Türkisch Van & Angora: Interview

 

MEIN HERZ BRENNT FÜR DIE TÜRKISCHEN KATZEN

 

 

Interview mit der dänischen Züchterin

Barbara Hassenteufel

Türkisch Angora & Türkisch Van

„von Frankenthal“

 

 

 

 

 

Frau Hassenteufel, Sie züchten Van & Angora - wo haben Sie die Rassen kennen gelernt und woher haben Sie Ihre ersten Katzen?

Zum ersten Mal gesehen habe ich die Türkisch Van 1973 in einem Katzenlexikon, gekauft haben wir unsere ersten beiden Van aber erst 1996/97 in der dänischen Cattery „Soyadi’s“. Beide auburn-white/orange Augen. Claudius kam schon als Kastrat zu uns, Diana haben wir 1998 kastrieren lassen. Wir wollten ja nicht züchten, sondern die Katzen als Gefährten haben. Bei Soyadi’s gab es aber auch Türkisch Angora, schöne, elegante Weiße, die meinen Mann völlig bezauberten. Er verliebte sich in einen großen Kastraten, Brutalis Burdur (TUA weiß/orange Augen), und wollte ihn unbedingt haben. Drei Katzen sind aber irgendwie eine zuwenig, so kam ein Jahr später die weiße, orangeäugige Türkisch Angora Aybike zu uns – und wir waren so begeistert, dass wir 2002 beschlossen, beide Rassen auch zu züchten. Weil beide einfach wundervoll sind.

 

Wie ging es weiter?

Ich hatte schon vorher eine Ausstellung des 1. ITAVC in Deutschland besucht, wo es eine Special Show für Türkische Katzen gab. Ich habe noch nie so viele zusammen auf einer Ausstellung gesehen! Dort sah ich auch zum ersten Mal Türkisch Van creme/weiß und schildpatt/weiß. Als ich zwei Jahre später um eine Schildpatt anfragte und ein Foto von Cadi Van Kedi von Alexis (odd-eyed) bekam, verliebte ich mich auf der Stelle. Da ich auch mit eigenen Katern starten wollte, um weniger Probleme zu haben, passende Paarungspartner zu finden, fehlte mir für Cadi noch ein Ehemann. Ein Richter riet mir, einen auburn/white Kater für sie zu kaufen, aber ich suchte einen Schwarz/weißen – und bekam 2003 aus Tansdale in Großbritannien schließlich Adtrelo Vandal, einen Türkisch Van blau/weiß mit orange Augen. 2005 hielten die beiden Hochzeit und im Juli gab’s das erste Van-Nest, ein Mädchen und zwei Katerchen, alle schwarz/weiß mit orange Augen.

 

Die klassische Van ist ja auburn-white, wie kommen die bunten bei den Interessenten an?

Die Käufer fragen normalerweise nicht nach Farben, sondern wählen die Kätzchen nach Temperament und wie sie insgesamt aussehen, oder auch nach Augenfarbe. Für Züchter sind die Fellfarben aber wichtig, weil damit neue Gene in die/beide Rasse/n kommen, doch bei den Van müssen wir das klassische Auburn natürlich bewahren.

 

Ist der Genpool groß genug? Gibt es viele Züchter in Dänemark bzw. Skandinavien, gibt es Zusammenarbeit? Oder muss man eigene Deckkater haben?

Der Genpool bei den Van ist nicht sehr groß, aber besser als Anfang der 1980er Jahre, wo es noch viel Inzucht gab und das Temperament nicht gut war. Heute werden seltener enge Verpaarungen gemacht und das Wesen hat sich total gebessert. Man findet nicht sehr viele Van auf Shows, allerdings stelle ich nur bei der FIFe (alle meine Katzen sind FIFe registriert) und beim 1. ITAVC aus. Ich bin Präsidentin von Ankara Kedi, dem Special Club für Türkisch Van & Türkisch Angora bei Felis Danica (FIFe) in Dänemark (www.ankarakedi.dk), und wir haben neun Van und zwei Angora Züchter. Auch Schweden hat einen eigenen Special Club, Vangora (www.vangora.se), mit in etwa 25 Van Züchtern und zwölf mit Angora. In Skandinavien sind die Angora wohl weniger vertreten als anderswo. In unserem Club sind auch sieben Van Kater und nur ein Angora Kater für Deckungen gelistet. Die meisten Mitglieder arbeiten zusammen, sprechen sich bei Zukäufen und Paarungen ab oder tauschen Jungtiere. Ich habe meine eigenen Deckkater, muss aber natürlich trotzdem manchmal andere benutzen, wenn sie auf ein Mädchen nicht passen.

