Parade (Parodie?) der Katzennamen

IM ULTIMATIVEN REICH DER PHANTASIE

 

 

Wie taufen wir sie/ihn denn?

 

Kennen Sie auch eine Schakkeline Schmittke oder einen Romeo Nowak? Die Namen, die wir ein Leben lang (er)tragen müssen, zumindest offiziell, können wir uns noch immer nicht aussuchen. Aber einmal der elterlichen Befehlsgewalt entronnen, blühen die Eigenkreationen. Unseren Katzenkindern ergeht es ähnlich, und so wird aus Gloire de Dijon vielleicht ein Didi oder Hannibal, je nach Intention. Auch nicht besser, der Katze aber im Unterschied zu uns völlig schnurz. Ein Streifzug durch den Namensdschungel züchterischer Phantasie.

 

Übrigens möchte ich mich sicherheitshalber vorweg reumütig entschuldigen: Namen und Konstellationen wurden allesamt umgestylt, was freilich nicht heißt, dass es sie (mittlerweile) vielleicht nicht doch gibt – gegen den Zufall bin ich machtlos. Und nichts liegt mir ferner, als jemand zu verunglimpfen ...

 

 

ADEL, SEHR DISKRET

 

Klar ist, dass Katzen selbstverständlich in Züchterhaushalte mit Weitblick und Verstand hineingeboren werden. Wo schon bei der Wahl des Zwingernamens eine gewisse Lebensnähe obwaltet. „Vom Rosengärtlein“ etwa kennzeichnet den verträumten Naturfreund, der beim Reichtum unserer Botanik für passende Vornamen nie ins Schleudern kommen wird. Und den „schwierige“ Anfangsbuchstaben (so derlei heute überhaupt noch erforderlich ist und der Züchter noch das Alphabet abarbeiten muss) höchstens ein überlegen müdes Lächeln kosten, denn zwischen Anemone und Zyklame bleiben keine Wünsche offen (okay, X ist eine Herausforderung). Weshalb es wohl auch keine Katze gibt, die Oleander oder Philodendron heißen muss. Ohne blumigen Firlefanz geht’s natürlich genauso, aber, weil ja immerhin von edlem Geblüt, mit entsprechendem Beiwerk, sodass wir schlussendlich vor „Prinzessin Resi vom Waldboden“ ergriffen die Luft anhalten. Forstgehilfen entscheiden sich auch gern für „aus der grünen Aue“, mit einem bodenständigen Alma, Gusti, Seppi oder Fritzi davor, während knorrige Seebären „vom Nordstrand“ bevorzugen und coole Städter kurz und bündig „aus Ruhpolding“ oder, präziser, „von der Sonnenstraße“ wählen. Die Hausnummer als Vorname würde zudem die Public Relations eminent erleichtern, ist aber halt nicht wahnsinnig häufig einsetzbar

 

 

SCHLICHT VISIONÄR

 

Dann gibt’s natürlich die absoluten Kenner, die „Ariel“ wirklich nur aus der Waschmittelwerbung kennen oder darüber lästern, dass die armen Samtpfoten „Vademecum“ heißen müssen, was ja nun, wie jedermann weiß, eine Zahnpasta ist. Da lob’ ich mir die modebewussten, wohlklingenden (und vor allem leicht verständlichen) Gucci’s und Dior’s – obwohl das die männliche Züchterriege etwas in Nachteil bringt, denn „Adidas“ hat sich noch nicht wirklich durchsetzen können, nachdem „I like BMW“ schon vergeben war. Womit wir elegant die Kurve gekratzt hätten, denn in Wahrheit rekrutieren die Bodenständigen eine absolute Minderheit – ausländisch ist das absolute MUSS! Weltweit.

Hat in Amerika eine Mieze als „Donauwalzer“ ihr Dasein zu fristen, geht bei uns ohne Hollywood und die gesamte Glamourworld rein gar nichts. Da wird von Al Pacino bis Zeffirelli gnadenlos alles hergebeutelt, das Rang und Namen hat, aufgelockert durch reichlich Superman’s, Spiderman’s, Mr. Universe’s und was oder wer halt grade so en vogue ist ...

 

 

SYMBOLHAFT TRAGISCH

 

Selbstlose Trauergefühle aber beherrschen die Cat Society, wenn der gegnerische „Wonderful Dreamboy“ die Erfüllung der Besitzerträume schuldig bleibt, oder „She Is The One And Only“ wirklich als Einzige jedes Mal an der Nominierung vorbeischrammt, „Chanels“ Outfit offenbar mit dem Mottenpulver Bekanntschaft gemacht haben muss, die „Palazzo Cats“ dringend eines Badezimmers bedürfen, die „Blueskyeyes“ dottergelben Auges ins Richterantlitz blicken oder die „Truelegance“ gewichtig über die Bühne bauert. Aber was rede ich? Mein „A Star Is Born“ blieb auch nur eine kühne Hoffnung ...

Andersrum allerdings zeitigt die aktuelle kollektive Befindlichkeit mit gewinnender Dramatik heftig verbalen Durchfall, wenn der züchterische Weitblick mit einem schlichten „Mohrle“ den selbsternannten Gralswächtern einen Trendsetter vor die geplätteten Nasen setzt.

Bleiben wir bei den Namen. Ein ganz besonderes Kapitel ist deren Schreibweise. Die Amerikaner sind ja bekannt für diffizile Veränderungen, aber die wissen (meistens), was sie tun, wenn etwa eine „Perfect“ zur „Purrfect“ mutiert. „A Sekret of Love“ freilich entwickelt in der (ja nur teilweise notwendigen) Übersetzung eine delikate Eigendynamik – aber ich werde mich hüten, die zahlreichen Mistakes hier aufzulisten, denn die Causa lebt ... und ich bin feige.

 

 

NOMEN EST OMEN

 

Keinerlei Skandal royal erschüttert die Welt, wenn ein Youngster sich seinen Namen selbst erarbeitet, wie zum Beispiel der sich eines wahrhaft gesegneten Appetits erfreuende „Dinner For Two“ (der schnöde Fressnapf gerufen wird, was jetzt bitte nicht als Werbung zu verstehen ist), oder der ständig plärrende „Pavarotti“, oder der schon von Kindesbeinen an seine Geschwister terrorisierende „General Manager“, der Grübler „Hamlet“, oder „X-mas Surprise“, die – keine Frage – am Weihnachtsabend zur Welt kam. „Wendy Wednesday“ muss gleichfalls nicht erklärt werden, genauso wie die weiße „Whipped Cream“ zu ihrem Namen kam.

Sehr beliebt ist auch ein Motto, mal abgesehen von den Blümchen. „Trinker“-Würfe schießen dabei eindeutig den Vogel ab (Burbon, Brandy, Baccardi) oder Automarken (Aston Martin, Austin Healey, Alpha Romeo), Musiker, Indianerstämme, Filmtitel – nichts ist vor uns sicher. Das Netteste, das mir beim Lesen von Showkatalogen ins Auge fiel, war „It’s A Girl“. Der Züchter hat offenkundig hin und wieder Probleme mit der Bestimmung der Geschlechter ...

Ach ja: Die Vornamen habe ich nicht erfunden. Und ich habe einen ganzes Buch voll mit gesammelten kreativ-dynamischen Kompositionen, die würden Sie glatt vom Hocker hauen!

 

 

 

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