Krankenpflege

 

KRANKENPFLEGE

 

 

 

Um einer kranken Katze beim Gesundwerden zu helfen, müssen Besitzer und Tierarzt ein Team bilden und zusammenarbeiten. Das heißt es reicht nicht, penibel alle Praxistermine zwecks Kontrolle beziehungsweise etwaiger Medikamentengaben wahrzunehmen, weil die beste medizinische Versorgung unter Umständen nur zögerlich greifen wird, wenn wir uns allein auf deren Wirkung verlassen. Mieze muss „rundum“ gepäppelt werden ...

 

 

 

GESUNDER KÖRPER – GESUNDER GEIST

 

Eine alte Binsenweisheit, sozusagen.

Unser Part bei der Krankenpflege besteht nämlich nicht nur daraus, die Anweisungen des Doktors umzusetzen, sondern eine Extraportion an Liebe, Wärme und Geborgenheit zu vermitteln. Nicht nur bei Sensibelchen ist die Seele gleichermaßen lädiert, jede kranke Katze ist unglücklich aufgrund der Beeinträchtigung oder fühlt sich sogar wehrlos, das liegt in ihrer Natur und ist so ziemlich mit das Schlimmste, was ihr passieren kann. Und potenziert sich sozusagen mit der Schwere und Dauer einer Erkrankung. Darum kommt der Intensität richtig dosierter Nestwärme eine enorme Bedeutung zu, was der Patientin erstens die körperliche Heilung erleichtern hilft und sie sehr viel schneller wieder auf die Beine bringen kann, und sie zweitens zudem insgesamt gesehen wieder unbeschadet ins Leben zurückfindet. Also auch mental wieder voll auf der Höhe ist.

Eingefleischten Anhängern von „Tiere sind Tiere und keine Menschen, basta!“ mögen die ständigen Vergleiche vielleicht allmählich auf die Nerven gehen, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass wir viel „Tier in uns“ haben - und umgekehrt! Schimpanse und Mensch ticken ähnlich, das ist erwiesen, aber auch Katzen (wie fast alle Wirbeltiere) lieben und leiden z.B. unter vergleichbaren Stress-Mechanismen, Emotionen und Bindungen. Ein Grund mehr, die von uns abhängige Katze auch seelisch entsprechend verständnisvoll und sorglich zu behandeln.

Außerdem – wie sonst sollten wir etwas verständlich erklären können, wenn nicht durch nachvollziehbare Parallelen?

 

 

STILL UND DULDSAM

 

Während wir nun generell nicht ungern jammern, wenn uns blümerant zumute ist oder wir „richtig“ krank sind, wobei es in der Regel „nur“ um Zuspruch und Aufmerksamkeit (!) geht, leiden kranke Katzen still. Jedes verletzte, kranke oder Schmerzen leidende Tier in freier Wildbahn verkriecht sich ohne jegliche Lautäußerung, nicht mangels eines diesbezüglichen Ausdrucksrepertoires, sondern um nicht mögliche Feinde auf seine Wehrlosigkeit hinzuweisen, die ihm vielleicht „den Rest“ geben könnten. Das ist so fest im natürlichen Verhalten verankert, dass auch behütete Stubentiger derart reagieren und nur dann jammern, wenn wir Schmerzen etwa durch ungeschicktes Handling (oder weil es im Verlauf einer ärztlichen Untersuchung manchmal nicht ganz ohne geht) vergrößern oder hervorrufen. Was nichts damit zu tun hat, dass eine Katze schon lautstark in die Krise kommen kann, bevor sie in der Praxis der Spritze überhaupt ansichtig wird – aber das ist eine andere Geschichte.

Diese stille Duldsamkeit und das in sich selbst Zurückziehen machen es uns freilich nicht eben leicht herauszufinden, ob z.B. die Wirkung eines Medikaments unzureichend ist oder nachgelassen hat und sie nun Schmerzen leidet oder nicht. Innerhalb einer gut funktionierenden Beziehung haben wir jedoch meist ein Gespür dafür, wie es ihr geht, unter anderem auch weil wir gelernt haben, gut zu beobachten.

