Kampfsport Essen

 

 

KAMPFSPORT ESSEN

 

Mit Homöopathie-Tipps für Mäkelige

 

 

Jeden Tag die gleiche Leier, wenn’s Essen gibt, können Katzen die Klaviatur rauf und runter spielen analog einem Thema mit endlosen Variationen. Und die Nerven des Servierpersonals strapazieren bis zum „heute erschieße ich sie, wenn sie wieder ...“ was auch immer. Wieso wohnen eigentliche alle ernährungsmäßig normalen Katzen immer bei anderen Leuten? Ja, wieso?

 

 

ZU IHRER EHRENRETTUNG

 

sei gleich vorweg gesagt: Tun sie gar nicht, sind alle normal, beziehungsweise es zumindest mal gewesen. Das Dilemma ist hausgemacht und die Katze selbst hat es nur ausgesprochen selten selber verschuldet, denn keine wird als mäkelig oder Müllschlucker geboren. Es ist auf unserem Mist gewachsen, ob eine gesunde Mieze mümmelt, über Gebühr schaufelt, Essbares klaut bis zum Erbrechen oder mal was frisst und dann wieder nicht. Und hat sich dieser Ist-Zustand bereits eingependelt, ist es zweitrangig, ob wir, der Vorbesitzer oder kürzlich gelandete Aliens den Grundstein dazu gelegt haben – wenngleich Einsicht als der erste Weg zur Besserung gilt im Sinne von lieber spät als nie. Freilich haben wir es mit einem verflixt sturen Köpfchen zu tun, doch ist so manche Untugend aus der Not geboren, die meist gar nicht mal so schwer zu beheben ist, wenn wir umdenken!

Ja gut, und auch wenn wir es hinkriegen, dass der Sturkopf mitspielt ...

 

 

NUR HEIKEL ODER KRANK?

 

Bevor es nun zur Sache geht sei jedoch darauf verwiesen, dass vor allem bei den Nörglern, die von zehn Mahlzeiten neun kaum oder nur minimal anrühren, ein Gesundheitscheck dringend angeraten wäre – ganz besonders dann, wenn die Katze abnimmt oder kaum was auf den Rippen hat. Zwischen Appetitlosigkeit und heiklen Gourmetkritikern liegt ein himmelweiter Unterschied und viele mümmeln einfach nur lustlos herum, weil sie nicht auf der Höhe sind sind.

Innerhalb einer Gruppe ist es indessen oft nur sehr schwer möglich herauszufinden, wie viel eine Katze tatsächlich frisst und welche möglicherweise etwa unter Durchfall leidet. Genau diese begnügt sich dann aber oft mit dem Überlebensnotwendigen, weil sie eben nicht so gut drauf ist, und mutiert dann sukzessive zum Gerippe, das früher oder später für gar nichts mehr Kraft genug hat. Das heißt, auch Schlafmützen sollten dem Veterinär vorgestellt werden. Und wenngleich das Haarkleid durchaus ein Indiz für den Gesundheitszustand sein kann (genauso wie die Augen), so gilt das oft eher für den fortgeschrittenen Zustand eines Leidens – den es ja zu verhindern gilt – sodass sich weniger ernste oder im Anfangsstadium befindliche Unpässlichkeiten nicht dran festmachen lassen. Sieht das Pelzchen gewohnt adrett aus, Mieze hat aber viel davon, trügt zudem auch schon mal der Schein und die allzu schlanke Linie kann über einige Zeit unbemerkt bleiben. Also machen wir den

Ø                 Rippentest, der über selbige freilich hinausgeht: Eine gesund und ausreichend ernährte Katze trägt nicht nur einen festen Körper spazieren, sondern ist auch dem Alter entsprechend aktiv! Die Rippen sollten jedenfalls auf leichten Fingerdruck nur zu spüren sein, ebenso wie eine leichte Polsterung und wenig Bauchfett.

Ø                 Springen uns die Rippen aber quasi schon entgegen, stehen womöglich gar hervor oder sind ganz leicht tastbar und es fühlt sich so an, als wären sie bloß mit Haut und Fell überzogen, ohne dass Fettgewebe als solches ausgemacht werden kann, ist die Katze definitiv unterernährt, zu mager und sicherlich auch untergewichtig. In der Regel lässt sich trotz Fell auch die deutlich ausgeprägte Taille erkennen, die Lenden sehen eingesunken aus, Wirbel und Beckenknochen sind leicht zu ertasten, das Bauchfett ist minimal bis nicht vorhanden. Da brennt der Hut!!

