Katzengras - zum Fressen gern

ZUM FRESSEN GERN

KATZENGRAS

 

 

Katzen brauchen Katzengras. Das ist so eine Art Grundmaxime der Katzenhaltung, an der es nichts zu rütteln gibt, auch wenn die Meinungen über das Warum recht unterschiedlich sein können. Und warum brauchen sie es nun tatsächlich?

 

 

 

ES GRÜNT SO GRÜN

 

Besonders während der Wintermonate haben Katzenbesitzer versorgungstechnisch mit Engpässen zu kämpfen und wandern dann mit stetig wachsender Verzweiflung von einem Blumenladen zum nächsten, weil das begehrte frische Grün kaum zu bekommen ist. Und landen schlussendlich in einer Zoohandlung, um eine dieser seltsamerweise mit Sägespänen gefüllten Aluschalen zu erwerben (die einem heutzutage allerdings vom Tankstellen-Shop bis zum Supermarkt mehr oder minder überall nachgeschmissen werden), welcher nach fleißigem Gießen alsbaldig Katzengras entsprießen soll. Was nicht nur vom Zoohändler mit treuherziger Überzeugung, sondern auch auf der Packung schriftlich versprochen wird – und tatsächlich der Wahrheit entspricht.

Nachdem also Mensch wie Tier wachsam das Schälchen auf der Fensterbank beäugen und jede langsam hervorlugende grüne Spitze mit (eher innerlichem) Freudengeheul begrüßen, werden die gehegten Hoffnungen nach einigen Tagen tatsächlich erfüllt – die Halme haben abweidemäßig eine taugliche Höhe erreicht. Und dann sitzt die Katze davor, grübelt, steckt ihre Nase dazwischen, kostet auch ein wenig – und trollt sich.

Was zur Hölle hat das nun wieder zu bedeuten? Es ist grün, sieht auch irgendwie Gras ähnlich (wiewohl es Hafer ist), wieso mag sie es nicht? Da nach relativ kurzer Lebenszeit die so beeindruckend strammen Hälmchen lasch werden und vergilben, wandert das Ding in den Müll. Falsche Firma? Hätte ich doch das doppelt so teure Markenprodukt nehmen sollen? Das bringt’s aber dann auch nicht, denn die Szene wiederholt sich. Kommt Ihnen das bekannt vor?

 

 

GRAS IST NICHT GLEICH GRAS

 

Besitzer eines Gartens, deren Katzen selbigen auch benützen dürfen – weshalb niemals chemische Düngemittel verwendet werden dürfen!! -, wissen das, aber nicht jeder von uns ist einer. Jedenfalls haben sie wesentlich zur Erkenntnis beigetragen, dass Katzen das ebenfalls wissen, weil sie sozusagen aus erster Hand die Weidegewohnheiten ihrer Samtpfoten beobachten können. Und nicht schlecht staunen - denn da hat eine Mieze eine ganze Wiese zur Verfügung und nicht mal die scheint manchmal zu reichen. Oder warum wandert sie über den grünen Teppich, schnuppert hier, prüft dort, kostet mal ... und entscheidet sich dann womöglich für ein eher mickeriges Hälmchen. Was ist an dem dran, das die anderen nicht haben?

Viele Experten haben sich schon die Köpfe darüber zerbrochen, nicht nur über das penible Wählen, sondern warum Katzen generell so wild aufs Gras sind. Tja, eine nachweislich fundierte und allseits befriedigende Erklärung steht zwar nach wie vor aus, aber immerhin haben sie herausgefunden, dass harte Grassorten bevorzugt werden. Seither weiß ich wenigstens, warum mein Kater dereinst den Hafer verweigerte, aber auch, dass Katzen hier wieder mal gern das Individuum heraushängen lassen – nach Anwachsen meiner Schar inklusive langjähriger Studien über den mit unterschiedlichsten Grassorten bepflanzten Blumentöpfen lautet mein Beitrag an die Nachwelt: Einheitsgrün kann man vergessen.

Wenn Ihre Katze dem Hafer nichts abgewinnen kann, müssen Sie so lange was anderes anschleppen (oder weitaus kostengünstiger selbst anpflanzen), bis ihr eines der Angebote genehm ist.

