Kleine Herzkunde

 

 

KLEINE HERZKUNDE

 

 

 

Keinem Organ wird in den meisten Kulturkreisen so viel Bedeutung beigemessen und auch literarisch so viel Aufmerksamkeit gewidmet wie dem Herzen - es gilt als Zentrum des Lebens und aller lebenserhaltender Energien und ist Liebkind von Literatur und Lyrik - kann jenseits aller Poesie aber Richtung Hardcore driften ...

 

 

 

DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN

 

Denn auch wenn im asiatischen Raum der Darm als Sitz der Gesundheit gilt, was zweifellos nicht ganz von der Hand zu weisen ist – ohne dem unablässigen Motor des Herzens, dessen regelmäßige Impulse über das Blutgefäßsystem neben der Atmung einen ganz wesentlichen Teil des Lebensrhythmus bestimmen, dem der Organismus zwangsläufig unterworfen ist, kann der noch so gesunde Darmtrakt nichts ausrichten. „Austauschen“ lässt sich die Pumpe zwar leichter, aber wir wollen ja nicht über eine Organtransplantation spekulieren ...

Nun, um zwischen den verschiedenen Herzerkrankungen zu differenzieren bzw. als solche zu klassifizieren ist mehr Erfahrung und Wissen nötig, als interessierten Laien gegeben ist. Genaue, teils apparative, Untersuchungsmethoden bleiben daher dem Medicus vorbehalten, ebenso wie therapeutische Maßnahmen. Immerhin fällt uns die Vorarbeit zu, nämlich das Beobachten und Registrieren verdächtiger Anzeichen – die Sie ungesäumt die Praxis aufsuchen lassen sollten:

 

Ø                 Blasse oder bläulich verfärbte Schleimhäute (Augen, Maul)

Ø                 Ödeme (Schwellungen) im Bereich der Augenlider und an den Beinen

Ø                 ein vergrößerter Bauchumfang, der nachweislich weder mit Wurmbefall noch Überfütterung zusammenhängt, sondern z. B. aufgrund einer Schwellung von Leber, Nieren oder Milz bzw. Bauchwassersucht (die keineswegs etwas mit FIP zu tun haben muss, aber kann) entstanden ist

Ø                 chronischer Husten (Stauungsbronchitis) mit/ohne schmerzhaften Begleitsymptomen

Ø                 Lethargie (steht häufig mit Fettleibigkeit in wechselseitiger Beziehung)

Ø                 Atemnot bei Anstrengung oder Kurzatmigkeit (kann auch auf ein Lungenleiden hinweisen)

Ø                 schnelles Ermüden bei Bewegung oder schwülem Wetter (auch Katzen können wetterfühlig sein) und/oder andere Anzeichen von Schwäche

Ø                 Neigung zum Kollaps mit Schwindelgefühl (z. B. unkoordinierte oder staksige Bewegungen, Taumeln – kann unter Umständen mit epileptischen Anfällen verwechselt werden)

Ø                 eine teilweise oder gar völlige Lähmung der Hinterbeine (die sich kalt anfühlen, in der Leiste ist kein Puls zu spüren), ausgelöst durch ein Blutgerinnsel, das die Hauptarterie verschließt und die Blutzufuhr unterbindet = Hüftvenenthrombose – weil diese oft mit einer bereits länger bestehenden Herzerkrankung verbunden ist

Ø                 deutlich verringerter Appetit und Abmagerung sind mitunter gleichfalls Hinweise auf eine Herzerkrankung

Ø                 ebenso wie Phasen nächtlicher Unruhe, gelegentlich sogar (zumeist zusätzliche) Verhaltenssymptome wie Depressivität, Trauer, Schreckhaftigkeit oder Ängstlichkeit

 

Das war’s freilich noch lange nicht, aber alle Eventualitäten lassen sich nicht aufzählen. Als dramatisches Finale sei jedoch erwähnt, dass sogar ein schwerer Befall mit Toxoplasmazysten unter anderem auch Herzerkrankungen verursachen kann. Womit wir bei den auslösenden Faktoren sind.

