Fit & fidel altern

FIT & FIDEL ALTERN

 

Fitnessprogramm für Senioren

 

 

Nach dem Motto „Bring mehr Heiterkeit ins Leben“ finden Sie hier ein Trainingsprogramm, das Müde wieder munter macht. Viele Senioren sind nämlich Opfer eines unglücklichen Kreislaufes, der mit weniger Bewegung anfängt, worauf sukzessive die Pfunde auf den Rippen wachsen, was zur Folge hat, dass sie sich noch weniger bewegen. Gar nicht gut, denn wo wird das enden? Phlegmatischer Dauerschlaf bis zum letzten Stündlein?

 

 

 

NACHTIGALL, ICH HÖR DIR TRAPSEN

 

Was bitte soll heiter sein an dieser abstrusen Idee, einen überreifen Faulpelz zum Turnen zu kriegen? Kommt schon, nur keine Eile. Zuerst mal müssen Sie ihn „aufwecken“.

In der Natur sind sowohl die Raub- als auch die Beutetiere perfekt aufs Überleben getrimmt und ihre Körper, Sinne und Taktiken gänzlich auf dieses “Spiel“ ausgerichtet: Belauern, Anschleichen, Anvisieren und Zuschlagen - ob Fliege, Stoffmaus oder die Blätter vom Ficus benjamini, es läuft immer das gleiche Ritual ab und ist für jede Katze Lebenselixier, ungeachtet ihres Alters. Das vergisst bzw. verlernt sie auch nicht. Selbst wenn sie noch nie einer Maus von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand oder nun mit dem Sofa verschmolzen scheint. Offenbar gab es bisher zu wenig Stimulation und keinen adäquaten Ersatz für die Jagd, vor allem dann, wenn nur Zimmer-Wildwest (ohne Partner? Igitt) möglich ist - trotzdem nicht das Schlechteste bei entsprechender Abwechslung.

Katzen suchen unsere Nähe ja nicht nur, weil wir den Kühlschrank öffnen und so köstlich streicheln können (können wir doch, oder?), sondern auch wegen unserer drolligen Ideen, die sich durch besonderen Unterhaltungswert auszeichnen. Jedenfalls wenn wir Einfallsreichtum beweisen und auch immer wieder mal für eine unerwartete Wendung sorgen – uns dann listig auszutricksen versuchen, zählt zu den absoluten Hits in einer Mensch-Katze-Beziehung.

Ja, danke schön, aber wie verklickere ich das meinen Mops, der sich angesichts einer Fliege mit bloßer Augenakrobatik begnügt? Nun, das ist zumindest schon mal ein Anfang ... Eine winzige Reaktion ist besser als gar keine ... Allerdings müssen Sie selbst in die Gänge kommen und ein bisschen Zeit investieren. Anfangs nur spärlich, je nachdem ob und wie sie mitspielt, das Idealziel liegt schlussendlich in etwa bei 15 bis 20 Minuten, zumindest ein-, besser zweimal täglich. Ist Ihre Katze schon ein älteres Semester und Interaktion nicht (mehr) gewohnt, wird Sie sie wahrscheinlich misstrauisch beäugen, aber irgendwann doch nicht widerstehen können, besonders wenn Sie selbst Spaß dran kriegen, also Geduld.

Einfacher wird’s, wenn Sie mehrere Katzen haben, dann kann der Senior erst mal zugucken, während Sie zwecks Anschleich- und Versteckspielen auf dem Boden rumrutschen ... nein, keine Bange, das will ich Ihnen nicht zumuten. Aber dürfen tun Sie schon ...

 

 

SENIORENTURNEN – SCHAUMGEBREMST

Die Catnip-Party

 

Fangen wir mit der allereinfachsten Übung überhaupt an, nämlich mit einem Test, was die vermutlich übergewichtige Schlafmütze überhaupt dazu bringt, mal einen Blick zu riskieren – in der Hoffnung, dass sie nicht zu jenen gehört, denen Katzenminze völlig schnurz ist. Das ist, so seltsam es klingen mag, nämlich angeboren und nicht zu ändern. Allerdings sei vorausgeschickt, dass in diesem käuflichen Glück zumeist aufgrund von Altersschwäche oft nicht mal ein Atom davon vorhanden ist und somit keinen Effekt zeitigt. Reagiert Mieze jedoch darauf (in der Regel wirkt es zunächst berauschend und danach entspannend),

 