 

In einigen Vereinen gibt’s nun auch weiße Van ...

Ja, aber in der FIFe sind sie nicht anerkannt, und das ist auch gut so. Die charakteristischen Kennzeichen einer Van sind die beiden Farbflecken am Kopf und der gefärbte Schwanz – warum also auch weiße Van? Die dann von einer weißen Angora kaum oder gar nicht zu unterscheiden sind. Viele Leute sehen ja nicht einmal einen Unterschied zwischen einer Türkisch Angora und einer Norwegischen Waldkatze. Natürlich sehen Weiße besonders edel aus, aber alle Züchter wissen, dass sie das Gen für Taubheit tragen können. Unsere Van haben keinerlei Hörprobleme, doch wenn wir eine „normale“ Van mit einer weißen verpaaren, sehen wir taube Kätzchen im Nest. Nicht jeder geht so verantwortungsvoll damit um, wie es sein muss, daher würde ich auch strenge Zuchtauflagen befürworten. Für beide Rassen.

 

Wo gibt es Unterschiede zwischen den beiden Rassen?

Man könnte sagen, die Van ist die naturbelassene „Landkatze“, kräftig, fest, selbständig und trotzdem anhänglich; und eine Spielernatur, vor allem wenn’s um Wasser geht. Die Angora ist die „Stadtkatze“, schlank, elegant, sozial (eine 24-Stunden-Katze, immer dabei, das macht viel Spaß); auch sie spielt gerne und spricht auch sehr viel. Beide sind gute Familienkatzen, die sich, wenn’s mal zu viel wird und sie ihre Ruhe haben wollen, einfach zurückziehen.

 

Lieben die Van das Wasser mehr als die Angora? Was ist mit baden für die Show?

Die Van hat von Natur aus ein Fell, das für Ausstellungen nicht unbedingt gewaschen werden muss (außer sie wälzt sich im Freigehege in der Erde) und sie liebt es tatsächlich, mit Wasser zu spielen – aber bestimmt nicht, gebadet zu werden. Die Angora müssen gebadet werden, obwohl sie es auch nicht sehr mögen, aber einige trotzdem gern damit spielen.

 

Würden Sie sich eigentlich auch für eine andere Rasse interessieren?

Ja, Sibirische Katzen und Ragdoll gefallen uns sehr gut. Aber mein Herz brennt für die Türkischen Katzen, wir leben und atmen nur für sie. Sie sind meine Kinder, jedes Nest macht unglaublich viel Freude - und es ist immer schlimm für mich, meine „Enkel“ zu verkaufen ...

 

Brennt Ihr Herz auch für Original-Türkei-Importe oder würden Sie auch in den USA kaufen?

Ich habe eine Novizen-Katze aus der Türkei in meinen Zuchtlinien und vor einigen Jahren überlegt, einen Angorakater aus dem Zoo von Ankara zu kaufen. Aber man kennt dann den Hintergrund dieser Katzen nicht, weiß nicht, ob sie hören können. Man kann mit einer tauben weißen Katze nicht züchten oder auf Ausstellungen gehen. Also habe ich es vorgezogen, aus Deutschland Murat von Kedi Arkadas (Angora weiß/blaue Augen) und aus Großbritannien Tansdale Colourme Autumn (Angora schildpatt-classic tabby/weiß) – ihre Mutter kommt aus Amerika - zu holen. Viele Richter sprechen sich heute gegen Türkische Katzen aus den USA aus und sind der Meinung, dass sie nicht mehr typisch genug sind.

 

Die FIFe hat 2007 den Standard der Angora revidiert – finden Sie das gut?

Nein. Ich wünsche mir den alten Standard zurück. Die „neue“ Angora gleicht mehr einer langhaarigen Orientalkatze, das hat mit der ursprünglichen Angora aus der Türkei nur noch wenig zu tun. Ich hoffe jedenfalls, dass wir auch anderen die Augen öffnen können für die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Rasse in ihrer natürlichen Form. Daher beraten wir persönlich oder per Mail und haben auch auf unseren Websites Informationen in Deutsch.

 

Mögen Sie Erfolg haben. Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin so viel Spaß!

 

 

www.123hjemmeside.dk/von-Frakenthal

Fotos: Hassenteufel, Ania Ake, Kongro

 

 

 

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