Energiegeladener Charme aus dem kühlen Norden - Aase Nissen

 

 

ENERGIEGELADENER CHARME

AUS DEM KÜHLEN NORDEN:

 

AASE NISSEN

 

 

 

 

 

Nach 30 Jahren hat die zweifellos weit über die Grenzen der FIFe hinaus bekannte Aase Nissen im Juni 2013 die Präsidentschaft von DARAK, dem ältesten Rassekatzenclub in Dänemark, zurückgelegt – ein guter Grund für einen (Rück-)blick auf ihr außergewöhnlich bewegtes „Katzen“-Leben ... das glücklicherweise noch lange nicht vorbei ist ...

 

 

MONA LISA MIT DURCHBLICK

 

Ich weiß ja nicht, wie’s Ihnen geht, aber dieses Lächeln hat mich immer bezaubert. Vielleicht, weil es alle Katzen trifft, auch die, für die Aase Nissen als Richterin „nicht zuständig“ ist. Und weil es in gleicher Weise vor den Menschen nicht Halt macht. Es kommt aus dem Herzen und strahlt aus den Augen. Wie auch immer, ich finde, dass Mona Lisa daneben zur Trauertüte verkommt und ebenso, dass es eine starke Persönlichkeit ziert, deren „unnordisches“ Temperament, verpackt in einem so zierlichen Geschöpf, sie noch liebenswerter und sympathischer macht. Aase Nissen ist eine Frau, die ihr Heim stets mit Katzen teilt, auch wenn die Rassen im Laufe der Jahre gewechselt haben, weil sie es einfach liebt, von Katzen umgeben zu sein. Eine Frau, die nicht nur mit tüchtig Power, sondern auch mit großer Leidenschaft „in Sachen Katze“ unterwegs ist, neben anderen „hochrangigen“ offiziellen Positionen außergewöhnlich lange, nämlich fast ein Vierteljahrhundert, den Vorsitz eines der dänischen Landesverbände innehatte und viele Jahre das Amt der Präsidentin von Felis Danica bekleidete ... und trotzdem nie abgehoben hat. Denn ihre zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes bodenständigen Hobbys (neben den Katzen natürlich) sind die Familie und der Garten ...

Aase Nissen hat auch als Züchterin (Cattery Shengo) und Richterin nie die Realität aus den Augen verloren und zeigt Verständnis für Aussteller und Züchter, die gewinnen wollen, die sich nicht mit einer guten Katze begnügen, sondern eine Siegerkatze haben möchten. Das Wie bringt sie präzise auf den Punkt: „Um in der Katzenwelt etwas zu erreichen, geht es nicht um schnelle Erfolge, man muss intensiv daran arbeiten, ein gutes Auge und ein Zuchtprogramm haben. Und das schließt Teamwork mit ein. Viele dänische Katzenzüchter stehen auf einem wirklich hohen Niveau, sie arbeiten zusammen und geben ihr Wissen auch an Laien weiter.“ Das ist nun zweifellos nicht neu, trennt aber nichtsdestotrotz die Spreu vom Weizen. Eine große Zahl von guten Züchtern in anderen Ländern verfährt nach diesem „Rezept“, was sicherlich dazu beigetragen hat, den Standard der Rassen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich und beeindruckend zu heben. Eine Tatsache, die Aase Nissen nicht nur beglückend findet, sondern beim Richten sehr wohl entsprechend zu würdigen weiß.

 

 

SPIEL SATZ UND SIEG

 

Anlässlich eines Interviews vor beinahe schon zwei Jahrzehnten antwortete sie auf die Frage, worauf Sie beim Richten besonderen Wert lege, mit schlichter Prägnanz: „Es kann nur einen Sieger geben“. So einfach kann es sein, und so schwer verständlich wird es von vielen Ausstellern manchmal interpretiert, wenn ihre Katze nicht “gewonnen“ hat. Und: „Deshalb muss man immer etwas finden, das eine gute Katze von einer anderen guten Katze unterscheidet. Jeder hat natürlich seine eigenen Vorstellungen, aber man nimmt immer die, die einem am besten gefällt, und es ist vielleicht nicht dieselbe, die die Aussteller nehmen würden. Ich schaue immer auf die ganze Katze, denn es ist nicht nur der Typ oder die Farbe, ob die Ohren korrekt sitzen oder etwas höher gestellt sein sollten oder dergleichen - man muss stets den Gesamteindruck sehen, die Harmonie entscheidet.“ Die gleiche Frage habe ich Ihr übrigens vor wenigen Jahren wieder gestellt, die Antwort ist im Vergleich etwas kürzer ausgefallen, aber am Inhalt hat sich konsequenterweise nichts geändert. Lesen Sie hier einen Zusammenschnitt aus den Interviews ...

