Aggressiv auf Shows - wieso?

WENN DIE SHOW ZUR BLUTOPER WIRD

 

WAS KANN KATZEN AUF SHOWS AGGRESSIV

WERDEN LASSEN?

 

 

Der Schock lässt die blutbespritzte Besitzerin zur Salzsäule erstarren, der Richter überprüft, inwieweit er samt Papierkram noch intakt ist, derweil das Zuschauervolk hin- und her gerissen schwankt zwischen Mitleid und Faszination. Noch bevor Anflüge von Hysterie überhand nehmen, teilt sich das Meer der Ratlosen und Hektiker und die Vernünftigen übernehmen das Ruder - weil sie „das“ schon kennen. Gehören aggressive Katzen wirklich zum Showalltag?

 

 

SICHER IST BESSER

 

Nein. Aber schon auch. Deshalb hat natürlich jeder gut organisierte Veranstalter entweder ein Notfallteam, das sich akkurat auf die Socken macht und weiß was zu tun ist, um Mensch und Tier zu helfen. Zumeist wird der Veterinär gebeten, in der Regel durchaus darin geübt, auch Zweibeiner zu verarzten. Notarzt und Krankenhaus müssen nur in ausgesprochen seltenen Fällen bemüht werden. Kam aber schon vor. Ebenso wie vereinzelte Katzen schon mal buchstäblich der Schlag getroffen hat und jede Hilfe vergeblich war. Was hier nur insofern erwähnt wird, weil zumindest bei den mir persönlich bekannten Fällen die Tiere Herzprobleme hatten und den Stress nicht verkraften konnten. Womit wir sehr wohl beim Thema wären und eine Frage an Brisanz gewinnt (nein, nicht die nach dem Sinn des ganzen Theaters, der lässt sich wirklich erklären): Wie viel Stress ist einer Katze zumutbar?

 

 

THEMA UND ...

 

Während der Amtierende gewissenhaft an seinem Roman arbeitet, liegt der Kater auf dem Tisch, lässt den schönen, buschigen Schwanz über die Kante baumeln und wedelt sachte. Was niemand ernsthaft beunruhigt (geschweige denn bemerkt), am allerwenigsten die Besitzerin, die sich darauf konzentriert, den spiegelverkehrten Text des leider Schweigsamen zu entziffern. Welcher zwar nur Erfreuliches verheißen kann, war der Prächtige doch bisher enorm erfolgreich, aber was weiß man schon ...

Nun bieten sich allerlei Folgeszenarien an, wovon die vergleichsweise harmloseste darin besteht, dass Frauchens Hand leicht wie eine Feder auf dem Nacken des Katers ruht, weil der ja a) stets ein total braves und relaxtes Kerlchen war, und b) ihre Aufmerksamkeit anderweitig beansprucht wird. Worauf der Gute hast-du-nicht-gesehen aufspringt und versucht, sich mit einem Satz vom Acker zu machen - was etlichen Katzen sogar gelingt und sowohl Suchtrupps zeitigen als auch schon mal neuerlich den Veterinär auf den Plan rufen kann, weil beim Einfangen nicht nur Stresshormone, sondern mitunter auch menschliches Blut ausgeschüttet wird. Ganz klar, die Katze hat den Schock weg und Mutmaßungen machen sich breit, sie wäre künftig für Shows „verdorben“.

Variante zwei lässt Frauchen die Anspannung der Muskeln bemerken und entweder erwischt sie Katerchen noch im Sprung oder presst zwecks Vereitelung die Hand fester in den Nacken. Letzteres kann genauso gut unabsichtlich passieren, weil abgelenkt durchs andächtig dem richterlichen Credo folgend. Der Effekt ist oft derselbe: Der Kater dreht sich in Bruchteilen von Sekunden und haut der Besitzerin alles rein, was er so zur Verfügung hat. Oder, hat sie ihn mitten im Sprung „irgendwo“ grade noch erwischt, der Amtierende versucht zu helfen und gerät ins Blickfeld, dann trifft’s halt diesen. Und das Volk wurde Zeuge vom Ende einer vielsprechenden Karriere (was wohl nicht alle Kollegen bedauern), denn der allgemeine Tenor lautet wie vor: DIE Katze „wird nie wieder“. Stimmt das? Um es vorwegzunehmen: Nein. Bedingt allerdings die Beachtung einiger Spielregeln.