 

 

PFUNDIG UNGESUND

 

Erkrankungen des Herzens, oft allgemein als Herzfehler deklariert, können angeboren oder vererbt sein (siehe entsprechende Kapitel), oder durch verschiedene Lebensumstände erworben werden. So wirken sich Funktionsschwächen bzw. die ungenügende Arbeitsleistung eines Organs wie etwa der Lunge, Leber, Nieren, Milz, des lymphatischen oder Venen-Systems oftmals belastend oder schädigend auf das Herz aus (oder umgekehrt). Weshalb der Doktor mit gutem Grund eine Organschwäche oder Organerkrankung nie isoliert betrachtet, sondern bei entsprechendem Verdacht dem kätzischen Innenleben insgesamt auf den Zahn fühlen wird.

Jenseits solcher Dramatik dümpeln jedoch zwei Auslöser ganz gern verhältnismäßig unbeachtet vor sich hin, die quasi zum Alltagsleben gehören – weil besonders viele Katze davon betroffen sind - und/oder die Problematik daher nicht ernst genug genommen wird. Und das, obwohl kaum eine Veröffentlichung über das Thema Gesundheit ohne einen Hinweis darauf auskommt, nämlich

 

Ø                 Stress und

Ø                 Übergewicht

 

Beides ist extrem schädlich und belastet das Herz enorm, wobei Übergewicht noch eins draufsetzt, weil es fast immer zu Herzverfettung führt. Während stressgeplagte Katzen halt „nur“ am Herzkasper vorbeischrammen. Oder auch nicht. Wenngleich Herzinfarkte bei Katzen kaum vorkommen, heißt das freilich noch lange nicht, dass Ihre Mieze nicht zu den Ausnahmen gehören könnte.

 

 

HERZFREQUENZ UND DIVERGENZEN            

 

Wiewohl der Doktor das routinierter beherrscht und bei Auffälligkeiten zwecks umfassender Diagnostik sowieso konsultiert werden sollte, kann es abgesehen davon im Zweifelsfall nicht schaden, die Herzschläge zu zählen – sowohl in Ruhestellung als auch nach Bewegung. Bei einer erwachsenen Katze beträgt die Frequenz im Durchschnitt zwischen 100-110 und 130-140 Schlägen in der Minute, bei Jungtieren im oberen Bereich (= 140) und bei trächtigen Katzen darüber hinaus bis zu 160. Abweichungen davon weisen auf folgende Möglichkeiten hin:

 

Ø                 Ein verlangsamter Herzschlag = Bradykardie ist während des Schlafs normal und kein Grund für Besorgnis. Außerhalb einer Ruhephase kann eine deutliche verringerte Frequenz allerdings Unerfreulichkeiten im Gepäck haben, z.B. im Verlauf einer Vergiftung oder einer Erkrankung bzw. Reizung des Zentralnervensystems (Gehirnhautentzündung) auftreten, einen Leberstau (mit Gelbsucht) oder HCM anzeigen.

Ø                 Eine beschleunigte Herzfrequenz = Tachykardie kann bis hin zum sogenannten Herzrasen im günstigen Fall Ausdruck übermäßiger Freude sein oder nach ausgeprägtem Herumtollen vorkommen, genauso aber auch durch Angst, Schreck und Stress ausgelöst werden. Im Zusammenhang mit krankhaften Veränderungen tritt eine beschleunigte Herzfrequenz z.B. während Fieberphasen (im Verlauf von Infektionskrankheiten), bei Blutarmut, akutem Eisenmangel, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen auf. Auch HCM kann zum Krankheitsbild gehören.

Ø                 Als Arrhythmie wird eine unregelmäßige Herzschlagfolge bezeichnet, eine Anomalie der Reizleitung vonseiten des dafür verantwortlichen und weitgehend autonomen natürlichen „Herzschrittmachers“ entlang der Herzmuskelfasern. Dies kann angeboren sein oder erworben werden, etwa durch ein einschneidendes Schockerlebnis, ebenso Anzeichen einer Herzerkrankung wie z. B. DCM.

Alles gut und schön, und wo das Herz sitzt, ist auch bekannt – aber darf’s auch der Pulsschlag sein und was messe ich wo?

 

 

HERZSCHLAG-PULSSCHLAG – ALLES EINS?

 

Herz- und Pulsschlag schlagen in einem Takt, was die Sache zweifellos erleichtert. Die durch die Herztätigkeit verursachten Druckänderungen pflanzen sich in Form von Druckwellen im arteriellen Gefäßsystem fort und sind an oberflächlich gelegenen Arterien als Pulsschlag fühlbar – zücken Sie also eine Uhr mit Sekundenanzeige und zählen eine Minute lang. Wenn die Katze mitspielt, falls nicht, müssen Sie’s halt hochrechnen.

