Diabetes bei Katzen

DIABETES

 

Die „Epidemie des 21. Jahrhunderts“ bei Menschen – auch bei Katzen steigt die Tendenz

 

 

 

Kaum eine Erkrankung wird, weil's nicht weh tut, so häufig "übersehen" oder klingt so kompliziert und aufwändig behandelbar wie Diabetes. Und zu allem Übel muss auch nicht alles Diabetes sein, das danach aussieht, da etliche gravierende Anzeichen auch Symptome anderer Erkrankungen sein können und vor allem jenen einer Überfunktion der Schilddrüse ähneln, weshalb dieser hier auch ein kleines Kapitel gewidmet ist. Wie auch immer, Diabetes ist nur bei Vernachlässigung ein (sehr grausames) Todesurteil, also verschließen Sie nicht die Augen, sondern packen Sie’s an ...

 

 

APPELL VORNEWEG

 

Herzpatienten oder Angehörige von Demenzkranken etc. schließen sich häufig zusammen, um einander zu helfen, damit umgehen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen ... das tun auch viele Tierbesitzer und im Web wimmelt es nur so von Foren. Nun ist es unbestritten immens hilfreich, wenn man sich mit einem Problem nicht alleingelassen fühlt, allerdings absolut unerlässlich, dabei sehr sorgfältig zu selektieren und sich nicht das rauszupicken, das der eigenen Bequemlichkeit am nächsten kommt – die Katze muss es ausbaden! Verlassen Sie sich daher bitte niemals auf irgendwelche Wundermittel oder sonstige esoterische Beschwörungsformeln, die irgendeine unbekannte oder auch die Nachbarskatze kuriert haben sollen, selbst wenn sie noch so schlüssig klingen.

Weil: Viele Diabetiker brauchen zwar (noch) kein Insulin, doch ohne Tierarzt können Sie das nicht wissen! Weshalb Sie die in diesem Artikel gebotenen Informationen nur für das Problem sensibilisieren und nur als Basis dienen können, um mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens aktiv zusammenarbeiten zu können – was bedeutet, dass Sie ohne seine Beratung nichts unternehmen und/oder, falls sich auch nur kleinste Bedenken einstellen, definitiv eine zweite Meinung einholen sollten. Immerhin muss nicht zwingend jeder Veterinär automatisch ein Spezialist auf diesem Gebiet sein.

Das gilt auch für einen etwaigen Einsatz homöopathischer Mittel, mit welchen man in vielen Fällen durchaus das Inselorgan effizient beeinflussen kann. Aber ob das angezeigt respektive ausreichend ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab und das kann nur ein Veterinär beurteilen, der sich wirklich auskennt – soll heißen: Entweder ein Homöopath oder ein Schulmediziner, der mit der homöopathischen Behandlung von Diabetes praktische Erfahrung hat!! Denn wie die Praxis gezeigt hat, reicht es in diesem Fall nicht, wenn ein Doc Homöopathie aufgeschlossen gegenübersteht und z.B. (wie es häufig geschieht) neben den „normal“ erforderlichen Insulingaben auch entsprechende homöopathische Mittel anwendet – das kann verdammt ins Auge gehen!! Es ist sehr wohl möglich, zweigleisig zu fahren, aber das ist ein extrem sensibles Unterfangen, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehen will.

Zudem kann es sein, dass der Diabetes nicht auf einer Schädigung des Inselapparates im Pankreas beruht, sondern auf einer Fehlleistung der Hirnanhangdrüse (Diabetes insipidus genannt und einer homöopathischen Behandlung äußerst schwer bis nicht zugänglich).

Fazit:

1. Diabetes kann nur ein Tierarzt diagnostizieren.

2. Für die Behandlung sind ausschließlich studierte Experten zuständig.

3. Starten Sie auch dann, wenn Sie das Gefühl haben, es wär’ eh nicht so dramatisch, keinesfalls Versuche in Eigenregie, z.B. bevor als letzte Möglichkeit die tägliche Insulinspritze ins Gespräch kommt.