 

Ist es so übel nun wieder nicht und der Doc gibt Entwarnung, das heißt die Mieze ist „nur“ heikel, müssen wir die Futtergewohnheiten unter die Lupe nehmen – also ... Ihre!

 

 

VON DER QUAL DER WAHL

 

Im Bestreben, unserer Katze auch ernährungsmäßig den Himmel auf Erden zu bereiten und jedes Mal, wenn das Servierte offenkundig das Paradies vermissen lässt, sofort eilfertig Alternativen zu kredenzen, ist natürlich Quatsch. Das fällt über kurz oder lang nicht nur dem Küchenchef auf den Kopf, sondern der Katze genauso, die davon natürlich keine Ahnung hat und das Schicksal auch dann noch herausfordert, wenn es von der Realität längst überholt wurde. Gleiches gilt, wenn man ihr nur das auf den Teller legt, was ihr wie das Amen im Gebet unter die Nase geht. Denn irgendwann kann sie selbst das nicht mehr sehen und alle Beteiligten ertrinken in Ratlosigkeit. Und/oder das Personal stellt verblüfft fest, dass eine Katze mit einem Fingerhut voll auskommen kann – vorausgesetzt, er deckt halbwegs den Energiebedarf, den allerdings nur erstklassige Qualität bietet.

Selbige sollte stets Priorität haben, aber die Menge muss der Leistung und dem Alter angepasst werden. Wobei Wachstum ebenso als Leistung einzustufen ist wie Hochzeitsnächte, Trächtigkeit oder Säugeperiode. Oder eine Katze, die á la Daniel Düsentrieb unterwegs ist, mit der viel gespielt wird, die den (Kratz-) Baum rauf unter runterturnt oder auf andere Weise Kilometer macht und halt einfach aktiv ist. Was von Rasse zu Rasse und natürlich auch hinsichtlich des Alters unterschiedlich ist – nur: Eine betriebsame Katze ist so gut wie nie mäkelig, denn Bewegung fördert den Appetit. Wer den ganzen Tag nur faul herumliegt, verbraucht keine Energie und demzufolge reduziert sich das Hungergefühl. Und weil sich Mieze das dann sozusagen leisten kann, dreht sich die Spirale Richtung wählerisch bis hin zum „Ich erwürg’ sie ...“.

Der Hauptgrund für das anspruchsvolle Gehabe liegt aufgrund meiner Recherchen freilich in den allermeisten Fällen an der Untugend, dass die Katze eine stets volle Schüssel Trockenfutter zur Verfügung hat, an der sie sich nach Lust und Laune delektieren kann. Weil wir ja tagsüber nicht zu Hause sind oder es halt so praktisch ist, vor allem im heißen Sommer, da hat jeder eine andere Ausrede parat und keine ist plausibel – wenn es um die Menge geht!! Denn geschätzte 15 (hochwertige) Stückchen würden für einen Snack zwischen Frühstück und Abendessen allemal ausreichen. Kreuzen wir jedoch bei vollem Programm mit den frischen Mahlzeiten auf, hat sie entweder überhaupt keinen Hunger und nippt maximal, wenn’s verführerisch duftet. Oder lässt es bleiben und wartet auf bessere Zeiten. Tja, selber schuld, dumm gelaufen. Oder muss ich extra erklären, wie das Problem zu lösen ist?

 

 

DER EIERDIEB

 

Eine Denkaufgabe der anderen Art sind die Eierdiebe. Findet beispielsweise ein Streuner Familienanschluss samt eigenem Sofa, kann es gut sein, dass er trotz vollem Futternapf alles klaut, dessen er habhaft werden kann – man könnte sagen, aus Gewohnheit. Was nun stimmt und auch wieder nicht, denn kluge Katz hält sich in Form, woher sollte sie wissen, wie lange der Segen anhält? Dieses Verhalten ist zwar bei auf den (eigenen) Mensch gekommenen Hunden wesentlich weiter verbreitet (und so gut wie nie abzugewöhnen), kommt aber auch bei Katzen vor. Je nachdem, wie lange und wie hart sie kämpfen mussten. Und wie alt sie sind. Ältere und Senioren nehmen es eher wie’s kommt, Erwachsene mittleren Alters verlassen sich mehr auf sich selbst und brauchen oft auch länger, die Sorge auszublenden und dieses Benehmen allmählich abzulegen. Oder behalten es bei, wie Youngsters, die in der ungewohnt gesicherten Umgebung unterfordert sein können und mangels Abwechslung ihren Spaß dran haben.