 

 

Frau Nissen, Sie waren viele Jahre Präsidentin von Felis Danica und haben kürzlich den Vorsitz von DARAK zurückgelegt – was ist das für ein Gefühl, so lange „an der Spitze“ zu stehen?

Die Zeit vergeht ja so unglaublich schnell, wenn man seine Arbeit mit Leidenschaft tut! Ich bin nun schon seit 1964 in der Catfancy und war am Anfang für einige Jahre Sekretärin von „Racekatten“ (Anm.: Einem der vier Clubs, die zu Felis Danica gehören). Nach einer kleinen Unterbrechung, während ich für eine Weile in Brüssel wohnte, wurde ich 1982 zur Präsidentin von Felis Danica gewählt und 1984 zur Präsidentin von DARAK. Und es gab so viele aufregende Dinge, um die man sich kümmern konnte! Nun hatte ich aber das Gefühl, dass es an der Zeit ist, die Präsidentschaft niederzulegen und Platz zu machen für neue Leute mit frischen und innovativen Ideen. Dann kann ich meine Katzen viel mehr genießen, mich allen meinen Freunden widmen, die ich im Laufe der Jahre gewinnen konnte – und natürlich meiner Aufgabe als Richter.

 

Was freut Sie am meisten von all den Dingen, an denen Sie in dieser Zeit mitgearbeitet haben?

Alle Klubs in Dänemark sind noch immer ein Teil von Felis Danica und gehören somit zur FIFe. Das macht uns sehr glücklich und wir sind auch stolz darauf. Ich habe außerdem bei der Gründung verschiedener Spezialclubs für die Zucht mitgearbeitet, deren wichtigste Aufgabe darin besteht, sowohl den generellen Standard zu erhalten als auch eine kontinuierliche, aber dauerhafte Entwicklung zu gewährleisten. Ich glaube, dass man viel Leidenschaft für die Katzen mitbringen muss, damit die Arbeit auch Erfolg hat. Dass es wichtig ist, mit Passion die Achtung und das Wissen um unsere Katzen unter die Leute zu bringen und auch daran teilhaben zu können, zu sehen, wie sich ihre Lebensqualität verbessert. Ich habe wirklich mit großer Freude und Begeisterung in den einzelnen Organisationen mitgearbeitet und war niemals glücklicher als dann, wenn ich erleben konnte, dass die Saat aufgegangen war und ich Verbesserungen für die Katzen erreichen konnte.

 

Gibt es ein konkretes Beispiel?

Eines von vielen Ereignissen, die ich miterleben und auch Anteil daran haben konnte, war die erste Weltausstellung 1993 in Dänemark. Sie war ein außergewöhnlicher Erfolg mit mehr als 14.000 Besuchern. Zeitungen, Fernsehen und Radiosender berichteten die ganze Zeit von der Ausstellung. Sogar Sonderzüge wurden eingesetzt, um den ständigen Ansturm von Besuchern zu und von der Ausstellung zu bewältigen. Niemals zuvor standen unsere geliebten Katzen so sehr im Mittelpunkt. Unglücklicherweise konnte die Weltausstellung 2003 nicht mehr so viel Aufmerksamkeit erregen – war aber trotzdem ein großes Ereignis. Veranstaltungen dieser Art haben zur steigenden Popularität unserer Katzen beigetragen – sie sind jetzt das beliebteste Haustier, wohingegen es vor etlichen Jahren noch die Hunde waren.

 

Sie haben sich außerdem auch innerhalb des FIFe-Boards stark engagiert – wenn Sie die Funktion, die ein Amt mit sich brachte, von damals mit heute vergleichen, was ist anders?