 

 

GIBT ES EINE „ZIELGRUPPE“?

 

Im Prinzip kann die Erkrankung zwar in jedem Alter auftreten, aber überwiegend sind Tiere mittleren bis höheren Alters (älter als sieben Jahre) betroffen. Anders als bei den Hunden, wo die unkastrierten Mädels ein erhöhtes Krankheitsrisiko aufweisen, erkranken bei den Katzen männliche Tiere und Kastraten häufiger. Statistiken helfen uns freilich nicht wirklich weiter. Details über Auslöser und Begleiterkrankungen respektive umgekehrt finden Sie im Textverlauf.

Eine besondere Rolle bei beiden Geschlechtern spielt indes vor allem Übergewicht (ungefähr im gleichen Prozentsatz), wobei durch die ständig hohe Nahrungsaufnahme, die zur Aufrechterhaltung der Körpermasse erforderlich ist, ein relativer Insulinmangel verursacht wird/werden kann. Die gute Nachricht ist, dass eine Reduktion des Gewichts bei Pummelchen mitunter durchaus dazu führen kann, dass der Körper wieder selbst Insulin produziert und korrekt verwertet. Für Diabetes-Katzen muss sowieso ein besonderes Ernährungsprogramm zusammengestellt werden, übergewichtige Patienten (wobei das allen anderen definitiv auch nicht schaden kann) sozusagen zweifach, um außerdem eine Gewichtsreduktion zu erreichen. Das Wichtigste dabei ist:

 

Ø                 Bitte vorsichtig und hübsch langsam, d. h. das Gewicht um nie mehr als rund ein bis maximal zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche senken! Insgesamt sollte die Katze also peu á peu um mindestens fünf Prozent „leichter“ werden.

Ø                 Tipps zum Abnehmen finden Sie im Artikel „Allzu rund ist ungesund“. Denn: Hungern lassen bringt’s definitiv nicht, sondern belastet, schadet und schwächt. Mehr Bewegung wäre freilich nützlich. Eine halbe Stunde oder zweimal 15 Minuten täglich, wobei moderat reicht.

 Sie müssen also Dickerchen nicht über den Teppich jagen (sofern es sich lässt) und einen Herzkasper provozieren ...

 

Apropos Bewegung: Die weniger gute Meldung ist, dass die „klassischen“ Anzeichen = auffallend reichliche Harnmengen und gesteigerte Durst (siehe nächstes Kapitel) bei Freigängern leicht übersehen werden. Oft wird auch eine deutlich schlanker gewordene Linie (Anzeichen Nummer drei) trotz beträchtlichem Appetit mit einer Reviererweiterung in Zusammenhang gebracht, d. h. wir nehmen an, dass die Katze größere Strecken zurücklegt als gewohnt und sich so ihre Kilos „abtrainiert“. Das gibt’s ja nun tatsächlich, ohne dass es Besorgnis erregend wäre – die Meinen platzen im Winter aus allen Nähten, während sie sommers (abgesehen von der Muskelmasse) Modelmaße annehmen ...

Jedenfalls kann eine gelegentliche Blutuntersuchung nicht schaden – ein Anstieg der Leberenzymaktivitäten kann unter anderem auch ein Indiz für Diabetes mellitus sein. Wird dieser entsprechend behandelt, darf sich die Mieze weiterhin ungetrübter Freiheit erfreuen.

 

 

WIE ÄUSSERT SICH DIABETES?

 

Keinen Grund zur stillen Freude, sondern das Klingeln der Alarmglocken auslösen sollte selbstverständlich in jedem Fall, wenn Sie nun einen Sofatiger üppig herangefüttert haben, der plötzlich oh Wunder trotz Appetit allmählich schlanker wird. Weil übergewichtige Tiere generell nicht von alleine Richtung Idealmaße driften, da ist in der Regel immer etwas Übles im Busch und sollte ärztlich abgeklärt werden. Es muss sich also keineswegs „nur“ um (den Beginn einer) Diabetes handeln ...

