Homöopathie für Magen und Darm

 

 

Christine Klinka

 

HOMÖOPATHIE

FÜR MAGEN UND DARM

 

Hilfe für Katzen bei

Erbrechen - Durchfall - Verstopfung

 

 

Leichte Anwendung durch Beschreibung der Symptome, was sie auslösen kann und darauf abgestimmte Therapievorschläge – jeweils mit der passenden Arznei, Potenzhöhe und Dosierung

 

Dazu ein „Kleines 1 x 1 der Homöopathie“, was sie kann, wie sie wirkt, was „drin“ ist, was Potenzen sind und was alles für Anfänger und Fortgeschrittene sonst noch wichtig zu wissen ist.

Abgerundet mit allerlei zusätzlichen Informationen für Katzenhalter, die der Themenkreis Magen & Darm umfasst.

 

 

 

 

 

Wichtiger Hinweis

Alle Angaben in diesem Nachschlagewerk sind gewissenhaft geprüft. Aber sowohl Gesetzesregelungen als auch die Medizin sind, wie jede Wissenschaft, ständigen Entwicklungen unterworfen. Jeder Benutzer ist daher angehalten, sich durch sorgfältige Prüfung und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten von der Korrektheit der gegebenen Empfehlungen und Ratschläge zu überzeugen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr.

 

 

 

Impressum:

© 2012 Christine Klinka, Wien. Alle Rechte vorbehalten.

Fotos: Privat 

 

INHALT

 

Vorbemerkung

KLEINES 1 x 1 DER HOMÖOPATHIE

Humbug oder Hilfe?

Wie Homöopathie wirkt

Die Heilmittel

Was Potenzen sind und wie sie wirken

Welche Potenzen sind wann erforderlich?

Tabletten, Tropfen oder was?

Eine Gabe – wie viel ist das?

Wie bringt man’s in die Katze rein?

Arzneien eingeben – wie oft?

Arzneien eingeben – wie lange?

Wirkung & Besserung

Nebenwirkungen – gibt’s die?

Arzneien aufbewahren – wo?

 

ERBRECHEN

Harmlos oder nicht?

Unbekömmliches Grünzeug als Ursache

Haarballen im Magen

Erste Hilfe in leichten Fällen mit „Senior-Extra“

Erste Hilfe für Seelchen und Stressanfällige

Akute Gastritis oder Hinweis auf schwere Erkrankung?

Verschiedene andere Symptome

Selten: Magenpförtnerkrampf

Erbrechen ohne Stuhlgang

Pica-Syndrom

 

DURCHFALL

Leicht oder doch nicht? Kotprobe für den Doc

Gefahr im Verzug: Plötzlicher, schwerer Durchfall

Gefahrenanzeichen: Fieber (messen) & Austrocknung

Kleine Ess-Sünden behandeln

Darmparasiten und Entwurmungspraktiken

Durchfall nach Symptomen behandeln, ungeachtet der Ursache

Symptome und Mittel speziell für Jungtiere

Symptome und Mittel für Katzen jeden Alters

Stoffwechselstörungen?

Muss Diät sein?

 

VERSTOPFUNG

Schwierige Geschäfte beobachten und wie Verstopfung erkennen

Dramatik braucht einen Tierarzt!

Behandlung nach Symptomen

Hilfe für „Garfields“

Bewegung ist wichtig

Private Erkenntnisse

 

 

 

Tipps zur Anwendung & Dosierung in Kurzfassung

 

Vor allem Anfängern kann es helfen, auf der Suche nach dem passenden Mittel die Symptome aufzulisten = Verhaltensänderungen, Krankheitsanzeichen und was sonst noch so ins Auge fällt oder vorher anders gewesen ist – und (sicherheitshalber) die Reaktion der Patientin im Verlauf der Therapie zu dokumentieren.

Passen die geschilderten Kennzeichen mit den notierten nicht 1:1 überein, wählen wir die Arznei mit der größten „Trefferquote“ oder die, die zum Leitsymptom (die schwerste  Beeinträchtigung) passt. Und wechseln das Mittel, falls neue Symptome hinzukommen. Im Zweifel verabreichen wir einen Mix – aber nie mehr als drei Mittel gleichzeitig. Und bevor wir’s einfach mal so einwerfen oder ständig hin und her switchen, ist die Katze beim Tierarzt besser aufgehoben.

