Katzen - Kinder - Künstler - Ein Dreamteam

KATZEN – KINDER - KÜNSTLER

 

 

EIN DREAMTEAM

 

 

Kindermund tut Wahrheit kund, heißt es so schön. Wenn es um Katzen geht, kommen freilich auch unzählige „große“ Katzenfreunde ins Plaudern - mit unschlagbarer Liebenswürdigkeit gern ohne Punkt und Komma wird nichtsdestotrotz deutlich, dass sie für ihren Plüschtiger das letzte Hemd zu opfern bereit sind. Und das häufiger tun, als allgemein bewusst ist. Künstler wiederum verleihen den Leisetretern Unsterblichkeit je nach Metier und die Wissenschaftler tun halt, was sie immer tun: Forschen und nette Statistiken aufstelle. Sie alle kommen hier zu Wort. Einige mehr, andere weniger. Ist ja nur ein kleiner Streifzug querbeet durch ein Thema, mit dem man Bücher füllen kann ...

 

 

DAS FÜNFTE ELEMENT

 

Meine Mutter, erzählte mir meine Freundin Lisbeth, hatte eine alte und an Kindern nicht interessierte Katze, aber mein Neffe Patrick (damals vier) wäre trotzdem am liebsten bei ihr eingezogen. Sonst kaum fünf Minuten am gleichen Fleck zu halten, saß er geduldig und still (!) in ihrer Nähe und war völlig zufrieden damit, die Katze zu beobachten. Natürlich hätten wir ihm alle gerne eine eigene gegönnt, aber vor allem sein Vater sträubte sich gegen ein Haustier und meinte, dafür wäre einfach kein Platz in ihrem Leben. Und Gott sei Dank nahm Patrick ohne Quengeln alle Ausreden hin. Eine davon war, er müsse sparen, Katzen seien teuer. Als er anfing, jedem Besucher sein Sparschwein unter die Nase zu halten, lachte sich meine Schwester insgeheim scheckig, während mein Schwager am liebsten im Boden versunken wäre. Aber trotzdem nicht müde wurde, dem Sohnemann zu erklären, es wäre noch zuwenig. Eines Tages kam Patrick vom Spielplatz mit einem Euro nachhause und wollte wissen, ob es jetzt reiche für eine Katze, er würde ihr auch sein Zimmer überlassen. Woher der Euro kam, wollte er nicht sagen, sodass mein Schwager düster vermutete, er hätte in einem unbeobachteten Moment womöglich Passanten angeschnorrt. Das gab den Ausschlag.

Heute ist Patrick zwölf und Leeloo noch immer sein Ein und Alles. Es ist, als könnte einer ohne den anderen nicht mal atmen. Meine Schwester und ich sind ja mit Katzen aufgewachsen, aber Andreas’ Welt stand eine Weile ziemlich Kopf. Und obwohl er heute nicht müde wird zu betonen, das wäre die beste Entscheidung überhaupt gewesen, hat er am Anfang ziemlich gelitten. Vor allem war es ihm total peinlich, wenn ein Kollege ein Haar von seinem Sakko schnippte und mit zweideutigem Sarkasmus fragte, ob er denn eine Katze oder so was hätte. Später machte er sich einen Spaß draus zu antworten, ja, ein Dutzend, du Spießer.

Vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf mich. Als ich anfing zu züchten (spinnt sie jetzt komplett?), wohnten wir nicht mehr so weit voneinander weg und trotzig kreuzte er immer nur in Jeans und alten Pullovern auf. Den bemüht desinteressierten Blick, wenn ein Kätzchen in seiner Armbeuge einschlief, nahm allerdings keiner ernst.

 

 

DIE SUPERNANNY

 

In Deutschland wird mittlerweile jede fünfte Katze vornehmlich für Kinder angeschafft, ergab eine Studie des Marktforschungsinstitutes TheConsumerView aus Bremen. Tatsächlich sind 94,1 Prozent aller Erwachsenen der Ansicht, dass es sinnvoll ist, Kinder mit Heimtieren aufwachsen zu lassen. Ob Elternpaare oder Alleinerziehende, immer mehr, Tendenz steigend, sehen in einer Katze den besten Spielgefährten für ihre Kinder. Ungeachtet des Rufs, der Katzen vorauseilt, nämlich dickköpfig und manchmal irgendwie unbequem und eigen zu sein, wird vermutlich auch die einfachere Haltung dazu beitragen, einer Katze den Vorzug gegenüber dem Hund zu geben. Weil sie halt nicht Gassi gehen muss, das größte Plus bei Berufstätigen. Und: „Wir haben sie gern, weil sie nicht bellen“, hat schon Erich Kästner festgehalten und hinzugefügt: „Der Hund ist selbstverständlich ebenso ein liebenswertes Geschöpf wie die Katze. Wenn ich aber, statt mit meinen vier Katzen, mit vier Hunden zusammenleben sollte, gäbe ich spätestens am dritten Tag dem Hund vom Dienst das für mehrere Monate nötige Verpflegungsgeld und zöge spornstreichs ins Hotel.“