Anzeichen für diese wären

 

 

Ø                  ständiger Hunger bei gleichzeitigem Gewichtsverlust;

Ø                 stark erhöhte Harnausscheidung (Polyurie), die quasi als ausgleichenden Faktor

Ø                ständigen großen Durst (Polydipsie) zur Folge hat, damit der Körper nicht austrocknet (was unbehandelt logischerweise nicht lange gut geht);

Ø                 Diabetes Patienten sind zudem häufig matt und müde, das Leistungsvermögen sinkt;

Ø                 der Atem kann fruchtig riechen;

Ø                 sie zeigen oft vermehrten Haarausfall und ein stumpfes, trockenes Fell,

Ø                 sind anfälliger für Infektionen

Ø               und eine Linsentrübung (diabetischer Katarakt) bzw. Veränderungen der Netzhaut (diabetische Retinopathie) kann die Sehkraft schwächen.

 

Nun sind indes auch Diabetes-Katzen keine Klone und so zeigen manche überhaupt keines dieser Symptome oder nur eins oder nicht so, dass wir aufmerksam werden. Natürlich abhängig vom Stadium, hilft uns das trotzdem kaum weiter. Eine Nachfrage hat fast einhellig ergeben, dass starker Durst zuerst aufgefallen ist - derweil es andererseits heißt, dass im Unterschied zum Hund gelegentlich vor allem die ersten drei genannten Diabetessymptome (also auch die Trinkgewohnheiten) bei Katzen weniger deutlich ausgeprägt sein können. Und die dann auch schon mal aufgrund anderer Ungereimtheiten (wozu wiederum Appetitlosigkeit gehört) in die Praxis gebracht werden, z. B.

 

Ø                 mit Anzeichen (diabetesbedingter) Gehbeschwerden, bevorzugt an den Hinterbeinen, die durch Schwäche, Muskelschwund und einem Aufsetzen der Pfoten mit dem gesamten Mittelfußwurzelknochen gekennzeichnet sind. Womit auch die Freigänger wieder ins Spiel kommen, weil man zunächst an eine Verletzung denkt.

 

Vielfach wird Diabetes auch quasi zufällig festgestellt, etwa im Zuge einer Herzerkrankung. Bei menschlichen Infarktpatienten hat beispielsweise bereits ein Drittel Diabetes und ein weiteres Drittel befindet sich Vorstadium. Weiters kann es, da zur Deckung des Energiebedarfs Fett und Eiweißquellen abgebaut werden, bei anhaltend hohem Blutzuckerspiegel zum sogenannten Zuckerkoma (diabetogene Ketoacidose) kommen. Bei Fortschreiten der (unbehandelten) Krankheit kann die Katze zudem nicht nur bis zur dürren Hungerharke abmagern, sondern auch an Schweratmigkeit, Erbrechen und Apathie leiden. Und: Einzeln betrachtet können Symptome wie vermehrte Harnausscheidung entweder auch auf andere Erkrankungen hinweisen (oder mit Diabetes vergesellschaftet sein), etwa auf eine chronische Niereninsuffizienz, Eiteransammlung in der Gebärmutter oder Leberinsuffizienz, um nur einige zu nennen. Oder Anzeichen einer

 

 

ERKRANKUNG DER SCHILDDRÜSE

 

sein, nämlich wenn zu den vorgenannten Symptomen noch einige hinzukommen wie

 

Ø                Nervosität und Reizbarkeit, häufiges Hecheln und Erschöpfung schon bei kleineren Anstrengungen, wiederholtes Erbrechen, faulige Durchfälle, oder Mieze sucht auch bei moderaten Temperaturen eher kühle Plätze auf. Haben Sie dann beim Streicheln womöglich zudem noch den Endruck, dass ihr Herz schneller schlägt – ja, dann sind wir schon im Fahrwasser einer Schilddrüsenüberfunktion ...

