Perser

EDLE KLASSIKER – FOREVER YOUNG

 

PERSERKATZEN

 

 

Die Perserchen sind nicht nur die bekanntesten aller Edelkatzen, sondern zählen zu den ältesten Rassen überhaupt - und ohne ihren Einfluss wäre unsere Katzenlandschaft um viele schöne Varietäten ärmer. Das wissen freilich nicht viele, ebenso wenig dass sie keine Angora ist und nie eine war, oder dass über den „Typ“ schon vor mehr als hundert Jahren heiß diskutiert wurde. Oder dass sie keineswegs bloß als schicke Sofadekoration taugt ...

 

 

CHARAKTER - HARMONIE IN REINKULTUR

 

Entgegen oberflächlicher Ansicht kann nämlich auch eine ach so gemütlich wirkende Perserkatze sehr wohl einen blitzschnellen Mäusejäger abgeben – es sind Katzen wie andere auch und können durchaus Power haben. Kitten mehr, Ältere weniger, das ist eine Frage von Training und Gelegenheit. Unaufdringlich, geduldig, tolerant und gern bereit, sich unserem Lebensrhythmus anzupassen, sind sie deale Partner für Menschen, die selbst keine Hektiker sind oder nur eine Solokatze möchten. Und, weil Perser problemlos damit zurecht kommen, daher auch zumeist solo gehalten werden. Wobei gern übersehen wird, wie gesellig und verspielt sie sind, besser gesagt: sein können, denn genauso wie jede Einzelkatze braucht sie ein bisschen Animation. Insgesamt gesehen sind Perserkatzen zweifellos die Ruhigsten in unserer Katzenlandschaft, aber wer meint, sie wären fad und lägen bloß dekorativ auf dem Diwan herum, hat sie entweder noch nie in Action gesehen – oder ihr noch nie Gelegenheit dazu geboten.

Weil wohl anhänglich, aber eben nie aufdringlich, ist es natürlich verführerisch, sich nach einem harten Arbeitstag neben sie auf die Couch zu pflanzen und beim Schnurrkonzert den eigenen Stresspegel herunterzufahren. Reduzieren wir nun die Zuwendung auf Streicheln und Liebhaben, fährt die Katze sozusagen auch etwas herunter, nämlich ihre Ansprüche, und der „Rest“ verkümmert. Wenn schon „sonst nichts“, dann bitte wenigstens viel Liebe. Dabei schätzen sie Gemeinschaft, nette Kinder, auch Hunde – aber halt bitte überschaubar, denn bei zuviel „Konkurrenz“ käme die Höfliche leicht ins Hintertreffen. Kurz und gut: Wenn Sie schaumgebremstes Temperament möchten: Können Sie haben. Wenn nicht, wird sie es Ihnen zumindest nicht übel nehmen ...

Allerdings wäre es Unfug anzunehmen, eine Perserkatze würde sich nie wehren, wenn ihr etwas über die Hutschnur geht. Wenn’s reicht, schlägt auch sie zu. Es dauert freilich ein bisschen länger bis dahin und es gereicht jedem zur Ehre, der das nicht ausreizt.

Was sie wirklich deutlich von allen anderen Katzen unterscheidet, ist die Pflege des schönen Kleides. Was indes kein lästiges Übel sein sollte, sondern ein intimer Brückenschlag zwischen Mensch und Tier. Für alle, die sich etwas weniger Intimität der arbeitsamen Art wünschen, gibt’s ja immerhin Alternativen. Aber weil wir schon beim Thema sind:

 

 

PFLEGE – VON DER FROHNATUR ZUM MUFFEL

 

Pflegemuffel, das sei vorangestellt, werden nicht als solche geboren, sondern dazu „gemacht“, das heißt, eine Katze wird durch groben Umgang zu Unleidlichkeit erzogen. Was, weil Perserchen ja an sich friedliche Geschöpfe sind, leicht in Angst umschlägt.