Nichtsdestotrotz reichen einander Hund und Katz’ die Pfote, wenn es um den emotionalen und psychologischen „Nutzen“ (nicht nur) bei Kids geht: Stets wertfrei, sind sie sowohl ein Spielkamerad und ein Freund, der Trost spendet, bei dem man sich immer Zuwendung holen und seine Gefühle rauslassen kann – als auch Partner, die Verlässlichkeit vermitteln. Karen (14): „Ich habe eine Katze und wenn sie sieht, wie ich etwas anstelle, sagt sie es nie weiter. Sie schaut mich nur an als ob sie sagten wollte, keine Angst, ich verrate nichts.“ Und der zehnjährige Mark vermerkte in einem Schulaufsatz: „Wir wissen alle, dass Tiere nicht reden können, aber meine Katze redet die ganze Zeit, sagt, dass ihr was leid tut, bedankt sich und bemitleidet mich, wenn sonst keiner will.“ Eine besondere Komponente, vor allem für ältere Kids (überwiegend Jungs), die alles sein wollen nur nicht uncool, ist, dass sie Zärtlichkeit zeigen können, weil der pelzige Gefährte von sich aus zum Kuscheln und Schmusen einlädt. Daniel Defoe, bekannt als Schöpfer des Inselmenschen Robinson Crusoe, bringt es auf den Punkt: „Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten“.

 

 

KATZENGLÜCK

 

Daniela wollte immer zwei Katzen aus dem Tierheim holen, wenn ... wenn sie endlich Haus mit Garten hätten, wenn sie die Zeit dafür fände und vor allem, wenn ihr Mann den Traum von Südseeferien endlich abschreiben würde (immer die Männer!). Das Schicksal nahm den beiden die Entscheidung aus der Hand. „Ich sah nur aus den Augenwinkeln, dass etwas über den Gartenzaun flog und ärgerte mich zuerst nur über den Kavalierstart von irgend so einem Gestörten.“ Das Etwas war schwarzweiß und zog ein Bein nach, als es überraschend vertrauensvoll auf Daniela zuhumpelte. Und wie sich noch herausstellen sollte, war das Etwas trächtig und vermutlich deshalb kurzerhand ‚entsorgt’ worden, denn „eigentlich sah sie sehr gepflegt und gutgenährt aus.“ Und war kerngesund, wie der Tierarzt feststellte, keinerlei Parasiten, nichts. Eine liebenswürdige, zutraulich-verschmuste Mieze und süß wie Danielas Lieblingsbackwerk - Keks brachte später problemlos vier Kitten zur Welt und keiner hatte das Herz, sie zu trennen. Kaum ein Jahr danach waren auch die Südseeträume ausgeträumt, denn Kiara und Teresa wurden geboren, zwei Menschenkinder, für welche die Plüschtiger die ultimativ liebsten Spielkameraden wurden: „Ich hab die Babykleidchen aufgehoben, die kriegen jetzt die Katzen angezogen – Puppen interessieren die Mädels überhaupt nicht.“

Was Gesundheit und Lebenserwartung betrifft, hatten Gerhild und Norman weniger Glück. Die Anschaffung eines Haustieres aufs Rentenalter verschiebend, war eigentlich ein Hund angedacht von wegen Bewegung, aber nach einem Rundgang im Tierheim wurde es dann eine Katze. Ein kleines zerzaustes Bündel, das sich zu einem prächtiger langhaariger Kater auswuchs – der mit knapp zwei Jahren überfahren wurde. „Wir waren so schockiert und schworen uns, nie, nie wieder eine Katze. Dann rief uns eine Bekannte an und erzählte etwas von einem Notfall. Wir fuhren hin und, na ja, das war der nächste Schock. Die Katze war offenbar ein Findelkind, unglaublich verwahrlost, verfilzt, schmutzig, unterernährt. Und sie hatte alles an Unerfreulichem, was eine Katze nur haben kann. Wir konnten nicht nein sagen, haben sie aufgepäppelt und lange Zeit die halbe Rente zum Tierarzt getragen. Zweimal musste sie stationär aufgenommen werden. Wir waren ganz krank vor Sorge, konnten nicht schlafen, ach, es war eine schreckliche Zeit. Aber wir haben gewonnen, es geht ihr jetzt gut.“