Ø                 gönnen Sie ihr ein-, zweimal pro Woche diese Freude für ein Viertelstündchen (danach wegräumen) – aber nur zu ebener Erd’ und mit ein wenig Herumschubsen (nicht die Katze, das Spielzeug) zu Beginn und zwischendurch. Damit sie nicht nur zum Steinerweichen sabbert, sondern auch bisschen ihre vier Buchstaben in die Höhe kriegt. Es geht ja nicht um Kilometer, aber jeder noch so bescheidene Anfang lässt sich geduldig ausbauen. Etwa mit

 

SCHLANK-CATCHEN

 

Auch das verlangt uns nichts ab, kommt aber bei jeder Katze gut an, die etwas für Trockenfutter übrig hat – sofern Sie nicht der (generell) üblen Gepflogenheit huldigen, eine volle Schale zur permanenten freien Bedienung herumzustehen zu lassen. Falls doch: Weg damit. Das muss künftig verdient werden, heißt mit Bewegung verbunden:

 

 

Ø              Kreuzt Mieze in der Küche auf (oder sonst wo), vermisst die gewohnte Schale oder bettelt, gibt’s „TroFu“ – einzeln nacheinander mit Richtungswechsel geworfen, also das nächste Stückchen erst, wenn’s vorige verschluckt ist, und immer so, dass sie sehen kann, wo es landet (haben Sie schon mal flache Steinchen über eine Wasseroberfläche tanzen lassen? Genauso, nur langsamer!). Bleibt die Jagd wegen Verblüffung aus, schubsen Sie ihr eins vor die Füße und vergrößern dann die Abstände sukzessive, bis das Interesse nachlässt und sie sich trollt bzw. bis die klein bemessene Ration aufgebraucht ist. Lieber zweimal wenig als alles auf einmal;

Ø                 behalten Sie dieses Spielchen bei und reichen TroFu (oder notfalls alternativ auch Leckerli, allerdings in sehr kleine Stückchen zerteilt) künftig nur mehr auf diese Weise, wobei Mieze dann schon stetig mehr „rumfetzen“ sollte. Die Menge (tunlichst gering) müssen Sie in die Futtergesamtration einrechnen, sonst platzt sie bald (noch mehr?) aus allen Nähten oder bekommt Verstopfung. Frisst sie sowieso nichts anderes – ja dann: Halali!

Ø                 Wenn Sie beide Freude dran haben, können Sie morgens vor der Arbeit auch einzelne Stückchen in der Wohnung verteilen (Mieze darf nur am Anfang zugucken, bis sie das Spiel begriffen hat, danach natürlich nicht mehr, sonst wär’s kontraproduktiv). Hat sie die Sache mit den geheimen Depots erst mal heraus, kann sie das auch über den Tag eine Weile beschäftigen. Voraussetzung ist natürlich, dass der Futternapf weder überquillt noch eine akzeptable Alternative bietet. Heißt: Macht die Beschäftigungstherapie Laune und Sie verstecken eine halbe Tagesration oder mehr, darf auf dem Teller nur etwas liegen, das sie so gut wie gar nicht leiden kann.

 

Hat das funktioniert, die Aufmerksamkeit ist geweckt – und der Senior auch -, wird das Programm ausgebaut. Aus gutem Grund diesmal ohne Essbarem, denn das vorige Spielchen sollten Sie ja beibehalten, vor allem die Weitwurf-Wettkämpfe. Nicht zuletzt, um das Interesse wach zu halten. (Wenn Sie einen Hund haben, kennen Sie das vielleicht: Mit Appetithäppchen kriegt man ihn dazu, Anordnungen zu befolgen, und wenn’s klappt, muss er immer häufiger mit Streicheln vorlieb nehmen. Weshalb er zwischendurch gerne mal mit Vergesslichkeit glänzt und essbare Auffrischungs-Übungen notwendig werden.) Bei Katzen ist das relativ ähnlich, mit Streicheln allein bekommen wir sie allerdings nie vom Sofa – eher im Gegenteil ...

