Blasenentzündung

 

 

BLASENENTZÜNDUNG

Zystitis

 

 

 

Der Harnapparat umfasst die beiden Nieren mit den dazugehörigen Harnleitern, die Blase und schließlich noch die Harnröhre – allein daraus lässt sich schon eine Vielzahl möglicher Störungen und/oder Erkrankungen ableiten. Die nur eines gemeinsam haben, nämlich dass man sie weder auf die leichte Schulter nehmen noch verschlampen darf ...

 

 

 

VON NORMAL BIS ABNORM

 

Eine Entzündung der Harnblase kommt bei Katzen aller Altersgruppen und Rassen recht häufig vor und kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, entsteht jedoch überwiegend durch Erkältung, Durchnässung oder Infektion. An welcher relativ selten Viren (mitbeteiligt an der Entstehung einer Entzündung der unteren Harnwege), Mykoplasmen, Pilze und Nematoden beteiligt sind, während Bakterien als Hauptschuldige gelten und folgende Erreger infrage kommen:

 

Ø                 Staphylokokken, Streptokokken, Escherichia coli (= am häufigsten), Proteus, Klebsiella; Pasteurella und Corynebacterium sowie Pseudomonas und Enterobacter

 

Es gibt zweierlei gute Nachrichten, erstens dass Katzen eine Reihe von potenten Mechanismen zur Verhütung von Infektionen der Harnwege haben. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die hohe Salzkonzentration des Urins, sowie dass der bei Fleischfressern saure Urin zusätzlich bakterizid wirkt. Außerdem weist die Harnröhre spezielle anatomische Strukturen auf, die ein Aufsteigen von Bakterien verhindern und bei den Jungs beispielsweise außerdem das Prostatasekret hemmend wirkt, während bei den Mädels ein bakterizides Sekret in der Harnröhre selbst abgesondert wird. Zudem trägt der ständige Harnfluss zu einer Entfernung etwa eingedrungener Erreger bei. Zweitens sind weiter von der Körpermitte entfernt liegende Regionen der Harnröhre, Vorhaut und Vagina von einer bakteriellen Mischflora aus fast allen vorgenannten Erregern besiedelt und daher „normal“ – können aber, und das ist die schlechte Nachricht, krankmachend werden. Heißt die Abwehrmechanismen werden „überrannt“ und können vor allem infolge Nichterkennung bzw. -behandlung sozusagen zur Hochform auflaufen, wenn Bakterien erst mal ins Gewebe eingedrungen sind. Mehr als 90 Prozent der Harnwegsinfektionen bei Katzen werden durch diese „normale“ Flora verursacht (wobei zwecks Nachweis meist eine Monokultur isoliert werden kann).

Zumal leider keineswegs nur die Kokken, um es mal ganz salopp auszudrücken, verdammt fies sind und nicht nur Erwachsene schwer schädigen können, sondern Jungtiere reihenweise dahinraffen. Keine Frage, da muss der Tierarzt samt umfassender Untersuchung (Blut, Harn) und nachfolgender gezielter Therapie her. Die in der Regel je nach Erreger den gesamten Katzenbestand umfassen kann/sollte und die Sanierung einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

 

 

WAS EINE INFEKTION BEGÜNSTIGEN KANN

 

Die normalen Abwehrmechanismen können durch zahlreiche Einflüsse empfindlich gestört werden. So entstehen Harnwegsinfekte z. B. im Verlauf der Erkrankung eines Organsystems oder mehrerer Organe, insbesondere neurologischer Herkunft; oder aufgrund morphologischer Störungen (wie angeborene Harnröhrenverlagerungen oder polyzystische Nieren); von Drüsenstörungen (Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion); als Komplikation einer anderen Harnwegsproblematik (verzögerter Harnabfluss, Tumor, veränderte Harnzusammensetzung z. B. bei Niereninsuffizienz). Auch diätetische Maßnahmen können eine Rolle spielen, etwa durch zu wenig Wasser, alkalisierende Futter- oder Arzneimittel; ebenso kann eine Immunschwäche (FeLV, FIV, immunsuppressive Medikamente, chronische Antibiotikagaben) die Anfälligkeit stark steigen lassen. Weiters können ein Harnwegskatheter oder Blasensteine sowohl Ursache als auch Komplikation einer Harnwegsinfektion sein. Unter anderem. Fachkundige Mediziner erklären daher nicht zu Unrecht, dass diese bei Katzen immer als kompliziert anzusehen sind.