 

Hinter dieser vor allem bei älteren Katzen überaus häufigen Hormonstörung steckt meist eine gutartige Gewebswucherung, doch so gutartig sie auch sein mag, hat sie große und letztlich auch lebensbedrohende Auswirkungen. Allerdings hat auch eine Unterfunktion fatale Folgen, vor allem Jungtiere bleiben sowohl in ihrer geistigen wie körperlichen Entwicklung zurück. Fallen Sie jetzt nicht in Ohnmacht, sondern lassen das abklären!

 

Ø               Und zwar indem bei Hinweis auf Diabetes VOR jeder Insulinbehandlung unbedingt mittels entsprechender Tests eine etwaige Fehlfunktion der Schilddrüse nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden sollte!

Ø                Weil eine Schilddrüsenüberfunktion als zweithäufigste Drüsenerkrankung bei Katzen gilt, gleich nach Diabetes mellitus.

 

 

WELCHE DIABETESFORMEN GIBT ES?

 

Zunächst wird zwischen Diabetes insipidus und Diabetes mellitus unterschieden, wovon Erstgenannter bei Katzen trotz fast gleichem klinischen Bild nur äußerst selten beobachtet wurde, während Diabetes mellitus am weitesten verbreitete ist und in verschiedene Formen unterteilt wird (siehe nächstes Kapitel).

 

Ø               Diabetes insipidus, darunter versteht man einer Störung der Harnausscheidung mit fehlender Wasserabsorption in der Niere. Der neurogene oder zentrale Diabetes i. äußert sich in Polyurie als Folge eines absoluten oder relativen Mangels an dem Hormon Vasopressin, welches die Harnausscheidung behindert. Mit einem nephrogenen Diabetes i. bezeichnet man die fehlende Reaktionsfähigkeit der Niere auf die hemmende Funktion dieses Hormons.

Ø            Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe komplexer Störungen des Kohlenhydrat-, Protein- und Fettstoffwechsels, wobei es durch absoluten oder relativen Insulinmangel zu einer Störung der Glucoseaufnahme in die Zellen kommt. Insulin wiederum ist ein von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziertes Hormon, das den Blutzuckerspiegel regelt, indem es für die Aufnahme von Blutzucker (Glucose) in die Zellen sorgt. Bei Diabetes mellitus wird zu wenig Insulin produziert oder die Zielzellen reagieren nicht darauf, sodass die Glucose im Blut ansteigt während die Zellen „hungern“. Die im Blut angereicherte Glucose wird über den Harn ausgeschieden (Glucosurie).

 

 

WIE ENTSTEHT DIABETES MELLITUS?

 

Da die Mechanismen bei Katzen noch relativ unerforscht sind, lehnt man sich an die humanmedizinische Klassifikation an, wenngleich diese Typisierung in der Tiermedizin nicht als ganz so unproblematisch anzusehen ist wie im Humanbereich und ein erfahrener Veterinär mehr als dienlich wäre. Man unterscheidet in eine sekundäre und in eine primäre Form, Letztere wiederum wird in Typ 1 und Typ 2 unterteilt.

 

Ø                 ***  Die sekundäre Form entsteht im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, die zu einer Sekretvermindung oder beeinträchtigenden Wirkung von Insulin führen. Relativ häufig soll eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit dieser Form vergesellschaft sein, ebenso (meist) bösartige Geschwülste, Zahn- und Zahnfleischerkrankungen, chronische Harnwegsinfektionen und in selteneren Fällen andere endokrine (innere Drüsen-) Erkrankungen wie z.B. eine Schilddrüsen-fehlfunktion. Als häufigste Auslöser für einen sekundären Diabetes gilt das Verabreichen von Progestagenen (Hormone zur Unterdrückung der Rolligkeit wie z.B. die „Pille“) sowie eine vorangegangene Therapie mit Cortison bzw. Glukokortikoiden (Wirkstoffe zur Regelung des Zuckerhaushaltes). Nach Ausschalten dieser Faktoren ist dieser Diabetes meist reversibel.

