Helping Hands - Vor und hinter den Kulissen

HELPING HANDS

 

VOR UND HINTER DEN KULISSEN

 

 

 

Nicht nur bei Besuchern, auch bei vielen Mitglieder ist immer wieder mal Abschätziges zu hören, wenn es um die Arbeit eines Katzenclubs geht. Was macht „die dort“ außer Gebühren einheben und sich vielleicht neue Regeln ausdenken? Viel. Zumindest ab einer gewissen Größe – und wenn es um die Organisation einer Ausstellung geht, laufen alle zu Hochtouren auf. Hier ein sehr (!) kleiner Blick durchs Schlüsselloch ...

 

 

HALLE GESUCHT

 

Heute gibt es für die Organisatoren mehr Kriterien und Vorschriften zu beachten denn je, sie würden locker ein Buch füllen und im Grunde ist keiner zu beneiden, der sich damit herumschlagen muss. Zudem stellen bis auf minimalste Ausnahmen sowohl Vorstand wie der mitunter eher schrumpfende Mitarbeiterstab nicht nur ihre Freizeit samt Bienenfleiß gratis zur Verfügung, sondern zumeist wird zum Wohle des Clubs, seiner Mitglieder und der Aussteller mehr oder minder der gesamte Urlaub „verbraten“. Wieso? Weil es sich bei jedem Club, dessen Mitgliederzahl, salopp gesagt, über Vater-Mutter-Kind hinausgeht, um ein Unternehmen handelt, das auch wie ein solches geführt werden muss. Und das geht nun mal nicht bloß am Wochenende.

In der Regel werden zwar einmal als tauglich getestete Örtlichkeiten immer wieder „bespielt“, aber aus Gründen der Wirtschaftlichkeit häufig neue a) gesucht, b) gefunden und c) besichtigt werden, ob sie sowohl leistbar als auch für den angedachten Zweck überhaupt geeignet sind. Da heißt es ausschwärmen, und dabei können schon ein paar Kilometerchen zusammenkommen, bis was Passende dabei ist. „Passend“ bedeutet nicht nur angemessene Größe der Halle samt unabdingbar nötigen Voraussetzungen wie Wasseranschluss, Heizung oder Müllentsorgung (Sie haben keine Ahnung, was da alles anfällt!), sondern auch ob sie den jeweiligen Landesvorschriften für eine derartige Veranstaltung entspricht. Denn eine adäquate Anzahl von Toiletten ist etwa genauso penibel vorgeschrieben wie der Abstand zwischen den Käfigreihen. Wozu a) ein genau gezeichneter Plan vorher eingereicht werden muss und was b) nach dem Aufbau von Organen der Feuerpolizei geprüft wird. Kleine, günstige Halle vollstopfen ist nicht.

 

HALLE GEFUNDEN

 

Für die Besichtigung wird nun kaum ein Vermieter sein eigenes Wochenende opfern, also braucht es Wochentage = Urlaubstage, um sich vor Ort von der Eignung zu überzeugen. Häufig schließt bloß irgendein Angestellter das Tor auf, hat aber von Details keine Ahnung, während der Verantwortliche in einem gemütlichen Büro ganz anderswo sitzt. Und anschließend entweder extra aufgesucht werden muss, so sein Terminkalender es erlaubt, oder es ist eine Reihe ausführlicher Telefonate nötig – selbstverständlich nicht nach Büroschluss. Nun hat aber selten ein Vorstandsmitglied einen dermaßen verständnisvollen Boss, welcher endlose Privatgespräche duldet, also muss für diese und eine Reihe weiterer Präliminarien ein Urlaubstag um den anderen dran glauben. Dann werden sämtliche Einzelheiten besprochen und vielleicht ein bisschen gefeilscht, denn hohe Mieten kann sich heute kein Club mehr leisten, und bei Einigung bindende Verträge ausgestellt.

 

 

HALLE - WO?

