Katze und Mensch - im Fokus der (nicht nur) Verhaltensforscher

 

PSYCHOLOGE AUF VIER PFOTEN

 

 

DIE HEIMLICHEN HERRSCHER

 

aus dem Blickwinkel (nicht nur) der Verhaltensforscher

 

 

Nun, jede Rassekatze hat ihre Lobby und wir Menschen pflegen ebenfalls unsere Pläsierchen von der Häkelgruppe bis zum Förderverein zur Gleichberechtigung der Pinguine – doch den Verhaltensforschern geht es um die Katze an sich. Ob Rasse- oder Hauskatze, alle sind domestiziert, und allein das zählt. Allerdings kommen ihnen die naturbelassenen Juwele häufiger vors prüfende Auge – freilich nicht nur. Und weil der wahre Katzenfreund gleichfalls keine Standesdünkel kennt, gilt auch dieser Aufsatz für alle Plüschtiger.

 

 

 

SCHICKSALSSCHLÄGE – IMMER AUF DIE KLEINEN

 

Meine lang ersehnte erste eigene Katze war ein klassisch braun-gesprenkelter Tigerkater und grade mal fünf Monate jung. Mehr als drei davon wurde er fleischlos ernährt, weil die Vorbesitzer kurz vorher spontan zum Vegetarismus konvertierten. Kein Wunder also, dass „Pussy“ den Inhalt der ersten Katzenfutterdose seines Lebens bis aufs letzte der 400 Gramm verschlang und danach ein bisschen schielte. Er hat sich erfreulicherweise trotzdem prächtig entwickelt und ich kann mich nicht erinnern, dass er je krank gewesen wäre, aber trotzdem wurde er nur zehn Jahre alt.

Nun, an einer Hauskatze ist nichts zurechtgezimmert, wie wir es bei unseren Stammbaumträgern gern tun, aber trotzdem können wir bisweilen die Finger nicht davon lassen. Zwar basteln wir beim Landadel weniger am Aussehen herum, aber häufig lässt die Haltung einiges zu wünschen übrig, denn dieses Beispiel ist kein Einzelfall, weil viele Vegetarier auf eine Katze nicht verzichten wollen – durchaus löblich und genauso ihr gutes Recht, wie sich für diese Ernährungsform zu entscheiden. Dabei aber vor einem reinen Fleischfresser nicht Halt zu machen und ihm statt der Fleischkost diverse Ersatzmittelchen zuzumuten, um das Manko auszugleichen, ist schlicht absurd. Um höflich zu bleiben. Zwar werden’s die Katzen mehr oder weniger überleben, aber müssen wir ein Geschöpf zwingen, sich uns auf Biegen und Brechen anzupassen?

 

KATZENJAMMER

 

Und weil wir schon bei den Bedürfnissen sind: Zahllose Katzen (lassen wir die Arbeiterklasse auf den Bauernhöfen und deren oft noch viel geringere Lebenserwartung mal außen vor) mit einem sogenannten Zuhause haben noch nie eine Tierarztpraxis von innen gesehen, werden unkastriert in die Freiheit entlassen und müssen mit den Folgen selber klarkommen. Oder die Nachbarn, die das Elend nicht mit ansehen können. Katzen sind robust, anpassungsfähig - und intelligent. Viele stromern daher herum und suchen nach etwas Besserem, aber nicht jede bekommt diese Chance. Jungtiere kümmern, werden von Parasiten, Schnupfen oder Durchfall hinweggerafft oder fallen, ungeachtet des Alters, anderen Gefahren zum Opfer. Und wenn’s eine geschafft hat, winken die Beschwerlichkeiten des Alters und ein einsamer Tod. Tolle Aussichten.