Dass bakterielle Infektionen bei Katzen deutlich seltener vorkommen als bei Hunden, wird Sie nun vermutlich kaum trösten – schmeißen Sie die Nerven trotzdem nicht gleich weg, sondern schärfen das Argusauge ...

 

 

AB DURCH DIE MITTE

 

... und eilen sicherheitshalber lieber einmal zuviel als zu wenig zum Veterinär Ihres Vertrauens. Der kann zwar anhand der Symptome zwischen infektiöser und nichtinfektiöser Entzündung auch nicht unterscheiden, aber Sie sind in kundigen Händen und haben keine Zeit verloren. Sehr wohl unterscheiden kann er freilich zwischen angeborenen (Kitten-/Jungtieralter) und erworbenen (in jedem Alter) anatomischen Veränderungen.

Seine Diagnosehilfe sollte auch dann in Anspruch genommen werden, wenn angedacht ist, einer Blasenentzündung mittels Homöopathie zuleibe zu rücken –

 

Ø                 weil einerseits bei den meisten Harnwegserkrankungen die Symptome einander ziemlich ähneln und

Ø                 selbige andererseits schwächer ausgeprägt sind, wenn die Entzündung bereits das chronische Stadium erreicht hat - und das kann auch Ungeübte in die Irre führen.

 

Da brennt aber längst der Hut, weil zumeist schon die Nieren betroffen sind (Lethargie, Druckschmerz) und es durchaus vorkommen kann, dass sich eine Nierenerkrankung der Behandlung entzieht. Was folgt sind eine Harnvergiftung (Urämie) und schmerzvoller Tod, da das Nierengewebe nicht mehr in der Lage ist, Abfallprodukte und Giftstoffe des Stoffwechsels aus dem Blut herauszufiltern.

Sieht es nach Anfangsstadium aus, müssen Sie definitiv spätestens dann, wenn die häusliche Heilbehandlung nicht greift, d. h. nicht relativ zügig eine Besserung erkennbar ist bzw. das Leiden wieder aufflammt, zum Doc!! Denn eine massive bakterielle Infektion lässt sich nicht durch Homöopathie bekämpfen, lediglich temporär die Begleitsymptome.

 

 

WORAN ERKENNEN?

 

Ja nun, an sich ist es selbst für Berufstätige nicht schwer, so sie aufmerksam genug sind und etwa beim Säubern des Kistchens generell darauf achten, was Mieze denn tagsüber oder während der Nacht so hinterlassen hat. Anhand der „Ergebnisse“ kann man sowohl gut ablesen, ob die Verdauung ordnungsgemäß funktioniert, als auch eine Abweichung von der normalerweise produzierten Harnmenge feststellen. Vor allem bei Klumpstreu lässt sich der Unterschied zwischen Größe und Anzahl der produzierten Klümpchen leicht ausmachen. Je nach Marke/Farbe der Einstreu ist auch eine mitunter vorkommende veränderte Farbe des Urins oder die Blutbeimengung erkennbar. Die allerdings auch fehlen kann. Durch die Konzentration des Harns verändert sich manchmal auch der Geruch relativ auffällig, der uns bei einer überdachten Toilette schon penetrant entgegenschlägt. Gibt’s „nur“ eine Schale, sollten Sie bei Verdacht (oder überhaupt) ein wenig die Nase reinhängen. Was bei parfümierter Einstreu freilich kaum was bringen wird.