 

Ausschlaggebend für die Teilnehmer- und Besucherzahl ist natürlich die Wahl des Ortes, das heißt ein tunlichst kurzer Anfahrtsweg, sowohl für Aussteller aus dem In- als auch dem Ausland. Niemand will heute für eine „normale“ Show halbe Tage auf der Autobahn verbringen. Oder stundenlang durchs Gemüse holpern und die Bäume zählen, weil hinter Nummer dreihundertachtundneunzig ein einsames Gebäude Marke Turnverein stehen soll ... Dann: Gibt es genügend Parkplätze? Nach Möglichkeit vor dem Tor und nicht in der Pampa, sonst hagelt es Beschwerden. Die sind auch obligat, wenn das leibliche Wohl nicht berücksichtigt wird, also muss entweder ein Cafe & Imbiss in der Halle Platz finden (zusätzliche Vorschriften; meist übrigens auch, wenn Mitglieder ein Kaffee-und-Kuchen-Sandwich-Büffet bereitstellen) und ein entsprechender Servicebetrieb organisiert werden. Sofern nicht um eine Ecke leicht erreichbar eine gastliche Wirtschaft wurzelt.

Und das alles ist, Sie können es mir getrost glauben, nur die Spitze des Eisberges. Weshalb eigentlich jeder Teilnehmer dem Club zu tiefstem Dank verpflichtet wäre – sagen Sie bitte nicht „ich bezahle ja auch dafür“, denn die Teilnahmegebühr ist im Vergleich zum Aufwand geradezu ein Tropfen auf dem heißen Stein:

 

 

OHNE KOHLE GEHT GAR NICHTS

 

Wovon „lebt“ ein Club, was steht ihm zur Verfügung, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und Ausstellungen organisieren zu können? Nun, im Allgemeinen beschränken sich die regulären Einnahmen auf die Mitgliedsbeiträge und die Kosten für die Erstellung von Stammbäumen inklusive eventueller Strafgebühren für allerlei Regelwidrigkeiten. Welche sich indes nicht direkt wahnsinnig zu Buche schlagen. Freilich je nach Gebarung. Abzüglich des normal üblichen Aufwandes kann da durchaus ein Plus erwirtschaftet werden. Das könnten Sie jetzt gerne mal nachrechnen, wenn Sie lustig sind, und Sie werden vermutlich feststellen: das klingt zwar immer noch nicht wirklich nach Kohle, aber auch nicht nach Pleitegeier.

Eine Show organisieren lässt sich damit noch lange nicht. Warum machen sie es dann? Sehr kleine Clubs können es sich sowieso nicht leisten und sind auf Kooperationsbereitschaft größerer angewiesen, damit ihre Mitglieder auf deren Shows willkommen sind – wobei es allerlei Hürden zu überwinden gibt, die hier indes nicht Thema sind. Auf den Punkt gebracht sind Shows eine politische Angelegenheit. Es geht ums Prestige mit allen seinen Facetten, allerdings für sämtliche Beteiligte, denn sowohl ein Club als auch die Züchter profitieren in mehrfacher Hinsicht davon, inwieweit sie in der Szene wahrgenommen werden. Das greift ineinander wie ein Zahnrad und das Fazit ist, kurz gesagt: Ohne Ausstellungen geht es nicht.

Und diese sind, besonders in Zeiten wie diesen, wo häufig auch eine Bank die Finger drin hat, damit das Uhrwerk läuft, schon mal ein Vabanquespiel. Liegt die Halle in der Pampa, ist die Miete niedrig, aber es gibt maximal ein paar verirrte Besucher, was wiederum das Interesse der Züchter ins Bodenlose sinken lässt, weil für sie Ausstellungen ja auch eine Werbeplattform sind. Will man’s beiden recht machen, kann die Miete ins Exorbitante hinaufschnellen. Dann wäre zwar die Auslastung gesichert, jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht – das Wetter: Strahlende Sonne ist ebenso verdrießlich wie viel Schnee, Regen wär’ gut und Muttertag auch nicht so übel, wenn man sonntags nicht weiß, wohin mit der Oma.

Blöd ist freilich, dass kein Wetterfrosch der Welt langfristig eine dienliche Prognose abgeben kann und die Organisatoren á la gebranntes Kind daher sommers die kostengünstige Turnhalle im Nirgendwo dem Risiko, einen Flop zu erleiden, vorziehen. Und im Winter in die Vollen greifen und ins Urbane müssen. Nicht weniger blöd ist die Sache mit den Terminen ...