 

Dosierung: 1 Gabe =

1 Tablette (kleine Kätzchen ½) oder

½ gestrichener Mokkalöffel Pulver (entspricht einer gehäuften MSP) oder

5 (kleine Kätzchen) bis 10 Globuli (Kügelchen).

Möglichst KEINE Tropfen!

 

Wie oft?

Die Häufigkeit ist sowohl für akute als auch chronische Fälle jeweils angegeben. Bitte ohne ärztliche Anordnung nicht verändern und nach der Heilung nicht weitergeben.

 

Verabreichung:

In akuten Fällen ist die schnellstmögliche Wirkung gewährleistet, wenn die Arznei über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Ist die akute Phase überstanden oder es handelt sich um ein chronisches Leiden, können wir die Gaben auch mit Futterhäppchen, Vitaminpaste etc. geben.

 

WICHTIG:

Homöopathische Arzneien niemals mit Metall in Verbindung bringen = Plastiklöffel! Jede Gabe, auch bei einem Mix, vor dem Verabreichen frisch direkt entnehmen.

 

 

 

 

VORBEMERKUNG

 

 

Homöopathie ist „anders“ und mit herkömmlichen Methoden nicht vergleichbar. Wir müssen uns daher zum Teil vom gewohnten Gedankengut verabschieden und uns an neuen Regeln orientieren. Deshalb gleich zu Beginn ein Appell, die einleitenden Seiten nicht zu überspringen, um schneller „zur Sache“ zu kommen, sondern aufmerksam zu lesen – und beispielsweise mit einem Marker die wesentlichen Schritte zu kennzeichnen, um später bei der praktischen Anwendung nicht lange suchen zu müssen, wie zum Teufel das denn jetzt funktioniert. Vor allem Anfänger können die wichtigsten Grundlagen nicht herunterbeten wie ein Mantra, sondern brauchen Zeit, bis diese mit der gleichen Selbstverständlichkeit „gespeichert“ sind wie der automatische Griff zum Handy, wenn’s klingelt.

Unter Berücksichtigung dieses habe ich mich bemüht, ein handliches und brauchbares Nachschlagewerk zur Verfügung zu stellen, das Anfängern wie Fortgeschrittenen so gut wie möglich gerecht werden kann. Die Behandlungsvorschläge (die natürlich auch in Absprache mit dem Doc solo oder als Ergänzung/Unterstützung seiner Therapie tauglich sind), werden mit der Zeit sowohl das Gefühl für die Handhabung als auch den Blick für die Wahl der richtigen Arznei stetig verbessern - macht aus Laien aber weder Profis noch den Tierarzt komplett ersetzbar. Schlicht und ergreifend deshalb, weil Symptome in Summe auch auf eine schwerwiegende Erkrankung hinweisen können und „gelernt ist gelernt“ für eine präzise Diagnose unschätzbar ist. Andererseits haben wir dem Mediziner etwas voraus, denn keiner kennt seine Katze so gut wie ihr Lebensmensch, und das wiederum kann wichtig sein für eine umfassende Beurteilung. Sind wir mit einem aufgeschlossenen Doktor gesegnet – viele arbeiten ja heutzutage „auch“ mit homöopathischen Arzneien -, wäre Teamwork zweifellos nicht von Übel.

Immerhin geht es um Leben und Lebensqualität eines Geschöpfes, das wir lieben und für das wir die Verantwortung tragen – und das bedingt auch, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn wir uns überfordert fühlen oder uns etwas nicht so ganz geheuer vorkommt. Rechtzeitig, nicht erst wenn die arme Katze nur noch ein Häuflein Elend ist.

Ich wünsche jedenfalls allen Anwendern viel Erfolg und gutes Gelingen – und grüßen Sie Ihre Katze von mir ...

 

Christine Klinka

 

 

 

 

 

KLEINES 1 x 1 DER HOMÖOPATHIE

 

 

Homöopathie gilt als sanfte Heilmethode ohne Nebenwirkungen, was allerdings von der korrekten Anwendung abhängt – denn nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um Medikamente. Weshalb sie auch nie unreflektiert gegeben werden dürfen. Homöopathie wird auch gern in den allgemeinen „Naturheilkunde-Topf“ geworfen und viele Laien sind deshalb wahrscheinlich der Meinung, auch Bachblüten wären Homöopathie – falsch gedacht, denn beide Heilverfahren haben absolut nichts miteinander zu tun. Homöopathie ist ein autonomer Zweig der Medizin mit sehr alten Wurzeln ... und folgt ganz eigenen Gesetzen ...