 

 

... VARIATIONEN

 

Manche Katzen sind durch das Finish mit Kamm, Bürste & Fön schon bis zur Schmerzgrenze genervt, häufig weil die Besitzer in nervöser Eile das Werkzeug nicht immer achtsam einsetzen. Oder weil der Fön Geräusche rundherum unterdrückt und das felide Reaktionsvermögen beeinträchtigt – die meisten Katzen verlassen sich bei Gefahr eher auf sich selbst als auf ihren Menschen, auch wenn sie ihn noch so sehr lieben. Für andere bedeutet die Schutzhaft des Käfigs den einzigen sicheren Hafen und sie sind kaum rauszukriegen, oder total muffig, weil aus dem Schlaf gerissen. Oder Mieze kriegt beim Parcours durchs Ausstellergewühl die Krise (vor allem wenn die Umstehenden sie begeistert antatschen wollen), findet die Käfignachbarn widerlich oder hat einfach eine volle Blase, mag in dem Tohuwabohu aber das Kistchen nicht benützen.

Während potenten Katern wiederum angesichts des duftenden, aber unerreichbaren Damenflors die Hormone total den Hirnkasten vernebeln, sodass sie völlig aus dem Häuschen geraten können. Und überhaupt vom Softie zum Macho mutieren, wenn sie sich von männlichen Konkurrenten umzingelt fühlen, wobei ein einzelner ungenießbarer Nachbar schon reichen kann. Dieses Mega-Konglomerat behindert die Orientierung, der Kater hat keine Muße, Gerüche und Eindrücke zu sortieren. Und das kann nicht nur einen Platzhirsch niederknüppeln und instinktiv aggressiv reagieren lassen, um sich eine Art Freiraum zu schaffen. Den wir dem Finsterling daraufhin natürlich einräumen und auf Respektabstand gehen. Was der logischerweise als Erfolg verbucht und, haben wir Pech, bei nächster Gelegenheit wiederholt bzw. künftig sukzessive ausbaut, sodass mitunter früher oder später (zumeist früher) das Handling immer schwieriger bis unmöglich wird.

 

 

HOLZAUGE, SEI WACHSAM

 

Nun, alle drei Millionen bildhafter Darstellungen, die aus einer Show ein Kriegsgebiet machen können, würden hier den Rahmen sprengen und vermutlich auch kaum neu sein. Jedenfalls bleibt selbst gelegentlichen Gästen nicht verborgen, dass nicht immer alles eitel Wonne ist. Immerhin überkugeln sie die wenigsten Katzen vor Begeisterung, wenn sich ihr Mensch vom Showtrip niederwalzen lässt. Die meisten zeigen es auch an, falls ihnen etwas schwer über die Hutschnur geht - wahrscheinlich sogar alle, aber es gibt (in gewissem Sinne leider) tatsächlich auch immens beherrschte Typen, die sich quasi den Trubel eine Weile geben und dann schlagartig explodieren. Doch unverkennbare Indizien für möglicherweise ausufernden Unmut wie Grummeln, Knurren mit/ohne heruntergeklappten Ohren, ein gewisses Glimmen in den Augen, ein sich steigerndes Schwanzpeitschen, eine angespannte Körpermuskulatur oder gar gesträubte Nackenhaare sollten nie auf die leichte Schulter genommen werden.

