Angst essen Seele auf

ANGST ESSEN SEELE AUF

 

Kurztipps zum Umgang mit ängstlichen Katzen

 

 

Keine Katze wird ängstlich geboren, allerdings kann bereits die Vorbildwirkung einer furchtsamen Mutter ebenso den Grundstein dafür legen wie ein Mensch, der das Kitten (oder eine Erwachsene) durch rüde Behandlung prägt, die seelische oder körperliche Schmerzen verursacht. Um derlei auszubügeln, sind endlose Geduld und gute Nerven nötig ...

 

 

WEHRET DEN ANFÄNGEN

 

Ein Leben lang gespeichert bleiben aber keineswegs nur Grausamkeiten wie Schläge, sondern auch Übergriffe, die wir häufig leider gar nicht als solche empfinden: Wie z. B. ein Kitten am Nackenfell zu packen und feste niederzudrücken, um etwa beim Eingeben einer Wurmtablette jede Gegenwehr zu unterdrücken. Eine solche Katze wird dann in der Regel sogar zusammenzucken oder sich ducken, wenn sich die Hand zum Streicheln senkt. Konnte ihr der neue Besitzer durch liebevolles Handling diese Angst nehmen, wird sie sich dennoch daran erinnern, sollte Derartiges beim Tierarzt praktiziert werden – und entweder panisch unter sich machen oder „aufgehen“ wie ein Hefekloß. Die langsame Umgewöhnung gehört jedenfalls in den Bereich der Verhaltenstherapie, und wir stehen dabei an vorderster Front.

 

 

KEIN EINZELSCHICKSAL

 

Die Angst vor dem Tierarzt kann zwar auch auf einer schmerzhaften Behandlung basieren, die schonender nicht möglich war, aber das wird Mieze ja nicht ständig blühen. Was sie freilich nicht weiß und daher immer in Panik gerät, auch wenn’s bloß zum Impfen geht.

Beginnen Sie die Desensibilisierung durch harmlose Besuche, d.h. kurz im Warteraum sitzen und dann wieder heimfahren. Allein schon der Geruch wird Mieze nicht daran zweifeln lassen, wo sie sich befindet, also genügt das vollauf. Verläuft das angstfrei, darf der Doktor bei offenem Gittertürchen mal „Hallo“ sagen. Hat auch das geklappt ohne Telleraugen, Knurren oder panisch platt im Korb liegen, kommt Mieze beim nächsten Besuch auf den Behandlungstisch und darf nach einigen „medizinischen“ Streicheleinheiten wieder retour. Auch freundliche Worte vom vermeintlichen Bösewicht können sich als sehr förderlich erweisen. Viel Lob und stets ein Leckerli beim Heimkommen nicht vergessen! Sieg auf allen Linien, nimmt sie’ auch vom Doktor entgegen. Freilich: Keine Rückfälle provozieren!

 

 

ANGST VOR DEM AUTOFAHREN

 

Manchen Katzen wird dabei speiübel, was auch an unliebsamen Erfahrungen liegen kann. Etwa weil mal während der Fahrt die Feuerwehr/Rettung/Polizei mit heulenden Sirenen vorbeigedonnert ist. Meist liegt es aber an unserem „Fahrstil“ – abruptes Bremsen oder Kavalierstarts, plötzliches Ausscheren vorm Überholmanöver, schwungvoll in die Kurven, da wird auch anderen oft blümerant. Hin und wieder wird Mieze nur übel oder bekommt Angst, wenn sie freihändig auf der Rückbank deponiert wird, z. B. mit einem Gurt. Anderen nur, wenn sie im Korb sitzen. Vor allem in Kunststoff-Boxen wird es relativ schnell heiß, außerdem kann sie in der Enge nicht „gegensteuern“ oder kriegt Platzangst. Ist der Korb aber groß genug, um Hitzestau zu vermeiden, bedecken Sie ihn mal mit einem dünnen Tuch. In der „dunklen“ Höhle fühlen sich ängstliche Katze am ehesten sicher. Klagende Rufe werden übrigens durch Beschwichtigen oft verstärkt! Das müssen Sie testen. Zum Umgewöhnen fahren Sie anfangs nur mal sachte um den Block und allmählich immer ein bisschen weiter. Danach loben und belohnen!

 

 

ANGST VOR DER TRANSPORTBOX

 

Nun sind Katzen ja nicht dumm und wissen genau, dass Übles ansteht, wird das Ding hervorgeholt. Also fängt das Problem schon damit an, dass sie entweder verschollen oder nicht reinzubringen sind. Funktionieren Sie ihn zu einem kuscheligen Dauerschlafplatz um und deponieren (anfangs mehr) Leckerli darin oder servieren Beliebtes überhaupt im Korb. Wird der Vorschlag akzeptiert, schließen Sie probeweise die Tür, tragen Korb mit Katze im Raum ein paar Meter herum und wiederholen das sporadisch so oft, bis es keine Einwände mehr gibt. Danach geht’s vor die Tür und später auf die Straße. Stellen Sie den Korb aber immer an die Ausgangsposition zurück und überstürzen Sie’s nicht. Stets großzügig loben, klar.

 

 

ANGST VOR FREMDEN

 

Gäste, Handwerker, Kinder - wenn Mieze generell unterm Bett verschwindet, wenn’s klingelt, müssen Sie das akzeptieren und sie in Ruhe lassen. Auch dann, wenn es nur gelegentlich bei bestimmten Personen vorkommt, weil z. B. deren Organ oder Parfum ihr die Sinne vernebelt. Haut sie Ihnen allerdings hinterher zwecks Abreaktion beim Vorbeigehen die Krallen in die Ferse, dürfen Sie zwar jaulen, sie aber weder ansprechen noch beachten. Ein paar Spielchen etwas später helfen ihr in die Routine zurück.