 

Ø                 Am besten eignet sich die Innenseite des Oberschenkels – von vorne umgreifen, die Finger in Längsrichtung des Beines nebeneinander legen und zugleich mit dem Daumen von der Außenseite des Oberschenkels dagegen drücken.

Ø                 Am Hals geht’s auch, doch werden Sie möglicherweise ein bisschen länger suchen müssen - unter dem Ohr in etwa da, wo Sie die Mandeln vermuten, oder am Übergang vom Hals zum Schulterblatt – und eher schlechte Karten haben, wenn Mieze das (wie mein Testobjekt) gut findet und schnurrt ...

Ø                 Den Stoß der Herzspitze gegen die linke Seite des Brustkorbes kann man gleichfalls wahrnehmen – im Bereich der fünften und sechsten Rippe unmittelbar über dem Brustbein (fühlen Sie nicht mal die Rippen, ist die Katze zweifelsfrei zu dick)

Ø                 Klappt das alles nicht, legen Sie eben mal das Ohr in die Herzgegend, lauschen (ebenfalls hoffend, dass sie nicht schnurrt) und zählen ... (oder lassen es sich beim nächsten Praxisbesuch zeigen)

 

Zu wissen wie’s geht kann in vielerlei Situationen recht hilfreich sein, im Endeffekt kommen wir um den Veterinär aber natürlich trotzdem nicht herum. Vor allem weil nicht nur ein unregelmäßiger Herz- oder Pulsschlag als Anzeichen für eine Herz- oder Kreislaufstörung gewertet werden kann, sondern genauso ein kaum fühlbarer Puls oder Herzspitzenstoß. Und da kann sich der Laie schon mal heftig irren.

 

 

DER MOTOR DES LEBENS

 

Das Herz ist ein zentrales, muskulöses Hohlorgan, das sich kaum von unserem eigenen unterscheidet und als Druck- und Saugpumpe funktioniert, wobei die dabei entstehende Druckdifferenz den Blutkreislauf bestimmt. Es liegt eingeschlossen in einem Herzbeutel, der einer übermäßigen Dehnung entgegenwirkt. Die Herzhauptkammer ist von der Vorkammer durch Segelklappen getrennt und den großen Blutgefäßen gegenüber durch Taschenklappen, wodurch die Voraussetzungen für einen geordneten Blutstrom gegeben sind. Im Vergleich zu anderen Haustieren hat die Katze ein recht kleines Herz, dessen Masse nur 0,4 bis 0,5 Prozent der Gesamtkörpermasse ausmacht (Hund 0,7 bis 1,0 Prozent).

Der Herzmuskel hat zwar die Fähigkeit, Fehler zu kompensieren, wie z.B. eine irreparable Verengung (Stenose) oder Insuffizienzen (Funktionsschwächen) der Herzklappen, aber dem sind natürlich Grenzen gesetzt und die Heilung grober Missstände wird nicht immer möglich sein – in welchem Fall zumindest eine möglichst dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität ohne weitere Belastung angestrebt wird.

 

 

HERZELEID – DAS PYSISCHE ...

 

Zu den häufigsten primären Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems zählen Kardiomyopathien (meist chronisch verlaufende Herzerkrankungen, charakterisiert durch Herzvergrößerung, Störungen im Erregungsablauf und Herzmuskelschwäche), die arterielle Thromboembolie (Embolie infolge Verschleppung eines Thrombus [= geronnene Blutmasse, Blutpfropf] mit dem Blutstrom), Erkrankungen des Perikards (Herzbeutel) sowie angeborene Herzfehler.

 

1. - Kardiomyopathien

 

Das sind im engeren Sinne primäre Erkrankungen des Herzmuskels, unabhängig von Veränderungen der Herzklappen und der großen Gefäße, d.h. diese bleiben davon unbeeinflusst. Kardiomyopathien werden entsprechend der anatomischen und klinischen Befunde unter Berücksichtigung der jeweils vorherrschenden Art einer Dysfunktion des Herzmuskels unterteilt in verschiedene Formen: (A) Hypertroph = durch Zellwachstum vergrößerte, verdickte Kammerwände), (B) dilatativ = erweiterte Herzkammer bei dünnen Ventrikelwänden) und (C) restriktiv = einschränkend, einengend, gekennzeichnet durch variable Dicke der Kammerwände und Ventrikelerweiterung mit vorwiegend diastolischer (mit der Systole rhythmisch wechselnde Erschlaffung des Herzmuskels) Dysfunktion. Und als wär’ das nicht schon kompliziert genug, wird auch noch zwischen primären und sekundären Kardiomyopathien differenziert – was zu beschreiben eindeutig zu weit führen würde.