Die Arbeit in der FIFe, als Mitglied der Richter-Kommission, war eine aufregende Erfahrung: Arbeit mit den Standards, Richter-Fragen, etc. Ich habe die Zusammenarbeit mit vielen begabten Leuten sehr genossen, aber die Meetings sind heute leider nicht mehr das, was sie einmal waren. Die Atmosphäre damals war viel entspannter und gemütlicher - nicht so kühl professionell wie jetzt.

 

Und war war/ist Ihnen besonders wichtig bei Ihrer Arbeit?

In Dänemark haben wir ein gemeinsames Katzen-Magazin, welches die verschiedensten Bedürfnisse der vier Clubs abdeckt. Wir haben auch ein gemeinsames Stammbaum–Register, das sehr ordentlich geführt wird und der Aufsicht des Rates von Felis Danica untersteht. Es ist das Miteinander, das zählt, der Zusammenhalt, das finde ich sehr wichtig.

 

Sie veröffentlichen in Ihrer Zeitschrift auch Zuchtprogramme und haben einmal erwähnt, dass Kurse für Züchter abgehalten werden. Gibt es die noch und wie läuft das ab, was kann man dabei lernen?

Unser Magazin nennt sich “Kattemagasinet”, und jeder Klub hat zwei Seiten zur Verfügung, um seine Mitglieder zu informieren. Des Weiteren veröffentlichen wir Artikel, Berichte über Ausstellungen, und unter anderem auch Neuigkeiten aus der Veterinärmedizin. Beispielsweise ein Referat von der bekannten Dr. Susan Little für unsere Züchter. Diese Vorlesungen sind überaus populär und werden sowohl in Kopenhagen als auch in Aarhus abgehalten. DARAK veranstaltet für seine Mitglieder einen Grundkurs über das Züchten, wo Grundlagen über Zucht, Ethik, Genetik und Ausstellungen vermittelt werden. Kurz gesagt, alles was ein Zuchtanfänger wissen muss, um somit eine Zucht von gesunden und rassetypischen Exemplaren zu gewährleisten. Während eines Jahres werden fünf Kurse oder Vorlesungen abgehalten, die mit einem Test im „Multiple Choice Verfahren” abgeschlossen werden. Wurden alle fünf Kurse zufriedenstellend absolviert, erhält der Züchter die Berechtigung, das DARAK Züchter-Symbol auf seiner Website und im Verzeichnis der Jungtiere anzuführen oder bei anderen Gelegenheiten für seine Public Relations zu verwenden.

 

Wie sieht es mit der Problembewältigung aus – sprechen Züchter offen über Defekte, Erbfehler oder besondere Krankheiten?

Ja, heutzutage sind die Züchter viel aufgeschlossener als früher. Heute diskutieren wir ganz offen über FIP und andere Krankheiten. Wie schon zuvor erwähnt, werden auch von der Royal Veterinär Klinik (KVK) in Kopenhagen Programme durchgeführt, wo Katzen gescannt und Blutproben genommen werden, um sicherzustellen, dass die Erkrankungen auf ein Minimum reduziert werden können. Im Verlauf einer wissenschaftlichen Testreihe sind diese Service-Leistungen außerdem kostenlos.

 

Nun haben ja viele Rassen eine relativ rasante Entwicklung erfahren – finden Sie alles gut oder gibt es in mancherlei Hinsicht schon Bedenken. Etwas, worauf die Züchter achten müssen, um nicht übers Ziel hinauszuschießen?

Ich denke, dass die FIFe eine gesunde Einstellung einnimmt, was die neuen Rassen betrifft und auch deren Anerkennung. Ich bin glücklich darüber, dass die Zucht von Rassen wie die Munchkin oder die Scottish Fold verboten ist. Die Zurückhaltung gegenüber Rassen, welche offensichtliche genetische Fehler zeigen, muss aufrecht erhalten bleiben! Außerdem ist ein ständiges Überwachen von Gesundheit und Reinheit der Rassen erforderlich, da Anzeichen von Gesundheitsproblemen sogar schon unter den ziemlich rasch zunehmenden Rassen bei den Halblanghaar auftauchen. In einigen Linien haben sich Anzeichen von HCM gezeigt und einige der großformatigen Rassen bekamen Hüftprobleme. Viele der größeren Rasse-Clubs veranstalten Kurse und Vorlesungen über diese beiden Erkrankungen. Genauso wie die Gruppe der Perser-Züchter, die vor vielen Jahren Maßnahmen getroffen haben, PKD in den Griff zu bekommen. Heutzutage werden die meisten Perser und Exotic auf PKD untersucht – eine Nierenerkrankung – und so leben diese Rassen wieder auf.