 

 

HUMBUG ODER HILFE?

 

Das Pro und Kontra dieser Heilmethode, wie in den meisten Veröffentlichungen zu lesen ist, um Zweifler zu überzeugen, möchte ich aussparen. Wer mag, findet im Internet mehr darüber, als ein einzelner Mensch vermutlich im Laufe seines Lebens lesen kann. Und wird am Ende feststellen, dass es seiner eigenen Entscheidung vorbehalten bleibt, was er davon hält oder glaubt – obwohl Homöopathie eines ganz sicher nicht ist: Eine Glaubensfrage! Sondern ungeachtet der Tatsache, dass nach wie vor reichlich Überzeugungsarbeit zu leisten wäre, eine längst auf dem Siegeszug befindliche Heilkunde mit sehr alten Wurzeln. Weshalb hinsichtlich der Entstehungsgeschichte nur kurz erwähnt sei, dass sie formell von Samuel Hahnemann im späten 18. Jahrhundert begründet wurde, in ihren Grundzügen jedoch bis in die griechische Antike zurückreicht. Von Hippokrates (um 460 bis 375 v.Chr.) über Paracelsus (1493-1541) bis zu Hahnemann hat sich jedoch am obersten Grundsatz nichts geändert:

 

Similia similibus curantur = Gleiches wird durch Gleiches geheilt

 

Seit Hahnemann haben viele Homöopathen das Prinzip der differenten Wirkung von Substanzen in unterschiedlichen Potenzen erforscht und jeden Schritt penibel dokumentiert. Für diese Arzneimittelprüfungen wurde einem Probandenkollektiv gesunder Menschen entweder ein Placebo oder das zu prüfende Mittel in der Ausgangssubstanz beziehungsweise in potenzierter Form verabreicht und jedes Symptom und jegliche körperliche Veränderung genauso protokolliert wie etwaige Veränderungen der Stimmung und der seelischen Befindlichkeit. Aus allen gewonnenen Erkenntnissen, der Gesamtheit der Symptome, setzt sich das sogenannte Arzneimittelbild zusammen – das aber, weil Forschung ja nicht Stillstand ist, nicht zwingend eine Konstante sein muss, sondern durch praktizierende Homöopathen hin und wieder ergänzt wird. Genauso kommen neue Mittel hinzu oder werden über die bekannte Wirkung hinaus geprüft, um das Bild kontinuierlich zu vervollständigen.

Wie auch immer man dazu stehen mag: Tatsache jedoch ist und bleibt, dass die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien bei der Behandlung von Tieren nicht einfach wegdiskutiert werden kann. Ein Tier steht dem völlig neutral, wertfrei und unbeeinflusst gegenüber und wird sich nicht besser fühlen, wenn es ein Placebo bekommen hat. Insofern kommt nicht nur den unzähligen Erfolgen homöopathisch arbeitender (und ständig forschender) Tiermediziner eine besondere Bedeutung zu, sondern auch den über einhundert Prüfungen eines französischen Tierarztes, dessen Ergebnisse zudem bestätigten, dass es in der Homöopathie keinen Unterschied macht, ob man ein Mensch ist oder eine Maus. Oder eine Katze ...

 

 

WIE HOMÖOPATHIE WIRKT

 

Das oberste Grundprinzip – nämlich Ähnliches/Gleiches mit ebensolchem zu heilen - bedeutet, dass eine Substanz, die beim Gesunden bestimmte Beschwerden hervorruft, in homöopathisch aufbereiteter Form bei einem Patienten mit (möglichst) exakt denselben Beschwerden die Wirkung ins Gegenteil verkehrt, also heilt. Ein vereinfachtes Beispiel: Nehmen wir nach einem Bienenstich das homöopathisch potenzierte Bienengift (Apis) ein, hebt es dessen Folgen auf. Homöopathie wird auch als Reiztherapie bezeichnet und das bedeutet, dass die Arzneien nicht Symptome wie Niesen oder Fieber unterdrücken sollen, sondern dem Organismus einen Anreiz geben, die körpereigenen Selbstheilungskräften zu aktivieren – ihm sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Auf dem Prinzip der Ähnlichkeitsregel basiert auch die sogenannte Signaturlehre, die verschiedenen der verwendeten Pflanzen ihren Namen gegeben hat: Beinwell wurde schon im Altertum genauso wie heute vor allem bei Knochenbrüchen eingesetzt, Blutwurz bei Blutungen und Augentrost bei Augenleiden, um nur einige zu nennen. Viele der Rohstoffe finden sich überdies auch in der Allopathie (Schulmedizin), wie etwa der Rote Fingerhut (Digitalis) bei Herzproblemen.