 

(A) Hypertrophe Kardiomyopathie - HCM

Für uns wesentlich zu wissen dürfte sein, dass von den genannten drei Formen diese die bei Katzen bei weitem häufigste ist: Etwa 70 Prozent der in den letzten Jahren diagnostizierten Herzerkrankungen betrafen HCM.

Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der kleinsten kontraktilen Einheiten des Herzmuskels, für deren Zustandekommen zahlreiche verschiedene Mutationen an mehreren Genen verantwortlich sind. Eine Mutation an einem dieser Gene, die nur ein einziges Basenpaar des DNA-Codes verändert, kann einen Fehler in der Proteinsynthese verursachen, der schließlich die HCM auslöst. Die meisten nachgewiesenen Mutationen, die von einem der beteiligten Gene stammen, können vererbt werden, am häufigsten nach einem autosomal-dominanten Erbgang. Allerdings sind auch Spontanfälle aufgetreten, wo Eltern und Familie nicht an dieser Krankheit leiden – zumindest beim Menschen, was aber im Prinzip keinen großen Unterschied macht. Hinsichtlich familiärer Häufungen bei Katzen wird nach wie vor intensiv geforscht.

Fest steht indessen, dass Katzen mit HCM bei Tachykardie ein deutlich schwereres Krankheitsbild zeigen und auch, dass der Großteil der HCM Patienten als Notfälle in die Praxis kommen – weil die meisten früher keine ernsthafte Erkrankung hatten und vordergründig in der Regel sozusagen vor Gesundheit trotzen, noch jung sind oder „mitten im Leben“ stehen (der Krankheitsgipfel liegt in etwa um das fünfte Lebensjahr).

Erst Symptome wie Atemnot, Lahmheit, Schmerzäußerung, kalte Hinterextremitäten (= die bereits erwähnte akute Thromboembolie) lassen aufmerken. Wobei achtsame Besitzer berichten, dass sich die Katze einige Tage vor dem Sichtbarwerden der Symptome vermehrt zurückgezogen hat, leicht apathisch wirkte und weniger Appetit zeigte. Ebenso konnten kurzzeitige Schmerzzustände, Lähmungserscheinungen, Kollaps oder Kurzatmigkeit während bzw. nach dem Spielen oder bei Stress beobachtet werden. Bei einem geringeren Anteil der HCM Patienten wurden Untertemperatur, Teilnahmslosigkeit und eine dem Grad der Hypothermie entsprechende Bradykardie festgestellt.

 

(B) Dilatative Kardiomyopathie - DCM

Bis in die späten 1980er Jahre noch die häufigste primäre Herzkrankheit bei Katzen, ist DCM mittlerweile eher selten geworden. Der drastische Rückgang wird mit der seither stark erhöhten Taurinkonzentration im kommerziellen Katzenfutter in Zusammenhang gebracht, da Taurinmangel als Hauptfaktor gilt – allerdings nicht als alleinige Ursache!! Weshalb es nicht sinnig wäre, eine Katze damit voll zu stopfen, die überwiegend als Alleinfutter deklarierte Fertignahrung bekommt. Zusetzen müssen Sie nur, wenn Sie BARFen oder Fleisch nur gekocht geben. Taurin ist essentiell für Katzen, ihr Bedarf ist indes mit 25-50 mg/kg Körpermasse gedeckt (entspricht bei üblicher Energiedichte im Futter einem Tauringehalt von 1000 mg/kg Trockensubstanz bzw. 2000 mg/kg bei Feuchtfutter).

DCM äußert sich als akute Herzinsuffizienz mit Atemnot, Mattigkeit und abnorm niedriger Körpertemperatur, in seltenen Fällen verbunden mit Fressunlust und Erbrechen oder einer geistigen und körperlichen Regungslosigkeit (landläufig als Stumpfsinn bezeichnet). Auffallend sind der schwache Puls, verminderter Herzstoß, leichte systolische Geräusche oder Galopprhythmus, auch Arrhythmien können vorkommen. Der häufigste Grund für das Aufsuchen der Praxis ist das bereits erwähnte Beschwerdebild einer Thromboembolie, also Schmerzen und Lähmungen in den Hinterbeinen, wobei mitunter auch die Vorderbeine oder ein anderes Organ betroffen sein können.