 

Wenn Sie sich nun zurückerinnern – was waren Ihre Highlights?

Ich kann das ehrlich nicht beantworten, es gab so viele Veranstaltungen und Höhepunkte, dass ich keine davon besonders hervorheben könnte. Aber, wenn ich doch etwas besonders erwähnen sollte, dann war das die FIFe Generalversammlung in Malaysia im Jahre 1996. Sie wurde in der Stadt der Katzen – Kutching auf Borneo - abgehalten. Interessant war, dass viele Straßenkatzen mit Stummelschwänzen herumliefen. Es war unverkennbar, dass die Einwohner den Katzen große Zuneigung entgegen bringen, denn überall konnte man Katzen Statuetten sehen, die ganze Stadt war regelrecht übersät mit Bildern und Malereien von Katzen, und am Flughafen wurden wir bei unserer Ankunft von den Delegierten mit großen Fahnen und Menschen in Katzenkostümen empfangen. Nirgendwo anders in der Welt bin ich derart freundlich begrüßt worden ...

 

Nun war ja Ihre erste Rassekatze eine Siamesin und Sie haben auch Siamesen gezüchtet – hat die Rasse so wenig Eindruck auf Sie gemacht, dass Sie sie nie auf ihrem Richtertisch sehen wollten?

Meine allererste Katze, eben diese Siam bluepoint, bekam ich als Hochzeitsgeschenk, und ich mochte sie wirklich sehr. Aber sie hat sozusagen eine Tür geöffnet, denn es war gleichermaßen neu und interessant, auch anderen Rassen so nahe zu kommen, sie im Zusammenleben besser kennenzulernen und sie zu züchten versuchen Und so habe ich mich neben den Siamesen für Perserkatzen entschieden – weil ich den Chinchillas und ihren absolut göttlichen grünen Augen vom ersten Moment an schlichtweg verfallen war! Später fügte ich auch noch die Exotics in all ihren wundervollen Farben meiner „Liste“ hinzu. In diesen Jahren war ich nahezu schon fertig als Richterschüler für die Kategorie der Siam/Orientalkatzen und ich hätte das Examen ablegen können. Unglücklicherweise ist das nie geschehen – ich wurde zu sehr von anderen Dingen in meinem damaligen Leben in Anspruch genommen.

 

Gilt das auch für die Kategorie III?

Ja, das gilt genauso für die Kurzhaar-Rassen. Ich war vollauf beschäftigt, mich „meinen“ beiden Kategorien, den Perser/Exotic und Halblanghaarrassen zu widmen. Ich persönlich bin außerdem der Ansicht, dass die besten Richter diejenigen sind, welche die gleiche Kategorie richten, die sie auch züchten. Nur sehr wenige Richter haben die Fähigkeit, die Rassen aller Kategorien perfekt beurteilen zu können.

 

Ist es schwierig, wenn man alle Katzen liebt und schön findet, bei einer einzigen Rasse züchterisch eine Heimat zu finden? Oder warum haben Sie gewechselt?

Katzen waren insgesamt immer von großem Interesse für mich, ohne dass ich eine Rasse der anderen vorgezogen hätte. Eine jede ist unterschiedlich und immerhin habe ich mit Katzen aus drei verschiedenen Kategorien zusammengelebt bzw. tue es noch. Hätte ich die Chance dazu gehabt, wäre sicherlich noch die eine oder andere dazugekommen, denn ich hätte sehr gerne auch noch andere ausprobiert. Der interessanteste Aspekt im Leben eines Züchters ist ja, etwas Neues versuchen zu können, und man kann zweierlei vereinen: Erfahrung und ein profundes Wissen in mehrerer Hinsicht. Schließlich haben nicht alle Rassen ein identisches Verhaltensmuster, und zu dem Zeitpunkt, als wir nur mehr ganz wenige alte Perser hatten, wollten wir’s mit einer anderen Rasse versuchen. Vielleicht eine Rasse, wo das Management des langen Fells nicht mehr das Hauptziel unserer täglichen Routine sein würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie bei den Exotics und den Birmas?