Zumeist liefert aber die Patientin selbst die entscheidenden Hinweise. In der Anfangsphase ist zwar das Allgemeinbefinden kaum merkbar beeinträchtigt, allerdings steigt in diesem Stadium die Temperatur, sodass eine sonst agile Mieze ungewohnt müde und etwas angeschlagen wirken kann. Bei einem ruhigen Semester wird’s da schon schwieriger, aber wenn sie

 

Ø                 ständig aufs Kistchen rennt, fast immer merkwürdig steif und/oder mit gekrümmtem Rücken und/oder dabei maunzt, weil’s schmerzt,

 

dann ist das auch bei einem Phlegmatiker nicht zu übersehen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, sollten Sie daher zweierlei machen:

 

Ø                 Erstens versuchen Sie, die Blasenregion abzutasten, eine prall gefüllte Blase ist nicht schwer zu bemerken – aber wirklich vorsichtig, denn die Blasenwand (obwohl verdickt) kann in Extremfällen reißen;

Ø                 zweitens sollten Sie während des (mehr oder weniger stillen) Geschäfts dezent auf Beobachtungsposten gehen.

 

Sehen Sie Mieze heftig Pressen beim Wasserlassen, wobei sie meist tief in die Hocke geht, dass der Urin nur unter großen Schwierigkeiten abgesetzt werden kann und/oder sie sich nur wenige Tropfen abquält, die auch noch blutig sein können, brauchen Sie nicht mehr lange nachzudenken. Denn ob durch Infektion, Erkältung oder Durchnässung entstanden, die Anzeichen bleiben wie erwähnt überwiegend gleich:

 

Ø                 Schmerzhafter, erschwerter Harnabsatz

Ø                 Harndrang mit brennendem Schmerz

Ø                 Häufiger Harndrang mit nur geringer Menge

Ø                 Blut im Harn

Ø                 Harninkontinenz

 

Manche Katzen verlassen aufgrund der Schmerzen fluchtartig und unter Fauchen das Katzenklo, weil sie das Örtchen verantwortlich machen für die Qual – womit wir schon beim letztgenannten Symptom sind, der

 

INKONTINENZ

 

Es ist nämlich keineswegs selten, dass die Geplagte daraufhin das angriffslustige Kistchen meidet und ruhelos nach einem Ort sucht, wo sie sich schmerzfrei lösen kann. Und ihre Minipfützchen im ganzen Wohnbereich verteilt, weil’s ja logischerweise überall weh tut. Wobei es trotzdem durchaus möglich ist, dass sie ihre Häufchen weiterhin brav da platziert, wo’s gewünscht ist, also „nur“ zum Pinkeln ausweicht. Wer denkt da angesichts der Bescherung nicht gleich an Unsauberkeit und fragt sich verzweifelt, wieso um alles in der Welt sie das macht? Wo sich doch im häuslichen Alltag rein gar nichts geändert hat!? Nun, die seelische von der körperlichen Ursache abzugrenzen ist auf den ersten Blick zweifellos nicht so einfach. Auf den zweiten schon, denn an den sonstigen Symptomen ändert sich ja nichts. Also spionieren Sie ihr erst mal hinterher, ob Sie was Verdächtiges bemerken bzw. wandern im Zweifelsfall zum Doktor.

Ihr die Leviten zu lesen sollten Sie sich jedenfalls verkneifen, weil das ungeachtet der Ursache nichts bringt respektive bei seelischem Ungleichgewicht nur die Fronten verhärtet. Und dann haben Sie ein Problem der anderen Art. Schuldbewusstsein erwarten nämlich nur Menschen, die eher keine Katzen haben sollten, weil derlei völlig artfremd und auf unsere Spezies beschränkt bleibt.