Ja, wir können nicht alle retten und die Tierheime platzen aus allen Nähten, aber es wäre schon viel getan, würden wir zumindest für unsere eigenen die Verantwortung über- und ernst nehmen und nicht mit irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen Ausreden daherkommen. Und etwa auf die Natur pochen, wenn’s uns in den Kram passt, weil man „eine Katze nicht einsperren“ kann, Kastration „unnatürlich“ wäre oder Tischabfälle völlig ausreichend sind. Wir können nicht die Domestikation fördern und uns dann davonstehlen ... Doch, wir können. Leider. Und fühlen uns oft sogar noch im Recht, denn es ist doch „nur“ ein Tier. Das ist aber noch lange kein Grund, nur zu nehmen und nix zu geben.

Artgerechte Ernährung, Kastration und ärztliche Versorgung sind nicht nur das Minimum für Freigänger, sondern genauso für Stubentiger. Liebe wär’ auch nicht schlecht, denn Katzen sind mittlerweile schon so domestiziert, dass Ansprache und Zuwendung quasi zum Lebenselixier gehören. Und weil sie das Stadium des Einzelgängers bereits hinter sich gelassen haben. Weshalb Verhaltensforscher raten, Wohnungskatzen, die nicht ins Freie dürfen, unbedingt zu zweit zu halten.

 

 

ROHDIAMANT

 

„Die ersten Tiere, die vor 5000 Jahren die Nähe des Menschen gesucht und sich sozusagen selbst domestiziert haben, waren die Katzen“, hielt der Diplom-Psychologe Jens Lönneker vom Kölner Rheingold-Institut in seiner ‚Tiefenpsychologischen Analyse’ auf einem Symposium (München 2006) fest. Was insofern unwidersprochen bleibt, als Hunde, die sehr viel früher dran waren, das nur teils selbst in die eigene Pfote genommen haben, sondern durch Anerziehung letztlich zum treuesten Gefährten des Menschen avancierten. Der Unterschied liegt in der Bereit- und Freiwilligkeit zur Unterordnung, für die ein Rudeltier natürlich besser prädestiniert ist, während die Katze als ursprünglicher Einzelgänger mit der Obrigkeit nichts am Hut hatte. Bis heute. Sie lässt sich nicht verbiegen. Wir können sie bedrohen, schlagen, quälen, was auch immer, doch erreichen werden wir dabei nichts. Außer, dass sie uns meidet.

Das bestätigen auch „Erzählungen“, so Lönnecker, die „häufig um das Mysterium Katze kreisen und um die Faszination ihrer Ambivalenz. Sie gilt zugleich als Schmusekater und kleiner Tiger, unabhängig, divenhaft bis unnahbar und doch voller Hingabe, wenn sie eine bestimmte Person liebt, eigenwillig und doch extrem anpassungsfähig, besonders sauber und kultiviert, aber doch unbeeinflussbar ihren wilden Instinkten folgend.“ Das ist mittlerweile relativ bekannt, genauso wie Katzen die Rolle eines unkomplizierten Freundes übernehmen und wichtige Begleiter in verschiedenen Lebensphasen sein, Kindern ein willkommener Spielkamerad und ebenso Geschwister- oder Vaterersatz und sogar als Ruhepol eine Familie zusammenhalten können. Oder als „flexible Überlebenskünstler ... neue Lösungen anzubieten scheinen ... und als ein Art Anker gegen die immer stärker empfundene Halt- und Orientierungslosigkeit ein Gefühl von Zuhause schaffen.“

Lönnecker sieht nach jahrelanger Forschungstätigkeit in der Katze das ideale Haustier der Zukunft und die zunehmende Katzenhaltung passe „sehr gut in unsere Zeit“. Weil sie laut einer Umfrage von sich aus sehr sauber sei, nicht so viel Pflege benötige und sich selber beschäftige, wenn man mal „keinen Bock habe“, sich ihr zu widmen. Die Reduzierung auf so wenige ihrer guten Eigenschaften angesichts der vorigen Hymne haut einen Katzenfreund zwar nicht vom Hocker, aber immerhin sind sie nicht falsch. Das Fazit, das eigentlich die Einleitung des Vortrages war, macht’s wieder wett: Katzen sind „Lebens- und Überlebensvorbilder, die uns auf ihre Art zeigen, wie wir die Anforderungen des modernen Lebens meistern können“. Eben weil sie sich nicht verbiegen lassen.