Aber ganz ohne Pflege geht es nun mal nicht. Die erlesenen Prozeduren komplizierter Badeorgien bleiben freilich den Showstars vorbehalten. Viele Züchter empfehlen trotzdem ein gelegentliches Schönheitsbad und das vereinfacht in der Tat allerlei. Das Haar filzt deutlich weniger, wodurch sich kaum Knoten bilden, Kamm und Bürste müssen nicht zwingend täglich zum Einsatz kommen und die Katze verliert deutlich weniger Haare. Trotzdem - wer das nicht möchte, möge bitte beim Züchter nicht gottergeben nicken und die Mieze dann verkommen lassen, sondern Tipps für die „Trockenpflege“ einholen! Was genau und wie oft notwendig ist, kann Ihnen freilich nur er sagen, da die Fellbeschaffenheit sehr unterschiedlich ist und sowohl von der individuellen Felllänge als auch von der Fellfarbe (ja, tatsächlich) abhängt. Hier daher nur kurz, was absolut gar nicht geht:

Ø                 Muten Sie einem erwachsenen Tier keine ihm unbekannten Bade-Experimente zu

Ø                 Zwingen ist Tierquälerei par excellence

Ø                 Fellmäßiger Kahlschlag ist keine Dauerlösung – wozu haben Sie eine Perserkatze?

 

In Wahrheit kann man nicht einmal eine Siamkatze „einfach so sein“ lassen. Wer es trotz Liebe zum Puppengesicht einfacher möchte, sollte sich für eine Exotic entscheiden!

 

 

AUSSEHEN UND FARBEN

 

Ich will Sie jetzt nicht mit einem Standard langweilen, den können Sie auf den Websites aller (zumindest der großen) Clubs nachlesen. Perserkatzen sind heute eher mittelgroß, andernfalls das harmonische Gesamtbild leidet = denn groß bedingt einen langgestreckten Körper und der wiederum hohe Beine, alles das darf eine Perserkatze nicht haben. Rein vom Gesamtbild her (natürlich unterstützt durch das Haarkleid) ist sie, salopp gesagt, sozusagen ein rundliches, nicht ganz quadratisches Pummelchen mit Kopf. Ohne Fett, aber mit Muskeln, breiter Brust, dicken Beinen – schauen Sie sich einfach die Fotos an. Sie dokumentieren auch gut den runden, massiven, breiten Schädel und den Stopp = die Einbuchtung in der Nase, die da sitzt, wo sie hingehört (und die Katze keineswegs behindert) und den „offenen“ Gesichtsausdruck. Zur Erläuterung sei angemerkt, dass der Kopf von allen Seiten gesehen rund sein sollte, da gehören die Ohren natürlich dazu. Das schönste Puppengesicht verliert seinen Charme, wenn es von „Löffeln“ gekrönt wird.

Vor zehn Jahren waren sie trotzdem schöner? Tja, wir wahrscheinlich auch ...

Freilich gibt es keinen Grund, dem „Traditional Type“ nachzutrauern, weil er ja nicht ausgestorben ist. Perserkatzen beiderlei Typs haben nicht nur ihre Anhänger, sondern werden auch gezüchtet, sodass jeder frei nach persönlichem Geschmack wählen kann. Ein paar Fotos illustrieren den Unterschied.

Der Kleiderschrank einer Perserkatze würde jede Society Lady vor Neid erblassen lassen, denn er enthält so ziemlich alles, was es gibt und eine Auflistung der rund 150 Spielarten bekäme Telefonbuch-Charakter. Von einfärbig über schildpatt, gemustert, gescheckt, silbern/golden bis hin zu colourpoint (= Siam-Maske) in sämtliche Variationen und genetisch möglichen Farben ist alles da, allerdings nicht überall anerkannt, wie z.B. Cinnamon/Fawn oder Pointed mit Weiß bzw. Silber.