 

 

GRÜNES SCHLARAFFENLAND

 

Weshalb winters auf meinen Fensterbrettern sage und schreibe vier stark frequentierte Töpfe für doppelt so viele Benutzer zum Grasen zur Verfügung stehen, und zwar (selbstverständliche ohne jegliche chemische Keimhilfe oder Sprühmittel) mit:

 

  • ·     Hafer (vereinzelt mag ihn ja eine doch, sofern grad frisch dem Substrat entsprossen);

·        aus als „Katzengras“ deklarierten Samen (= Blumenhandlung, Baumarkt) selbst gezogenes Grün. Schnellkeimer mit beachtlicher Widerstandskraft und Lebensdauer samt felider Akzeptanz – die Tütchen enthalten zumeist die Sorten Avena sativa L. und Lolium multiflorum ssp.alternativum);

·        auch als „Sportrasen“ bezeichnete Samen sind gut geeignet - eine relativ harte, dunkle Grassorte, die gern angenommen wird, der ursprünglichen Bestimmung gemäß ausdauernd und kräftig ist, aber eine Weile braucht, bis sie eine essfertige Größe erreicht hat.

Eignet sich zudem ideal für eine Blumenkasten-Liegewiese sommers auf dem Fensterbrett (sofern vergittert, klar) oder Balkon/Terrasse. Wird sie von einem Schwergewicht benutzt, ist die Lebensdauer eher begrenzt – siehe dazu Tipp unten.

·        und last but not least das überaus beliebte Zyperngras = Cyperus = Blumenladen. Gibt’s als niedrige Büschel á la Grashalmhöhe und ist dann nur vermittels Kennerblick von normalem Gras zu unterscheiden. Oder mit sternförmigen Wedeln, die auf langen Stängeln sitzen – die Halme der begehrten Wedel sind sehr scharf und stehen daher zum allseitigen Missfallen nur sporadisch zur Verfügung. Abgesehen davon siecht das Gewächs ziemlich schnell dahin, zumindest bei mir, während es bei anderen Katzenmenschen sehr wohl strauchartige Höhe erreichen kann und sogar Ableger das Wachstum nicht verweigern.

·        Grünlilien gibt’s bei mir zwar keine mehr, sind aber bei Katzenbesitzern recht beliebt, weil sie wuchern, ununterbrochen Ableger produzieren, die problemlos anwachsen und als Luftreiniger gelten. Als „Katzengras“ ebendeshalb umstritten, verstoffwechselt die Pflanze die aufgenommenen Schadstoffe indes wieder und wenn sie nicht gedüngt wird, sollte die Gefahr gebannt sein – zumal Mieze ja nicht die Pflanze frisst, sondern beknabbert. Meinen hat es über die Jahre nicht geschadet, aber das müssen Sie selbst entscheiden.

 

WICHTIG: Wenn Sie bereits grünendes Grün erwerben, müssen Sie es unbedingt vorher einer ausgiebigen warmen Dusche unterziehen, weil in Blumenhandlungen und Gärtnereien üblicherweise routinemäßig giftige Substanzen gesprüht werden, um Schädlingsbefall vorzubeugen!!

 

Sommers erkläre ich mich für diese Art von Grüngenuss neuerdings nicht mehr zuständig und schicke meine Katzen auf die Weide in den Garten. Mangels eines solchen müssen Sie freilich das ganze Jahr über die Töpfe hegen, pflegen und (rechtzeitig) erneuern, wenn das Gras verspeist oder verstorben bzw. uninteressant geworden ist – denn mitunter schmecken nur die ganz jungen Keime und/oder die Spitzen ...

Übrigens: Reine Wohnungskatzen vergreifen sich kaum an Zimmerpflanzen, wenn sie stets ein Töpfchen Lieblingsgrün zur Verfügung haben – frisches!

 

TIPP: Weshalb ich empfehle, je nach Inanspruchnahme zwei-/mehrgleisig zu fahren. Soll heißen: Während ein Grünzeug (oder die Liegewiese) zur freien Benutzung herumsteht, wachsen im stillen Kämmerlein ein bis drei zum Austauschen nach. Wobei das stille Kämmerlein nur symbolisch gemeint ist: Die Samen brauchen natürlich Licht zum Keimen! Und eine angenehme Temperatur (keine pralle Sonne). Lässt sich Wärme nicht gewährleisten (oder Sie möchten die Keimdauer beschleunigen),

 

·        feuchten Sie die Erde gut an (nicht ertränken)

·        stecken je nach Größe des Gefäßes (als Stütze für die Haube) ein/einige längere Stäbchen in die Mitte bzw. strategisch verteilt (sie müssen ca. 20cm über der Erde herausstehen),

·        stülpen dann eine durchsichtige Plastiktüte (ohne Löcher) drüber und fixieren diese am Topf mit einem gut sitzenden Gummi-/Klebeband.

