Länge) zu prüfen, etwa bei Briten, kann en nature der Mieze schon mal die Nomination/BIS kosten, wenn alle anderen Attribute dieses Manko nicht auszugleichen imstande sind oder ein Richter „auf Fell steht“. Heutzutage wird das manchmal zwar recht lässig gesehen, aber nun ja, Grannen stören trotzdem ...

Grannenhaare sind hart, bisweilen sogar etwas borstig und fühlen sich ganz anders an als das normale Deckhaar. Kämmen Sie am Rücken gegen den Strich, stehen die groben Spitzen auch über und können, mit zwei Fingern arretiert (= Mittel- und Zeigefinger längs, wie der Friseur beim Haarschneiden), ausgezupft werden. Nicht ziehen, nur die Finger gut zusammenpressen, dann tut’s nicht weh bzw. wird’s die Katze kaum bemerken. Sind es viele, werden Gummi-Fingerlinge die Sache wesentlich erleichtern, ebenso wenn die Haut nach einem Bad warm und weich ist.

Achtung: SCHNEIDEN dürfen Sie Grannenhaare niemals!!

Vereinzelte (manchmal mehr) bis zum Grund weiße Haare im sonst pigmentierten Fell (oder Fellpartien, die bei Tabbys die Zeichnung oder Pointed die Maske störend durchwachsen), nennt man Brindling = Stichelhaar. Sie sind auch gerne am Schwanz zu finden, besonders vor dem Fellwechsel, leuchten z.B. bei einer schwarzen Katze regelrecht heraus - und können bei Muttertieren quasi plötzlich auftreten, meist im Gesicht (und mit etwas Glück nach der Säugeperiode wieder verschwinden). Stichelhaare haben mit Grannen nichts zu tun, eine Showbeauty sollte jedenfalls keine haben = zupfen (Pinzette).

Allerdings: Vor allem (Silver-) Tabbys können so viele davon haben, dass man die Mieze halb kahl zupfen müsste ... das einzige „Kraut“, das dagegen wächst, heißt: Sauber auf Farbe züchten = nicht mit Katzen, die ausschauen wie gesprenkelt.

 

 

OHREN

 

Ohrenschmalz kommt in den besten Familien vor und muss nichts mit krank zu tun haben (im Zweifel Tierarzt fragen, bevor die Katze disqualifiziert wird).

Papiertaschentuch um den Finger wickeln, mit Reinigungslösung tränken, auswischen. Q-Tipps für die Feinarbeit, aber NUR putzen und NIE tiefer herumstochern als Sie sehen können!!! Weil: Sie können nicht nur eventuelle Milben o.ä. tiefer in den Gehörgang schieben, sondern auch die Katze übel verletzen.

Normales Ohrenschmalz ist gelb. Schwarze oder dunkle (manchmal auch glänzende) Krusten/Krümel, die nach kurzer Zeit wiederkommen, Ausfluss oder ständiges Kratzen/Kopfschütteln lassen nichts Gutes ahnen und der Doc muss her.

Werden bei einer Rasse möglichst kleine Ohren gewünscht, wie z.B. bei Perserkatzen oder Britisch Kurzhaar, sollten die kleinen Haarbüschel an den Ohrspitzen weggezupft oder geschnitten werden, weil sie die Lauscher optisch vergrößern: Halten Sie das Ohr zwischen Daumen und Zeige-/Mittelfinger gut fest (nicht quetschen) und schneiden vorsichtig mit einer Kinder- oder Nagelschere die Kontur entlang. Möglichst ohne abzusetzen, damit keine Zacken entstehen. Zupfen ist deutlich gefahrloser und dauert nur unwesentlich länger. Allerdings sollten Ihre Fingernägel nicht zu lang sein.

 

 

POLIEREN

 

Diese Gepflogenheit kommt aus dem „Lager“ der Siamesen, die nach jedem Bürsten sowie oft bis kurz vorm Richten mit einem Rehleder (Fensterleder) „poliert“ werden, damit das Fell schön glänzt. Womit sich zudem lose Haare und Schüppchen wunderbar entfernen lassen, was mit einem feuchten Waschlappen/Händen auch funktioniert, aber keinen Glanz zeitigt.