 

Ø            Beim primären Diabetes mellitus Typ-1 besteht ein absoluter Insulinmangel, der dadurch entsteht, dass die Insulin produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nicht oder nur unvollständig entwickelt und daher abhängig von einer exogenen Insulinzufuhr sind. Der Katze muss also Insulin verabreicht werden. Dieser Diabetestyp scheint jedoch eher selten zu sein;

Ø            Diabetes mellitus Typ-2, die häufigste Form, ist ein relativer Insulinmangel, gekennzeichnet durch eine periphere Insulinresistenz bzw. eine beeinträchtigte Insulinsekretion, d. h. es wird zwar Insulin produziert, aber die Zellen können es nicht aufnehmen. Vergleichbar mit den Verhältnissen bei Menschen kann der Patient je nach Schweregrad der Erkrankung insulinabhängig sein oder auch nicht.

 

Hinweis zur sekundären Form: Da Cortison bei Diabeteskatzen kontraindiziert ist, sollte es, erscheint es unerlässlich wie z.B. bei Asthma, nur in sehr geringer Dosierung oder via Inhalation gegeben werden.

Hinsichtlich Ty-2 sei erwähnt, dass diese Diabetiker mithilfe entsprechender Stimuli zwar in der Lage sind, körpereigenes Insulin auszuschütten, jedoch mit verminderter Wirkung und/oder abnormalem Sekretionsmuster. Im Zusammenhang damit wird als charakteristische Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse Amyloidose (eine bis jetzt stets tödlich verlaufende Erbkrankheit) genannt. Wobei das Amyloid im Pankreas durch Ablagerungen des Hormons Amylin, das gemeinsam mit Insulin in den Beta-Zellen produziert, diese zerstört.

 

 

DIAGNOSE

 

Ein Blutbild ist zusammen mit einer Harnuntersuchung unerlässlich. Sie können der Mieze zwar ein in der Apotheke erhältliches Teststreifchen beim Pinkeln unters Hinterteil halten, um eine eventuelle Vermutung bestätigt zu bekommen – das ist aber als Nachweis definitiv nicht aussagekräftig genug. Auch eine alleinige Urinuntersuchung durch den Doktor nicht, denn nicht jede Katze mit einer Glukosurie leidet auch an Diabetes mellitus, d. h. es muss auch der Blutglukosespiegel kontrolliert werden.

 

Ø                Bei der Auswertung ist jedoch unbedingt das kätzische Nervenkostüm während der Blutabnahme bzw. dem Praxisbesuch insgesamt zu berücksichtigen: Angst und Aufregung können durch Ausschüttung von Stresshormonen zu erhöhten Blutzuckerwerten führen, die weder etwas mit Diabetes noch mit Diabetes-assoziierten Erkrankungen zu tun haben müssen;

Ø                ob gestresst oder nicht lässt sich oft nicht immer genau beurteilen (im Zweifelsfalle ja), weshalb bei der Erstdiagnose generell zwecks Ausschließung dieses Umstandes Messungen von glykiertem Hämoglobin oder dem aufgrund größerer Stabilität besser geeigneten Fructosaminwert empfohlen werden (Erhöhung: Diabetes, Normbereich: Stress) – ABER Katzen mit einer Hypo- oder Hyperproteinanämie (verminderter/vermehrter Eiweißgehalt im Blut) müssen von der Fructosaminbestimmung ausgeschlossen werden.

 

Zur Absicherung der Diagnose sollten jedenfalls immer sowohl umfassende Untersuchungen im Hinblick auf begleitende Veränderungen bzw. Erkrankungen als auch auf diabetesauslösende Grunderkrankungen vorgenommen werden – weil dadurch unter anderem auch entzündliche Prozesse aufgespürt werden können.

Denn eine Diagnose, so präzise wie nur irgend möglich, ist die halbe Miete. Und auch wenn Diabetes mellitus eine schwere chronische Erkrankung ist, die in den meisten Fällen einer lebenslangen Therapie bedarf, so kann Mieze doch bei richtiger Einstellung und konsequenter Handhabung ein fast ganz normales Lebensalter erreichen. Ohne gravierende Einbußen an Lebensqualität.

 

 

GEHT’S NICHT AUCH OHNE SPRITZEN?