Ja, heute ist es die Heilige Birma, die unsere Herzen und unser Heim in Besitz genommen hat. Die Zucht ist eine große Herausforderung, da vielerlei Dinge zusammenpassen müssen, wie die weißen Handschuhe und Sporen, Typ und Augenfarbe. Wenn dir das gelingt, hast du eine erstaunlich schöne Katze mit einem wunderbaren Temperament.

 

Sie hatten auch Hunde - wie harmonierten sie mit den Katzen?

Für viele Jahre hatten wir auch Dackel zusammen mit unseren Katzen. Es ist erstaunlich gut gegangen, wenn man bedenkt, dass sie ja Jagdhunde sind. Unsere Hunde konnten immer unterscheiden zwischen unseren und fremden Katzen, die in unseren Garten kamen. Heute haben wir keine Hunde mehr – obwohl wir sie zeitweise sehr vermissen.

 

Und Hauskatzen?

Unglücklicherweise hatten wir unsere letzte Hauskatze „Whiskey“ nur vier Jahre. Er war einer dieser Charaktere, die unvermittelt eines Tages im Garten auftauchen und dann einfach zu bleiben beschließen. Wir haben ja, ehrlich gesagt, mit unseren Birmchen genug Katzen im Haus. Aber sollte wieder ein kleiner „Whiskey“ die Straße heraufkommen, der eine Familie sucht und sich für ein Leben bei uns entscheidet, dann steht ihm unsere Hautüre natürlich offen.

 

Kehren wir ins Show-Biz zurück: Dänemark hat besonders viele Rassekatzen auf höchstem Niveau, die auch harter Konkurrenz standhalten. Gibt es ein Geheimrezept oder was haben die dänischen Züchter anderen voraus?

Nein, ich glaube an kein Geheimrezept. Aber die dänischen Züchter sind sehr ehrgeizig und gehen beim Züchten äußerst systematisch vor. Das könnte möglicherweise erklären, warum die Dänen erfolgreicher sind als manche andere.

 

Nun haben Sie ja 1972 innerhalb eines Jahres gleich in allen „Ihren“ beiden Kategorien die Examen abgelegt –  wäre so ein Schnellstart heute auch noch möglich oder ist es schwieriger geworden, Richter zu werden?

Damals hat der Richter, der die Examen abnahm, selbst die Fragen für meine Prüfungen zusammengestellt, während diese heutzutage von der Richterkommission der FIFe ausgearbeitet werden. Aber ich denke trotzdem nicht, dass gegenüber früher und dem heutigen Ablauf viel Unterschied besteht. Außer vielleicht, dass die Standards sehr viel detaillierter geworden sind und es wesentlich mehr Papierkrieg gibt. Wie auch immer, eines ist sicher: wenn du Richter für Katzen sein willst, dann musst du das mögen und auch mit allen Katzen umgehen können. Und natürlich ein gutes Auge für Details haben. Es ist bei weitem nicht genug, nur den Standard auswendig herunterbeten zu können.

 

Mittlerweile zählen Sie zu den dienstältesten aktiven Richtern in der Catfancy – keine Ermüdungserscheinungen? Macht es immer noch so viel Spaß?

Ja, es interessiert mich noch immer, neue Rassen oder Varianten zu sehen, und es war in der Tat faszinierend, wie sich verschiedene von ihnen im Laufe der Jahre entwickelt haben. Das Zusammentreffen von Ausstellern beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue, aber um ehrlich zu sein: das Beste an diesem Hobby ist, die Katzen richten zu können.

 

Worauf legen Sie denn besonderen Wert beim Richten?