 

 

GESCHICHTE – WIE ALLES BEGANN

 

Die Historie der Perserkatzen ist auch eine der am besten dokumentierten, alles wissen wir freilich auch nicht, weil sich irgendwo die Spur verliert und wir auf Spekulationen angewiesen sind. Darin sind wir gut, im Spekulieren, und so gibt es kaum eine Rasse, die ohne Histörchen auskommen muss. Bei den Perserchen beschäftigte natürlich die Herkunft des attraktiven Pelzchens die Gemüter am meisten, weil’s bei keiner anderen Katzenart so lang ist. Zu den unterhaltsamsten Gründer-Theorien zählt einerseits die vom Manul (eine Steppenkatze mit Kaiserbart aus Zentralasien), andererseits die in einem Pittsburgher Kühlhaus geborenen Kätzchen, deren Fell sozusagen der Not gehorchend spontan gewachsen sein soll. Natürlich läge es auch nahe, einen Zusammenhang mit dem Klima zu sehen – dann müssen die Russisch Blau in Archangelsk allerdings verdammt gefroren haben.

Wie auch immer, nachgewiesen ist, dass Katzen mit langem Fellkleid seit vielen Jahrhunderten aus den verschiedensten Erdteilen bekannt sind – und dass sie, wie viele andere Exoten auch, von diversen Weltenbummlern eingesammelt und mitgebracht wurden. Etwa nach Venedig, 1626 von Pietro de la Valle aus dem Gebiet von Choraszan (dem heutigen Iran), oder nach Frankreich von Nicolas Claude Fabri de Peiresc aus der Türkei. Die umtriebigsten Seefahrer waren freilich die Briten, und weil von Fürstenhäusern finanziert, landeten die meisten Katzen daher nicht nur auf der grünen Insel, sondern auch als exotische Souvenirs in adeligen Händen. Und in Großbritannien stand auch die – züchterische – Wiege der Perserkatze.

Freilich hatte das Kind zunächst verschiedene Namen, je nachdem wo es herkam: So gab es japanische, chinesische, indische und persische Katzen, und weil sie alle langhaarig waren, warf man sie kurzerhand in den Einheitstopf namens „Asian Cats“. Nur bei den türkischen machten die Engländer eine Ausnahme, denn die ersten „Angorakatzen“ (Angora, abgeleitet von Ankara) erreichten die Insel via Frankreich und hießen daher anfangs French Cats. Von den chinesischen Katzen ist nichts weiter bekannt, als dass sie „sehr viel seidiges, dünnes Haar“ besaßen, das „vom Körper abstand“, und auch die japanischen und indischen sind wohl in Schönheit gestorben. Will heißen, aufgrund der Gepflogenheit, alles Langhaarige zu kreuzen, sind sie untergegangen in jenen, die letztendlich übrig geblieben sind: Persische Perser und türkische Angoras.

Die Farbbeschreibung Letzterer ist reichlich diffus, alten Fotos zufolge gab es indes etliche Reinweiße und der Look lässt insgesamt sehr wohl Ähnlichkeiten mit unseren heutigen (Türkisch) Angoras zu. Diese wurde ja in ihrer Heimat schon lange gezüchtet und schickten sich erst vor etwa 50 Jahren an, als eigenständige Rasse die restliche (Züchter-)Welt zu erobern. Freilich driftet der Werdegang beider Arten derart weit auseinander, dass heute nicht einmal entfernt jemand vermuten würde, hier wären in grauer Vorzeit gleiche Urahnen am Werk gewesen. Seinerzeit sorgte zwar das halblange, seidige Haar genauso für Entzücken wie die lange Nase plus großer Ohren, aber das sollte sich bald ändern. Denn Persiens deutlich anders gebaute Schätze gewannen allmählich die Überhand. Geblieben ist die Bezeichnung „Angora“, die seitdem auch für andere langhaarige Tiere wie z.B. Hasen oder Meerschweinchen verwendet wird – und für eine Rasse, die mit den Perserkatzen überhaupt nichts mehr zu tun hat.