Was allerdings auch auf Stubentiger zutreffen kann, die nie dem zweifelhaften Ruf der Wildnis gefolgt sind/folgen mussten: Langeweile ist der beste Nährboden für allerlei, das wir weniger lustig finden. Und hat Mieze erst mal heraus, wo denn Schlaraffia wohnt, kann sie ihre überreichliche Freizeit darauf verwenden, um das Öffnen von Türen, Schubladen oder des Eisschrankes zu erlernen. Oder ihre Fertigkeiten unter Beweis stellen und das Schnitzel von der Anrichte oder Papa den Schinken vom Brot mopsen, Omas Geburtstagstorte neu stylen oder mit überdimensional gestreckter Pfote in Töpfe langen. Deckel drauf hindert nicht alle, manche lernen ihn runterzuschubsen.

Interessanterweise neigen Katzen, die unzufrieden sind mit dem, was so in ihren Näpfen landet, seltener zu solchen Eskapaden. Auszuschließen ist es nicht (und hat auch schon mal mit unserer Lernfähigkeit zu tun), bringt uns aber jedenfalls nahtlos ins nächste Kapitel.

 

 

FÜTTERUNGSFEHLER & FOLGEN

 

Die gibt’s ja nun wie Sand am Meer, denn gehen wir von der ursprünglichen Bedeutung aus = Abweichungen von einer optimalen Ernährung, steht als oberste Frage „was ist optimal?“ im Raum. Denn was nicht optimal ist, füllt eher Enzyklopädien, am Ende kommt aber dennoch immer das Gleiche heraus: Es ist individuell verschieden. Also gehen wir es zunächst einmal klassisch an, weil sich Appetitlosigkeit wie ein roter Faden durchzieht:

 

Ø                 Reine Fleischfütterung: Unsere Raubtiere im Taschenformat sind Fleischfresser, verputzen ihre Beute aber mit Haut und Haar bzw. Federn – und Darminhalt. Dieses ausgewogene Verhältnis ist nicht gegeben, wenn wir nur Filet servieren. Fleisch (roh) allein enthält außerdem zu wenig Vitamin A und Calcium, Eiweiß ist der einzige (wenngleich wichtige) Energielieferant. Der Stoffwechsel reagiert mit vermehrt Harnstoff, der die Nieren belastet. Langfristig können sich Augen-, Haut- und Schleimhauterkrankungen entwickeln, Nachtblindheit, Harnsteinbildung, Nierenerkrankungen, Knochenveränderungen, Störungen in der Entwicklung und Fortpflanzung.

Ø                 Qualitativ (biologisch) minderwertiges Fleisch (zu viele Sehnen, zu viel Fett) bedingt ein Unterangebot oder einen Mangel an essentiellen Aminosäuren und kann zu Wachstumsverzögerungen, Teilnahmslosigkeit und Appetitlosigkeit führen, bis hin zur Futterverweigerung. Ein Indiz wäre glanzloses, struppiges Fell.

Ø                 Ein Überangebot an roher Leber (mehr als 100/150 Gramm pro Woche) führt aufgrund zu reichlichem Vitamin A zu Leberdegeneration, Knochen-Neubildungen und Versteifung der Halswirbelsäule.

Ø                 Essensreste können durch Vitamin- und Eiweißmangel und/oder zuviel Salz, unverträgliche Gewürze (?) zu Appetitlosigkeit, Gelenkstarre, gestörtem Sehvermögen, Durchfall und Störungen im Wachstum führen. Möglicherweise enthaltene Konservierungsmittel können mitunter Giftwirkung haben und Muskelzittern, unkoordinierte Bewegungen und Blindheit auslösen. Aber derlei wird ja hoffentlich wohl eh nicht auf dem Teller Ihrer Mieze landen?