 

Ø                 Auffälligkeiten sollten Sie jedenfalls ungesäumt mit dem Tierarzt besprechen, immerhin können Unverträglichkeiten auf Bestandteile eines Medikaments vorkommen oder der eingeschlagene Weg führt am Erfolg vorbei und die Therapie bedarf einer Modifikation.

 

 

SPERRZONE

 

Dass alle Patienten vor allem Ruhe brauchen zur Genesung, ist sicher nachvollziehbar, der Interpretationsspielraum freilich dehnbar wie ein Gummiband und abhängig sowohl von der Art der Beeinträchtigung als auch den häuslichen Gegebenheiten. Sie sollten daher gemeinsam mit dem Tierarzt beraten, was für die Katze das Beste ist, dabei aber nicht vergessen, ihre Eigenheiten und ihr Nervenkostüm zu berücksichtigen. Die meisten schätzen Zurückgezogenheit und ein stilles, eigenes Revier, jedenfalls solange sie nicht wieder einigermaßen auf der Höhe sind. Sehr vereinzelt kann es freilich vorkommen, dass eine Mieze panisch reagiert auf eine Separation – was aus unterschiedlichen Gründen allerdings am „falschen“ Zimmer liegen kann, das heißt der Raum ist ihr nicht vertraut und sie fühlt sich daher nicht geschützt. Lassen sich aber Artgenossen, andere Haustiere oder die Familie nicht genügend “in Schach“ halten, die Leidende ides sollte zumindest über einen bestimmten Zeitraum unbedingt getrennt gehalten werden, ist das Einrichten eines Krankenzimmers vermutlich das kleinere Übel.

Bei einer ansteckenden Krankheit ist eine Isolation zum Schutz der anderen Katzen logischerweise obligat, ungeachtet ihres Einverständnisses, aber auch während einer länger anhaltenden Rekonvaleszenz ist es oft wichtig, dass sie ungestört bleibt und sich unbehelligt ausruhen und regenerieren kann. Zur Überwachung ist es außerdem meist notwendig, Kot- und Harnabsatz zu kontrollieren, was innerhalb einer Gruppe kaum möglich ist. Ebenso kann die Fütterung problematisch werden, wenn der Tierarzt eine bestimmte Diät oder spezielle Fütterungsmaßnahmen (welcher Art auch immer) verordnet hat. Und eine sowieso schon lädierte Katze dreimal täglich aus irgendwelchen Winkeln hervorzuzerren, um ihr die vorgeschriebenen Medikamente verabreichen zu können, ist aufgrund des damit verbundenen Stressfaktors einer Heilung verständlicherweise eher hinderlich als fördernd.

 

 

MIT DER RUHE KOMMT DIE KRAFT

 

In der Beschaulichkeit ihres Separees kann sich die Mieze auf sich selbst konzentrieren und der Muße pflegen, ganz besonders wenn sie nicht entsprechend mobil ist und sich entweder (noch) gar nicht oder nicht viel bewegen kann oder darf – wie etwa bei Gelenksproblemen oder Knochenbrüchen sowie nach Operationen. Selbstverständlich darf die Einzelhaft nicht in Vernachlässigung ausarten, das heißt also zwar „Tür zu“ und „betreten verboten“, aber nicht, dass das Pflegepersonal ausschließlich zur notwendigen Versorgung antrabt, sonst wird die arme Katze möglicherweise Depressionen bekommen. Ein Zustand übrigens, der nach rein körperlicher Genesung durchaus bleiben kann, sofern selbige unter diesen traurigen Umständen überhaupt wunschgemäß fortschreitet.