·        Das sich unter dieser luftdichten Haube bildende Kondenswasser befeuchtet das Keimgut und Sie müssen nicht gießen. Erst dann wieder, wenn die Hälmchen stramm stehen und die Haube entfernt werden kann. Gelbe Blätter weisen auf zuviel Wasser hin, wenn Sie eine Neigung zum Ertränken haben, gießen Sie nur in den Untersetzer und füllen erst nach, wenn die Pflanze das ganze Wasser verbraucht hat.

 

Alles viel zu mühsam? Ja, da gäb’s dann beispielsweise noch den

 

 

    BAMBUS

 

Ursprünglich als schicke Dekoration und nicht zum Verzehr angeschafft, hat sich auch Bambus als immens tauglich erwiesen und läuft mitunter allem anderen Grünzeug den Rang ab. Allerdings ist nur der mit den ganz kleinen, schmalen Blättern beliebt (gehört möglicherweise zu den Fargesia-Sorten, ich bin kein Bambus-Experte und kaufe „mit dem Auge“). Der andere, ein „typischer“ Zimmerbambus = hohe Stängel, große, lanzenförmige Blätter eher nur im oberen Drittel, lässt sie völlig kalt.

Bambus hat viele Vorteile: Man muss nicht ständig einen neuen kaufen - selbst geprüfte Pflanzenmörder haben Mühe ihn umzubringen = zwei- wie vierbeinige – und macht als Deko selbst dann noch was her, wenn die Katzen wie weiland ein Heuschreckenschwarm darüber herfallen. Das Foto zeigt eine Jungpflanze, heute ist das Ding über einen Meter hoch – Naturdünger natürlich obligat!!. Wer kann, stellt ihn sommers in den Garten oder auf den Balkon (begünstigt die Regeneration) – überwiegend ein Freilandgewächs, sollte er im Haus freilich einen Fensterplatz haben (oder nahebei) und bevorzugt es eher kühl. Andernfalls schmeißt er die Blätter weg und der Katzengras-Effekt geht flöten (treibt aber im Frühjahr neu aus, wenn man ihn nicht austrocknen lässt).

 

 

MOTIVFORSCHUNG

 

Nun, all dieses reicht eigentlich schon aus zur Untermauerung der Hypothese, dass Katzen wirklich Gras brauchen. Als einzige Begründung wäre das freilich mehr als dürftig. Beim Warum indessen scheiden sich die Geister.

Erwiesen ist, dass die meisten Carnivoren = Fleischfresser (Raubtiere, Beutegreifer) regelmäßig Gras fressen, allerdings jeweils immer nur ein paar Hälmchen abrupfen. Was die Annahme mehr als unwahrscheinlich macht, es würde sich dabei um die Nahrung ergänzende Ballaststoffe handeln.

Wesentlich einleuchtender ist hingegen, dass es um bestimmte Bitterstoffe geht, zumal die Katzen häufig nur unendlich lange an den Halmen herumkauen, sie aber meist gar nicht schlucken (es sei denn, sie verhaken sich in den vielen feinen, nach hinten gerichteten Hornstacheln der Zunge und Mieze kann sie nicht mehr ausspucken). Das Bevorzugen bestimmter Grassorten würde gleichfalls dafür sprechen, da diese unterschiedliche (winzige) Mengen einer chemischen Substanz namens Folsäure enthalten. Dieses wasserlösliche Vitamin ist in Fleischkost nicht enthalten, erfüllt aber eine lebensnotwendige Funktion, weil es bei der Produktion von Hämoglobin eine entscheidende Rolle spielt. Das heißt, Folsäure dient zur Aufrechterhaltung der normalen Blutbildung und ist zudem am Eiweißstoffwechsel beteiligt. Der täglich notwendige Bedarf einer Katze ist nicht bekannt, wohl aber die Auswirkung einer Mangelerscheinung: Durch eine Störung der Blutbildung können Katzen ernsthaft anämisch werden und bei Jungtieren das Wachstum beeinträchtigen. Folsäure kommt zwar auch in Hefe, Leber und Gemüse vor, aber die „natürliche“ Regelung über das Gras scheint Mieze offenkundig gesünder. Zumal sie damit ja den Konsum individuell nach eigenem Gutdünken steuern kann und was überdies erklären würde, warum manche mehr und manche weniger am Grün hängen.

