Alltägliche Kleinigkeiten verstehen

WARUM TUT SIE DAS?

 

ALLTÄGLICHE KLEINIGKEITEN VERSTEHEN

 

 

 

 

TELEFONITIS ... Wieso springen uns Katzen so oft auf den Schoß, wenn wir telefonieren? Weil sie einfach nicht verstehen können, wieso wir mit solch ungewöhnlicher Intensität mit uns selbst reden – wie sollten sie wissen, dass unser Gesprächspartner in diesem kleinen Kästchen sitzt? Was müssen wir uns doch einsam fühlen! Eine aufmerksame, ihrem Menschen liebevoll zugeneigte Katze wird diesen daher nicht im luftleeren Raum hängen lassen, sondern unverzüglich zu Hilfe eilen und sich selbst anbieten: „Du bist nicht allein. Ich bin ja hier, sprich mit mir, ich höre dir gerne zu“. Wäre es Katzen eigen, könnte man wohl vermuten, sie haben Mitleid mit uns ... Dürfte ihnen im Handyzeitalter allerdings gründlich vergangen sein ...

 

KATZENFERKEL ... Wieso schmeißen so viele Katzen immer ihr Futter aus dem Napf? Nun, üblicherweise werden aus dem Beutetier mundgerechte Häppchen herausgerissen und daneben verspeist. Oder, wenn es Miteigentümer gibt, größere Stücke mehr oder weniger abseits zwecks ungestörter Mahlzeit in Sicherheit gebracht. Die wohlgefüllten Näpfe, die wir, zur Pünktlichkeit erzogen, täglich kredenzen, würden derlei im Grunde überflüssig machen. Wieso also tut eine Katze es trotzdem?

Tja, Manche Katzen haben wohl den Wildtier-Instinkt mehr intus als andere, wobei es vollkommen schnurz ist, ob es sich um einen Straßenfeger oder eine Rassekatze mit kilometerlangem Stammbaum handelt. Und es ist genauso völlig egal, ob das Ferkelchen ein Solotiger ist, dem sowieso keiner auch nur ein Krümelchen neiden könnte, oder ein Clanmitglied – das dann halt die ergatterten Bröckchen auf den Teppich in die Diele trägt ... oder wie der Blitz mit der Beute hinterm Sofa verschwindet und den guten Wohnzimmerplüsch versaut. Kleiner Lichtblick: Nicht alle Katzen kleckern, was das Zeug hält. Zugegeben, wenig Trost, wenn Ihre das tut ... denn es wird ihr schlicht nicht abzugewöhnen sein, da kommt nicht nur der sprichwörtliche felide Sturschädel voll zum Einsatz. Hier steht jeder Zweibeiner in der Regel auf total verlorenem Posten und kann bloß mit Grimm im Bauche die Entweihung seines permanent und mühsam auf Hochglanz gewienerten Ambientes verfolgen ....

Wenn Sie es aber ganz und gar nicht verknusen können – versuchen Sie, Ihrer Mieze ein Speisekämmerlein schmackhaft zu machen. Zum Beispiel das Badezimmer? Wassernapf mit Trockenfutter gibt’s am gewohnten Futterplatz, doch jegliches Nahrhafte, dessen klebrige Verteilung das Auge beleidigen könnte, im Bad. Servieren Sie dort (und nur dort!) anfangs Leckerchen, bevor der Napf folgt - zwecks höflicher Gewöhnung ...

 

SCHIMPFKANONADE ... Wieso keckern Katzen, wenn sie einen Vogel am Fenster sehen?

Keckern ist ein Ausdruck von unterdrücktem Jagdinstinkt – vor jedem Angriff auf eine Beute läuft ein kompliziertes inneres Ritual ab. Höchste Konzentration ist erforderlich, jede Bewegung, jeder Atemzug muss perfekt „sitzen“, damit die Beute nicht entkommen und Mieze den Tötungsbiss exakt anbringen kann. Durch die Glasscheibe getrennt ist natürlich nix mit Angriff und all das unnütz aufgestaute Adrenalin mündet schlussendlich im Keckern ... ein wenig ähnlich unserem schaumgebremsten Fluchen, wenn wir den Hammer schwingen und versehentlich einen Finger treffen ...

Verhaltensforscher sind zwar der Meinung, dass alle Katzen immer keckern, bevor sie zum Tötungsbiss ansetzen, aber da haben sie wohl nicht genügend geforscht. Ich habe jedenfalls noch von keiner Katze vor dem Halali auch nur den winzigsten Ton gehört. Ein Raubtier auf der Jagd ist einem Guerillakrieger vergleichbar – es wäre also mehr als ziemlich töricht, das Opfer vorher durch ein Geräusch zu warnen, damit es noch rechtzeitig das Weite suchen kann. Und jeder Tierfilm lässt uns die um absolute Lautlosigkeit bemühten Jäger bewundern.

Vereinzelt keckern Katzen auch, wenn sie ihr Spiegelbild sehen: Freund oder Feind, und was macht der in meinem Revier? Je nach Nervenkostüm geht dem häufig eine staksige Annäherung in Slowmotion – mit Telleraugen und Schwanenhals - oder auch ein Flehmen voraus. Jungtiere sehen das eher als „hurra, ein Kumpel“ (was spricht eigentlich gegen einen solchen?) und sind dann etwas verdattert, wenn sie ihn mit der Nase anstupsen. In meinem Bekanntenkreis wiederum tummelt sich eine Somali, die täglich (!) längere Sitzungen vor ihrem Spiegelbild abhält und sich offenbar nicht satt sehen kann. Sie ist freilich wirklich wunderschön – aber welche Katze ist das nicht?

 

Fortsetzung folgt

 

 

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