Homöopathie für Showtiger

HOMÖOPATHIE FÜR SHOWTIGER

 

 

Ausstellungen sollten eigentlich Spaß machen ... uns allen. Ob’s Katzen tatsächlich unterhaltsam finden, soll jetzt nicht vertieft werden, aber manche scheinen es jedenfalls zu genießen. Und dass die meisten mit dem Showgeschehen erstaunlich gut zurecht kommen, lässt sich ebenso wenig leugnen wie die Tatsache, dass einige zweifellos zuhause besser aufgehoben sind. Daher zuvor ein

 

 

EIN TIPP VORWEG

 

Der Artikel „Aggression auf Shows“ befasst sich mit möglichen Ursachen (natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Denn öfter als man glaubt lässt sich nämlich bereits im Vorfeld allerlei erkennen, richtig einschätzen bzw. vermeiden, sodass ein homöopathisches Eingreifen entweder gar nicht nötig wird oder es genügt, Mieze bloß ein bisschen unter die Ärmchen zu greifen.

Bei einer Katze, die wie vor erwähnt zuhause besser aufgehoben ist, sollten Sie sich von der Idee verabschieden, sie mittels Homöopathie auf showtauglich trimmen zu wollen: Es wird entweder überhaupt nicht klappen oder vielleicht vereinzelt – aber Sie wird Ihnen die Rechnung präsentieren. Es lässt sich allerlei steuern, aber nichts, was nicht da ist.

Ausstellungen sind Teil eines Hobbys und Hobbys sind etwas, was wir aus Freude daran tun. Da passt eine unglückliche Katze nicht ins Bild. Egal ob sie ein Topstar sein könnte oder der olympische Gedanke vom „Dabei sein ist alles“ vorherrscht (ist ja immerhin noch nicht komplett ausgestorben).

In diesem Sinne: Viel Erfolg. Und das „passende“ Verständnis.

 

ZUR SACHE, SCHÄTZCHEN – aber bitte mit Gefühl

 

Die meisten Katzen sprechen auf Argentum am besten an (meine persönliche Nr. 2 wäre Phosphorus) und Sie werden damit das Auslangen finden. Die anderen Arzneien sind für individuelle Fälle, die’s ja auch gibt, zumal die auslösende Situationen differieren. Für alle gilt, dass sie ungeachtet der naturgemäß nur allgemein gehaltenen Symptome auf jede Katze passen können. Ums Testen und subjektiv variieren werden Sie also nicht herumkommen. Mieze „sicherheitshalber“ unreflektiert irgendetwas einzufüllen wird’s nämlich nicht bringen, sondern Sie müssen mit einer Arznei beginnen und die Wirkung beobachten. Bleibt sie aus oder ungenügend, geht’s zurück an den Start. Zwei Mittel in Kombination zu geben wäre zwar möglich, aber bitte nie bevor Sie die Wirkung beider einzeln ausgetestet haben.

Heißt, wie zudem aus den Behandlungsvorschlägen ersichtlich, dass kaum etwas allein vor Ort geradegebogen werden kann, lediglich in Fortsetzung vereinzelt als Unterstützung einer vorangegangen heimischen Kur. Die nächste Show ist dann sozusagen die Generalprobe und zeigt, ob Sie richtig gelegen sind und die Spiele nun applausverdächtig beginnen können. Kling nach „Super, dann rennen wir fünfmal auf eine Ausstellung und treten fünfmal unverrichteter Dinge den Rückzug an oder wie?“ Nein, das nicht, hängt freilich davon ab, wie gut Sie Ihre Pappenheimer kennen. Denn nicht mal so selten lässt sich schon beim ersten Versuch ein Aha-Erlebnis verbuchen.

 

Ø                 Das am häufigsten eingesetzte Mittel ist wie erwähnt ARGENTUM NITRICUM D30, das verschiedene Symptome von Angst im Arzneimittelbild hat: Platzangst, Angst vor Neuem, Durchfall aus Angst/Aufregung, ängstliches Gliederzittern. Zusätzlich kann bisweilen beobachtet werden, dass die Katze nicht allein bleiben will (Trennungsangst), desorientiert oder konfus wirkt und auf Zuspruch kaum bis gar nicht reagiert = das heißt, sie zieht sich in sich selbst zurück (siehe auch Phosphorus). Beginnen Sie mehrere Tage vor der Show und geben das Mittel einmal täglich, eventuell noch eine Gabe vor dem Richten.

Ø                 Kater (Mädels seltener), die sich möglicherweise von Feinden umzingelt sehen oder, wenn sie häufig auf denselben Kontrahenten treffen (z.B. beim Nominieren oder auf der Bühne) und eine persönliche Abneigung entwickeln, kann täglich eine Gabe NUX VOMICA D30, beginnend mehrere Tage vor der Show, helfen.

Das Mittel wird auch bei allgemein nervösen, leicht aufbrausenden Tieren eingesetzt, mit Vorzug wenn sie unter Verdauungsstörungen leiden und wechselweise ängstlich reagieren.

Ø                 Der PHOSPHOR Typ ist meist zappelig, übererregt und bei plötzlichem Lärm oder Geräuschen ganz aus dem Häuschen. Häufig (selbstverständlich nicht immer) sind das feingliedrige Tiere mit zartem Pelzchen, die gleichfalls oft ungern allein bleiben und mitunter zwischen schneller Erschöpfung und ebensolcher Erholung pendeln: PHOSPHORUS D200 also, eine Gabe morgens am Showtag, eine weitere eventuell etwa ½ Stunde, bevor sie zum Richten dran ist.