Sollten Sie sich beim Stichwort „Leber“ nun daran erinnern, dass ein Zuviel (= mehr als 100-150g pro Woche) gesundheitsschädigend ist – an der Folsäure liegt’s nicht, sondern am zu hohen Gehalt an Vitamin A = das (wie D, E und K) als fettlöslich im Organismus gespeichert wird. Wohingegen wasserlösliche Vitamine (wie der B-Komplex, C oder u. a. eben Folsäure) nach Deckung des Bedarfs ausgeschieden werden!

 

 

HAIBALL CONTROL

 

Mit der Überlegung, dass durch den Grasgenuss die Verdauung insgesamt angeregt und der Magen gereinigt werden soll, sind wir schon bei einem der beliebtesten Argumente „pro Katzengras“ angelangt. Sie basiert auf der Beobachtung, dass Katzen sich danach zumeist übergeben (warum das ausgerechnet immer auf unserem Lieblingsteppich passieren muss, ist eine andere Geschichte) und das Gras als eine Art natürliches Brechmittel genutzt wird. Zum Beispiel, um lästige Haarballen loszuwerden, die sich Magen festgesetzt haben, was in der Tat häufig vorkommt.

Aber nicht ausschließlich, denn oft werden die Hälmchen bzw. rudimentäre Reste (die auf dem Weg durch den Darm natürlich auch am anderen Ende mit dem Kot ausgeschieden werden können) nur von Speichel begleitet, der manchmal rosa (blutig) gefärbt sein kann, wenn sie sehr scharf sind. Allerdings könnte der Speichel auch übermäßige Verdauungssäfte enthalten, wofür eine leicht ins Gelbliche gehende Färbung sprechen würde. Gelegentlich kommt gleich das halbe Frühstück mit, was gleichfalls als Indiz für die Brechmittel-Theorie gewertet werden könnte, weil entweder der Katzenmagen überfüllt ist oder ihn andere unverdauliche Stoffe blockieren. Oder vielleicht auch spontan, weil Mieze direkt nach der Mahlzeit die Weide aufgesucht hat.

Wie auch immer, es scheint jedenfalls, dass Katzen offenbar vorsätzlich und genau wissend, was sie tun, Gras fressen, um unter anderem auch Erbrechen auszulösen. Welches sie nicht als Beeinträchtigung sondern im Gegenteil als Erleichterung empfinden.

 

 

DOKTOR KATZ’

 

Nicht ganz so populär ist die Erklärung, dass das scharfe Gras der Katze Linderung bringt, wenn sie eine Halsentzündung hat. Ganz von der Hand weisen lässt sich das nicht. Angesichts der (für uns schwer verständlichen) Tatsache schlagen Katzen nämlich häufig mit dem Kopf gegen die Wand, wenn sie von Kopfschmerzen geplagt werden. Vielleicht mindert das den Schmerz, wie ja auch bei etlichen anderen Leiden Druck auf die schmerzende Stelle dämpfend wirkt. Eis essen wie wir kann sie keins, um den wunden Hals zu beruhigen, warum also sollte sie dem kratzigen Gefühl nicht mit einem „Dagegenkratzen“ begegnen?

Nun, ob stimmig oder nur eine Theorie, Tatsache bleibt, dass Grasfressen für Katzen eine vielseitige Funktion erfüllt und selbst wenn nur ein Teil der Thesen der Wahrheit entspricht respektive nahe kommt, ist das Grün für sie wirklich und wahrhaftig wichtig. Katzen brauchen Katzengras. Punkt.

 

 

UND WAS IST MIT KATZENMINZE?

 

Die hat nun mit Gras absolut und überhaupt nichts zu tun und darf in keiner Weise als Ersatz angesehen werden: Die hübsch blühende und im Garten/Topf robust vor sich hinwuchernde Staudenpflanze interessiert im frischen Zustand eine Katze nämlich null, weil für keine der bisher genannten Funktionen auch nur entfernt tauglich - sondern erfüllt eine völlig konträre Mission. Und zwar ausschließlich im getrockneten Zustand, in welchem Katzenminze einer Art Droge gleichzusetzen ist, die Mieze „high“ machen kann (wie Baldrian). Bei den Minzesöckchen oder anderen mit Catnip gefüllten Spielsachen hält sich der Drogenrausch freilich bisweilen in Grenzen, weil die Dinger aufgrund der langen Transportwege oft quasi schon fast „ausgeraucht“ sind. Übrigens fahren nur rund 50 Prozent aller Katzen auf Katzenminze ab – aber das ist eine andere Geschichte ...

 

 

 

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