Die Katze mit der Dauerwelle im Ohr - American Curl

 

AMERICAN CURL

 

Die Katze mit der Dauerwelle im Ohr

 

 

Selten hat eine neue Kreation in der Züchterwelt so große Aufmerksamkeit erregt und wurde so flugs anerkannt wie die American Curl – und wer je eine mit perfekter „Welle“ in Natura gesehen hat, wird verstehen warum. Außerdem haben sie ein total lässiges Wesen und können lächeln, dass einem das Herz aufgeht ...

 

 

            CHARAKTER – PFIFFIG

 

Aufmerksam, unkompliziert, sanft und von heiter ausgeglichenem Naturell lässt eine Curl dennoch nichts anbrennen. Ihnen nun wahnwitziges Temperament anzudichten wäre total verkehrt, aber vom Langeweiler sind sie weit entfernt - dafür sind sie wahrscheinlich viel zu neugierig und viel zu sehr darauf bedacht, nichts zu versäumen, was im Revier so passiert. Vermutlich helfen sie ja darum so gerne mit im Haushalt ... Die zärtlichen, liebevollen und Kindern gegenüber sehr geduldigen Curls sind jedenfalls ideale Hausgenossen, denn sie passen sich leicht an und kommen auch mit Hunden und anderen Haustieren (sofern sie nicht ins Beuteschema passen) nicht nur gut zurecht, sondern sie schätzen Gesellschaft. So wäre es zwar fein, aber es muss nicht unbedingt ein Artgenosse sein – nur ständig Alleinsein ist schlicht zu öde und schlägt sich aufs fröhliche Gemüt. Wer so intelligent ist, will sich schließlich auch ein bisschen gepflegt unterhalten können - und kuscheln, wenn mal kein Zweibeiner Zeit hat. Aber alles dies sind nur Worte, die ihrem unwiderstehlichen Charme eigentlich nicht angemessen gerecht werden können ...

Weshalb ich eine „Live-Besichtigung“ nur wärmstens empfehlen kann, jeder Züchter wird sich freuen. Davon gibt’s zwar in unseren Breiten nicht übermäßig viele, aber trotzdem ist es nicht sooo schwer, fündig zu werden. Es gibt sowohl in Deutschland als auch in Österreich Züchter, rundherum auch, sodass Sie nach Geschmack bzw. standardgerechten Schönheitskriterien wählen können. Wer eine Grenzüberschreitung nicht scheut, wird es jedenfalls nicht bereuen!

 

 

PFLEGE – UNKOMPLIZIERT

 

Hängt zwar davon ab, welche Haarlänge die Katze hat, denn da die American Curl von Hauskatzen abstammt und bereits die Urmutter ein etwas längeres Haarkleid trug, wurde die Rasse von Anbeginn in zwei Haarlängen gezüchtet und ist auch in allen Verbänden in beiden Haarlängen anerkannt = American Curl Kurzhaar (ACS) und American Curl Langhaar (ACL). Letztere Bezeichnung möge Sie nicht verwirren, weil deren Haarkleid nur halblang ist, also keinesfalls „Perser-Länge“ erreicht. Von deren Felldichte ganz zu schweigen.

Denn bei beiden wird die Textur des Pelzchen (abgesehen von der Länge natürlich) im Prinzip gleich gewünscht: Fein, seidig und am Körper anliegend - und es darf nur minimale Unterwolle aufweisen. Das kurze Haar wird zudem als geschmeidig beschrieben, ohne sich wie dichter Plüsch anzufühlen.

Demzufolge gestaltet sich auch die pflegliche Unterstützung einfach und es reicht absolut, wenn Kamm und Bürste einmal wöchentlich zum Einsatz kommen. Während des Fellwechsels kann mal zwischendurch nicht schaden und bei den Langhaar braucht der volle, federbuschartige Schwanz entsprechende Aufmerksamkeit – und sofern die ACL mehr Unterwolle hat als sie sollte, muss natürlich auch mehr geholfen werden.

Der Züchter wird Sie entsprechend beraten, vor allem auch dann, wenn für die Mieze Showehren angedacht sind.