ABER die Arznei hilft auch sehr gut eher ruhigen (mitunter älteren) Tieren, die ihre Angst sozusagen runterschlucken und denen man daher lange nichts anmerkt. Dazu gehört auch, wenn die Katze z.B. glaubt, auf einer Show (oder beim Doc) schlechte Erfahrungen gemacht zu haben (die uns vielleicht entgangen sind) und entweder schon beim Anblick des Transportkorbes, beim Tierarzt-Check am Einlass oder spätestens beim Einquartieren in den Käfig die Krise kriegt. Oder, um in der Tierarzt-Praxis zu bleiben, so gut wie ohne Vorwarnung zubeißt.

Ø                 Ein derartiges Verhalten – wenn eine Katze ohne deutlicher erkennbare Anzeichen von Ankündigung plötzlich zuschlägt - besonders wenn wir ihr empfindliches Reagieren auf Geräusche, Licht und Berührung nicht genügend beachtet haben, kann eine (mit Glück einmalige) Kur das Problem beheben: 10 Tage lang je einmal Belladonna D30, zuletzt eine Einzelgabe CALCIUM CARBONICUM C200.

Ø                 Katzen, die auf Shows (oder schon während der Reise) ständig grummeln oder knurren, quasi prophylaktisch fauchen und/oder die Käfignachbarn durch die Gitterstäbe zu attackieren versuchen, könnten gleichfalls homöopathisch kuriert werden, was aber insofern ein wenig kompliziert ist, als bei normalem Verhalten zu Hause keine Besserung wahrgenommen werden kann. Passen die Symptome wie „die Faust aufs Aug’“, versuchen Sie Ihr Heil mit täglichen einer Gabe HYOSCYAMUS D30 und wechseln nach etwa zwei Wochen zu C200 in größeren Abständen (ein-zwei-drei-vierwöchentlich).

 

Übrigens: Findet sie indes Shows ganz easy, zerlegt jedoch gern den Reisekäfig, will sie vermutlich bloß raus oder wieder nach Hause. Oder muss mal. Manche leiden unter der klaustrophobischen Enge oder unter der gestauten Wärme, Zugluft, Krawall ... Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Kommt sie „nur“ mit dem Fahrverhalten nicht zurecht und reagiert z.B. mit Übelkeit, kann freilich ein Griff in die homöopathische Trickkiste meist durchaus Abhilfe schaffen. Aber darüber ein andermal ...

Alle aufgezählten Arzneien sind für durchwegs „normale“ Katzen gedacht, die sich daher - ohne Säbelgerassel à la „der Richter/Nachbar/Gärtner/Mann im Mond hat meine Katze verdorben“ oder ähnlich Sinnigem - einer unterstützenden Beeinflussung des Nervenkostüms am zugänglichsten zeigen. Dass wir unsere Beautys heutzutage auf jeder Show selber präsentieren dürfen (meist mit Ausnahme der Best of), ist ein zusätzliches Plus. Cholerikern oder Zappeligen sei indes ein „Träger“ empfohlen ...

 

 

 

 

 

 

BITTE BEACHTEN

 

1 Gabe/Dosis = ½ Mokkalöffel (entspricht einer gehäuften Messerspitze) Pulver oder 1 aufgelöste/zerpulverte Tablette oder 5-10 Globuli-Kügelchen (wie viele halt grad rausfallen – eine Überdosierung ist jedenfalls nicht möglich).

Bitte keine Tropfen (enthalten Alkohol, eklig!)

 

Wie bringt man’s in die Katze rein?

Homöopathische Arzneien schmecken absolut neutral, abgesehen von einem Hauch Süße (den Katzen nicht schmecken). Allerdings kann auch eine nicht durch Tabletteneingeben vorgeschädigte Katze beim Versuch, ihr etwas direkt „einzufüllen“, die Kiefer wie einen Schraubstock zusammenpressen. Es ist indes gar nicht nötig, sie derart zu vergrämen, denn jede Gabe lässt sich auch leicht auf die Innenseite der Lefzen aufstreichen, die dazu bloß ein bisschen „gelüftet“ werden müssen.

BEI ALLEN AKUTEN ANLÄSSEN IST ES WICHTIG, DASS DIE ARZNEI DIREKT AUF DIE SCHLEIMHAUT AUFGEBRACHT WIRD (ohne Gegenwehr am besten auf die Zunge), allerdings muss sie vorher unbedingt zerpulvert werden (Globuli werden von einer Katze meist sozusagen deponiert und später ausgespuckt, wenn niemand zusieht.

Für die Vor-Behandlung zuhause können Sie die Gaben auch in Leckerli verstecken, z.B. Butter, Joghurt, Vitaminpaste, Leberwurst, Futterkügelchen – jeweils nur ganz klein und hinterher ein bisschen „Unpräpariertes“ nach, damit Sie sicher sein können, dass die Gabe auch wirklich geschluckt wurde.

Bringen Sie homöopathische Arzneien nicht mit Metall in Verbindung (Plastiklöffel, Plastik- oder Steinmörser oder mangels solcher zwischen einem Blatt Papier platt machen. Tabletten bringen aber auch 2 Tropfen Wasser zum Auflösen und „kleben“ dann besser.

 

 

 

 

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