 

 

DIE STIMMUNGSKANONE

 

Das beschäftigte unter anderen auch Gerulf Rieger, Diplomand am Anthropologischen Institut der Universität Zürich, nämlich inwieweit die momentane Stimmung eines Menschen durch die Interaktion mit seiner Katze beeinflusst wird. Und legte seinem Bericht eine unter der Leitung von PD Dr. Dennis C. Turner und Prof. Robert D. Martin entstandene Studie zugrunde. Hier die Quintessenz, lose zusammengefasst: „Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Tiere ihre Gefühle verstehen und – noch wichtiger – auf diese eingehen können ... Eines der hervorstechendsten Ergebnisse ist, dass der Besitz einer Katze allein zur Linderung vieler Missstimmungen beiträgt. Wer also alleinstehend ist und Katzen liebt, sollte nie ohne eine leben! Nicht nur, dass man mit einer Katze weniger ängstlich und deprimiert ist, nein, die Katze macht den Menschen auch weniger introvertiert, also aufgeschlossener gegenüber seinen Mitmenschen ... Ein generelles Verbot von Haustieren in Mietwohnungen oder sozialen Institutionen wie zum Beispiel Altersheimen ist mit Sicherheit falsch.

Aber nicht nur generell, auch in besonders stressreichen Situationen übt die Katze eine wohltuende Wirkung auf ihren Besitzer aus. Wird ein Mensch zunehmend erregter, ängstlicher oder deprimierter, so greift er umso stärker auf seine Katze zurück und zeigt mehr soziales Verhalten. Hier wird also die Katze aktiv zur Hilfeleistung aufgesucht. Wichtig ist dieses Ergebnis insofern, als es zeigt, dass die Katzen für ihre Besitzer eine Möglichkeit zur Problembewältigung darstellen. Die Katze selbst verhält sich sowohl mit ihrer Bereitschaft, ein Bedürfnis nach sozialem Kontakt zu zeigen, als auch in ihrem tatsächlichen Beginn von sozialem Verhalten immer gleich, egal wie sich ihr Besitzer fühlt. Diese neutrale Einstellung macht sie für einen Menschen, der unter Missstimmungen leidet, besonders attraktiv. Der Mensch weiß von einem Partner, der ihm immer im gleichen Maße zur Verfügung steht. Hier unterscheidet sich das Tier vermutlich von den Mitmenschen.

Was die Katze nicht kann, ist (schon) positive Stimmungen zu fördern. Die lindernde Wirkung der Katze besteht also darin, dass der Mensch sich weniger schlecht und daher ausgeglichener fühlt, nicht aber, dass er sich besser fühlt, wie zum Beispiel glücklicher oder selbstsicherer. Dieser Bereich fällt vermutlich in die Aufgabe der Mitmenschen. Es ist also zu betonen, dass Katzen sicher nicht menschliche Freunde oder Partner völlig ersetzen können. Es reicht nicht, jemandem, der einsam ist, einfach eine Katze in die Hand zu drücken, um ihn glücklich zu machen!“ Letzteres würde ich unbestritten unterschreiben, möchte aber nicht versäumen hinzuzufügen, dass mich meine Schätze durch Kundegebungen ihrer Zuneigung sehr wohl noch glücklicher machen, als ich es ohnehin bin ... In unserem Haushalt hat (außer mir) freilich auch niemand geforscht ...