Mit dieser geschmacklichen Trendwende begann freilich auch etwas ganz anderes, nämlich das Interesse für bestimmte Farben – und die Geburt eines Hobbys namens Zucht. Und das kam so:

 

 

GESCHICHTE – ZUCHT & SHOW ANNO DAZUMAL

 

Aufgrund ihrer Seltenheit waren die Schönheiten wie erwähnt zunächst ein Privileg der betuchten Klasse, freilich ohne sich übermäßiger Beachtung selbiger zu erfreuen. Da es indes allezeit in vielen Ländern üblich war, lebende Geschenke zu machen, sozusagen von der Haremsdame auf- und vom Elefanten abwärts, um Gunst zu gewähren oder zu erlangen, zählten natürlich gekrönte Häupter zu den bevorzugten Empfängern. Neben Frankreichs Sonnenkönig, Ludwig XIV, z.B. auch Englands Queen Viktoria. Denn die Königin, eine große Tierfreundin und Schirmherrin des weltweit ersten Tierschutzvereins, soll mit zwei blauen Perserchen auf die Katz‘ gekommen sein. Gemäß Freunden der Russisch Blau handelt es sich dabei um ein Geschenk des Zaren und demzufolge um keine Perser. Tatsächlich dürfte sich auch ein Russen-Pärchen im britischen Palast getummelt haben, allerdings unter Schutz und Schirm des royalen Sohnemanns Edward.

Jedenfalls lösten die blauen Schätze der Queen einen Run auf Langhaarkatzen aus und es wurde quasi über Nacht en vogue, eine solche zu besitzen. Und was man besitzt, will man zeigen, sonst wär’s ja langweilig. Da selbst die Monarchin Ausstellungen die Ehre gab und die Gewinner mit gestifteten Preisen erfreute, mochte natürlich keine der adeligen Ladys fehlen. Und so stiefelten sie tapfer in ihren feinen Schühchen samt neuester Robe über den feinen englischen Rasen, delektierten sich an Tee und Gurkenbrötchen und frönten dem Small talk – mit den Katzen an der Leine, derweil die Richter sie wacker umkreisten und ihre Wahl trafen. Eine Präsentation in Käfigen gab es erst viele Jahre später: Kleine, hölzerne Hasenställchen auf groben Lattenrosten, ebenfalls mitten in der Wiese, aber wenigstens unter einem Zeltdach. Und von Käfigausstattung keine Spur ... Die gab’s freilich auf DER legendären Katzenschau 1871 im Londoner Kristall-Palast auch nicht.

Da hatte die sprunghaft steigende Nachfrage längst das Angebot weit überholt. Der erste Boom in der Geschichte der Katzen ... Gemäß der königlichen Vorgabe galten die Blauen als besonders wertvoll, dicht gefolgt von den Schwarzen – was vermutlich einerlei war, weil die Farben sowieso nicht klar definiert werden konnten. Da ist von einem „traurigen Schieferfarben“ die Rede, von „aschfarben-gräulich-bräunlich-gesprenkelt“ oder „einer Art abgeschwächtem Schwarz, das sich aus einer unregelmäßigen Mixtur von Schwarz und Weiß zusammensetzt“ (können Sie sich darunter etwas vorstellen?), ebenso indes von einem „wunderbaren Blaustich zwischen hellrosa und lila“. Unterschiedliche, fleckig wirkende Tönungen und relativ viele Streifen verhinderten eine definitive Farbzuweisung und diese Katzen landeten im „Any Other Variety“ –Topf, was nicht nur die Richter, sondern auch die Besitzer unglücklich machte, denn da gab’s keine Blumentöpfe zu gewinnen. So war es an der Zeit, die bisherige vergleichsweise lasche Organisation einer Reform zu unterziehen.

Als erster Retter aus dem Chaos trat Harrison Weir auf den Plan, hochnobles Mitglied der Königlichen Gartenbaugesellschaft mit einem großen Herzen für die Langhaarigen, der sozusagen im Nebenberuf 1879 den ersten Zuchtverein gründete. Mit den „modernen“ Anforderungen von Zucht und Ordnung hatten die allesamt adeligen Mitglieder freilich wenig am Federhut, also überließen sie diese Mühsal samt Feld sukzessive dem gewöhnlichen Volk. Und das ging mit Feuereifer ans Werk.