Lässt es der Zustand der Katze zu, dass sie tagsüber mehr oder weniger alleine bleiben kann und Sie das Verdienen der Tierarzt-Rechnung nicht für ein paar Tage aussetzen müssen, bietet sich für Berufstätige das Schlafzimmer besonders als Krankenzimmer an. Generell keine schlechte Idee, denn die Katze fühlt sich auch mit einem vorwiegend schlafenden Menschen nicht allein - dessen bewusste oder unterbewusste Sorge ihm sowieso in der Regel eine eher schwankende Nachruhe beschert und öfter mal nachschauen lässt, wie es der Patientin geht.

 

DU STINKST MIR

 

Selbst wenn die Katze nicht das Bett hüten muss, kann ein räumliches Trennen für zumindest ein bis drei Tage, oder zeitweilig z.B. während Ihrer Abwesenheit, nicht schaden. Bis dahin ist der strenge Geruch nach Praxis und Desinfektionsmittel zumeist verflogen, auf welchen andere kätzische Mitbewohner regelrecht aggressiv reagieren können und sich nicht immer mit Anfauchen begnügen, sondern das arme Opfer mit unterschiedlicher Heftigkeit attackieren – weil sie es aufgrund des Arztparfüms nicht erkennen. Dazu genügen übrigens schon wenige Minuten weil das Katzenfell intensive Gerüche (wie etwa auch Zigarettenrauch oder Duftwässer) sozusagen im Nu speichert und daher bereits ein simpler Impftermin Anfeindungen provozieren kann.

 

 

BOXENHAFT

 

Bei einem Beckenbruch z.B. gibt’s keine Diskussion, die Katze muss konsequent in einem kleinen Areal gehalten werden, wo es tunlichst nichts zu Erklimmen gibt! Lässt sich das nicht einrichten, wird der Tierarzt einen mehr oder minder kurzfristigen Verbleib in der Klinik empfehlen. Da besonders bei Verletzungen im hinteren Körperbereich durch Rückenmark- und Nervenschädigungen Harn- und Kotabsatz nicht gewährleistet sind, ist außerdem penibles Beobachten besonders wichtig!

 

 

STATIONÄRE BEHANDLUNG

 

Auch aus anderen Gründen ist es manchmal notwendig, dass die Katze über einen gewissen Zeitraum in der Klinik oder Praxis verbleibt, z.B. wenn sie nach einer schweren Operation am Tropf hängt oder temporär mehrere intravenöse Injektionen benötigt. Ebenso machen Harnwegsblockaden häufig einen stationären Aufenthalt erforderlich oder auch die Insulin-Einstellung einer Diabetespatientin. Es gibt allerlei Argumente, die dafür sprechen, eines davon ist, der Katze das tägliche Hin und Her zu ersparen. Gelegentlich möchte der Tierarzt die Mieze auch nur kurzfristig zur Beobachtung dabehalten und wird Ihnen die Dringlichkeit entsprechend erläutern können. Unter Berücksichtigung der Erkrankung und der körperlichen und seelischen Verfassung der Katze sollten Sie jedenfalls zusammen mit dem Veterinär das Für und Wider eingehend erörtern – denn für die Meisten ist es fürchterlich und sie fühlen sich verlassen, weil sie ja keine Ahnung haben, dass es nur befristet ist. Und das wiederum kann einer Heilung diametral gegenüberstehen, die Katze „gibt sich auf“, weil sie einem „solchen Leben“ nichts abgewinnen kann ...

Insofern ist es auch nicht unwichtig zu überlegen, ob zwischenzeitige Besuche am Krankenbett sinnvoll sind oder ob diese die Patientin mehr aufregen, als ihr zuträglich ist, wenn Sie wieder gehen und zurücklassen.

Wesentlich zu wissen ist zudem, inwieweit eine kontinuierliche Überwachung der Patientin außerhalb der Praxiszeiten gewährleistet ist und ob es vor allem einen Nachtdienst gibt – der sich auch wirklich kümmert und nicht bloß anwesend ist, derweil das Opfertier im Nebenraum vielleicht kurz davor ist, seinem Schöpfer ins Antlitz zu blicken (alles schon da gewesen).