 

 

DIE HEILMITTEL

 

Es gibt mittlerweile mehr als dreitausend geprüfte homöopathische Arzneien. Die am häufigsten verwendeten Ausgangsstoffe sind entweder pflanzlich wie Thuja (Lebensbaum), Arnica (Bergwohlverleih) oder Belladonna (Tollkirsche); aus dem Mineralreich wie Quecksilber (Mercurius), Sulfur (Schwefelblüte) oder Arsen; oder sind tierischen Ursprungs wie Apis (Honigbiene), Lachesis (Schlangengift) oder Spongia (Meerschwamm). Sie haben mit wenigen Ausnahmen ein relativ breit gefächertes Wirkspektrum und sind innerhalb dieses gezielt einsetzbar – wobei immer die individuellen Symptome und die Gesamtverfassung des Patienten Priorität haben. Liegt eine Grunderkrankung vor, etwa ein Leberleiden, kann dies zwar eine Entscheidungshilfe geben, dennoch stehen die Symptome im Vordergrund bei der Wahl des Mittels.

Das heißt, es gibt zwar Mittel wie beispielsweise Belladonna, das zu Beginn jeder Entzündung häufig eingesetzt wird, aber keins mit einer Breitbandwirkung wie wir es aus der Schulmedizin kennen. Etwa gegen allgemeine Schmerzzustände, egal ob Zahn, Kopf, Bauch oder was immer betroffen ist. Es geht immer um „wo sitzt das Leiden“ und „wie äußert es sich“, sodass es z.B. bei Schnupfen darauf ankommt, ob die Nase läuft oder verstopft ist, welche Konsistenz und Farbe das Sekret hat und ob auch die Augen tränen etc. Das hört sich mühsamer an als es ist, doch je sorgfältiger gewählt, desto schneller und sicherer wird sich der Erfolg einstellen – und: Sind wir einmal „drin“ im Umdenken, wird der Lernprozess fast zum Selbstläufer und die Anwendung geht uns von Mal zu Mal leichter von der Hand. Im Grunde verhält es sich damit ja nicht anders wie sonst auch: Was wir nicht kennen, erscheint zunächst immer schwierig oder kompliziert und beginnt sich zu relativieren, wenn wir unsere Nase erst einmal ins fremde Terrain gesteckt und uns damit beschäftigt haben.

 

 

WAS SIND POTENZEN UND WIE WIRKEN SIE?

 

Ausschlaggebend für das Gelingen ist immer auch die Potenz. Damit wird der Verdünnungsgrad eines homöopathischen Mittels bezeichnet. Das heißt, jeder gewonnene Grundstoff, beispielsweise aus einer Wurzel oder dem Gift einer Kröte, wird nicht nur vielfach verdünnt, sondern auch in einer neutralen Trägersubstanz durch stufenweise Verschüttelung oder Verreibung „potenziert“ = das Potenzial der heilwirksamen Substanzen wird erhöht. Sie gewinnen an Kraft, werden leistungsfähiger – und verlieren dabei (korrekte Anwendung vorausgesetzt) ihre Giftwirkung!

Und in Umkehr dessen, was uns aus der Schulmedizin gemeinhin bekannt ist, zeitigt die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien eine Steigerung, je geringer ihr Anteil in der Trägersubstanz ist: Je häufiger ein Grundstoff verschüttelt/verrieben = verdünnt = potenziert wird, desto tiefgreifender wirkt sie – je höher die Potenz, umso gezielter der „Angriff“. Statt, wie wir es gewohnt sind, fünf Tabletten zu schlucken, weil die zwei vorher nicht geholfen haben, heißt es in der Homöopathie „weniger ist mehr“. Paradoxerweise sind daher, wiewohl es hier eben andersherum läuft, Hochpotenzen oft leichter erhältlich als tiefe ... weil eben „weniger drin“ ist. Hochpotenzen (in etwa ab D30 aufwärts) sollten daher nie ohne entsprechende Anweisungen verabreicht werden, um keinen unerwünschten Prozess in Gang zu setzen.