 

Orale Antidiabetika würden nur in jenen wenigen Fällen eingesetzt werden dürfen, wo noch eine ausreichende Restfunktion der Beta-Zellen vorhanden ist – und auch hier nur über eine begrenzte Zeit. Die wesentlichsten Kriterien dabei sind, dass die Katze bei gutem Allgemeinbefinden ist, nur gering ausgeprägte Diabetessymptome zeigt, keine Ketonurie (Ausscheidung von Aceton mit dem Harn) und keinerlei weitere Erkrankungen hat. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass sich Nebenwirkungen einstellen (Gelbsucht, Erbrechen, Erhöhung der Leberenzyme), die nach Reduktion oder Absetzen des Medikaments indes zumeist reversibel sind. Sehr viele Katzen sprechen jedoch auf orale Medikation überhaupt nicht an, d. h der Zustand der Patientin verschlechtert sich und es geht viel Zeit verloren. Zudem verliert die Arznei nach einigen Wochen/Monaten ihre Wirksamkeit und die Umstellung auf Insulin wird unumgänglich.

Eine orale Medikation in keinem Stadium ist angezeigt, wenn die Katze bereits zehn Prozent ihres Körpergewichtes verloren hat, bei (einsetzender) Austrocknung oder deutlichen Allgemeinstörungen – sie braucht unbedingt Insulin! Sie sollten sich von dieser Idee also besser verabschieden, zumal das bisher gängige Mittel Glipizd vor einigen Jahren vom Markt genommen wurde und Studien über Alternativen für Katzen nicht vorliegen.

 

 

ALS EFFEKTIVSTE LÖSUNG BLEIBT ...

 

... das Verabreichen von Insulin. Es ist neben gleichzeitiger kontrollierter Ernährung Eckpfeiler einer erfolgreichen Therapie und wohl nicht nur die bestmögliche Hilfe, sondern natürlich auch eine große Herausforderung. Sowohl für den Tierbesitzer als auch für den Veterinär, der sich an die richtige Dosierung sozusagen erst herantasten muss, um das Ziel zu erreichen: Den Blutglukosespiegel so zu regulieren, dass die Diabetessymptome nicht oder nur gering ausgeprägt sind.

 

Ø                Das erfordert viel Geduld und kann unter Umständen Wochen bis Monate dauern, da als wesentlichstes Kriterium die Startdosis sehr niedrig angesetzt werden soll (als relativ sicher bei allen Insulinen wird 0,25 IE pro kg/KG genannt, aber das müssen Sie mit Ihrem Doc abklären);

Ø                 vor allem bei übergewichtigen Katzen wird vor unangemessen hohen Anfangsdosen (= innerhalb der ersten zwei bis drei Behandlungswochen) gewarnt und vermerkt, dass zur Bestimmung der Dosis unbedingt das ideale Körpergewicht heranzuziehen ist. Wem diese Einstellungsphase zu strapaziös erscheint und daher die Katze währenddem in einer Klinik zu deponieren gedenkt: Der Stress (aufgrund diesem häufig verbunden mit mangelndem Appetit) kann sie insulinresistent erscheinen lassen und die Dosis fällt zu hoch aus. Und:

Ø                Letztlich kommen Sie um die Spritzen zweimal täglich im Abstand von zwölf Stunden (subkutan = unter die Haut appliziert mittels dafür am besten geeigneten dünnen Nadeln) sowieso nicht herum, also schieben Sie das Opfertier nicht ab. Zumal Anwender berichten, dass das dramatischer klingt als es ist, weil die Spritzen ins Nackenfell gesetzt werden analog einer Impfung und die Patienten sich das daher ohne auszurasten gefallen lassen – freilich: Eine sichere Hand begünstigt den Vorgang, also lassen Sie sich das zeigen.

 

Dennoch ist auch danach eine permanente Überwachung erforderlich, d.h. in regelmäßigen Etappen muss überprüft werden, ob die Katze „richtig eingestellt“ ist, inwieweit also die Behandlung erfolgreich war und ob die Insulingaben in der bisherigen Dosis beibehalten werden können oder vielleicht eine Anpassung vorgenommen werden muss.