Bei jedem Zucken einer Schwanzspitze gleich das Handtuch zu werfen oder eine Blutkonserve zu ordern wäre allerdings reichlich übertrieben. Zumal es erstaunlicherweise im Allgemeinen ja auch friedlich zugeht. Dennoch müssen wir lernen, mehr auf Details zu achten – wofür es im Grunde keine Anleitung gibt, denn jede Katze ist unterschiedlich belastbar und keiner kennt sie so gut wie ihr Besitzer (oder sollte es zumindest) - und vor allem dann auch in die Gänge kommen. Sorgenvoll wachsenden Grimm zu beäugen und zu hoffen, dass nix passiert, ist manchmal eben zu wenig. Packen Sie die Katze ein und pfeifen auf den Pokal, es könnte nämlich durchaus sein, dass Sie sonst nie wieder einen kriegen ... Aber wer tut das schon, solange die Mieze nicht hysterisch kreischt, alles niedermacht oder sonst wie komplett ausrastet? Und selbst dann heißt’s schon mal, sie hätte bloß heut einen schlechten Tag.

 

 

VON FÜSSEN UND GERÜCHEN

 

Gute und schlechte Tage gibt’s in der Tat, genau wie bei allen intelligenten Lebewesen. So kann es kommen, dass Mieze unbeeindruckt vom Lärmpegel eines mittleren Weltunterganges den Tag lässig in ihrem Käfigbettchen verschläft, um dann wieder auf der gemütlichen kleinen Landausstellung dem verblüfften Besitzer in der Hand zu detonieren. Das kommt nicht von ungefähr und hängt häufig mit dem Geruchspegel zusammen, der auf Shows das gerade noch erträgliche Ausmaß bei weitem übersteigen kann, besonders in kleineren (möglicherweise sogar überhitzten) Hallen. Schließlich wird allenthalben mehr oder weniger großzügig mit Desinfektions- und Pflegesprays gewedelt und auch die zweibeinigen Herrschaften (beiderlei Geschlechts) lassen schon mal vermuten, dass sie aus Anlass der erhofften Feierlichkeiten oder warum auch immer ein Bad genommen haben - in Parfum oder Rasierwasser.

Was nicht nur Katzen die Sinne zu vernebeln pflegt, diesen aber die Orientierung nehmen kann, sodass sie sich ähnlich blind und schutzlos fühlen wie bei den Nachwirkungen einer Narkose. Starke Gerüche schlagen sich bei Katzen analog eines grellen Blitzes sozusagen auf die Augen und trüben die Wahrnehmung. Doch Showzeiten sind Krisenzeiten, da muss man alle Fünfe beisammen haben. Die fremde Umgebung setzt dem noch eins drauf. Nun ist Angriff immer noch die beste Verteidigung, also hauen wir mal feste in den Nebel ... und treffen dabei halt Fleisch ...

Wobei freilich die Geruchsorgie bisweilen an unserem unterentwickelten Riechorgan vorbeischweben kann. Oder Mieze ist wirklich mit dem falschen Fuß aufgestanden. Woran wir in der Regel trotzdem die Schuld tragen ...

 

 

TRAUTES HEIM – VON WEGEN

 

Indem wir nämlich schon in aller Herrgottsfrühe die tägliche Routine über den Haufen werfen, weil wir am Ausstellungsmorgen eher aus den Federn kriechen als üblich, oder verschlafen haben, noch nicht alles eingepackt etc. Jedenfalls macht sich fast immer eine unbotmäßige Hektik breit, die sich ausbreitet wie ein Heuschreckenschwarm. Oder wir waren vorbildlich zugange, schwelgen aber in aufgeregter Vorfreude. Das alles teilt sich mit.

Die Katze registriert nicht nur mit Argwohn, da ist was im Busch, sie kann sowohl riechen als auch an unserem Verhalten ablesen, dass die häusliche Betriebsamkeit anders abläuft als wenn etwa der Tierarzt droht, Besuch oder Urlaub ansteht. Verweigern wir Mieze zu allem Übel womöglich auch noch das Frühstück (damit sie während der Fahrt nicht „muss“), schwinden letzte Zweifel: Der Tag fängt übel an. Sehr übel ... Showprofis verfügen sowieso über den untrüglichen „es-ist-wieder-mal-soweit“ Sensor und können sich durchaus schon mal beizeiten verkrümeln. Und während die absoluten Intelligenzkaiser jegliche unserer Hoffnungen zunichte machen, weil sie absolut unauffindbar bleiben, lassen sich andere gottergeben aufspüren und in den Transportkorb füllen – oder begegnen diesem Unterfangen durch den Einsatz ziemlich vieler Füße ...