Die Polier-Idee wird häufig auch bei anderen Rassen angewendet, weil sie sich besonders für alle mit anliegendem Fell eignet, z. B. Abessinier, Burma oder Korat und selbst einer Ocicat oder Bengal nicht schaden kann. Letztere werden ja mit „Glitter“ bevorzugt und wenn der etwas zu matt ausfällt, könnte dieser Trick ein wenig helfen - möglicherweise. Herzaubern was nicht da ist, kann er auch nicht.

 

PUDER

 

Die Verwendung von Puder ist zwar teils aus der Mode gekommen, weil die modernen Shampoos es überflüssig machen. Für Katzen, die nicht gebadet werden, z. B. Briten, ist es aber – ähnlich wie Trockenshampoo - nach wie vor eine akzeptable Alternative und wird von guten Herstellern auch passend zur Fellfarbe angeboten. Wobei die Wahl natürlich den erwünschten Effekt bedingt. Achten Sie jedoch darauf, dass es kein Silikon enthält, da dies die Haut angreift.

Ø                 Jedes Puder, auch farbiges, wird in das trockene Fell einmassiert = Achseln, Höschen, hinter den Ohren, Backen, eventuell Beine. Sodann das Körperhaar gegen den Strich bürsten und leicht einstäuben (oder Puder auf die Bürste aufbringen), großteils wieder ausbürsten. Je nach erwünschtem Effekt beginnen Sie ein, zwei Wochen vor der Show und wiederholen die Prozedur etwa alle drei Tage. Nur zum Auffrischen reicht eine Behandlung 48 Stunden zuvor.

Ø                 Nach einem Bad massieren Sie das Puder ins fast trockene Fell (Achseln, Höschen, hinter den Ohren, Backen?) und fönen die Katze danach trocken.

Ø                 Spätestens am Tag vor der Show muss alles Puder (bei längerem Haar mit Bürste UND Fön) komplett wieder herausgebürstet werden.

Ø                 Und: Niemals Puder im Augenbereich!!

 

Für schnell fettende Stellen wie hinter den Ohren oder um leicht welliges Fell (z. B. an Brust oder Hinterfront) zu trennen, kann es auch kurz vor dem Richten noch „retten“. Mit einer Zahnbürste gegen den Strich aufgebracht, lassen sich damit z.B. auch Backen aufplustern. Nur sparsam verwenden, weil Puder die Textur verändert, und (mit einer anderen Zahnbürste) gut ausbürsten!!

Wurde Ihnen eine andere Methode empfohlen, bedenken Sie, dass alles, was Sie reinstauben, auch mal wieder raus muss (vor allem Trockenshampoo). Weil mit der Zeit das Fell verklebt und die Haut nicht mehr richtig atmen kann. Und dass Sie, falls dem Juror das Zeug auf den Fingern klebt, er zu husten anfängt oder in einer Wolke verschwindet, definitiv etwas falsch gemacht haben ...

 

 

 

SPECIAL SERVICE

FÜR PERSER-GESICHTER

 

Perserkatzen; die mit einem Kaiserbart herumrennen und dadurch dreinschauen wie drei Tage Regenwetter, sind schon lange passee. Zur Perfektion gehört ein gleichmäßig rund gezupftes Gesicht. Experten zufolge geht das nach dem Fönen am leichtesten, weil die Haut weicher und wärmer ist, außerdem darf das Haar niemals geschnitten werden.

Andere Experten wiederum schwören auf die Formgebung mittels Effilierschere, was sich zweifellos weniger mühsam anhört, sich aufgrund nicht einhelliger Meinung über die Zahnung allerdings wieder verkompliziert. Mein Figaro hat mich aufgeklärt: Eine Effilierschere ist zweiseitig gezahnt, eine Modellierschere einseitig und eine Strukturschere weist eine einseitige, oft in groben Gruppen unterteilte Zahnung auf. Vielleicht sollten Sie sich daher mangels kundiger Hilfe mal eine Schere ausleihen und einen Testdurchlauf mit einer nicht für die Show gedachten Perserkatze starten? Weil einmal daneben entweder bedeuten kann Show ade oder Mieze kriegt einen „Briten“-Look, falls Sie aus dem Form gebenden Zurückschneiden nicht herauskommen ...