Ø                 Zu kaltes Futter ruft nicht nur Darmentzündungen, Durchfall, Magen- und Darmkrämpfe hervor, sondern zieht auch einen Energieverlust nach sich. Alledem sind besonders Jungtiere nicht immer gewachsen. Gleiches gilt für Infektionen aufgrund unsauberer Futternäpfe ...

Und weil wir schon bei den Kleinen sind: Einseitiges Füttern beeinträchtigt ihre Entwicklung in gleichem Maße wie es sie prägt, sodass es hinterher fürchterlich mühsam werden kann, sie umzustellen. Oder Mensch das Handtuch wirft und hofft, dass es vielleicht eventuell möglicherweise doch nicht ganz so sehr schadet? Mitnichten.

Kurz und bündig: Fütterungsfehler schwächen über kurz oder lang die Gesundheit, können mitunter irreparable Schäden verursachen, stören Wachstum und Entwicklung, vermindern die Leistungsfähigkeit und damit auch die Widerstandskraft, sodass die Katze beispielsweise anfälliger gegenüber Infektionskrankheiten wird. Dass es dabei primär um die richtige Zusammensetzung geht, ist klar, allerdings haben auch die Hygienebedingungen ein gewichtiges Wort mitzureden:

 

 

WISCHMOB, GESUND, FLEISSIG, SUCHT ...

 

Ein verklebter, bekleckerter Futterplatz, verschmutzte Näpfe, die aufgefüllt, aber kaum oder unzureichend gewaschen (oder womöglich bloß gewischt) werden, sind wahre Bakterienherde und jede Fliege gerät in wahre Freudentaumel über diesen idealen Ort zur Eierablage und summt sofort die gesamte Sippschaft herbei (proppevolle Streuschalen sind übrigens auch beliebt). Dass das eine Katze auf Dauer nicht gesünder macht, ist klar - seltsamerweise aber irgendwie doch nicht, denn derlei ist relativ häufig zu beobachten. Nein, nicht in Schmuddelhaushalten (da auch), sondern in schick gepflegten, wobei auffallend oft über eine gewisse Neigung zu Darm- oder andere Infektionen geklagt wird und einige Katzen auch sonst keinen wahnsinnig gesunden Endruck machen – woran, seltsam, seltsam, der Vorbesitzer, letztens die Katze im Showkäfig nebenan, der blöde Zufall oder der Tsunami in Sri Lanka schuld ist. Aber vielleicht war dieser Hinweis nun doch ein bisschen dienlich, zwei und zwei zusammenzuzählen?

 

STILLE WASSER

 

So manchem Futtermuffel, sofern körperlich gesund, fehlt die seelische Balance. Wir speisen auch ungern allein, jedenfalls schmeckt’s in Gesellschaft meist besser. Freilich kann diese insofern zu wünschen übrig lassen, als eine einzelne Katze in der Gruppe „untergeht“, nicht so gut integriert ist und vielleicht wartet, bis sie allein zum Futterplatz kann - und dann oft nur leere Teller vorfindet. Betteln oder sich sonst wie bemerkbar machen, liegt Schüchternen in der Regel aber nicht, in der Folge schrumpfen sozusagen Magen und Katze gleichermaßen wie die Seele. Weil sie sich auch keine Streicheleinheiten „holen“ kann und somit insgesamt zu kurz kommt. Bleibt ihr Dasein als Randerscheinung nicht unbemerkt und wird (im Prinzip richtig) als „sie fühlt sich nicht wohl“ interpretiert, winkt hin und wieder ein Platz als Einzelkatze. Und bringt dann die neuen Besitzer zur Verzweiflung, denn von jetzt auf gleich reinstopfen ist wider die Natur, weil nicht verträglich, das muss sich erst langsam einspielen. Manche tun es trotzdem und neigen dann zu Erbrechen, also häufiger sehr kleine Mahlzeiten reichen und Geduld haben, das wird schon.

Wenn wir sie behalten genauso: Bei den Leckerbissen bevorzugen und dafür sorgen, dass sie Ruhe hat beim Fressen - Extrazimmer, eigenen Napf auf dem Kratzbaum, im Schlafhäuschen etc. und dabeibleiben, bis sie fertig ist. Das Opfertier kriegt wieder was auf die Rippen, möbelt durch die Aufmerksamkeit ihren Status etwas auf und der Clan wird lernen, sie später auch am allgemeinen Futterplatz zu respektieren. Dauert, klappt aber fast immer.