Nur so nebenbei sei erwähnt, dass dieses Verhalten = Attacken auf die Füße auch bei Katzen beobachtet werden kann, die unter totaler Unterbeschäftigung leiden (und zudem damit anzeigen, dass sie ihren Menschen nicht wirklich ernst nehmen). Das hat natürlich nichts mit Angst zu tun, sondern mit Aggression. Reagieren müssen Sie auf jeden Fall, am besten indem Sie die Missetäterin sofort kräftig anfauchen, sie danach gleichfalls links liegen lassen – aber ihr unbedingt zusätzlich durch zumindest zweimal täglich eine ausgiebige Spiel-Session (á 10-15 Minuten) die Möglichkeit geben, sich ordentlich auszutoben. Die „Besserung“ sollte dann schnell ersichtlich sein.

 

 

ANGST VOR KAMM & BÜRSTE

 

Das kommt bei Katzen aller Haarlängen vor, besonders wenn sie nur alle Jubeljahre mal hervorgezerrt und, weil halt schon überfällig, malträtiert werden. „Weil sie’s nicht leiden kann“. Kein Wunder. Vielleicht verwenden Sie das falsche Werkzeug? Auch alltagstaugliche Pflege-Tipps dazu finden Sie demnächst unter Zucht & Show – Grooming.

Dürfen Sie zumindest kleine Knoten selber entfernen, ohne sie irgendwo antackern zu müssen und sie erlaubt eine kraulende Hand vor der Brust und dass Sie einen Kamm vorsichtig zwischen Haut und Knoten schieben können, um sie beim Abschneiden nicht zu verletzen, dann ist schon ein erster Schritt gemacht. Den Mieze noch mehr zu schätzen weiß, wenn Sie diese Stelle gleich hinterher mit den Fingernägel kraulen ... hmmm, das tut gut! Die zumindest kurzfristig gute Stimmung können Sie nützen und ganz kurz oberflächlich – ohne Festhalten - nur dort bürsten (nicht kämmen), wo sie es mag, z.B. nur im Nacken oder nur am Schwanzansatz. Auch wenn’s anfangs nur ein paar Sekunden dauert, dürfen Sie sich erst weiter wagen, wenn Mieze grünes Licht gibt. Da können Wochen ins Land gehen, denn das Misstrauen sitzt tief. Loben und Leckerli sind ein Muss.

Dauert das zu lang, das Fell filzt vor sich hin, oder es geht gar nichts, können Sie nur bei null anfangen und langes oder längeres Haar vom Tierarzt scheren oder (besser) Flaum-kurz zurückschneiden lassen. Schonend und stressfrei mittels leichter Sedierung, werden Sie hinterher Ihre Katze nicht mehr wiedererkennen. Womit nicht die kecke Frisur gemeint ist, sondern weil sie regelrecht aufblühen wird und sich so wohlfühlt, dass ihre gute Laune fast keine Grenzen kennt.

Wunderbar, aber kein Grund zu warten, bis die Pracht wieder nachwächst und das Drama von vorne beginnt, sondern sofort das Wohlfühl-Desensibilisierungsprogramm starten: Halten Sie dazu eine weiche Baby-Bürste tunlichst ständig in Griffweite und streicheln damit immer dann, wenn sie grad so schön irgendwo entspannt herumliegt – also, jetzt nicht sekündlich, aber zwei-/dreimal am Tag. Oberkopf, Bäckchen, Hals (wo Sie eben grad drankommen), Nacken und abwärts bis zum Schwanzansatz. Immer nur ein bisschen und ganz kurz, je nach Reaktion = gut beobachten dabei, Sie müssen in jedem Fall aufhören, bevor sie aufspringt und wegrennt.

Die weiche Bürste hat natürlich keinerlei Pflege-Effekt, es geht nur darum, Mieze ans Hantieren zu gewöhnen und zu signalisieren, dass das auch schmerz- und stressfrei geht. Klappt das und sie fühlt sich wohl dabei, wechseln Sie zu (oder ab mit) einer Bürste, weich bis mittel-hart oder einer Fönbürste aus dem Drogeriemarkt mit „Häubchen“ an den Spitzen. Anfangs sachte, später mit etwas mehr Druck, tut sie nicht weh auf der Haut und erzeugt einen angenehmen Massageeffekt. Sie „kann“ auch sonst schon ziemlich viel und man bekommt auch zuviel Unterwolle gut heraus, sodass sie für den Hausgebrauch in den meisten Fällen ausreicht.

 

 

ANGST ESSEN SEELE AUF

 

Manche Katzen fürchten sich quasi vor allem, oft aufgrund prägender Erfahrungen im „früheren Leben“. Andere wiederum sind seelisch wie geistig Blümchen, die nur langsamer begreifen, leichter erschrecken und, weil sie sich schnell überfordert fühlen, oft unreflektiert reagieren. Was oft als aggressives Verhalten missinterpretiert wird, aber nichts damit zu tun hat. Also nehmen Sie’s mit Engelsgeduld, rennen ihr aber nicht ständig tröstend hinterher. Was sie braucht, ist ein sicheres, stabiles Umfeld, an dem sie sich „festhalten“ kann. Heißt, vor allem die tägliche Routine nicht zu durchbrechen und sie mit Neuem nur sehr behutsam bekannt machen.

 

 

Natürlich gibt es für allerlei Angst-Zustände auch homöopathische Hilfe.

Eine „Lightversion“ wird zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

 

Eine ausführliche Beschreibung samt Auflistung aller Möglichkeiten inklusive Tipps zur Abhilfe finden Sie im Ratgeber CHARAKTERKÖPFE (in Vorbereitung).

 

 

 

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