Bis zur Jahrhundertwende schossen die Clubs für Farben und eine kleine Handvoll anderer Rassen nur so aus dem Boden. 1901 verzeichneten die britischen Zuchtbücher stolz ganze siebzehn Farbschläge ... gegenüber weit über 150, die heute anerkannt sind. 1910 wurden alle dem National Cat Club eingemeindet, um durch Austausch von Erfahrungen und Zusammenarbeit zu profitieren – der wesentlichste Beitrag war ein verbindlicher Standard, der eine gleichmäßig dichte Felltextur und eine einheitliche Farbe als zentrale Kriterien hervorhob. Da genügte es natürlich nicht mehr, sich über das Ergebnis einer Verpaarung zu wundern, weshalb die angehenden Züchter anfingen an, beides zu dokumentieren. Wobei relativ schnell klar wurde, dass eine Reinzucht die besten Ergebnisse brachte. Was durchaus als Geburtsstunde der Genetik betrachtet werden darf. Zeitgleich schlug auch dem türkischen Angora-Typ das letzte Stündlein, denn er wurde allmählich von der steigenden Popularität des persischen Typs verdrängt. Warum? Das Haarkleid war länger und dichter, der Schwanz buschiger, der Körper stämmiger, die Köpfe größer und runder und die Nasen kürzer - auch das gab’s also schon Anno Seinerzeit ...

Neben dem blauen Statussymbol gefielen vermehrt auch schwarze und weiße Perserkatzen, dicht gefolgt von den Tabbys, für die schon 1880 ein eigener Club gegründet wurde – und mit dem Browntabby „Lord Hubert“ reiste die vermutlich erste Perserkatze in die USA, wo sie beträchtliches Aufsehen erregte. Und mit jenen, die nach und nach folgten, entstand der Perserkult in Amerika und schubste die Maine Coon aus der Publikums- und Züchtergunst. Die Amerikaner haben sich zwar ohne jeden Zweifel um die Perserkatzen (wie um die Rassekatzenzucht insgesamt) sehr verdient gemacht, und weil sie unbeeinträchtigt von den Weltkriegswirren arbeiten konnten, unterschieden sich bereits in den 1940er Jahren die Katzen typmäßig frappant von den kontinentalen. Auch ihr Beitrag zur Farbenvielfalt war nicht unwesentlich – wenn wir z.B. an die Colourpoint denken, die zwar als eigenständige Rasse „Himalayan“ Furore gemacht hat, aber nichtsdestotrotz eine farbliche Spielart der Perser ist. Pointed gab’s zwar erst etwa zwanzig Jahre später und waren daher auf der ersten US Show 1895 in den Madison Square Garden in New York noch nicht zu bewundern, aber die gezeigte Vielfalt war dennoch beachtlich. Besonders Tabbys und Gescheckte fanden viel Anklang. Aber ... „erfunden“ haben sie die Perserchen nicht, darum verlassen wir nach diesem kleinen Sidestep die Neue Welt. Und queren lediglich den Kanal von Dover.

 

 

EUROPÄISCHE GESCHICHTE

 

Natürlich wurde auch in unseren Breiten damals gezüchtet bzw. ausgestellt und die Perserkatzen waren für die meisten Katzenliebhaber der Inbegriff der Rassekatze. Die Weißen standen hoch in Gunst, die Blauen waren auch hier das totale Nonplusultra, bloß für die bei den Engländern so beliebten Schwarzen und Tabbys mochte sich keiner erwärmen. So erregten auch die ersten getigerten Perser auf dem Kontinent, 1927 auf einer Pariser Show gezeigt, keinerlei nennenswertes Interesse. Dass es heute relativ viele und vor allem wunderschöne Katzen dieser Varietät gibt, verdanken wir dem klugem Teamwork zwischen englischem Muster und amerikanischem Typ.