Sollten Sie indes nur eine Perserkatze haben und somit über kein „Trainingsmaterial“ verfügen, muss es, weil das Schätzchen bei Ihnen ja nicht im Blumentopf gewachsen ist, einen Züchter geben, den Sie fragen können. Oder einen hausfremden Profi. Nicht jeder übt sich in Geheimhaltung und beim Show-Debüt mit einem Jungtier (das noch ohne derlei auskommen kann) lassen sich schon mal Kontakte knüpfen und Ratschläge einholen. Und die richtig Netten verraten nicht nur, welche Methode sie goutieren, sondern zeigen gleich, wie’s geht ...

Perser-Profis schneiden übrigens auch die Wimpern, wenn sie etwas länger sind, genau genommen die erste Härchenreihe am oberen Lidrand, was die Augen „offen“ macht. Mit einer Schere am Auge herumfummeln? NIE!! Fänden Sie das gut, MÜSSEN Sie sich das unbedingt zeigen lassen! Was freilich nur Sinn macht, wenn Sie zudem über eine ruhige Hand und ebensolche Katze verfügen ...

 

SPRAYS

 

Auf der Show vor dem Richten wird z. B. bei Birmas ganz gern noch das Finish mit einem Hauch gesprühten Rosenwassers abgerundet = gegen den Strich, sowohl sprühen als auch luftig trocken bürsten. Für mehr Volumen eignet sich ein Texturizer (auch während des Trockenfönens nach dem Bad). Jeder Spray, sofern er Alkohol enthält, macht das Fell besonders duftig. Bei statischer Aufladung hilft ein Antistatikspray (bitte nicht zu oft!), allerdings erfüllt leichtes Abwischen mit einem feuchten Waschlappen den gleichen Zweck.

 

 

VOLLKATER

 

Es sind nicht nur die Potenzprotze, die gern zu Verfärbungen im Genitalbereich neigen. Abgesehen davon, dass (honig)gelbe Glöckchen/Hinterteil nicht nur aus hellem Fell oder bei Kurzhaarigen besonders fröhlich herausleuchten, verströmen sie auch nicht gerade Wohlgeruch ....

Bei starker Verschmutzung sollten Sie unverdünntes Shampoo (oder das bei Augen erwähnte gegen Verfärbungen) aufbringen, sachte, Sie wollen ihn ja nicht kastrieren ... spülen und noch mal einschäumen. Weniger gütige Naturen (oder generell) finden ein/zwei Durchgänge mit mittels Schwamm & Shampoo hergestelltem, dickem Schaum, per Hand oder Schwamm gefühlvoll einmassiert, meist angenehmer. Fönen wäre nicht schlecht, in jedem Fall müssen Bauchbereich und Schwanzunterseite hinterher komplett trocken sein!

 

 

ZUM (HOFFENTLICH) GUTEN ENDE

 

Ich habe mich nebst eigener Erfahrungen bemüht (und ziemlich viele Züchter genervt), so viele Tipps wie möglich zusammenzutragen. Zweifellos gibt es darüber hinaus eine mittlere Million weiterer, aber für den Anfang sollten diese hier wohl reichen.

Falls Sie sich mit wachsender Beklommenheit bis zum Ende tapfer durchgelesen haben und mit dem kalten Grausen kämpfen – wenn Sie Showabsichten hegen, führt bei Perserkatzen und in der Regel auch Halblanghaar kein siegreicher Weg an der Wanne vorbei. Auch wenn (bei Letzteren) einige bekunden, sie würden bloß kämmen ... Ja nun, wenn die Mieze rundum gesund und zufrieden ist und auch im Alltag regelmäßig penibel adrett gehalten wird, kann das möglicherweise tatsächlich genügen.

Glück macht schön. Uns auch. Allerdings – Showsieger brauchen dann dazu auch die „passende“ Fell-Textur ... tut leid ...

Also auf in den Kampf – und viel Erfolg!

 

 

Empfehlung (nicht nur) für Perserkatzen-Besitzer:

Unter „Gastautoren“ finden Sie einen weiteren Artikel zum Thema von einer (erfolgreichen) Züchterin, die es wissen muss (und der auch für alle Bade-Bilder herzlich danke): Gabriele Schumann (Devilstone) bietet noch weitere hilfreiche Tipps ... sollten Sie lesen ...

 

 

 

 

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