Darf Mieze wieder heim, finden Sie unter Beachtung der ärztlichen Anweisungen aus den hier aufgelisteten Tipps – die naturgemäß natürlich nur eine gewisse Allgemeingültigkeit haben können – den einen oder anderen passenden, der ihr die Genesung erleichtern hilft.

 

 

DIE ERSTE NACHT

 

Viele Katzenbesitzer graulen sich vor dem „danach“, wenn eine Katze in Narkose gelegt werden muss, weil sie einfach nicht mit ansehen können, wie sie taumelnd bäuchlings über den Boden robbt, immer wieder mal auf die Seite fällt und so schrecklich arm ist. Wovon Sie freilich nur dann Zeuge werden, wenn Sie die Katze mehr oder minder unmittelbar nach dem Eingriff nach Hause nehmen dürfen. In diesem Fall ist es zweckmäßig,

 

Ø                 sie so lange im Transportkorb zu lassen, bis sie sich aufrichten kann, der Kopf nicht mehr „pendelt“ und sie aufs Ansprechen reagiert. Überwachen Sie Veränderungen ihres Zustandes permanent = Atmung und Puls kontrollieren!, bzw. bleiben überhaupt bei ihr, bis sie wach und koordiniert erscheint.

 

Erst dann öffnen Sie versuchsweise das Türchen, andernfalls sie der ausgeprägte Fluchtinstinkt dunkle Winkel entdecken lässt, von denen man meint, sie fände da gar nicht hin oder wären viel zu beengt. Häufig kann sie dann auch weder vor noch zurück und sie mühsam herauszuzerren (oder die halbe Küche zu demontieren) wäre ein Schockerlebnis, auf das alle gern verzichten können. Zumal in diesem Zustand das Aufplatzen einer Wunde möglich ist.

Da manche Katzen auch einen Narkoseschock erleiden können, pflegen Tierärzte in der Regel die Patientin erst nach einigen Stunden herauszurücken, wenn Gleichgewichtssinn und Reaktionsbereitschaft einigermaßen funktionstüchtig sind. Trotzdem sollte die Katze die erste Nacht in einem „gefahrlosen“ Raum verbringen, in dem sie weder dazu verführt wird, ihre Kräfte zu überschätzen und den Kratzbaum anzupeilen, noch unerwünschte Schlupfwinkel aufzusuchen.

Während einer Narkose verlangsamt sich übrigens der Stoffwechsel und die Katze kühlt aus, weshalb

 

Ø                 der Transportkorb warm gepolstert sein und die Katze bis zum Hals zugedeckt befördert werden muss, den Kopf in Seitenlage mit der Nase leicht nach unten

Ø                 der (zugfreie!) Ruheraum gemütlich temperiert sein sollte und eine Wärmflasche im Schlafkorb (rechtzeitig und regelmäßig wechseln, bevor sie auskühlt) mit besonders kuscheligen (leichten) Decken darüber, um die fehlende Körperwärme ausgleichen.

 

Eine Rotlichtlampe ist alternativ erlaubt, Heizkissen o.ä. hingegen sollten, weil nicht ganz ungefährlich, vermieden werden – wird es der Katze z.B. zu heiß, kollabiert der Kreislauf. Falls Mieze nicht im Transportkorb verbleibt (manche sind ja so winzig, dass sie ihre Position überhaupt nicht verändern kann), kommen Sie ihrem Sicherheitsbedürfnis mit einem

 

Ø                 „Dach über dem Kopf“ nach (sofern kein Schlafhaus vorhanden), indem Sie z.B. den Korb unter einen Sessel schieben und ein Tuch darüber breiten, welches lediglich nach einer Seite Sichtkontakt erlaubt.

 

 

PERFEKTES PERSONAL

 

Wo immer die Patientin einquartiert wird, sie darf unter keinen Umständen ständig allein gelassen werden. Zum einen ist es notwendig, sich regelmäßig ihres aktuellen Zustandes zu vergewissern, zum anderen kann auch eine Katze in schlechter Verfassung oder während der Aufwachphase sowohl Zuwendung spüren (sachtes Streicheln) als auch tröstend-aufmunternden Zuspruch wahrnehmen.