Wie’s das Schicksal so will, hat Kathi letztendlich nicht nur mehrfach Glück gehabt, sondern auch gebracht: „Unsere Enkelkinder, die schon in den Schmusi ganz verliebt waren, kamen jetzt wieder viel öfter auf Besuch.“ Und, erfuhr ich noch ganz zum Schluss, seit die Racker schulpflichtig sind und Mama teilzeitbeschäftigt, machen sie nachmittags ihre Hausaufgaben bei den Großeltern. Womit ich wieder schön die Kurve gekriegt hätte.

 

 

TIERISCH GUTE LERN- UND LEBENSHILFE

 

Falls Sie Interesse an ein bisschen Statistik haben: Professor Dr. Reinhold Bergler (Psychologisches Institut der Universität Bonn) hat gemeinsam mit Dr. phil. Diplom Psychologin Tanja Hoff (Institut für angewandte Sozialforschung Köln) mehrere Studien über soziales Bewusstsein und Lernverhalten veröffentlicht – und unter anderem ein wesentliches Vorurteil ausgeräumt: Nämlich dass Schüler, die eine enge Beziehung zu ihrem Tier haben, mehr abgelenkt sind, mehr spielen und sich mit Hund/Katze beschäftigen wollen, statt sich dem schulischen „Ernst des Lebens“ zu widmen. Ganz falsch. Schüler/Jugendliche mit Hund/Katze

 

  • haben einen Notendurchschnitt von 2,6 gegenüber jenen Klassenkollegen, die kein Tier haben. Deren Notenschnitt liegt bei 2,8;
  • haben zu 42 Prozent eher eine stabile seelische Gesundheit, die als Voraussetzung für gute schulische Leistungen gilt. Ohne Tier: 30 Prozent;
  • sind konzentrationsfähiger und lernen besser, eine Aufgabe zu Ende zu führen (48 Prozent zu 29 ohne Tier)
  • trauen sich in der Schule mehr zu (54 Prozent zu 24 ohne Tier)
  • machen zu 84 Prozent (!) bereitwilliger ihre Hausaufgaben (83 Prozent sogar mit Freude), wenn der vertraute Gefährte dabei sein darf, 75 Prozent sind dann kreativer und leistungsorientierter, 74 Prozent machen weniger Fehler - die harmonische Atmosphäre bringt’s;
  • sind sozialer, verantwortungsbewusster, toleranter. Lernen eher ihre Gefühle zu zeigen, was wiederum den Umgang mit Gleichaltrigen verbessert (44 Prozent zu 25 ohne Tier).

 

Andersherum, nämlich von der Erwachsenenseite her gesehen, sind sich 47,3 Prozent einig, dass ein Heimtier die Wissbegierde von Kinder anregt. Und – besonders interessant – 80 Prozent der Nichttierhalter von der positiven Wirkung überzeugt sind! Tierhalter: 91,2 Prozent.

 

 

WUNDERKINDER & SCHULHUNDE/KATZEN

 

Lassen wir die Prozente mal weg, sind Kids mit Heimtier phantasievoller, etwa wenn es um Schulaufsätze geht; kommen mit dem täglichen Schulstress besser klar; sind anderen Menschen gegenüber offener; übernehmen in der Klasse Verantwortung, sind deutlich kontaktfreudiger, knüpfen leichter neue Freundschaften und werden von Freunden und Mitschülern eher ins Vertrauen gezogen, wenn diese selber mal Probleme haben. Und sie ziehen sich nur halb so oft alleine in ihr Zimmer zurück.

Prof. Bergler fasst zusammen: “Ein Hund/Katze erhöht die Lust am Lernen und an Leistung; hilft mit, Teamfähigkeit ebenso zu entwickeln wie Kommunikationsfähigkeit, fördert Verantwortungsbewusstsein, Arbeitsdisziplin und Problemlösefähigkeit und vermittelt aber auch seelische Ausgeglichenheit und Wohlbefinden.”