Auch Tiefpotenzen (D1 bis D4/5) sollten nur in bestimmten Fällen eingesetzt werden. Sie enthalten den größten Anteil einer Grundsubstanz und das erfordert gleichfalls einen gezielten Einsatz, etwa bei Knochenbrüchen. Oder um einen möglichst großen Komplex abzudecken, sodass z.B. Echinacea (Kegelblume) zur Steigerung der körpereigene Abwehr bei grippalen Infekten vorzugsweise in der D1 verabreicht wird. Bei anderen Mitteln wie z.B. Phytolacca kann sich die Wirkung ins Gegenteil verkehren: Milchstau erfordert D1, Milchmangel D3. Oder, wenn wir schon die „höheren Weihen“ der Homöopathie erreicht haben, noch ein Beispiel für sehr Geübte: Hepar sulfuris (Kalkschwefelleber) fördert in Tiefpotenzen die Eiterbildung, während durch Hochpotenzen (von D200 aufwärts) der Vereiterungsprozess gestoppt und die Auflösung des Eiters gefördert wird.

Mittlere Potenzen (in der Regel ab D6 und alle unter D12/15), können wiederum eine breitgestreutere Wirkung haben, sodass sie über ein bestimmtes Symptom hinaus auch Bereiche „rundherum“ erfassen können – je nach Arzneimittelbild! Sie werden bevorzugt eben dann oder auch bei unklarer Einschätzung der Ursache eingesetzt und man könnte sie sozusagen als „Einstiegsdroge“ für Anfänger bezeichnen – was die Wirksamkeit freilich in keiner Weise herabsetzt, aber negative Reaktionen weitgehend ausschließt. Soll heißen: Mit einer D6 z.B. lassen sich durchaus Berge versetzen (mitunter nur kleine, das hängt vom Leiden ab), bei nicht korrekter Diagnose können wir indes auch nicht wahnsinnig viel falsch machen – besser kein oder nur zögerlicher Erfolg, als Geister zu wecken, die wir nicht beherrschen können.

Einige Mittel werden auch als sogenannte Urtinktur verwendet, sind aber überwiegend nur für die äußerliche Anwendung gedacht. Seltene Ausnahmen bedingen eine konkrete Anweisung und sollten in Ermangelung einer solchen nie oral eingegeben werden.

Hinweis: Mitunter sind Arzneien nicht in D-(Dezimal)-Potenz erhältlich, sondern nur in C (Centesimal) – kein Problem, sie werden gleichermaßen eingesetzt.

 

 

DIE WAHL DER POTENZ IN DER PRAXIS

 

Lange Rede kurzer Sinn: Alle (ungeachtet des vorigen Kapitels) in Folge angegebenen Potenzen sollten ohne gegenteilige Anweisung eines fachkundigen Mediziners unbedingt beibehalten werden! Ist eine Arznei zur Hand, aber nicht in der angegebenen Potenz, gilt generell:

 

Ø                 Bei akuten Beschwerden ist die Höhe der Potenz von sekundärer Bedeutung, weil jede einen Heilanstoß gibt. Das lässt sich schwer pauschal eingrenzen, aber vor allem für Anfänger ist es in ratsam, Tief- oder Hochpotenzen nur zur Überbrückung zu geben, bis der Apotheker die passende zur Verfügung stellen kann.

Ø                 Bei chronischen Erkrankungen werden Hochpotenzen bevorzugt, die einen kräftigeren „Schubs“ geben und auch nur seltener verabreicht werden müssen – und weil die Krankheit bereits eingegrenzt ist.

Ø                 Wenn wir das Übel anhand der Symptome wirklich präzise definieren können, dürfen wir auch in nicht chronischen Fällen gleichfalls Hochpotenzen verwenden.

 

Und: Die in den nachgenannten Behandlungsvorschlägen angegebenen Potenzen UND Arzneien sind natürlich so gewählt, wie sie erfahrungsgemäß das bestmögliche Ergebnis zeitigen. Es macht also durchaus Sinn, sie nicht willkürlich zu verändern.

Tipp: Heutzutage werden Medikamente gern via Internet bestellt – bitte ausschließlich bei entsprechend vertrauenswürdigen Anbietern, denn missbräuchliche „Herstellung“ macht leider auch vor der Homöopathie nicht Halt.

 

 

TABLETTEN, TROPFEN ODER WAS?