 

 

THERAPIEKATZE

 

Die Ausnahme von der Regel scheint die Wirkung auf depressive Menschen zu sein. Die Katze zeigt bei diesen „hingegen kein negativ zu wertendes Verhalten“, so Gerolf Rieger, sondern „ist im Umgang mit Deprimierten sogar besonders freundlich“ und damit „sicher angenehmer als menschliche Partner, die auf depressive Verstimmungen oft mit Überforderung reagieren.“ Aber „entscheidend dafür, ob ein Mensch weniger deprimiert wird oder nicht, scheint die Reaktion der Katze zu sein. Nur wenn die Katze auf die Bedürfnisse ihrer Besitzer eingeht, geht ‚Deprimiertheit’ zurück. Reagiert die Katze nicht, erfolgt auch kein Stimmungsausgleich! Daher ist der Erfolg bei der Linderung stark vom Willen der Katze selbst abhängig ... Es wird davon ausgegangen, dass diejenigen Katzen, die diese Reaktionen häufig zeigen, schon von klein auf an Menschen gewöhnt sind.

Weitere Aspekte, die in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden sollten, sind die Verhaltensunterschiede verschiedener Rassen und der eigene Charakter, den jedes Tier besitzt. Beachtet man diese Elemente bei der Wahl einer Katze, kann vermutlich die Chance, dass sie auf die Wünsche ihres Besitzers eingeht, erhöht und eine damit verbundene Ausgeglichenheit des Menschen erreicht werden. In einem weiteren Schritt stellt sich die Frage, ob mit der gewonnenen Information neue Modelle für tiergestützte Therapien entwickelt werden können. Eine gezielte Arbeit mit Katzen bei depressiv erkrankten Menschen könnte einen sinnvollen Beitrag zur Bekämpfung dieses Leidens liefern.“

 

 

FELDFORSCHUNG MIT COMPUTER

 

Nun, dass die Verhaltensforschung zur Hochform aufläuft, wenn es um die Bedeutung der Katze im Zusammenleben mit uns geht, liegt auf der Hand, denn der Mensch sieht sich halt nun mal als Zentrum des Universums. Daran ist ja auch nichts auszusetzen, zumal sich tierische Stimmungen mangels direkter Befragungsmöglichkeit nur in Grundzügen katalogisieren lassen. Und ohne Katalogisieren geht in der Wissenschaft gar nichts. So bestätigen Dorothy Gracey und Professor Dr. Kurt Kotrschal von der Universität Wien, dass die Leistung passiver sozialer Unterstützung durch Tiere wissenschaftlich belegt ist, haben den Fokus aber leicht verlagert: „Können Katzen tatsächlich erkennen, in welcher Stimmung der Mensch ist? Reagieren sie aktiv auf die Gefühlslage ihrer Besitzer und sind somit in der Lage, menschliche Emotionen nachzuempfinden?“ Letzteres ist ja mitunter die Frage zum Tag, weil es um Eigenschaften geht, die gern als vermenschlichte Interpretation abgetan werden. Und Katzenfreunde ein bisschen in die „Spinner-Ecke“ rückt. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen.

„85 Prozent der befragten Katzenbesitzer waren überzeugt, der Vierbeiner erkenne ihre Stimmung und ihr gesundheitliches Wohlbefinden und könne darauf reagieren. In der Folge suche das Tier zum Beispiel engeren Kontakt oder passe die eigenen Aktivitäten an die der Bezugsperson an.“ Das ist natürlich nicht sonderlich überraschend für Skeptiker, weil sie Katzenhalter ja für befangen erklären. Wissenschaftler auch?