Verantwortungsbewusste Kinder, die konzentriert ihre Hausaufgaben machen und dazu auch noch wissbegierig sind – der Traum aller Eltern. Umfragen im Rahmen einer weiteren Studie (Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft) zeigen, „dass die Anwesenheit eines Vierbeiners die Kommunikation verbessert, die Rücksichtnahme gegenüber Mitmenschen und Tieren erhöht sowie Verantwortungsgefühl und Einfühlungsvermögen von Kindern verstärkt.“ Das ist jetzt nun auch nicht neu und im Grunde könnte ich Seitenweise aus Studien zitieren, die einander mehr oder weniger gleichen wie ein Ei dem anderen. Weil sich ungeachtet dessen, ob es nun um Schule und Lernen, die Bewältigung von Familien- und Lebenskrisen (beispielsweise Scheidung der Eltern) oder andere im Zusammenhang mit Kindern relevante Themen geht, Pädagogen und Wissenschaft einig sind: Kinder, die ein Tier haben, verarbeiten solche Situationen deutlich besser. Die vorerwähnte Studie geht indes deshalb darüber hinaus, als sie mit der Frage nach dem „Schulhund“ einen besonderen Ansatz zeigt (und im Verlauf auch die Katze mit einbezieht): Als Fazit wollen nämlich in Zukunft Lehrer ebenso wie Kindergärtnerinnen alle diese positiven Faktoren insofern nutzen, als sie regelmäßig ihren Hund oder ihre Katze in den Unterricht miteinbeziehen. Also – persönlich, versteht sich. Dabei soll bei den Kids nicht nur Naturverständnis und Liebe zu Tieren (inklusive Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse) geweckt werden (woraus später häufig ein Engagement für Tier- und Naturschutz wird), sondern es geht um Motivation und Atmosphäre: Unterricht mit Hund oder Katze macht eben mehr Spaß.

Weil wir grad beim Kindergarten sind: Selbstverständlich profitieren auch die Kleinsten. „Die Zuneigung zum Tier fördert die Erziehung zur Humanität. Es dient als Mittler und Brücke zwischen dem Kleinkind und seiner Welt, das mit seiner Hilfe Trennungsängste überwinden kann, wenn es die Eltern zeitweilig alleine lassen. Beim Kind im Grundschulalter wirkt das Tier ausgleichend und stabilisierend auf die neuen Herausforderungen, die mit den Leistungserwartungen durch die Schule verbunden sind. Insbesondere schüchterne Kinder finden dank Tieren raschen Zugang zu ihrem Umfeld.“ (Uwe Friedemann, TCV)

Und welches arme Kind hat jetzt noch keinen pelzigen Freund? Der übrigens an dritter Stelle der „Trösterliste“ stehen soll, nach Freunden und Eltern – ein netter Rechen- oder Denkfehler, weshalb der Auftraggeber dieser Umfrage hier höflich ausgespart sei, weil von „50 Prozent aller Kinder“ die Rede ist, „die sich von Hund, Katze oder Kaninchen trösten“ lassen. Aber vielleicht hab ich auch was falsch verstanden?

Nicht ernsthaft missverständlich:

 

 

KINDERMUND & SCHULAUFSÄTZE

 

Ich habe ein Tier zuhause, einen Kater, und er heißt Elton John oder kurz Elton, und wenn er im Fernsehen auftritt, rufen wir ihn, damit er kommt und sich sieht. Aber er kommt nicht (Hella, 7)

Ich habe eine Katze, die heißt Herr Nilsson. Sie frisst nur Müsli (Trockenfutter) und jetzt ist sie ganz dick und wir geben ihr nur mehr Dosenfutter, aber sie fängt trotzdem dauernd Mäuse und frisst ihr Essen nicht, weil sie keinen Hunger hat. Wir finden es nicht so gut, dass sie die Mäuse immer an der Hintertür lässt und wir dann immer ganze Haufen toter Mäuse da liegen haben. Sie hat Mama einmal Angst gemacht, weil sie sie immer in ihre Zehen gebissen hat, aber das tut sie jetzt nicht mehr, weil sie glaub ich den Geschmack nicht mag. (Lucy, 8)

Meine Katze Bertie war ein Männchen, bis sie Junge bekommen hat (Luise, 10)