Mein Hauptziel war stets, jedem Züchter bzw. Aussteller ein ehrliches und von Herzen kommendes Richterurteil über seine jeweiligen Katzen abzugeben. Alle Katzen, jede einzelne, hat etwas Schönes, obwohl nicht alle ganz den vorgeschriebenen Standard erfüllen können. Es ist meine Hoffnung und mein Ziel, jedem Züchter und Aussteller das Gefühl gegeben zu haben, dass er mit der schönsten aller Katzen nach Hause zurückkehrt.

 

Vielleicht gehören Sie ja auch deshalb zu den beliebtesten Richtern, wie z.B. bei den Norweger-Züchtern. Haben Sie eine Vorliebe für diese Rasse?

Ja, die Norwegische Waldkatze war mir immer eine Herzensangelegenheit. In der Vergangenheit war ich Teil bei deren Anerkennung in der FIFe Richterkommission. Und noch immer denke ich zurück an die ersten Ausstellungen mit über 30 Katzen in einer Klasse. Glücklicherweise wurde diese Klasse dann unterteilt nach den verschiedenen Farbgruppen. Im Laufe der Jahre wurde der Standard etwas abgeändert, aber es ist immer noch eine harmonische Katze mit einer einzigartigen Fellqualität, die Regen und Kälte widersteht. Die dreieckige Kopfform mit dem geraden Profil ist außerdem nun etwas extremer als früher. Es ist eine ungemein populäre Rasse mit einem exzellenten Temperament, Katzen, die mir beim Richten sehr viel Freude bereiten.

 

Übrigens – gehören Sie zu den Richtern, die jede Katze gebadet sehen möchten, egal um welche Rasse es sich handelt?

Es ist für mich nicht wichtig, ob eine Katze gebadet ist oder nicht – solange sie gut gehalten und schön präsentiert wird. Viele Richter in der Welt sind der ähnlichen Ansicht – und ich kann keine einzige Person nennen, die verlangt, dass eine Katze vor der Ausstellung gebadet werden muss. Bei den Rassen, die ich richte, wie die Perser/Exotic und die Halblanghaar, sehe ich ganz selten eine Katze, die nicht gepflegt und gut präsentiert wäre. Meistens sind sie freilich vorher gebadet worden. Ich denke jedoch, dass sich die meisten Züchter heutzutage der Tatsache des hohen Standards in den Wettbewerben bewusst sind, und dass das Grooming der Katze eine wichtige Angelegenheit ist. Bei den kurzhaarigen Katzen braucht sicher nicht jede ein Bad – viel wichtiger ist ein tadellos gesundes und schönes Haarkleid.

 

Heute werden nun die Katzen überwiegend von den Besitzern präsentiert – sehen Sie das als Vorteil oder vermissen Sie die Stewards?

Wenn man an die Katzen denkt, könnte es für sie am besten sein, wenn sie von ihren Besitzern präsentiert werden. Eine Vielzahl von Katzen fühlt sich am wohlsten und sichersten bei ihren Besitzern. Aber für die Stewards ist es wirklich eine Degradierung, nur mehr die Richter-Tische abwischen und die Katzen aufrufen zu dürfen. Jetzt sehen wird das Ergebnis, weil die meisten Stewards keine Erfahrung haben im Präsentieren einer Katze.

 

Sie könnten sie „zurück wünschen“ ... Was wären denn Ihre Anliegen für die Zukunft, für sich selbst und für die Catfancy?

Mein innigster Wunsch und meine Hoffnung sind, dass es ein Hobby bleibt, schöne Rassekatzen zu züchten, und dass gesundheitliche Aspekte und die Ethik gegenüber diesen großartigen Tieren eine dauernde Aufgabe innerhalb der Clubs und der FIFe bleiben. Auch hoffe ich, dass so viele Leute wie möglich weiterhin erfahren können, welch einzigartige Freude es bedeutet, das Leben mit einer Katze zu teilen: Ihre liebenswerte Freundlichkeit, ihre Sanftmut, ihre Zuneigung und nicht zuletzt ihre Persönlichkeit, die in sich selbst ruht – dies alles erleben zu können ist überaus beglückend.

 

Ein schöneres Schlusswort kann es nicht geben ...

 

 

 

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