 

(C) Restriktive Kardiomyopathie (RCM)

RCM gilt als zweithäufigste Form feliner Kardiomyopathien und ist charakterisiert durch ein normales oder mäßig vermindertes Volumen der linken Herzkammer mit normaler bis leicht abweichender systolischer Ventrikelfunktion. Interessanterweise wird RCM Patienten ein etwas höheres Lebensalter eingeräumt als HCM Katzen, obwohl klinische Symptomatik, Anamnese und Untersuchungsbefunde beider Krankheiten so viele Gemeinsamkeiten aufweisen, dass die Diagnose RCM nicht einheitlich definiert werden kann. Auch die Symptome, die einen Besitzer samt Katze in die Praxis wandern lassen, gleichen jenen der HCM. Was dazu führte, dass die an der Entwicklung dieser Krankheit beteiligten Faktoren noch weitgehend unklar sind, unabhängig davon aber eine diastolische Dysfunktion im Vordergrund steht.

 

2. – Arterielle Thromboembolie (FATE)

 

Bereits mehrfach erwähnt, kann diese bei allen chronischen Herzkrankheiten als Komplikation vorkommen – laut Statistik bei 50 Prozent der HCM-, 30 Prozent der RCM- und 25 Prozent der DCM-Katzen. Anders als beim Menschen kommen bei Katzen Venenthrombose und Lungenembolie eher selten vor, sondern zu rund 90 Prozent als sogenannte Sattelthromben an der Gabelung der weiter weg vom Herzen liegenden Aorta. Vereinzelt auch an den Vordergliedmaßen (mit besserer Prognose), Niere oder zum Gekröse gehörenden Arterien. Als Risikofaktor gilt eine träge Blutzirkulation und dass unbezweifelbar Thromben im linken Vorhof oder linken Ventrikel oder ein spontaner Echokontrast im linken Vorhof auf ein extrem hohes FATE-Risiko hinweisen. Kennzeichnend für das Krankheitsbild sind die Kombination von Gefäßverschluss und Gefäßverengerung, die zu erheblicher örtlicher Blutleere und Funktionsstörungen von Nerven und Muskeln führt. Wobei die Schädigung einem Muster folgt und irreversibel wird, wenn die blutleere Phase sechs bis zwölf Stunden überschreitet.

Da FATE plötzlich auftritt, ist ein rasches Reagieren also extrem wichtig = äußerst schmerzhafte vollständige oder unvollständige Lähmungen der Extremitäten sollten Sie wie die Feuerwehr zum Tierarzt rasen lassen: Zumeist sind die Hinterbeine stärker betroffen, die Katze zieht sie nach, kann weder die Sprunggelenke beugen noch das Körpergewicht stützen. Die betroffenen Gliedmaßenteile fühlen sich kalt an, sind schmerzhaft, ohne Muskelreflexion und meist ist der Puls vollständig verschwundenen (bei teilweisem Gefäßverschluss stark verringert noch tastbar. Oft treten neben Herzgeräuschen und Galopprhythmen (unter anderem) gleichzeitig Symptome einer Stauungsinsuffizienz auf = Teilnahmslosigkeit, Atemnot und ein rapider Abfall der Körpertemperatur.

Die Prognose in Bezug auf eine vollständige Genesung ist unterschiedlich, im Endeffekt freilich übel – nur Katzen mit Thromben an den Vorderbeinen ohne Herzinsuffizienz oder Thromoembolien an anderen Körperstellen wird eine fast hundertprozentige Chance eingeräumt, zu überleben und sich zu erholen.

 

3. – Erkrankungen des Perikards

 

Der Herzbeutel erkrankt bei der Katze wesentliche seltener als z. B. beim Hund, und nur wenige mit einer Kardiomyopathie weisen einen nachweisbaren Perikarderguss auf. Die häufigste Ursache einer Herzbeutelerkrankung ist infektiöser (FIP) oder tumoröser (Lymphosarkom) Natur und zudem auch nur in wenigen Fällen Ursache klinischer Symptome.