Als ich Goldfische hatte, steckte mein Bruder immer den Kopf ins Aquarium und hat versucht sie zu essen, deshalb haben wir sie weggegeben. Jetzt habe ich eine Katze und bei der tut er das nicht mehr (Amanda, 9)

Meine Katze hat keine Angst vor Wasser und springt immer in die Badewanne. Sie hat eine Schraube im Popo und die macht sie wasserfest (Mark, 8)

Ich hatte ein Kätzchen, das hieß Minka und ich fand, es roch ganz okay. Aber Paps war anderer Ansicht und nannte es Stinker (Torsten, 11)

Meine Liebe zu Tigern begann, nachdem ich einen Film über sie gesehen hatte. Da begann ich von Katzen Notiz zu nehmen. Katzen sind genau wie Tiger und ich finde es merkwürdig, dass Katzenliebhaber nicht den Tigern und allen anderen bedrohten Wildtieren überleben helfen. Das sind wohl so Leute, die als Weihnachtsgeschenk ein Kätzchen bekommen und es ertränken, wenn es lästig wird (Tobias, 15).

 

 

KINDERMUND NACHERZÄHLT

 

Im Kindergarten erzählte Hannah (4) ganz stolz, die Nachbarskatze hätte Babys bekommen, zwei Kater und zwei Mädchen. Wieso weißt du das?, wollte mein Sohn wissen. Den Unterschied erkennt man am Schurrbart, war die Antwort, und es ist unten aufgedruckt. Mein Papa hat sie aufgehoben und nachgeschaut.

Beim Tierarzt trafen wir einen kleinen Jungen (mit Mutter und Hamster), der neugierig in unseren Katzenkorb späht, worauf ihm meine Tochter wichtig erklärt, das wäre eine französische Schatröö. Sichtlich beeindruckt meinte der Kleine darauf, er bekäme auch eine Katze, „aber Papa sagt, ich muss erst einen Kratzbaum pflanzen“.

 

 

MÄCHTIGE MUSE

 

Die Bedeutung von Herr und Frau Katz’ mit der Hauskatze als Leader geht freilich weit übers „kindliche“ hinaus, wiewohl unsere Beziehung zueinander definitiv das wichtigste überhaupt ist. Denn als das mit Abstand beliebteste Haustier sind sie ein wirtschaftlicher Machtfaktor, der in der Oberliga mitspielt, wo sich die Reichen und Mächtigen tummeln. Weltweit. Und haben im zahlenmäßigen Vergleich den Hund quasi als Schleppenträger weit zurückgelassen, werden allerdings von ihm überholt wenn es um etwas geht, womit Katzen nicht wahnsinnig viel am Hut haben: Fremdarbeit. Freilich richtet sich die Aufgabenstellung vernünftigerweise nach den tierischen Fähigkeiten, denn eine Katze anstelle der bellenden Kollegen als Rettungs- oder Suchhunde käme irgendwie nicht so gut, während sie bei Jobs auf Freiwilligenbasis indes ganz langsam aufholen. Bei tiergestützter Therapie bekleiden sie zwar neben Bello noch eine Statistenrolle, schnurren sich aber vermehrt in die Herzen der Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen und sind auch sonst auf leisen Pfoten immer wieder mal dienstlich unterwegs.

Abgesehen davon wird Katzen vielerlei Ehre zuteil, wenngleich keine Edle Dichter, Schriftsteller, Journalisten, Musiker, Maler und Zeichner aller Zeiten je so inspiriert hat wie der Landadel. Auch heutzutage umgeben sich Künstler oder Personen des öffentlichen Lebens gern mit Katzen - als ruhenden Gegenpol zur täglichen Stressbelastung. Nur bei wem sie sich da so tummeln, wissen wir zumeist genauso wenig wie ob adelig oder nicht - denn welcher Journalist fragt schon Angelina Jolie oder den Bundespräsidenten, ob er daheim eine Katze hat?

Freilich ist nicht jeder „Promi“ so zurückhaltend, wie ein Fülle von Aufzeichnungen und Erzählungen beweist, aus welchen ich nur eine Kostprobe herausgreife: Hermann Hesse liebte und bewunderte die Vielfalt, die uns die Natur mit dem Landadel zum Geschenk gemacht hat und in seinem Tessiner Haus lebte ein mittelgroßes Grüppchen. Hemingway schrieb über seine Katzen, ebenso Chaucer, Puschkin, Maupassant, T.S. Eliot, E.T.A. Hoffmann - und Collette waren sie wichtiger als ihre Ehemänner. Toulouse-Lautrec, Manet, Cézanne, Klee und Steinlen bannten sie auf Papier und Leinwand. Scarlatti widmete ihnen eine Fuge, Strawinsky vier Wiegenlieder, Chopin einen Walzer, und in Tschaikowski’s Ballett Dornröschen tanzen zwei Katzen über die Bühne – wonach einer der Luftsprünge als „Saut de chat“ von Tänzern und Choreographen aller Welt ins Repertoire aufgenommen wurde.