Auf den Magen schlagen können sich natürlich auch andere Faktoren, vor allem einem Solotiger kann ein neuer Partner, ein Baby, Hund oder Artgenosse – mit dem man’s ja eigentlich gut gemeint hat – ebenso aus dem Gleichgewicht bringen wie Streit und Spannungen in der Familie. Am schlimmsten ist wahrscheinlich Liebesentzug, und zwar in der Form, die uns selbst nicht bewusst wird: Kleinigkeiten, denen wir zu wenig Bedeutung beimessen, an denen sich die Katze aber festgehalten hat. Wir können nun grübeln, schneller geht’s, ihr einfach mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit zu schenken. Weil das generell nie schadet.

Hat sie jedenfalls bisher brav gefuttert, mümmelt plötzlich herum und der Doc erklärt sie aber für gesund, ist’s die Seele. Oder wir haben uns eines der vorgenannten Vergehen schuldig gemacht. Mitnichten? Passt alles nicht, Mieze frisst schon ewig und drei Tage so schlecht? Ja nun, irgendwann muss das freilich seinen Anfang genommen haben, oder?

 

 

DIE WEIHNACHTSGANS

 

Nicht nur, aber besonders wenn’s um die Ernährung geht, folgen Katzen normalerweise ihren natürlichen Bedürfnissen, geregelt durch das Futterwarnsystem. Ein solches haben wir auch, pflegen es freilich gern zu ignorieren und den Geschmacksknospen den Vorrang zu geben. Den Katzen geht es in gewisser Weise genauso, da wir ja verantwortlich dafür sind, was so in ihren Näpfen landet. Alles gut und schön, aber wie krieg ich mehr in sie rein?

Stopfen wie eine arme Weihnachtsgans können wir sie nicht und eine Katze, die wir darauf trainiert haben, das Hungergefühl dem Geschmack unterzuordnen, lässt sich maximal überlisten. Wobei der Tierarzt in der Regel am wenigsten Anteil hat, weil medizinischer Unterstützung selten eine Langzeitwirkung beschieden ist. Heißt, der injizierte Cocktail lässt die Mieze nur relativ kurzfristig (oder gar nicht) zulangen, bis sie wieder ins gewohnte Muster verfällt. Der Verabreichung sind hingegen Grenzen gesetzt. Der Homöopathie auch, aber ein Versuch kann sich durchaus lohnen:

 

Ø                 Kapriziöser, wechselnder Appetit (mal nimmt sie was, mal nicht, schon gar nicht das Gleiche wie vorher) kann durch dreimal täglich CHININUM ARSENICOSUM D4 einen grundsätzlichen Wandel herbeiführen;

Ø                 Zeigt sie Interesse und trabt an, wenn wir mit der Schüssel klappern, nimmt aber dann höchstens zwei Bissen und trollt sich wieder (mit Ekel? Achtung, Leberschaden möglich) versuchen wir die Heilung mit einer einzigen Gabe (mehr ist selten nötig) LYCOPODIUM D30 (oder ab zum Doc);

Ø                 Kommt der Appetit erst mit dem Essen, das heißt erst, wenn wir ihr zum Beispiel ein Fleischkügelchen reingestopft haben, gehen wir’s mit CHINA D6 an, vier bis drei Gaben täglich;

Ø                 Wird ein, zwei Tage ganz gut gefressen und dann wieder alles konsequent verweigert (oder in ähnlicher Abfolge), wobei die Katze trotzdem guter Dinge ist (und der Doc nichts gefunden hat), kann das an einer Störung im Eisenhaushalt liegen. In welchem Falle FERRUM METALLICUM D5 dreimal täglich das Problem behebt;

Ø                 Sind die Symptome nicht so ausgeprägt oder wir finden eigentlich keine, können ABROTANUM D3 und FERRUM PHOSPHORICUM D6, beides dreimal täglich, notorisch schlechten Fressern (besonders wenn sie ein bisschen kümmerlich wirken) wieder auf die Sprünge helfen;

Ø                 Mümmelt die Katze ständig herum und es scheint gar nichts zu helfen, versuchen wir es mit NATRIUM MURIATICUM D12 – vor allem, wenn sie nur Fertigfutter bekommt oder beim BARFen der Salzgehalt nicht stimmt.