Die meisten Aussteller haben gelernt, mit solchen Warnzeichen zu leben und sie zu ignorieren, weil sie normalerweise kein Nachspiel haben. Kann aber noch kommen, denn irgendwann ist das Maß voll und die verdrießliche Saat aufgegangen. Spätestens (!) wenn die bis dahin im Grunde noch halbwegs willige Mieze nur unter Aufbietung aller Kräfte, zusammengebissene Zähnen und etwaige Blessuren wacker ignorierendend ins Behältnis gestopft werden kann, darf sich niemand wundern, wenn sie hinterher den Richter frisst. Oder ein Blutbad anrichtet.

Soll heißen, lassen Sie die Show eben mal sausen, wenn’s ohne Biegen und Brechen nicht geht (wen macht das ernsthaft ärmer?) und nehmen Rücksicht auf die momentane Befindlichkeit. Die üblicherweise auch bei uns wechselhafter Natur ist. Wer nicht ganz verzichten will, kann ja alleine fahren, zugegeben, eine matte Sache, aber wie wär’s mal mit der Pflege menschlicher Kontakte? Beim nächsten Mal kann nämlich alles wieder ganz anders aussehen und die Mieze glänzt durch freiwillige Mitarbeit. Das gibt’s!

 

 

DIE SACHE MIT DEN KO(S)MISCHEN SCHWINGUNGEN

 

Passt gut zum „schlechten Tag“, diesmal ist aber unsere Befindlichkeit gemeint. Respektive die allgemeine. Manchmal sind nur wir selbst mies drauf, manchmal macht sich kollektives Unbehagen breit, das beinahe greifbar wird, ohne dass man’s erklären könnte. Weil es keinen Unterschied macht, ob die Katze hingerichtet wurde und „abgestürzt“ ist oder Best of Best wurde. Haben wir also schlicht mal einen unergründbar lausigen Tag erwischt und bemerken, dass auch die Katze davon angesteckt wurde – nicht alle spüren es, aber wenn, leiden sie darunter genauso -, ist Teamwork angezeigt und wir sollten entsprechend reagieren. Manche legen Wert auf Zuwendung und ständige Anwesenheit, andere wollen bloß ihre Ruhe. Dann kann es helfen, ihr ein dunkles Refugium zu basteln, in dem sie sich unsichtbar machen kann (generell empfehlenswert für Ängstliche oder Nervöse). Bei gesteigerter Unruhe wäre es ratsam, sie aus der Wertung zu nehmen, um eine Eskalation zu vermeiden. Deren Keim freilich auch eine andere Ursache haben kann.

 

 

WENN EINER EINE REISE TUT ...

 

... dann kann er auch Erfahrungen der misslichen Art machen. So manche Katze kann nämlich einer Show durchaus Amüsierfähiges abgewinnen und kommt auch mit dem Trubel und sonstigen Kalamitäten gut zurecht, aus unterschiedlichen Gründen nicht aber mit den Reiseverhältnissen. Oft weil’s zu heiß ist im engen Kennel und/oder sie mal müssen und nicht wollen – in kleinen Körben wird ihr statt der Decke häufig ein Kistchen untergeschoben ... nicht jede pinkelt gern „ins Bett“ und legt sich dann wieder rein ... Eher untergeordnete Beachtung findet die Tatsache, dass viele Katzen unseren Fahrstil buchstäblich zum Kotzen finden, entweder generell oder vielleicht auch bloß nur an diesem einen Morgen. Reicht’s nicht zum Erleichtern, ist sie dann womöglich den restlichen Tag miesepetrig drauf und der (aus unserer Sicht) geringste Anlass genügt, dass das Töpfchen überläuft. Schon mal selbiges in Betracht gezogen?