 

 

TERMINE?

 

Aber die kann man sich doch aussuchen? Klar, aber bei sechs oder mehr Shows pro Jahr werden Sie kaum um eine ungünstige Jahreszeit herumkommen. Mal abgesehen davon, dass schon eine simple Woche vorher keiner weiß, ob’s fein regnet, die Flut kommt oder Kyrill & Co die Hütte wegpusten.

Kleinere Organisationen haben nicht ganz so lange Vorlaufzeiten wie große, bei welchen Showtermine beispielsweise zwecks Koordination extrem früh angemeldet werden müssen (zumindest ein, bei „beliebten“ Orten teils bis zu zwei Jahre im Voraus), damit die Mitgliedsclubs einander nicht ins Gehege kommen. Und damit auch andere bzw. Partnerclubs entsprechend planen können, werden die Termine auf den Websites veröffentlicht. Sind sie abgesegnet und reserviert, sollten sie auch eingehalten werden.

Nicht zuletzt, weil die Teilnehmer genauso planen müssen/wollen, und das heißt: Werbung, Werbung, Werbung, so früh und so oft wie nur irgend möglich. Das Alternativ-Szenario wäre: Stellen Sie sich vor, es ist Ausstellung – und keiner geht hin ...

Kriterien, die an aller Arbeit samt Zeitaufwand im Vorfeld inklusive Kosten kaum etwas ändern (auch Stornogebühren sind schmerzhaft), aber durchaus über möglichen Gewinn oder Verlust entscheidenden können.

 

 

WELCHE KOSTEN?

 

Nun, wenn wir „oben“ beginnen, so erhalten beispielsweise die amtierenden Richter eine Vergütung und der Club hat zusätzlich für deren Reisekosten, Unterbringung und Verpflegung aufzukommen. Genauso für die des vorschriftsmäßigen und unerlässlichen Tierarztes/Tierärzte, wovon zumindest einer bis zum offiziellen Ende der Show anwesend sein muss. Dass die Herrschaften nicht im Zelt wohnen und mit einem Butterbrot abgespeist werden können, ist ja wohl klar. Und dass man nicht ständig Juror XY einladen kann, bloß weil der ums Eck wohnt, sollte auch klar sein. Denn dann bleiben die Aussteller weg.

Zur oft mehr als beachtlichen Hallenmiete gesellen sich die Kosten für die Benutzung wie z. B. Licht, Heizung, Hallenwart, akustische Anlagen, die Müllentsorgung und sämtliche Landesabgaben samt erforderlicher Bewilligungen. Selbst für den Aufbau einer Bühne (deshalb gibt’s heute kaum noch welche) oder eventuell verbliebenes Mobiliar wie Sessel oder Tische kann der Club happig zur Kasse gebeten werden. Speditionen, die für den Transport der Käfige und sonstiger Einrichtung (wie etwa den Info-Stand, die Richtertische etc. – ein LKW ist proppevoll) benötigt werden, sorgen ebenfalls für ein Loch im Budget. Das ein bisschen größer wird, wenn die Dinger ausgeliehen/gemietet sind. Häufig müssen auch Helfer fürs Ab- und Aufladen oder eine etwaige Putzkolonne bezahlt werden, weil die arbeitenden (Vorstands-) Mitglieder mit anderen Aufgaben alle Hände voll zu tun haben. Nicht zuletzt mit dem Aufstellen und Desinfizieren der Käfige etc. – Jobs, die bei entsprechender Teilnehmerzahl übrigens am Vorabend erledigt werden müssen, womit wir wieder bei den Urlaubstagen wären. Dagegen können die auch nicht übermäßig preiswerten Pokale und Schleifen, Richterberichte, Urkunden, Kataloge und so weiter beinahe als „Nebenspesen“ betrachtet werden.