 

Ø              Für ein gutes Vertrauensverhältnis ebenso wie für das seelische Gleichgewicht ist es immens wichtig, dass sie im Beisein ihrer Bezugsperson aufwachen kann.

 

Ø                 Muss Mieze darüber hinaus das Bett hüten, sollte sie mehrmals am Tag für zehn, zwanzig Minuten Besuch von ihrem Lieblingsmenschen empfangen dürfen (je nach Verfassung natürlich auch länger)Der ein wenig mit ihr plaudert und (sofern anderswo nicht erwünscht) sachte den Kopf streichelt. Auch wir fühlen uns geborgen, wenn ein liebevoller Partner am Bett wacht oder öfter mal Anteilnahme bekundet – doppelt wichtig für die  Samtpfote, der man ja die Situation nicht erklären kann.

Ø                 Ungeachtet ihrer körperlichen Verfassung kann ein Zuviel an klösterlicher Stille unter Umständen eher belastend sein, dann hilft ein Radio. Keine Dauerberieselung, nur hin und wieder, hübsch leise und mit moderatem Programm, vertreibt es zumindest den „Grundtenor“ des Alleinseins.

 

Dass bei einer länger dauernden Rekonvaleszenz

 

Ø                 täglicher Wäschewechsel obligat ist, respektive mehrmals täglich, falls die Patientin „nicht dicht“ ist, brauche ich ja nicht extra betonen – sie muss stets warm, trocken und unbedingt zugfrei liegen!

Ø                 Lüften müssen Sie trotzdem, denn verbrauchter Sauerstoff erwärmt sich nicht mehr. Ein gekipptes Fenster ist dazu weniger gut geeignet als hin und wieder für wenige Minuten das Fenster aufzureißen. Es genügt, den Korb Richtung Fenster abzudecken.

Ø                 Außerdem sollte das Krankenzimmer mit einer flachen Streuschale ausgestattet sein. Bei großer Schwäche und/oder wenn die Koordination der Bewegung gestört ist, kann Mieze bei größeren Kistchen den Einstieg manchmal nicht finden bzw. richtig anpeilen, oder sie kommt einfach nicht drüber. Damit in der Verzweiflung nichts daneben geht, macht auch ein Platzieren angrenzend an den Schlafkorb Sinn.

Ø                 An der anderen Flanke sollten nahebei Futter- und Wassernapf bereitstehen.

 

In der Regel darf eine operierte Katze nach dem Nachhausekommen Wasser trinken und das eine oder andere kleine Häppchen zu sich nehmen, sollte sie Interesse zeigen. Nach schweren Operationen ist die erste richtige Mahlzeit zumeist erst am nächsten Tag erlaubt. Der Tierarzt wird Sie diesbezüglich instruieren, falls nicht (auch Veterinäre können mal was vergessen), dann fragen Sie bitte lieber einmal zu viel als zu wenig. Auch ob eine spezielle Diät erforderlich ist und wenn ja welcher Art.

 

Dr. HOUSE

 

Neben der Behaglichkeit des Krankenlagers samt allen erwähnten Extras und der verständnisvollen Fürsorge durch der Mieze vertraute Zweibeiner werden freilich häufig weniger geliebte Aktionen notwendig, wie etwa

 

Ø                 Medikamente eingeben. Ob das zum täglichen Schreckerlebnis ausartet, hängt zumeist sowohl vom Charakter und der aktuellen Wehrhaftigkeit der Patientin ab, als auch von der Art des Arzneimittels und unserer Geschicklichkeit. Kleine Tabletten, Pillen oder Kapseln lassen sich in attraktiven Futterbröckchen oder Vitaminpaste verstecken, sofern die Katze frisst und den Braten nicht riecht. Größere zerkleinern und auf mehrere Bröckchen aufteilen, allerdings sind nicht alle Pillen dafür geeignet: Vor allem Filmtabletten verbergen Ekelhaftes unter dem schützenden Überzug, zerbröseln leicht beim Teilen und setzen damit ihren in der Regel widerlich bitteren Geschmack frei. Manchmal hilft es, das Ding mit etwas Butter (oder Paste) zu ummanteln und auf den Zungengrund (also so tief es Mieze zulässt) zu legen. Dann sachte „Klappe zu“ und die Kehle sanft abwärts massieren, um den Schluckreflex auszulösen.