 

Homöopathische Arzneimittel werden je nach Trägersubstanz in verschiedener Form angeboten. Manchmal sind sie in Wasser gelöst, häufig in Weingeist (Dilution). Katzen mögen keine alkoholhaltigen Tropfen und sie sollten Tieren generell nicht gegeben werden, weil Alkohol lange gespeichert bleibt und von ihrem Organismus schlecht abgebaut wird. Die beste Trägersubstanz ist Milchpulver (keine Sorge, das hat nichts mit durchfallauslösender Milch zu tun) und die Arzneien sind als Globuli (Korn, Kügelchen), Tabletten oder Pulver (Trituration) erhältlich. Abgesehen von einem unmerklichen Hauch von Süße sind sie vollkommen geschmacksfrei und werden in der Regel problemlos akzeptiert, weil sie die hochempfindlichen Sensoren der Geschmacksnerven nicht beleidigen.

 

 

EINE GABE – WIE VIEL IST DAS?

 

Hinsichtlich der Menge bei den einzelnen Gaben macht es keinen Unterschied, wie groß oder klein der Patient ist. Demzufolge wäre es absolut sinnlos, einem Pferd einen Eimer voll einzugeben, einem Kleinkind aber nur wenige Kügelchen. Wenn Beipackzettel solche Angaben enthalten, wird damit lediglich gewohnten Vorschriften entsprochen. Es macht unsere Katze auch nicht schneller gesund, wenn die Dosis überhöht ausfällt. Ausschlaggebend ist allein der Heilreiz, und der kann unter Umständen bereits durch ein einzelnes Globulus ausgelöst werden. Das heißt, die Dosis bleibt (fast) immer gleich. Eine Gabe bedeutet also:

 

Ø                 ½ gestrichener Mokkalöffel Pulver (entspricht einer gehäuften Messerspitze) oder

Ø                 1 Tablette (kleine Kätzchen ½) oder

Ø                 5 (kleine Kätzchen) bis 10 Globuli oder

Ø                 5 Tropfen (nur, wenn die Arznei anders definitiv nicht erhältlich ist)

 

Die geringere Gabenmenge bei den Kleinen hat nichts mit der möglichen Gefahr einer Überdosierung zu tun (das gibt’s nur in der Schulmedizin) und beeinträchtigt auch die Wirksamkeit nicht. Theoretisch könnten wir, siehe vor, ein Vielfaches verabreichen – aber das Mäulchen ist einfach zu klein ...

Freilich sollten wir Erwachsene genauso wenig zukleistern und bei gleichzeitigem Verabreichen von mehr als zwei Arzneien (nie mehr als drei) die Gaben auf „Jungtier-Menge“ reduzieren. Oder kurz hintereinander einzeln verabreichen.

Achtung: Metall beeinflusst die Wirkung, daher bitte nie damit in Verbindung bringen (Plastiklöffel). Und: Die Arzneien können auch auf äußere Einflüsse sensibel reagieren, weshalb sie stets frisch entnommen verabreicht werden müssen – heißt: Niemals Vorräte herstellen. Also weder die Tagesration auf einmal zerkleinern, in Wasser lösen etc., und schon gar nicht einen Mix aus zwei oder drei Mitteln, weil damit außerdem das korrekte Mengenverhältnis der einzelnen Arzneien nicht mehr gegeben ist.

 

 

WIE BRINGT MAN’S IN DIE KATZE REIN?

 

Auch wenn’s nicht eklig schmeckt, verhält sich trotzdem nicht jede Katze kooperativ, wenn sie etwas einnehmen soll, das auch nur entfernt irgendwie nach unfreiwillig riecht.

 

Ø                 Am einfachsten funktioniert es mit einem Mittel in Pulverform = eine Gabe auf ein Plastiklöffelchen, Klappe auf, reinrutschen lassen, Klappe zu. Das Pulver klebt auf Zunge und Gaumen und kann nicht ausgespuckt werden. Verweigert die Katze „Klappe auf“, wird die Gabe mittels leicht angefeuchtete Fingerspitze aufgetupft und auf die Innenseite der Lefzen/Mundwinkel oder das Zahnfleisch gestrichen.

Ø                 Das geht auch mit einer Tablette: Auf der Fingerspitze platziert mit zwei, drei Tropfen Wasser anfeuchten, warten, bis sie sachte Zerfallserscheinungen zeigt und dann abstreifen (Hauptsache „innen“).