Die sind doch alle schon ewig tot? Na gut, aber Uli Stein nicht, ebenso wenig Andrew Lloyd Webber, Akif Pirincci oder Elke Heidenreich. Die übrigens „aufgedonnerte Frauen mit totem Fell“ verabscheut und meint, „Jeder Pelz, weint, schreit und blutet“. Zum Abschluss jedoch, auch wenn leider nicht mehr alle der zitierten Autoren unter uns weilen, noch ein paar Bonbons über das „feine, erlesene Pelzwerk“ auf ihrem Schreibtisch. Vielleicht kennen Sie’s schon, vielleicht wecken sie wieder die Lust aufs Lesen?

 

 

LIEBESERKLÄRUNGEN

 

Werner Koch ( 1992), Liebes Leid und Lust: Meine Katze in persona ist schwierig. Sie bestreitet das zwar, wirft vielmehr mir vor, ich sei schwierig, aber das ist ihre Sache, und im Moment schreibe ich über sie und nicht sie über mich.

Elke Heidenreich, Liebe Klara: Fünf Tage saß ich vor dir und sagte alle Katzennamen auf, die nur denkbar sind – Mizzi? Maunz? Pussi? Bella? – und du hast mich stumm und streng angeschaut und gedacht: An was für eine Wahnsinnige bin ich denn jetzt geraten?

Max von der Grün ( 2005), Wie kommt man an eine Katze?: Weil meine Frau ein gutes Herz hat und noch ein Rest vom Schweinebraten übrig war, öffneten wir ihr die Tür.

Georg Kleemann ( 1992), Kleine Bettlektüre für den wahren Katzenfreund: Unser Kater Franz-Joseph (nach dem alten Kaiser, bitteschön) tut uns den Gefallen, absolut jeden Besuch um Mitternacht hinauszuwerfen. Er maunzt dann unleidlich herum, spaziert unruhig durch die Wohnung, mault meine Frau an, marschiert zum Schlafzimmer, dreht sich um und lockt fast gurrend, sodass wir genötigt sind zu sagen: „Der Kater will ins Bett!“ Bis jetzt hat noch jeder unserer Gäste verstanden, dass wir dann denselben Wunsch hatten. Jenen Witzeerzähler aber, der auf diese überaus zarte Andeutung nur sagte: „Na, dann lassen Sie das Vieh halt ins Bett“, haben wir nie mehr eingeladen. Wer unseren Kater nicht versteht, der versteht auch uns nicht. (Scherz)

Jörg Bartel, Kinder, Katzen, Katastrophen: Morgens gegen 5 miaut es leise, lauter, laut die lila Treppe hoch; dann macht es hops und purrrrrrr, und dann tritt Indiana Jones mit allen Symptomen des nahenden Hungertodes und der Verliebtheit auf dem Kopfkissen meiner Gattin Milch; alsdann streicht er kurz rüber zu mir, der ihm vergeblich den Rücken dreht sowie ein fröhliches und im Grunde genommen völlig deplaziertes „hau bloß ab, du blöder Hund!“ entgegenmurrt, und stupst mit seiner Nase gegen meine. Das ist ein Katerkuss, und ich bin mir der Ehre voll bewusst, und ich liebe Jones auch. Aber Jones küsst feucht. Sobald meine Gattin Jones aus dem Bett auf den Korbhocker gewedelt hat, fällt Blümchen mit der Tür ins Bett und tritt ebenfalls Milch und zwar auf allem, was im Bett herumliegt: auf Frau, Kissen, Bettdecke, mir. Leider zieht sie, anders als Soft-Johnny, dabei die Krallen nicht ganz ein, was bei meiner Gemahlin schlafzerstörende Schreie, bei mir hingegen hochallergische rote Pusteln hervorruft. Wir stehen dann lieber auf, besser: Wir kapitulieren und flüchten uns in den Tag. (dvt)

 

 

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