„In einer Video-Dokumentation zeichneten die Forscher das Verhalten von Tier und Bezugsperson in unterschiedlichen, erprobten sowie neuen Situationen auf. Das Verhalten des Tieres wurde in Anlehnung an einen standardisierten Bewertungsbogen auf einer Skala mit beschreibenden Begriffen eingeordnet, zum Beispiel zwischen freundlich und distanziert oder ängstlich und mutig. Die Persönlichkeit des Menschen wurde nach dem anerkannten NEOFünf- Faktoren-Inventar (NEO-FFI) untersucht. Mithilfe von ‚Theme’, einem Softwareprogramm zur Erkennung und Analyse von Mustern in zeitbasierten Daten, deckten die Forscher schließlich relevante Zusammenhänge unter den Verhaltensabläufen auf: Die Analyse zeigte eine Verbindung zwischen der Persönlichkeitsstruktur des Besitzers und der Häufigkeit, mit der die Katze die Initiative ergreift. Zeichnet sich ein Mensch nach der NEO-FFI-Skala zum Beispiel durch geringe emotionale Stabilität aus, nimmt er umso eher Kontakt mit der Katze auf und ist der aktivere Teil in der Mensch-Tier-Beziehung. Umgekehrt zeigte sich die Katze als eher bereit zur Initiative, je höher der Mensch auf den NEO-FFI-Achsen Verträglichkeit und Extraversion eingestuft wurde. Dieses Ergebnis stimmt mit den Besitzerinterviews überein, welche darauf hinweisen, dass die Katzen Situationen und Stimmungen erkennen und darauf reagieren können. Die Untersuchung zeigte, dass die von Katzen ausgehende Initiative von Interaktionen maßgeblich mit der Persönlichkeit des Besitzers zusammenhängt.“

Kommt Ihnen das bekannt vor? Zumal unabhängig voneinander Forscher irgendwie alle zu denselben Ergebnissen gelangen (ich hätte noch etliche auf Lager, will Sie aber nicht langweilen). Der interessanteste Aspekt ist vielleicht, dass das für die, die sich intensiv mit ihrer Katze auseinandersetzen, nicht unbedingt fremd ist. Andere wiederum ihren eigenen Wahrnehmungen nicht trauen – und sie jetzt vielleicht bestätigt finden? Jedenfalls gibt es trotzdem unglaublich viele Katzenfreunde, die aus der eingefahrenen Schiene nicht herauskommen und ihre – wiewohl geliebten - Katzen in ein Schema pressen, aus dem sie längst herausgewachsen sind. Und dass für notorische Zweifler möglicherweise härtere Geschütze aufgefahren werden müssen.

 

 

OFFENES BUCH

 

Keinesfalls unerwähnt darf bleiben, dass die Wissenschaft in der Regel nicht wie wir unterscheidet zwischen Haus- und Rassekatze, weil für sie lediglich der domestizierte Status Bedeutung hat. Diverse Randnotizen lassen freilich darauf schließen, dass überwiegend der Landadel involviert war. Bei der Entschlüsselung des feliden Genoms hat er sich freilich helfen lassen (müssen), weil dazu ein gut dokumentierter, weit zurückreichender Abstammungsnachweis erforderlich war. Eine vier Jahre alte Abessinierkatze namens Cinnamon konnte damit dienen und gab den Auftakt für ein dreijähriges, institutsübergreifendes Projekt, bei welchem US-Wissenschaftler bis 2007 an die 20.285 mutmaßliche Katzengene identifizierten. Die Gruppe um Joan U. Pontius vom Krebsinstitut Frederick, Maryland, hat für die Sequenzierung indes auch auf frühere Untersuchungen zurückgegriffen. Ziel war die Hoffnung auf besondere Fortschritte im Kampf gegen die mehr als 250 bei Hauskatzen (Felis catus) vorkommenden Erbkrankheiten – die allerdings auch als „Modell“ für menschliche Leiden dienen könnten, wie die Genforscher in „Genom Research“ (Bd.17, S. 1675) betonen.