Nie auf die Pfote etc. in der Hoffnung, sie schleckt’s beim Putzen eh auf. Klappt erstens nicht und wäre zweitens viel zu unsicher, ob die Gabe wirklich ihr Ziel erreicht hat.

 

Je nach Apotheke kann es bei Pulver oder Tabletten bisweilen zu Wartezeiten kommen, am schnellsten verfügbar sind in der Regel Globuli, und zumindest bei akuten Erkrankungen wird uns nicht anderes übrigbleiben, weil wir „auf Zeit spielen“. Das Handling ist freilich mitunter nicht so einfach ...

 

Ø                 Globuli (Korn, Kügelchen) quellen nämlich oft auch der friedlichsten Katze wieder aus dem Mäulchen – von ganz alleine ... und wenn wir nicht hinschauen, klar, aber irgendwann einmal entdeckte einsame kleine Verräter auf dem Sofakissen oder dem Teppich legen beredtes Zeugnis ab, auch davon, wie lange so manche Mieze die Dinger „aufheben“ kann. Wir zielen also in den Rachen, aber bitte nicht zu tief, weil das Würgereiz auslösen könnte! Ideal wäre der Zungengrund = kann man sie grade noch sehen, gibt’s an sich kein Zurück ... jaha, erst mal treffen.

 

Hier ein paar Alternativen:

* Wir können die Kügelchen in ein kleines Papierbriefchen packen und z.B. mit dem Messerrücken platt machen (ohne Kontakt mit dem Messer, also immer Papier dazwischen).

* Mit einem Stein- oder Kunststoffmörser (keine aus Metall!!) geht’s auch, er sollte aber groß/tief sein und/oder beim Zerkleinern abgedeckt werden, damit die Kügelchen nicht „wegspringen“.

* Wem das zu mühsam ist, kann in der Apotheke einen Zerkleinerer erwerben. Das Ding sieht aus wie ein kleiner Bleistiftspitzer mit Deckel, der mittels Drehen Brösel aus den Körnchen macht.

* Die Kügelchen in handwarmem Wasser aufzulösen kann zwar ewig dauern, manchmal aber auch das Eingeben erleichtern: Wasser & Gabe auf einen Plastiklöffel, warten, bis sie sich aufgelöst hat, die Mischung mit einer Einmalspritze aufziehen (natürlich ohne Nadel) und langsam!! hinter die Fangzähne spritzen = immer warten, bis Mieze geschluckt hat. Auch Tropfen, sollte ein Medikament anders nicht erhältlich sein (selten), müssen unbedingt so verdünnt werden!

* Klappt nichts davon, kann die Arznei in einer Leckerei (z.B. Vitaminpaste) oder einem Futterkügelchen versteckt werden. Die Katze bei der Vorbereitung nicht zusehen lassen – sie könnte den „Braten riechen“ und das Angebot verschmähen. Bei extrem Misstrauischen haben sich mehrere Futterkügelchen bewährt, wo dann das präparierte eben als Nr. 3 oder 4 gereicht wird. Sehr kleine Futterkügelchen, die sofort geschluckt werden ... und nicht lang gekaut werden oder zum Untersuchen einladen ...

* Geht nicht einmal das, müssen wir die Gaben via Mahlzeiten in die Katze bringen = nie über die volle Portion streuen, sondern zuerst quasi einen Appetithappen servieren, wurde der verputzt, den Rest nachreichen.

 

Achtung: Um bei akuten Erkrankungen eine schnellstmögliche Wirkung zu erreichen, sollte die Arznei direkt auf die Mundschleimhaut aufgebracht werden (Zunge, Innenseite der Lefzen/Mundwinkel, Zahnreihe etc.) – wenn möglich! In eine Vergewaltigung sollte das nicht ausarten. Bevor ein Drama draus wird, lieber mit Futter arbeiten. Das können wir jedenfalls auch dann, wenn die akute Phase vorbei ist – oder generell bei chronischen Krankheiten, weil der Zeitfaktor hier keine Rolle spielt.

 

 

ARZNEIEN EINGEBEN – WIE OFT?