 

 

OPFERTIER

 

Ein eigenes Kapitel sind jene bedauernswerten Kreaturen, die sich acht Stunden lang wegzittern, dass man fürchten muss, in der nächsten Sekunde werfen sie nicht nur die komplette Wäsche ab, sondern empfehlen ihre arme Seele dem Herrn. Womit wir nahtlos beim Thema Angst wären. Sie ist fast immer mit im Gepäck und der bevorzugte Kumpel von Stress, kommt aber auch solo vor. Und vor allem die „Schaufensterpräsentation“ kann ein Blümchen über Gebühr verunsichern. Oft liegt das Heil in einer guten Tarnmöglichkeit (Häuschen, Decke, Zelt), andere brauchen einen „starken“ Kuschelpartner zum anlehnen. Fühlt sich Mieze ungeschützt oder allein, kriecht sie förmlich in sich selbst hinein und schaltet auf „geschlossen“ oder reduziert die Wahrnehmung auf Sparflamme. Wird sie dann z. B. vom nichts ahnenden Besitzer zwecks Präsentation aus ihrer Trance gerissen, kann ihr auch der Faden reißen und sie schlägt zu. Weshalb Verständige eine Katze behutsam ansprechen, bevor sie hinlangen und bisschen streicheln. Und trotz Hektik geduldig warten, bis sie erkennbar „aufgetaut“ ist. Es ist nicht schwierig zu erkennen – sofern man richtig hinschaut ...

In den meisten Fällen ändert sich das nicht, d. h. die Katze wird weiterhin Angst haben und sich „bestenfalls“ daran gewöhnen, den Tort zu erdulden. Das sollten Sie ihr nicht antun, und sei sie die Schönsten sämtlicher Galaxien: Ist ihr das dafür notwendige Nervenkostüm nicht gegeben und bleibt auch homöopathische Hilfe wirkungslos (lassen Sie sich keine Tranquilizer oder etwas analog Blödes einreden!), hat sie auf einer Show nichts verloren. Und Sie sollten sich (falls Vorschrift in Ihrem Club) mit der Wertung für die Zuchttauglichkeit begnügen!

 

 

RICHTER-ERWACHEN

 

Gleiches gilt für die, die einfach „genug“ haben und landauf landab ihren allmählich aufgebauten Killerstatus nachdrücklich verteidigen. Wenn schon die Besitzer gelegentlich ausgesprochen schwer von Begriff zu sein scheinen, sollten doch zumindest die Richter den nötigen Überblick beweisen und eine aggressive Katze nicht auch noch nominieren oder, noch schlimmer, von der ganzen Clique zum Sieger küren lassen. Ich habe schon Katzen erlebt, die während der Best in Show regelrecht im Käfig rotierten, dass sogar die Nachbarpokale runterfielen – und die dann aus gebührender Entfernung „beurteilt“ (?) und des Pokals für würdig befunden wurden. Liebe Amtierende, das darf nicht sein. Lasset derlei Kelche an den Besitzern vorübergehen, auf dass auch sie erwachen ...

Freilich kann ein wenig Wake Up der Richterschar selbst insofern nicht schaden, als nicht alle mit vorbildlichem Handling glänzen und man sich gelegentlich schon mal fragt, warum dieser oder jener sich wohl berufen fühlte. Und mit Sicherheit ab und an sein Scherflein dazu beiträgt, einer Katze Shows zu vermiesen. Wirklich viele haben ein tolles Feeling (danke!), aber selbst ein einzelnes Haar in der Suppe mindert den Wohlgeschmack. So scheinen einige das Beurteilen irgendwie militärisch strukturiert anzugehen und Wert darauf zu legen, dass die Katze Haltung annimmt und zwar nicht das Gewehr, aber sich selbst perfekt präsentiert. Zugegeben, das macht’s, aber sie wie ein Stehaufmännchen mehrfach hoch zu zerren, weil sie partout liegen möchte (und deshalb womöglich abzuqualifizieren), lässt leichte Zweifel an der richterlichen Qualität aufkommen. Welche andere offenbar dazu veranlasst, minutenlang selbstvergessen des Katers Kronjuwelen zu befummeln – ja nun, mehr als zwei werden’s nicht – obwohl der schon mit steigender Verzweifelt hampelt und kurz vorm Grantigwerden ist. Manche fassen grundsätzlich keine Katze an, die sich nicht vor Demut überkugelt, ziehen eine solche aber dann an den Vorderpfoten hoch und lassen sie baumeln, um bauchseitig was auch immer zu begutachten. Eine der schlimmsten Unarten, die, an sich nicht lustig, für kräftige oder große Tiere über die Maßen unangenehm, für stramme Brummer aber regelrecht zur Tortour werden kann.