 

 

FIT MIT FUN

 

Der besondere Reiz von Spielchen gründet sowohl in Ihrer Mitwirkung als auch darin, dass Sie das Handwerkszeug dafür nur für die Dauer der Interaktion benutzen und danach unauffindbar (also, nicht für Sie) wieder wegräumen! Absolute Favoriten mit vielen Variationsmöglichkeiten sind:

 

Ø                 Eine Angel aus Kunststoff oder Fiberglas mit einer Schnur und einem (bitte sehr kleinen!!) Spielzeug am Ende. Auch ein längliches Stück Stoff (darf nicht fusseln), eine Feder oder eine Papierkugel sind gut geeignet. Letztere wird nicht lange leben, aber Sie sollten die Beute sowieso immer wieder mal wechseln. Anfangs á la hasch mich nur langsam über den Boden ziehen, seitlich von der Katze weg, sodass sie die Beute aus dem Blickfeld verliert. Solange sie’s sehen kann, hat sie kaum Veranlassung, sich zu bewegen;

Ø                 ein sehr biegsames dünnes Stück Draht (mindestens 40cm, käuflich erwerbbar meist mit einem Flauschbällchen dran – Amerika lässt grüßen), an dem Sie, wenn Sie’s anderswo auftreiben, was auch immer dran befestigen können (bzw. wenn das Flauschbällchen das Zeitliche gesegnet hat). Es muss nur sehr klein und doch gut zu fassen sein. Durch die unkontrollierte Bewegung des Drahtes wird der Spielgegenstand zum „fliegenden Insekt“ (bitte anfangs flügellahm, also in Bodennähe!),

Ø                 eine Pfauenfeder, nicht zum Kitzeln!!, sondern fürs Anschleich-Training;

Ø                 eine lange, dünnere (Sisal-) Schnur mit einem Knopf am Ende (und ein paar zwischendurch zum besseren Dirigieren) mach Spaß – aber KEINE Wolle! -, sofern mit unterschiedlichem Tempo (langsam anfangen) durch die halbe Wohnung und über strapazierfähige (nicht zu hohe) Möbelstücke gezogen;

Ø                 viele Katzen finden einen Laserpointer toll, meine hatten freilich bald heraus, dass es da nix zu gewinnen gab und verloren, alle Jubeljahre mal doch hervorgeholt, nach wenigen Minuten das Interesse. Weil außerdem bevorzugt von menschlichen Couchpotatoes benutzt, spielt Mensch auch nicht wirklich mit. Kann Ihr Senior sich dafür erwärmen, können Sie jedenfalls nebenbei nicht fernsehen, weil der Laserstrahl niemals auf die Katze gerichtet sein darf - bei einer schnelleren Bewegung könnte der Strahl das Gesicht = Augen treffen!!

Ø                 Und manche sind total heiß auf Glöckchen, also lassen Sie’s zwischendurch (moderat) bimmeln.

 

Fangen Sie an zu basteln oder stürmen die nächste Zoohandlung, das Angebot ist ziemlich überwältigend, zeitigt aber nicht immer den erwünschten Erfolg. Aber vergessen Sie NIE die

 

 

GRUNDREGELN

 

Sie gelten für eine Solomieze genauso wie für eine Gruppe:

 

Ø                 Bedienen Sie die individuellen Wünsche, ohne das Kommando abzugeben, d. h. Sie bleiben Playmaster und steuern den Ablauf, damit in der Hitze des Gefechts keine Übergriffe passieren = bleiben Sie selbst außer Reichweite und bieten weder Hände noch sonstige Einzelteile als Spielobjekt an – für die Katze macht es (in diesem Fall) keinen Unterschied, ob Ihre Beine nackt oder mit Jeans bekleidetet sind;

Ø                 heizen Sie niemals den Adrenalinspiegel auf und lassen Mieze dann im luftleeren Raum hängen, ohne dass sie sich abreagieren konnte. Heißt, gönnen Sie ihr unbedingt zwischendurch Erfolgserlebnisse (sonst verliert sie das Interesse) und achten darauf, dass sie das Spielfeld IMMER als Sieger verlässt!

Ø                 Fangen Sie besonders bei Dickerchen und Alten sehr gemäßigt an – in der Regel zeigt sie an, wann’s öde wird und Steigerung angebracht wäre. Erzwingen lässt sich sowieso nichts, aber es wäre taktisch nicht unklug, aufzuhören, bevor der Reiz nachlässt und die Galanummer ihre Attraktion eingebüßt hat.

 

Apropos Hitze und Gefecht: Manchmal lässt sich auch Mensch hinreißen, aber spielen hat nichts mit ärgern zu tun. Also schwenken Sie ein Spielzeug weder wild durch die Gegend (das wirkt bedrohlich und kann Angst machen) noch lassen es ständig in unerreichbarer Höhe herumhampeln. Fuchteln Sie ihr genauso wenig mit was auch immer provokant vor dem Gesicht herum – und wundern sich dann womöglich, wenn sie Ihnen eins überzieht.

Katzen sind ja nicht blöd und wissen sehr gut, wer am anderen Ende hängt. Dazu sind sie immer noch jung genug ...

 

 

 

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