Trauen sie sich das nicht zu, kann ein so genannter Pill-dropper die Lösung sein, diese Plastikgeräte sind in den meisten Tierarztpraxen vorrätig, sodass Sie sich auch gleich die Handhabung zeigen lassen können – und einen „Probeversuch am lebenden Objekt“ starten.

Flüssige Medikamente befördern wir mit einer Einwegspritze (natürlich ohne Nadel, der Mediziner wird Ihnen welche mitgeben) seitlich hinter die Eckzähne, wozu wir den Kopf der Katze leicht anheben. Nur winzige Portionen verabreichen, damit sie sich nicht verschluckt.

Ø                 Fieber messen: Dazu sind vier Hände notwendig, zwei halten die Katze ruhig (Brust, Schulter, Vorderpfoten, je nach Position), die dritte hebt zwecks richtiger Peilung den Schwanz ein wenig an und die vierte führt das mit Vaseline eingefettete Thermometer ein. Benutzen Sie ein digitales, das zeigt bereits nach einer Minute zuverlässig die Temperatur an. Verbales Beruhigen ist obligat, aber oft wirkungslos – Katzen haben fürs Fiebermessen nichts übrig. Ideal wäre daher ein Infrarot-Haushaltsthermometer, das berührungslos die Körpertemperatur anzeigt, oder eins fürs Ohr, sodass Sie die Katze nicht plagen müssen.

Ø                 Füttern: Gleich vorweg: Vermeiden Sie Zwangsfütterungen, sie quälen die Katze und die Wirkung bewegt sich um null! Appetitlose Katzen locken wir mit leicht angewärmten Leckerbissen, die hin und wieder erst ein Hungergefühl aufkommen lassen, schieben ein winziges Probierhäppchen hinter die Lefzen oder pappen es auf ihre Nase. Hilft das nicht, versuchen wir‘s mit ganz fein pürieren und der bereits erwähnten Einwegspritze – obligat für Katzen, die selbständig nicht fressen können. Ebenso bieten sich Fleisch- oder Hühnerbrühe (ohne Gewürze) oder Nahrungskonzentrate (Tierarzt) an. WICHTIG ist, tropfenweise zu dosieren, der Nächste immer erst, wenn der vorige geschluckt ist – verschluckt sie sich, provozieren Sie sonst nebst schmerzhaftem Würgen, Husten und Speicheln eine „wunderbare“ Lungenentzündung ...

 

 

NICHT MINDER WICHTIG !!

 

Selbstverständlich dürfen ausschließlich aktuell vom Tierarzt verordnete Medikamente verabreicht werden (auch wenn das gleiche oder ein ähnliches Präparat in Ihrer Hausapotheke schlummert ... wie lange schon?) und Sie müssen die Dosierung genau beachten. Halten Sie außerdem sowohl den Zeitpunkt als auch die Zeitabstände genau ein, d.h. zweimal täglich bedeutet alle zwölf Stunden. Die Wirkung der Medikamente ist in der Regel darauf abgestimmt, also seien Sie gewissenhaft.

Gelingt das Verabreichen nicht, beraten Sie sich mit dem Veterinär, möglicherweise findet er eine andere Lösung. Nachfragen sollten Sie ebenfalls, wenn Sie zweifeln, ob die Katze die Tablette nun geschluckt hat oder nicht. Auf gut Glück eine zweite nachwerfen kann beträchtlichen Schaden anrichten.