Die Aufzählung wäre damit allerdings noch nicht zu Ende, aber der kleine Einblick könnte schon verdeutlichen, dass jede Veranstaltung einer Gradwanderung gleicht und ohne beinhartes Management zum Scheitern verurteilt wäre. Verständlich, dass um jeden Aussteller samt generell dünn gesäter Sponsoren hart gerungen wird. Leider auch oft um die spärlicher werdenden helfenden Hände, die mitunter nicht mal durch Vergünstigungen wie z.B. kostenfreies Ausstellen bereit sind, sich reinzuhängen. Schließlich will man nicht auch noch am Wochenende ackern. Idealismus ist Mangelware.

 

 
VIEL ARBEIT – WENIG EHR’

 

Abgesehen von der Flut bürokratischer und sonstiger Hürden sorgen freilich auch die Aussteller fürs Heißlaufen im Clubsekretariat. Lange im Voraus und immer wieder beworben, wird – besser gesagt: wurde – auch recht früh gemeldet ... und danach wieder umdisponiert ... und wieder umdisponiert ... und wieder ... Ging wohl allen gemeinsam auf die Nerven, weshalb mittlerweile „Last-Minute“ Saison hat. Heißt: Mit etwas Glück tröpfeln zwei Wochen vor der Show die ersten Meldungen ein, ohne Glück erst eine Woche vorher und drei Tage davor geht’s dann richtig rund. Tja, dann planen Sie mal schön.

Teilweise verständlich, weil aufgrund der Flut von Möglichkeiten eine Katze sehr viel schneller die angestrebten Titel erreichen kann und häufig Ausland ansteht, ehe sie daheim weitermachen darf. Andererseits ist es natürlich auch praktisch, wenn man schnell mal nach XY düsen kann, weil der Veranstalter eh nicht abwinkt (und wenn doch, fahren wir nach Z). Welcher dann sozusagen schwankt zwischen „super, die Hütte ist voll“, bin hin zu „welchen Juror laden wir wieder aus“. Oder welcher ist so kurzfristig noch zu haben und erfreut sich vor allem größtmöglicher Aussteller-Gunst. Was aufgrund der Gepflogenheit (um nicht zu sagen unabdinglich erwarteter Serviceleistung), abgegebene „Richter-Wünsche“ zu berücksichtigen, die Sache nicht grad erleichtert.

Also darf das Team permanent sein Talent (und seine Nerven) für Koordination und Flexibilität strapazieren, womit wir quasi wieder am Anfang wären, nämlich dass dieses alles als „Nebenberuf“ nicht zu schaffen ist ... Dabei habe ich den Wahnsinns-Bürokram höchstens grade mal ansatzweise gestreift ...

 

LAST ACTION HEROES

 

Würde ich alles aufzählen, was ein Clubsekretariat VOR jeder Show zu einem Hexenkessel werden lässt, würde Ihnen schneller ein Bart wachsen als ich durch bin. Und würde ich meinen Monolog ausdehnen auf alles, was WÄHREND und direkt NACH der Show die Helping Hands nicht ruhen lässt ... nicht auszudenken. Das kann ich nicht riskieren.

Endlich daheim, harren nebst Üblichem (was weit über Stammbäume hinausgeht) die „Nachwehen“ der Show ihrer Erledigung: Ein Haufen Rechnungen und jede Menge weiterer Bürokram ... und den Katzenfreunden die nächste Ausstellung in Erinnerung rufen. Denn auch hier heißt es: Nach der Show ist vor der Show ...

Es ist im Grunde ein knallhartes Business weitab jeder Spielerei und – ganz ehrlich - eigentlich auch schon weit außerhalb eines Hobbys. Weshalb zumindest ein freundlicher, höflicher Umgangston als „Dankeschön“ angebracht scheint, denn die Vorstandsmitglieder und deren gute Geister (zu welchen nicht zuletzt übrigens auch die Stewards zählen) sind das Rückgrad jeden Clubs, ohne die gar nichts geht - eine wirklich hart arbeitende Kerntruppe, die durchaus zu den „letzten Helden“ unserer Zeit gezählt werden darf.

Oder eher zu den letzten Dummköpfen? Denn Spaß macht’s trotzdem. Irgendwie ...

 

 

 

 

 

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