Andernfalls wählen Sie eine (nicht allzu) weiche Bürste und einen Kamm mit nicht zu eng stehenden, kurzen/mittleren Zinken (Spitzen abgerundet, klar) bzw. langen Zinken mit etwas mehr Zwischenraum für zu dichtes Fell bzw. den Federbusch, damit die kostbare Fülle nicht zum Rattenschwanz mutiert. Notfalls können Sie für das gute Stück auch einen Kämmhilfespray einsetzen.

 

 

FARBEN & AUSSEHEN

 

Alle Augenfarben, Muster und Fellfarben sind erlaubt und werden in Farbgruppen aufgeteilt gerichtet - ähnlich wie bei den Naturrassen, denen sie hinsichtlich Größe und Statur (inklusive Felllänge bei den ACL) auch recht ähnlich sind. Nur vordergründig im Groben betrachtet selbstverständlich, weil jede für sich über ganz eigene Charakteristika verfügt bzw. verfügen muss.

Das heißt wir sehen bei den Curls insgesamt eine mittelgroße Katze, deren Körper eineinhalb Mal so lang gewünscht wird wie die Schulterhöhe beträgt. Das klingt kompliziert, beschreibt aber im Grunde eine wunderbare Harmonie der Proportionen, eine eher schlanke denn massive Katze, bei der alles „mittel“ und ohne Extreme ist, mit sanften Konturen und Übergängen und mit geschmeidiger Muskulatur. Der Schwanz in gleicher Länge zum Körper, die Augen mäßig groß, walnussförmig, also oben oval und unten rund, stehen mit einer Augenbreite dazwischen im leichten Winkel zwischen Ohransatz und Nasenspitze. Die gewünschten Proportionen des Kopfes (inklusive „Rest“) verdeutlichen die Bilder.

Das Um und Auf und das wesentlichste Merkmal dieser Rasse sind natürlich die einzigartigen (tunlichst behaarten) Ohren: Weit am Ansatz und offen, in sanftem Bogen nach hinten gebogen, wenn man sie von vorne und von hinten betrachtet; die Spitzen sind gerundet und biegsam. Die Krümmung des Bogens soll mindestens 90 Grad, jedoch nicht mehr als 180 Grad betragen; der Knorpelrand muss fest sein, an der Basis beginnen und mindestens bis zu einem Drittel der Höhe reichen. Die Größe der Ohren allgemein wird mit “angemessen“ bezeichnet, das heißt in harmonischer Proportion zum Kopf. Sie müssen aufrecht stehen, gleichmäßig gewachsen sein und oben auf der Seite des Kopfes platziert.

Manchmal kann man ja daraus, wie eine Katze nicht aussehen sollte, mehr lernen, als aus der Aufzählung der erwünschten Eigenschaften, weshalb ich die Fehlerliste nicht aussparen möchte, gültig für beide: Kopf: Siamtyp; tiefer "Break" in der Nase; kleine Augen; übermäßig großer, gedrungener oder röhrenförmiger Körper. Langhaar: Dichte Unterwolle, starke Halskrause, grobe oder weiche Textur. Kurzhaar dichte Unterwolle, grobe Textur, dichtes oder plüschartiges Fell. Fehler, die das Zertifikat ausschließen: Eine extreme Krümmung bei den Erwachsenen, wo die Ohrenspitze die Hinterseite der Ohren oder den Schädel berühren. Ohne Zertifikat bleibt eine auch Katze mit geraden Ohren oder einer starken Missbildung, ebenso mit dicken oder verkalkten Ohren oder bei einem Fehlen des Knorpels am Ohransatz.

 

 

GESCHICHTE – AMERICAN WAY OF LIFE

 

 

Der Start war fulminant, die Katze mit den aparten Kräuselohren kam, sah und siegte, auch in ihrem Ursprungsland USA. Soll heißen: bereits die Urmutter sorgte für Entzücken, obwohl sie “nur“ eine schwarze Streunerin war – aber die originelle Welle in den Ohren, die vielleicht ein wenig an eine sich öffnende Rosenknospe erinnerte, verlieh ihr ein einzigartiges, pfiffiges Aussehen.