 

4. – Angeborene Herzfehler

 

Rund ein Fünftel der bei Katzen erkannten Herzfehler geht auf das „Konto“ einer Dysplasie der Mitralklappen, gelegentlich kann es auch zu einer Fehlbildung der Triktuspidalklappe (dreizipfelige Klappe zwischen rechtem Herzvorhof und rechter Herzkammer) kommen. Ist diese Fehlbildung, schon beim kleinen Kätzchen beim Abhören an asymptomatischen Herzgeräuschen feststellbar, nicht zu schwerwiegend, kann es das Erwachsenenalter erreichen und mit etwas Glück – und der richtigen Therapie - sogar alt werden.

Ein sehr häufiger angeborener Herzfehler ist ein Defekt des Ventrikelseptums (ein Substanzdefekt der Herzkammerscheidewand), dessen Geräusch meistens am rechten Rand des (zum Brustbein gehörenden) Sternums am besten zu hören ist. Die Mehrzahl der Katzen benötigt keine Behandlung und kann ein ganz normales Leben führen – Mehrzahl heißt freilich nicht alle, weshalb ein erfahrener Kardiologe zurate gezogen werden sollte, da in bestimmten Fällen entweder eine medikamentöse Unterstützung oder eine chirurgische Intervention erforderlich sein kann.

Als relativ seltener Herzfehler (mit noch ungeklärter Ursache) bei Katzen tritt der persistierende Ductus arteriosus auf (ein anhaltendes Offenbleiben der Verbindung zwischen Lungenarterie und Aorta). Die Fehlbildung kann entweder mit dem typischen systolisch-diastolischen Maschinengeräusch einhergehen (Systole = erster Herzton, Diastole = zweiter Herzton) oder nur mit einem systolischen Geräusch, am besten an der linken Herzbasis zu hören. Im Röntgenbild und der EKG-Kurve erkennbar, kann die Hemmungsmissbildung nur durch einen operativen Eingriff beseitigt werden.

Auch eine Aortenstenose der Semilunarklappen (eine Verengung der halbmondförmigen Klappe der Aorta) kommt bei Katzen nur sporadisch vor. Während Jungtiere überwiegend keine klinischen Symptome zeigen bzw. als einziges Merkmal ein systolisches Ejektionsgeräusch (das Ausstoßen des Blutes aus dem Herzen) an der linken Herzbasis zu hören ist, kann diese Fehlbildung bei älteren Katzen von echokardiografisch unerfahrenen Untersuchern mitunter mit einer hypertrophen Kardiomyopathie verwechselt werden. Eine Behandlung ist möglich.

 

 

KILO-COACH

 

In der Regel kann eine Diät bei herzkranken Katzen nur unterstützend eingesetzt werden. Empfohlen werden hohe Energie- und mittlere Proteingehalte bei hoher Proteinqualität, das richtet sich jedoch nach dem Ernährungszustand, dem klinischen Erscheinungsbild und eventuell auftretenden Sekundärerkrankungen. Das gilt auch für eine eventuelle Erhöhung von Vitamin-B-Gaben, die eine dienliche Wirkung haben sollen. Ein wesentlicher Faktor kann die Reduktion der Natriumzufuhr sein (wodurch die Neigung zu Stauungen und Ödemen verringert wird), weshalb bei Verwendung von Ergänzungsfuttermitteln (Mineralfutter, Vitaminpräparate) darauf geachtet werden sollte, dass sie nicht zu salzreich sind. Wesentlich ist jedoch, dass Sie sich an die Vorschriften des behandelnden Arztes halten und NIE NIE NIE selbst herumdoktern. Und etwa Herzmedikamente geben, bloß weil sie der Nachbarskatze auch geholfen haben oder es wer auch immer im Internet empfohlen hat. Genauso dürfen auch Diätprinzipien aus dem Humanbereich (wie z. B. das Verabreichen von Omega-3-Fettsäuren gegen Arteriosklerose), nicht einfach auf die Katze übertragen werden.

Dass für Herzpatienten jegliche Form von Stress Gift ist, sollte keiner Erwähnung mehr bedürfen. Ebenso dass Übergewicht nicht nur Miezes Lebensqualität einschränkt, sondern auch ihre Lebenserwartung drastisch begrenzen kann.

Das war’s – hart aber herzlich.

Bleiben Sie wachsam!

 

 

 

 

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