Richter haben eine Art Vorbildstatus, viel Einfluss beim Bestimmen, wo’s langgeht, und wünschen sich gutgelaunte und charakterfeste Showtiere ... Hallo? Jemand zu Hause?

 

 

KRIEG DER STERNCHEN

 

Mit Kitten haben wir eher weniger Probleme, nicht nur weil wir trotz vieler schlüpfriger Beinchen ohne Kraftakt auf der Gewinnerseite stehen, sondern weil sie zumeist neugierig und aufgeschlossen sind – was freilich dazu verführen kann, sie sowohl zu unterschätzen als auch einen möglichen Keim für spätere Aggression zu legen. Besonders wenn sie im sicheren Zuhause aufgeweckt herumdüsen, aber unterschwellig Bammel vor Neuem haben, vielleicht zu den vorsichtigen Blümchen gehören – für die eine Show einer Vergewaltigung gleichkommen kann.

Die sie mangels Alternative ertragen, indes folgt bisweilen die Rache auf dem Fuße: Für gewöhnlich beginnt die Auflehnung mit Erreichen der Geschlechtsreife, sofern auch das Selbstbewusstsein entsprechend mitgewachsen ist. Gleiches gilt, wenn sich die an sich seelisch stabile und sonnige kleine Maus als DER Überflieger erweist und demzufolge gnadenlos von einer Ausstellung zur anderen geschleppt wird. Dann darf man sich nicht wundern, wenn’s ihr irgendwann einmal endgültig stinkt. Oder sie sich anderweitig revanchiert, z. B. nie rollig wird, nie/selten aufnimmt, zu Fehlgeburten neigt ... während Kater schon mal markieren auf Teufel-komm’-raus, dafür über Jahre nicht das geringste Interesse an Sex zeigen. Oder überhaupt nichts anderes im Sinn haben und ohne entsprechendes Ausleben absolut ungenießbar sind.

Muss natürlich nicht vorkommen, manche mausern sich zu coolen Profis und die meisten beschwören nie eine Blutoper herauf – trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass jede Show mit Stress verbunden ist und das Pendel ausschlagen kann. Von einer Sekunde zur anderen. Ganz abgesehen davon bringt eine einzige wilde Hummel eine ganze Rasse schneller in Verruf, als wir tief durchatmen können, und zieht so ganz nebenbei einen Rattenschwanz unangenehmer Begleiterscheinungen nach sich. Wie z. B. schlechte Nachrede für den Aussteller/Züchter, für den der launige Spruch „Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ mitnichten erstrebenswert ist.

 

 

DANKESAGUNG

 

Alle konkreten Situationen sind übrigens nicht meinem Erfindergeist entsprungen, die Schilderungen möglicher Auslöser (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) können indes nur fiktiv sein, basieren allerdings auf jahrelangem Hinterfragen von/und Beobachtungen. Das Wichtigste dabei ist, dass es sich überwiegend um durchwegs „normale“ Katzen gehandelt hat - und sich mit Verständnis und Gefühl für das felide „Mittel zum Zweck“ sowohl Ausrutscher als auch Wiederholungen vermeiden ließen. Teils nicht zuletzt dank hilfreicher Unterstützung mittels Homöopathie – lesen Sie dazu „Homöopathie für Showtiger“.

Und zumal es ja doch aus allen Ecken und Enden tönt, es ginge stets und absolut und überhaupt immer nur ums Wohl der Katze, möchte ich auch keineswegs verschweigen, dass viele Besitzer Herz UND Verstand bewiesen und die Katzen, die entweder von vorneherein oder irgendwann mal einfach nicht mehr mochten, zuhause gelassen haben. Danke.

 

 

 

©   KatzenJournal, all rights reserved

Site Originated 02.09.2012