Ø                 Bei Abmagerung ohne feststellbaren Grund (Tierarzt!!!) kann CONDURANGO D3 probiert werden, dreimal täglich für etwa zwei Wochen.

 

Zusätzliche Appetizer sind auch nicht verkehrt – nicht nur, aber besonders wenn die Mäkelige schon im überreifen Alter ist und Geruchs- und Geschmacksempfinden nachgelassen haben: Proteine und Fett sind Geschmacksträger (Fisch, fetteres Fleisch, Leber, hochwertiges Öl) und jede Mahlzeit kann damit parfümiert werden. Nicht mehr, es geht ja um den Anreiz. Die meisten Katzen lieben Vitamin-Milchhefeflocken und die meisten Besitzer geben sie auch – häufig aber untergemischt, da ist die Verlockung gleich null: Drüberstreuen bringt’s. Manche schätzen auch frische Kräuter, etwa Petersilie (keine Zwiebelgewächse wie Schnittlauch), sehr! sparsam verwendet, weil’s auch ausgetestet werden muss.

Werden stattdessen Vitaminpräparate in Erwägung gezogen, müssen sie unbedingt mit dem Veterinär abgesprochen werden, weil ein Überangebot sowohl kontraproduktiv wäre als auch schaden kann. Apropos Überangebot:

 

 

STAUBSAUGERSYNDROM

 

Kehren wir kurz zu den Fütterungsfehlern zurück: Ob frisch falsch oder Dosenfutter qualitativ unzureichend – ja, Mieze kann krank werden, zunächst aber hält die Mahlzeit nicht lange vor, das heißt sie ist schnell satt und genauso schnell wieder hungrig. „Normal“ bemessen, kriegt sie damit kein Fleisch auf die Rippen, ergo wär’s möglich, dass sie sich á la Eierdieb betätigt. Andererseits interpretiert nicht jeder „normal“ gleich oder kann den Bewegungsradius seiner Katze wirklich gut einschätzen. Jedenfalls werde ich häufig gefragt, ob die zugeteilte Ration überschritten werden dürfe und da tun sich dann schon mal Abgründe auf, womit eine aktive Katze zurecht kommen muss. Die dann bei vermehrter Zuteilung aus Verzweiflung schaufelt, was das Zeug hält, bis Mensch denkt, wenn sie jetzt noch einen Bissen nimmt, platzt sie gleich. Mensch denkt in die falsche Richtung, platzen wird sie nicht, denn sie sammelt quasi Energie, weil sie ohne kaum das Augenlid aufbrächte. Blöderweise liefert das minderwertige Futter aber nur ein Minimum, dafür aber massig nutzlose Kalorien und so kommt sie nicht nach mit Sammeln. Wird dabei immer dicker und immer träger und schließlich erübrigt sich die Sache mit der Energiezufuhr.

Variante zwei beruht wieder mal auf Langeweile und wenn die Mahlzeiten die Highlights des Tages sind. Dann wird geschaufelt, um den trügerisch schönen Moment in die Länge zu ziehen. Mit identischem Ergebnis, sie wird zu dick. Von jetzt auf gleich ausschließlich auf Qualität umzusteigen wäre freilich keine gute Tat, weil Miezes Magen an die Massen gewöhnt ist und der ungewohnte Energieschub nicht ausreichend abgebaut wird – bis zum Kragen vollgestopfte Truthähne rennen nun mal die Welt nicht plötzlich nieder. Ob mehr oder weniger vom Guten klappt im Einklang mit der Gesundheit nur mit Maß und Ziel.

Wie alles im Leben.

In diesem Sinne: Mahlzeit!

 

 

Übrigens, nur so am Rande: Als adäquater Ersatz für Maus & Co werden vielfach Eintagsküken gefüttert – als Zusatz (nicht als Alleinnahrung) eine grandiose Idee! Und mittlerweile kann man sie auch gefrostet im Internet bestellen und liefern lassen. Und da steckt der Teufel im Detail, denn die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden! Gilt für alles Rohe, ganz besonders aber für Huhn und Fisch ...

 

 

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