Und: Auch uns wird empfohlen, nach einer Tablette Wasser zu trinken, weil sie ohne dieses länger in der Speiseröhre verbleiben würde. Das gilt ebenso für die felide Patientin, weshalb Sie vermittels Plastikspritze mit einen Schluck Wasser nachspülen sollten – schön sachte, damit sie nichts in die falsche Kehle bekommt.

 

 

HYGIENE

 

Wenn eine Katze so krank ist, dass sie ihre Körperpflege komplett vernachlässigt, müssen wir das übernehmen – bürsten allerdings trotzdem ausschließlich dann, wenn es ihr kein Unbehagen oder gar Schmerzen bereitet!! Das müssen Sie austesten, denn manchmal fühlt sie sich dermaßen zerschlagen, dass einfach alles weh tut. Eine behutsame Reinigung nach dem Füttern oder nach dem Kotabsatz mit einem sehr warmen, feuchteten Tuch wird ihr aber sicher zusagen – extrem sanft natürlich, wenn das hintere Ende lädiert ist ....

 

 

GEFAHR IM VERZUG

 

Trotz Nachkontrolle durch den Veterinär kann Unvorhergesehenes eintreten, dann sollten Sie nicht zögern, den Mediziner zu kontaktieren. Bemerken Sie z.B. eine deutliche Rötung oder Schwellung im Bereich der Wunde oder die Katze leidet unter Juckreiz, könnte das ein Hinweis auf eine Entzündung sein. Nässende oder blutende Wunden müssen gleichfalls unverzüglich versorgt werden, in welchem Fall sich Mieze so wenig wie möglich bewegen sollte (Transportkorb?), um ein Aufbrechen der Wunde zu verhindern.

Katzen können Verbände nicht leiden und versuchen gern, die lästigen Dinger abzustreifen, weshalb sie je nach Gegebenheit zumeist einen Sprayverband bekommen – und dann eben den mit der Zunge bearbeiten ... Viele Tierärzte sind außerdem nach der anfangs sehr beliebten Methode des sich selbst auflösenden Nahtmaterials wieder zu den Klammern zurückgekehrt, welche nach ein bis drei Wochen entfernt werden müssen – und gleichfalls vereinzelt „bearbeitet“ werden, mitunter bis die Katzenzunge blutet ... Eine ausgediente und zurecht geschnippelte Strumpfhose kann‘s manchmal bringen, andernfalls bleibt bisweilen nur der zeitweilig angelegte Halskragen (beim Fressen unbedingt abnehmen und, solange Sie dabei sein können, auch beim Schlafen), bis die Heilung weit genug fortgeschritten ist.

Fixierte Brüche wiederum sind zwar normalerweise nach dem chirurgischer Eingriff voll belastbar, der Auftakt zur nächsten Kletterpartie oder einem kleinen innerartlichen Scharmützel muss darum aber noch lange nicht erlaubt sein. Nur der Tierarzt kann beurteilen, was der Mieze ab wann zuträglich ist und was nicht. Auch wenn sie das operierte Bein plötzlich nicht mehr richtig belastet, wenn es dicker wird oder sich heiß anfühlt oder der Katze das Anfassen offensichtlich Schmerzen bereitet, kündigt das Komplikationen an. Übrigens können spezielle Spieltherapien in Richtung leichter Gymnastik die Heilung begünstigen sowie die Rückbildung der Muskulatur verhindern helfen – der Tierarzt kann sie beraten.

Wie bereits erwähnt: Teamarbeit ist gefragt, dann wird auch nichts schiefgehen. Und falls Sie unschlüssig sind, ob Sie wirklich beim besten Doc unter der Sonne gelandet sind (kann immerhin vorkommen), dann machen Sie es genauso wie wenn es um Sie selbst oder ein anderes Familienmitglied ginge: Holen Sie eine zweite Meinung ein.

Alles Gute!

 

 

 

©   KatzenJournal, all rights reserved

Site Originated 05.11.2012