Bleiben wir in Amerika und beim Thema: Weil sich zu wenige Hundebesitzer fanden, rückte eine aktuelle Studie des Minnesota Stroke Institute an der University of Minnesota über einen Zeitraum von zehn Jahren der Katze auf den Pelz. Das Ergebnis sei gleich vorweggenommen: Katzenhaltung verringert das Risiko eines Herzinfarktes, eines Schlaganfalls oder anderer kardiovaskulärer Krankheiten. Die Forscher um Dr. Qureshi analysierten Risikofaktoren für Herzkrankheiten hinsichtlich Alter, Geschlecht, Ethnizität/Rasse, systolischem Blutdruck, Rauchen, Diabetes mellitus, Cholesterinwerte und den Body-Mass-Index (BMI) – und sie verfolgten die Sterblichkeitsrate in Abhängigkeit der potentiellen Risikofaktoren. Wobei die teilnehmenden Probanden zu Beginn der Studie alle gesund waren und etwas mehr als die Hälfte zumindest eine Katze hatte. Die Auswertung dieser Korrelationsstudie ergab, dass bei Katzenhaltern die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, um 30 Prozent geringer ist als bei Menschen ohne Katze. Und führen dieses Phänomen auf die Stressmindernde, beruhigende Wirkung von Katzen auf den Menschen zurück. Herz, was willst du mehr?

 

DIE URMUTTER

 

Den Sprung vom praktischen zum emotionalen Nutzen als „Heilmittel“ für Körper und Seele haben Katzen ja schon lange geschafft, stand aber wahrscheinlich noch nie so im Vordergrund wie in den letzten beiden Jahrzehnten. In der Verhaltensforschung dominiert zwar nach wie vor der Hund (nicht zuletzt als Therapietier Nummer eins), aber abgesehen davon spielt er nur die zweite Geige, denn unter den Heimtieren schlagen ihn die Schnurrer um Längen, auch in Deutschland. Im europäischen Vergleich liegen indes wir Österreicher weit vorne, gelten als besonders tierlieb und in keinem anderen EU-Land soll es so viele Katzenhaushalte geben wie bei uns. Wobei hier wie bei unseren Lieblingsnachbarn auf die Edlen nur ein geringer Prozentsatz entfällt.

Und auch bei diesen hatten die Hauskatzen ihre Pfötchen im Spiel, denn kaum eine Rasse kam ohne ihre „Mithilfe“ aus. Nur hin und wieder fand und findet umgekehrt eine Art unfreiwilliger Gen-Austausch statt, denn gar nicht mal so wenige potente Rassekatzen streifen frei durch die Landschaft und nicht alle sind ausgebüxt, sondern dürfen. Oder wurden ausgesetzt, weil es halt einfacher und billiger ist, Unbequeme loszuwerden. Daran ändert mitunter selbst ein saftiger Kaufpreis nichts. Durchaus ins Gewicht fällt natürlich auch, dass so mancher mit einer Rassekatze seine Hauskatze aufzupeppen gedenkt, um dann lockere Kohle mit den netten Mischlingen zu machen. Wie auch immer, jedenfalls hat das dazu geführt, dass auch Hauskatzen in fast allen Farben, Mustern und Haarlängen zu finden sind und die Besitzer (und Tierärzte) gern dazu verführen, ihnen dann flugs ein Rassemäntelchen umzuhängen. Weil es offenbar doch einen Unterschied macht, womit man sein Heim - oder sein Ego? - schmückt.

Ohne daran zu denken, dass die Hauskatze nicht nur die treibende Kraft in der Forschung ist, sondern auch der wirtschaftliche Machtfaktor schlechthin. Denn die Halter lassen sich ihre Tierliebe etwas kosten und jährlich werden zig Millionen für Nahrung, Zubehör und Gesundheit ins liebe Vieh investiert. Diese Wirtschaftsleistung sichert sowohl satte Gewinne als auch zahllose Arbeitsplätze, da können die vergleichsweise paar Prozent Rassetiere bloß am Rande mithalten. Weil nur sie allein im Spiel der Mächtigen viel zu unbedeutend wären, für welche es die Masse macht. Kurz: Dass die Edle von und zu bei absolut allem, was der Markt „rund um die Katze“ so hergibt, die Qual der Wahl hat, verdankt sie letztendlich unserer Liebe zum Landadel.

Soviel Gutes ist schon fast unanständig, also Schluss für heute. Und geben Sie Ihrer heimlichen Herrscherin ein Küsschen von mir ...

 

 

 

 

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