Nun, der kurze Zeitraum zwischen den Weltkriegen hatte jedenfalls genügt, die Perserkatze zum Modetier zu erheben und den bis dato herrschenden Foxterrier vom Podest zu schubsen. Und haufenweise Prominente oder wer sonst auf sich hielt war bemüht, sich mit seiner Perserkatze fotografieren zu lassen. Um die Definition der Farben war es hierzulande freilich nicht besser bestellt als bei den Inselbriten: Helles Blau hieß „silberschattiert“, bräunliches Blau „wildfarben“, es gab „rosig-pastellfarben“ oder „smoke-silber-marmoriert“. Die Weißen zeigten „Schatten“ und „Muster“, die Schwarzen waren „marmoriert“ – und vielleicht doch Tabbys? Und die „champagnerfarbenen Zwergformen“ sind ähnlich rätselhaft wie ein tschechischer schwarzer Perser mit Wildkatzenblut. Mal abgesehen von all jenen „Farben“, wo der Ideenreichtum versagte ...

So gesehen dürften die 44 Perser und 26 Deutsch Langhaar (von insgesamt 124 Katzen), die 1930 auf einer Berliner Katzenausstellung gezeigt wurden, vermutlich allesamt Unikate gewesen sein. Angorakatzen blieben übrigens unerwähnt, obwohl es sie sehr wohl gab und genauso die Lande spaltete, bis sie in der Versenkung verschwanden. In Deutschland spielten auch noch die Deutsch Langhaar mit, gefördert durch den Katzenforscher Professor Friedrich Schwangart, der sich genötigt sah, durch Gründung eines Katzenschutz und -Zuchtbundes den Degenerationserscheinungen der Perserkatze entgegenzuwirken, deren flaches Gesicht mit der kurzen Nase er höchst beunruhigend fand. Tja, Diskussion mit Tradition ...

Die verschiedene Clubs übernahmen zunächst die britischen Standards, die wie z.B. in der FIFe bis in die 1980er Jahre gültig waren. 1936 wurde allen Kleintiervereinen die Allianz aufgezwungen, woraus der 1. Deutsche Angorakatzen-Schutz- und Zuchtverein entstand, aus welchem nach dem 2. Weltkrieg der 1. DEKZV hervorging. Der Zwangseingliederung fiel auch der erste österreichische Katzenclub, der 1925 gegründete KKÖ zum Opfer, der erst 1947 unter diesem neuen Namen seine Arbeit wiederaufnehmen konnte und ab 1975 mit dem schnell wachsenden ÖVEK sozusagen Konkurrenz bekam. Wie anderswo auch bevölkern natürlich seither weitere Vereine beider Landschaft, obwohl das Katzenzüchten als Volkssport längst passee ist.

 

 

DIE UNENDLICHE GESCHICHTE – DIE SACHE MIT DEM TYP

 

Das Thema Typ contra Nase spaltet Nationen und sogar Familien ... und hat das offenbar schon lange vor der Deutsch-Langhaar als „Gegenrichtung“ getan, denn bereits 1876 (!) schrieb Gordon Stables in einem der ersten erschienenen Katzenbücher, dass „die Köpfe der weißen, blauen und schwarzen asiatischen Katzen klein, rund und niedlich“ sein sollten und „mit einem derart einnehmenden Ausdruck, dass man sie einfach lieben muss“. Nun ist das mit der Liebe so eine Sache – man liebt, was gefällt. Auch wenns den Nachbar schaudert. Unbestreitbar hat sich der Look der Perserkatze seit ihrer Eroberung des Globus immer wieder verändert und sich, wie im Verlauf des Textes sicherlich zu erkennen, keineswegs konstanter, ungeteilter Bewunderung erfreut. Besonders augenfällig ist natürlich die Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren und da bei den Nichtnasen und den Langnasen sozusagen keiner die Nase vorn hat, weil beide (berechtigterweise, über Geschmack lässt sich nicht streiten) ihre Anhänger bzw. Gegner haben, wird bisweilen die Gesundheit aufs Tapet gebracht, wenn alle anderen Argumente versagen.

Nun, selbstverständlich gibt es Katzen mit Beeinträchtigungen, freilich nicht nur bei den Persern. Sicher, nicht alle amerikanischen Züchter sind zimperlich und so manche Anlage für einen Defekt kam über’s große Wasser. Aber sämtliche europäischen Züchter sind auch keine Engel und im Endeffekt muss immer die Gemeinschaft die Fehler von wenigen schwarzen Schafen ausbaden. Gerechterweise – und der Ehrlichkeit halber – darf aber nicht vergessen werden, dass es auch eine Reihe langnasiger Perser gab, die ein schiefes Gebiss, eine schiefe Nase, Atemprobleme oder tränende Augen hatten. Den schwarzen Peter allein dem Exptremtyp zuzuschieben ist mehr als kurzsichtig.