Die Geschichte dieser außergewöhnlichen Rasse begann in Lakewood/Kalifornien im Juni des Jahres 1981, als bei Joe und Grace Ruga (Curliniques) zwei junge Hauskatzen mit „Lockenwickler“ in den Ohren auf der Türmatte saßen. Und abgesehen vom vermuteten dramatischen Ende eines der beiden Kätzchen ist es eine sehr erfreuliche Geschichte, weil die schwarze Schwester mit dem etwas längerem, seidigen Haar zu bleiben beschloss. Sie wurde „Shulamith“ getauft und überraschte ihre neuen Menschenfamilie Ende des gleichen Jahres mit vier Katzenbabys – wovon zwei Mamas gekräuselte Ohren hatten.

Das gab den Ruga’s nun doch zu denken und sie begannen der Sache nachzugehen, kontaktierten Züchter, wurden an Genetiker weitergereicht und erfuhren, dass diese eigenartige Stellung der Ohren offenkundig einer Spontanmutation zuzuschreiben sei. Also weder Ausdruck einer Missbildung wäre noch eine solche hervorrufen würde. Aufgrund der geringen Erfahrungswerte nach einem Wurf vielleicht eine ein wenig verfrühte Diagnose, die sich glücklicherweise in der Folge jedoch bewahrheitete.

Das Ehepaar Ruga verlor nämlich keine Zeit und begann, dieses zauberhafte Geschenk der Natur gezielt zu züchten und sich für die Anerkennung als neue Rasse einzusetzen. Bereits zwei Jahre nach „Shulamit’s“ Einzug ins geordnete Leben, 1983, wurden die ersten Curls auf Shows präsentiert und verblüfften nicht nur die Zuschauer, sondern animierten andere Züchter, sich mit dieser bezaubernden Novität zu beschäftigen. Unter anderem die Catterys Patriot, Mihit und Beleriand. Ob nun der TICA die Ehre der Erstregistrierung (1985) gebührt oder der CFA (1986), da sind sich die Quellen nicht einig, ist freilich recht unerheblich – es ging jedenfalls beachtlich schnell. Das war wohl auch notwendig, denn die „Welle“ schwappte über und von Japan bis Australien reisten Interessenten gen USA.

 

 

GESCHICHTE - WELLENGANG IN EUROPA

 

Eigentlich war’s eher ein leichtes Plätschern ... Während die Engländer unüblich lange grübelten, sodass erst 1995 die ersten Kräuselohren ihre Pfötchen auf die Grüne Insel setzten, reisten bereits 1988 die ersten Curls nach Frankreich und 1993 nach Deutschland, wo dem schicken Pärchen allerdings kein Nachwuchs beschieden war. Sorgen mit den Hormonen plagten den erste Curl in der FIFe, den langhaarigen „Mihit Patrice Chereau“ (schwarz-weiß), von vornherein nicht, denn als einer der ganz seltenen homozygoten Curls (mit fünf Generationen Curls im Stammbaum) sollte er „nur“ als Ausstellungskastrat reüssieren. Leider graulte sich der Prächtige vor Shows, also mochte ihn seine Besitzerin, die Ragdollzüchterin Renate Wald (Ciara’s), damit nicht plagen. Zumal die Curls in der FIFe damals noch recht stiefkindlich behandelt wurden ...

Bis sich die finnische FIFe-Richterin und begeisterte Curl-Besitzerin Satu Hämäläinen (Siriuksen) dafür stark machte und letztendlich dieser charmanten Rasse 2002 zur Aufnahme in die FIFe-Familie verhalf. Danach ist die Zahl der interessierten Züchter zwar etwas angewachsen, aber der Tsunami blieb aus und es scheint, als wäre die Welle ein wenig verebbt – so sind die American Curl eine Rarität geblieben. Und das mag verstehen wer will, denn sie sehen wirklich hinreißend aus! Aber natürlich ist das eine Frage des Geschmacks.

Und was lässt Züchter zögern?