 

 

HAUSARZT

 

Abschließend noch einige Tipps für Beherzte, die „fündig“ geworden sind, Grund zur Vermutung einer Blasenentzündung haben und unverzüglich ins homöopathische Schatzkästlein greifen. Welches auch für dieses Leiden recht reichhaltig ist – wäre, besser gesagt, denn ich möchte vermeiden, dass Ungeübte aus der Mieze ein Testobjekt machen, statt den Doc aufzusuchen. Hier daher „nur“ die drei wichtigsten Arzneien, mit welchen Sie in den meisten Fällen auch das Auslangen finden:

 

Ø                 Wie immer bei entzündlichen Prozessen im Anfangsstadium kann ACONITUM nützlich sein, möglichst in Hochpotenz (ab D30 aufwärts), fünf Gaben im Abstand von je einer halben Stunde – es wird nicht heilen, darf aber nicht unterschätzt werden, weil es lindert, Stress und Angst vertreibt und damit den Genesungsprozess sehr wirksam unterstützt;

Ø                 die Harnblasenentzündung in der ersten Phase spricht am ehesten auf BELLADONNA an, auch wenn dem Urin etwas Blut beigemischt ist. Sofern vorhanden D4 oder D6, notfalls auch eine andere Potenz, wichtig ist der rasche Beginn: Zweistündlich eine Gabe bis zur Besserung, danach dreimal täglich für noch wenige Tage;

Ø                 gibt’s eindeutige Hinweise, dass die Entzündung durch Erkältung entstanden ist, ist DULCAMARA D6 angezeigt, anfangs in halbstündlichen, mit Besserung wie immer in größeren Abständen = heißt: ab dem Folgetag reduzieren auf 4-3-2mal täglich, bis alles wieder im Lot ist.

 

Bitte bedenken Sie: Rutscht die Erkrankung ins chronische Stadium, weil der akute Zustand warum auch immer übersehen wurde, ist nicht nur das Allgemeinbefinden gestört, sondern sie leidet permanent Schmerzen!! Abgesehen von den eingangs genannten Komplikationen sind Sie Ihrer Mieze indes bestmögliche Hilfe einfach schuldig – also satteln Sie die Hühner und eilen in die Praxis! Gute Besserung!

 

 

 

Dosierung:

1 Gabe = 1 Tablette (Kitten ½) oder ½ Mokkalöffel (entspricht einer gehäuften MSP) Pulver oder 5 (Kitten) bis 10 Globuli (Kügelchen, Korn). KEINE Tropfen!

Die geringere Gabenmenge bei den Kleinen hat lediglich etwas mit dem kleineren Mäulchen zu tun, damit wir sie nicht „zubetonieren“. Aus dem gleichen Grund reduzieren wir die Dosis auch bei Erwachsenen, wenn zwei Arzneien gemeinsam verabreicht werden = z.B. wenn ein Wechsel erforderlich wird. Die Wirkung wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Verabreichung:

** Sofern nicht anders angegeben, beginnen wir im Akutfall stets mit 3mal 1 Gabe im Abstand von 10-15-30 Minuten, danach 1-2mal zweistündlich.

** Mit zunehmender Besserung geben wir danach 3mal täglich 1 Gabe bis zur Ausheilung.

Tipp:

Katzen sind Meister darin, Globuli-Kügelchen zu „verlieren“, wenn niemand zuschaut. Sind Sie nicht gut im Zielen (= Zungenhintergrund), geben Sie die Dinger in ein Papier-Briefchen (damit sich die Brösel nicht verselbständigen) und klopfen sie schön platt und pulvrig. Oder kaufen besser gleich Pulver oder Tabletten. Oder einen Minimörser (schaut aus wie ein runder Bleistiftspitzer) in der Apotheke. Einen „richtigen“ Mörser dürfen Sie natürlich auch verwenden – sofern er aus Stein oder Kunststoff ist. Weil:

Bringen Sie bitte die Arzneien NIE mit Metall in Verbindung = Plastiklöffel! Lagern Sie sie kühl und dunkel (z.B. Kühlschrank-Tür, nie im Bad) und entnehmen jedes Dosis direkt aus der Packung. Eine Überdosierung ist nicht möglich, also keine Sorge, wenn Sie mal zu viel erwischen.

 

 

 

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