 

Ø                 Eventuelle Erhöhungen sollten jedenfalls nur wöchentlich und in kleinsten Schritten erfolgen.

Ø              "Richtig eingestellt“ ist eine Katze dann, wenn sich ihr Allgemeinbefinden, Trink- und Fressverhalten sowie Harnausscheidung verbessern bzw. normalisieren, sich das (Normal-) Gewicht stabilisiert und die Lebensqualität insgesamt steigt. Messbar auch an der konstanten Blutzuckerkonzentration. Das können Sie auch zu Hause machen.

Ø                 Nachlässigkeit wird bestraft und die Mieze muss es ausbaden. Denn bei einem unvollständig eingestellten Diabetiker treten sehr bald Folgeerscheinungen auf, wie z.B. eine Trübung der Augenlinsen, Nieren- und Leberschäden, Zahnfleischerkrankungen etc. Bestenfalls ... und im Prinzip war die ganze Mühe nicht mal für die Katz’ ...

 

Tipp: Sollte Ihre Mieze zu den „schwer einstellbaren“ Diabetespatienten gehören und ein Blutglukosetagesprofil erforderlich sein (= Bluttest in ein- bis zweistündlichen Abständen über zwölf Stunden), lassen Sie sich den Gebrauch einer Stechlanzette erklären und bitten um (oder organisieren) ein portables Glukosemessgerät – dann können Sie das stressfrei zu Hause machen.

 

 

GEFÄHRLICHE KOMPLIKATIONEN

 

können auftreten durch zu wenig Insulin (in Form einer Ketoazidose), durch zuviel Insulin (Unterzuckerung, kann auch durch Erbrechen nach dem Fressen verursacht werden oder eine Gegenreaktion = Somogyi Effekt sein). Alle Anzeichen und Details aufzulisten würde nun zu weit führen, sind aber beim kompetenten Tierarzt zu erfragen – der in der Regel sowieso schnellstens kontaktiert werden muss, wenn was auch immer nicht so rund läuft. Zügig auch dann, wenn die Patientin aus unterschiedlichen Gründen das Präparat nicht verträgt (in der Regel wird mit Caninsulin begonnen) oder die Wirkung ausbleibt (z.B. die Werte nur zu Beginn der Therapie ein [zu] wenig sinken und dann konstant bleiben, steigen oder schwanken), sodass ein Wechsel unumgänglich wird.

Übrigens gibt es neue Medikamente für Menschen, die als echte Bereicherung angesehen werden, weil es weder zu einer Gewichtszunahme noch zu einer Unterzuckerung kommt. Bei welcher z.B. Stresshormone ausgeschüttet werden, die den Herzmuskel schädigen können. Vielleicht können früher oder später auch unsere Leisetreter davon profitieren, denn die Pilotprojekte zu Infokampagnen werden vom Arzneimittelriesen Novartis unterstützt, der vermutlich Katzenbesitzern nicht unbekannt sein dürfte ...

Eine „echte“ Insulinresistenz ist bei Katzen sehr selten. Sollte also die Mieze z.B. nach einiger Zeit wie vorerwähnt nicht mehr wunschgemäß auf das Insulin reagieren und auch ein Wechsel hat im Endeffekt nichts gebracht, ist die Ursache zumeist ein Leiden, das aller Wahrscheinlichkeit nach Auslöser für den Diabetes war. Ohne Behandlung der Grunderkrankung ist demzufolge kaum Land in Sicht – ein Problem übelster Sorte, weil die Medikation extrem schwierig sein kann.

Andere, leichter behebbare Gründe gibt’s freilich auch:

 

Ø                So kann nämlich z.B. Insulin auch zu alt sein, durch falsche Lagerung, falsche Temperatur oder Erschütterung (etwa beim Transport) zerstört werden. Es wäre daher auch ganz übel, die Spritze vor dem Verabreichen zu schütteln, wie’s die Fernsehärzte mitunter gern tun. Der Möglichkeiten sind einige und die Auswirkungen reichen bis zur Herzinsuffizienz, also: Informieren, extrem penibel sein und nicht lange herumprobieren.