 

 

BLÜTE IM OHR – KEIN LETALFAKTOR

 

Was (bezüglich der Lauscher) den gesundheitlichen Aspekt betrifft, ist die Zucht jedenfalls nicht schwierig. Bereits bei den Gründern stellte sich im Verlauf weiterer Paarungen heraus, dass das zuständige Gen unvollständig dominant vererbt wird und, wie bei „Shulamiths“ Überraschungswurf, sowohl Kitten mit Kräuselohren als auch „straight ears“ im Nest liegen können, wenn etwa einer der Paarungspartner über normal aufrechte Ohren verfügt. Insofern war es relativ einfach, von Anbeginn an festzustellen, ob ein Letalfaktor damit verbunden ist oder nicht. Den letzten Beweis erbrachte die erste Verpaarung von zwei Curls - alles paletti, Bedenken gesundheitlicher Natur ausgeräumt. Vollständig geklärt ist der Erbgang zwar nach wie vor nicht, aber immerhin konnten bis heute keinerlei negativen Auswirkungen beobachtet werden.

Hinsichtlich der perfekten Welle schaut die Sache freilich schon recht anders aus, denn beim Grad der Kräuselung lässt sich die Natur nicht ins Handwerk pfuschen. Soll heißen: der Züchter hat keinen Einfluss darauf (ähnlich wie bei den weißen Handschuhen und Sporen der Heiligen Birma oder bei der Vererbung des Scheckungsgens insgesamt. Beispielsweise) und es gehört eine gute Portion Glück dazu. Und Gelassenheit.

Die Kätzchen kommen nämlich mit ganz normalen Ohren zur Welt, weisen jedoch im Unterschied zu den normalen Katzenohren einen festen Knorpel (ähnlich dem unseren) von der Basis bis zu maximal zwei Drittel der Höhe auf – was bei den Winzlingen allerdings noch nicht erkennbar ist. Erst wenige Tage nach der Geburt beginnen sie sich allmählich aufzurichten und sich langsam ein wenig nach hinten zu einer Knospe zu kräuseln. Oder auch nicht oder erst später, die Stadien sind unterschiedlich, doch ab dem dritten bis vierten Lebensmonat entfaltet sich die Blüte vollkommen, und die Ohren nehmen ihre endgültige Form an. Frühestens dann ist erkennbar, ob die kleine Mieze showtauglich gekräuselte Lauscherchen hat und – weil als wichtigstes Charakteristikum dieser Rasse – bei der richterlichen Beurteilung die erforderliche hohe Punktezahl erreicht.

In diesem Fall bilden die Ohren einen eleganten, halbmondförmigen Bogen nach hinten und die Ohrenspitzen zeigen zur Kopfmitte. Der Krümmungsgrad spielt in jedem Fall die Hauptrolle in der Beurteilung der Qualität einer American Curl. Bei Abweichungen von der Perfektion wird zwar unterschieden zwischen noch zuchttauglich (= leichte Welle) und Liebhabertier (= gerade oder fast gerade Ohren), allerdings werden auch Katzen mit aufrechten Ohren von der Zucht nicht komplett ausgeschlossen, da sie in der Nachzucht zumindest ein statistisches Mittel an Kräuselohren hervorbringen können, wenn der Partner eine schöne Welle hat. Und, das sei gleichfalls noch erwähnt, Eltern mit vier perfekt geringelten Lauschern sind keineswegs ein Garant für ebensolchen Nachwuchs, auch wenn das normalerweise der Fall ist.

Dass man, sollte tatsächlich jemand auf diese absurde Idee kommen, durch Massieren oder was auch immer für Hokuspokus, die kindlichen Ohren nicht passend zurechtkneten kann – die Knorpel sind logischerweise sehr empfindlich und können wie alles Feingliedrige natürlich beschädigt werden – sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt!

Falls Sie jetzt vielleicht Blut geleckt haben und auch „Blumenzüchter“ werden wollen: Achten Sie auf Qualität. Beim Züchten ist das Beste gerade gut genug – und zu haben ist es ja immerhin auch. Viel Spaß und viel Erfolg!

 

 

Vergleichbaren Rassen gibt es keine, vielleicht abgesehen von der Scottish Fold, deren Ohren allerdings nach vorn geklappt sind.

 

Neben „straight“ = gerade Ohren, die drei erlaubten Krümmungsgrade

Curl Bicolor blau/weiß; Curl black smoke und ganz rechts nur mit leichter Krümmung = 1. Grad

 

 

 

 

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