Weil, und das scheint nicht Allgemeingut zu sein, es Katzen mit den klassischen Merkmalen eines Peke Face (Peke = abgekürzt für Pekinese, eine wohlbekannte Hunderasse) bereits im Deutschland der 1930er Jahre gab ... Eine unleugbare Deformation, die meist mit Atemproblemen und groben Gebissfehlern einhergeht, die der Katze selbstständiges Fressen fast unmöglich macht. Dieser traurige Abklatsch fand zwar kaum Anhänger und blieb eine Randfigur, aber es gibt leider eben immer Menschen, die mit einer in ihrer Lebensqualität schwer beeinträchtigen Katze gut leben können. Weil sie ja persönlich nicht betroffen sind.

Während der Trendwende in den 80er Jahren erhofften sich diese „Züchter“ eine Renaissance und einige solcher Tiere kamen sehr wohl aus den USA, aber das Gros der Perserzüchter distanzierte sich weiterhin – aus vielerlei Gründen, die naturgemäß nicht alle ehrenhaft waren, doch der Zweck heiligt hier die Mittel. Einige mag die ablehnende Haltung des Publikums abgeschreckt haben, was immerhin nach Absatzproblemen klingt, für andere entsprachen sie einfach nicht dem „puppigen“ Wunschbild. Im Übrigen sei erwähnt, dass alle namhaften europäischen Verbände derartige Missbildungen nicht tolerieren.

Wesentlichstes Kriterium war wohl, dass nach wenigen Jahren eine Art Reifeprozess die Züchter kritischer wählen ließ. Anfangs wurde via CFA-Jahrbuch ein Züchter ausgewählt und meist brieflich kontaktiert. Worauf irgendwann per Flugzeug eine Katze angeflogen kam. Langwierig, mühsam, sehr teuer und vielfach enttäuschend, weil US Züchter halt auch nur Menschen sind und die Guten lieber behielten. Wer also fürs reichlich Bare seine Wünsche erfüllt sehen wollte, musste selbst anreisen. Was auch bei den Amerikanern ein Umdenken zur Folge hatte und letztlich für ungetrübte Beziehungen sorgte.

Das hat’s also voll gebracht, wie es so schön heißt. Denn die Perserkatze im modernen, heute aktuellen Look, kann trotz kurzer Nase normal atmen und hat ein korrektes Gebiss, ist weder eingeschränkt in ihrer Lebensqualität noch in ihrer Lebenserwartung. Sofern der Züchter mit Verantwortung arbeitet und nicht zu den Ausnahmen gehört ... und die gab es immer und wird es immer geben. Mittlerweile haben sie freilich sowieso andere Sorgen - weil die Tendenz generell immer mehr Richtung „pflegeleicht“ driftet. Und da hat die zwar ungebrochen attraktive, aber nichtsdestotrotz pflegeaufwändige Perserkatze nun mal die schlechtesten Karten. „Aussterben“ wird sie indessen sicherlich nicht, dafür ist sie einfach viel zu schön ...

 

Übrigens: Das war die Kurzversion ... Danke fürs Durchhalten! Und viel Freude mit einer der hinreißendsten Katzenrassen, die es gibt.

 

 

Anmerkung: Alle hier abgebildeten Katzen sind hoch dekoriert bzw. noch im Spiel, weshalb hier nur „Extra“-Titel (wie JW/DM/WW etc.) erwähnt wurden.

 

 

Verwandte Rassen bzw. Perserkatzen einst und heute zum Vergleich:

 

Blaue Perserkatze 1978, eine Silver-shaded/A und eine Schwarze/USA, beide 1985

 

Heute: „Traditioneller“ Perser und die kurzhaarige Variante Exotic

 

 

Fotos: Fiedler, Fleck, Cermak, Gorgon, privat

 

 

 

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