Ø                Manchmal behindert auch das Futter (Zusammensetzung!!, Zeitpunkt, Menge) die richtige Regulierung, stellen sich also Probleme ein, sollten Sie mal darüber nachdenken – denn die passende Diät kann das ausschlaggebende i-Tüpfelchen sein zwischen Erfolg und Misserfolg.

 

 

DIÄT – AUCH DAS NOCH!

     

Tja, ohne wird’s kaum gehen. Auch wenn Wissenschaftler bemängeln, dass (bei Menschen) der Schwerpunkt auf der Ernährung liege und die Bewegung mehr in den Vordergrund gerückt werden sollte (weil der Anstieg der Diabetes-Erkrankungen eine Folge der "Adipositas-Welle" sei). In leichteren Fällen wird's bei Mieze vielleicht noch ohne Diät noch gehen, ebenso im Anfangsstadium (welches freilich leider meist übersehen wird), aber irgendwann ist Ende der Fahnenstange und dann wird es für die Katze auch nicht leichter. Weshalb es Sinn macht, peu á peu anzufangen und sie langsam zu gewöhnen, zumal jeder abrupte Wechsel sowohl schadet als auch eher Widerstand (= Stress) hervorruft.

Für den Diätplan ist natürlich gleichfalls die enge Zusammenarbeit mit dem Doktor notwendig – ebenso wie Kontakt zu halten - da er weder Nahrungsvorlieben noch Fütterungsgewohnheiten kennt, an welche die Diätvorschläge unbedingt angepasst werden müssen. Wenn die Patientin alles verweigert, was man ihr so unterzujubeln versucht, ist das keiner Therapie dienlich. Da langfristig eine möglichst konstante Energiezuteilung Priorität hat, sollte die Futterzusammensetzung zudem nur aufgrund medizinischer Gegebenheiten Veränderungen unterworfen werden.

Wichtig ist Hochwertiges, worunter mageres Fleisch und rohfaserreiche Nahrungsmittel zu verstehen sind, die reichlich Protein enthalten. Zucker (auch Fruktose) ist unbedingt zu vermeiden und Fett dient nur bei untergewichtigen Diabetikern zur Steigerung der Energiezufuhr. Nach ärztlicher Absegnung können natürlich auch kommerzielle Alleinfutter für Diabeteskatzen gegeben werden, allerdings sollte Trockenfutter tabu sein. Verschiedentlich hat allein das schon ausgereicht!

Es gibt einige vernünftige Diabetes-Katzen-Websites, wo Sie sich kundig machen können, welche Futtermittel geeignet sind – erstaunlich viele, also nicht verzagen.

 

Ø                Wesentlich ist, das Insulin immer erst nach dem Füttern zu verabreichen, da die Dosis darauf abgestimmt ist,

Ø                 und dass Futterzeiten und –mengen penibel regelmäßig eingehalten werden müssen.

 

Es kann, sofern möglich, auch nicht schaden, eine Tabelle anzulegen, in der Wasseraufnahme und Harnmenge, Körpergewicht und Glukosebestimmung (mittels Harnstick) protokolliert werden. Ein anfangs vierteljährlicher Gesundheitscheck (großes Screening/geriatrisches Profil) wäre ratsam, später wird alle sechs Monate genügen.. Bis die Patientin richtig eingestellt ist, werden Sie häufiger zur Kontrolle gebeten werden, ca. alle 4-6-8 Wochen. Je nachdem, ob’s wirklich sein muss – jeder Tierarztbesuch ist Stress!!

Sollten jetzt die Wellen des Entsetzens über Ihnen zusammenschlagen aufgrund der unzähligen Dinge, die zu berücksichtigen sind – das ist bei allem Neuen so und gibt sich, sobald sich Routine einstellt ... ehrlich, kein Scherz. Und Ihre Katze wird’s Ihnen danken ...

 

 

 

 

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