 

Bei jedem der in diesem Ratgeber genannten Therapievorschläge ist die Häufigkeit genau angegeben. Soweit möglich, denn das hängt natürlich vom Verlauf, also von der individuellen Besserung ab. Auch der Tierarzt/Homöopath wird von Fall zu Fall entscheiden. Wesentlich ist, die Abstände nicht wahllos zu verändern, sondern die Arznei annähernd zur jeweils gleichen Tageszeit zu geben, weil der regelmäßige Impuls die kontinuierliche Wirkung gewährleistet. Andernfalls würde sich der Heilerfolg verzögern, eventuell sogar ausbleiben.

Da allerdings nicht jede Erkrankung bilderbuchmäßig nach Schema F verläuft, kann es vorkommen, dass wir uns „selbst helfen“ und bestimmten müssen, in welchem Fall wie oft ein Heilreiz notwendig ist.

 

Ø                 Bei akutem Auftreten geben wir (wenn nicht anders angegeben) zu Beginn jede Stunde eine Gabe, in etwa 3-4(-5) Mal, mit einsetzender Besserung werden die Abstände auf zwei-/dreistündlich vergrößert und, wenn noch nötig, in den folgenden Tagen auf drei- bis zweimal täglich reduziert bis zur Heilung.

Ø                 Bei aggressivem Auftreten von Symptomen (beispielsweise eine heftige Niesattacke, die eine Erkältung ankündigt, oder auch Schmerzen nach Unfällen oder Verletzungen) kontern wir mit kürzeren Abständen und geben die passende Arznei 3-4(-5) Mal viertel- oder halbstündlich. Sonst wie vor, sollte danach eine Fortsetzung erforderlich sein.

Ø                 Bei chronischen Beschwerden werden anfangs häufig eine oder zwei Gaben täglich für etwa eine Woche (in Einzelfällen länger) gegeben und danach je nach Reaktion der Patientin langsam reduziert: Also zum Beispiel eine Woche lang jeden zweiten oder dritten Tag, danach einmal wöchentlich. Größere Abstände sind selten.

 

Tipp: Für werktätige Katzenbesitzer kann „dreimal täglich“ oft schwer realisierbar sein, weil sie mittags kaum zuhause sind. Alternativ morgens, gleich nach dem Heimkommen und vor dem Schlafengehen noch einmal tut’s auch. In gravierenden Fällen, wo in kurzen Abständen eine Gabe erforderlich ist, werden wir freilich auch nicht aufs Wochenende warten können und auf einen verständnisvollen Chef hoffen müssen ...

 

 

ARZNEIEN EINGEBEN – WIE LANGE?

 

Grundsätzlich gilt: Homöopathie ist eine Regulationstherapie und was wieder im Lot ist, bedarf keines Heilreizes mehr. Das heißt, wir geben ein Mittel nur so lange wie die Symptome anhalten, aber keinesfalls „zur Sicherheit“ nach dem völligen Abklingen darüber hinaus.

 

 

WIRKUNG & BESSERUNG

 

Wie bereits erwähnt, setzt die Wirkung am schnellsten ein, wenn die Arznei über die Mundschleimhaut direkt ins Blut gelangt = besonders wichtig bei akuten, plötzlich einsetzenden Erkrankungen! Beim Abschlucken dauert es länger, bis der Heilreiz via Magenschleimhaut einsetzt, weshalb das chronischen Beschwerden vorbehalten bleibt – nach Möglichkeit. Denn

 

Ø                 primär wählen wir jene Form der Verabreichung, welche die Katze am wenigsten aufregt. Kein Medikament kann umfassend seine heilende Wirkung entfalten, wenn es unter Zwang oder einem panischen Tier verabreicht wird!

 

Die einsetzende Besserung ist nicht schwer zu erkennen, wenn die Katze allmählich (oder plötzlich, das gibt’s) zu ihren Gewohnheiten zurückkehrt, die Symptome schwächer werden, sie reduzierte oder keine Schmerzen zeigt, wieder Appetit hat und so weiter. Häufig wird nach der Eingabe ein Nickerchen gemacht (der heilende Schlaf, das kennen wir von uns ja auch) und je nachdem, wie entspannt ihre Haltung dabei ist, können wir Rückschlüsse auf ihre Verfassung ziehen.

 

 

NEBENWIRKUNGEN – GIBT’S DIE ÜBERHAUPT?

 

Ja. Wird eine Arznei nach der Heilung weiterhin gegeben, können, je nach Dauer, die Symptome/das Leiden zurückkehren – sozusagen eine ungewollte Arzneimittelprüfung. Auch bei unsachgemäßem Gebrauch sind unangenehme Krankheitserscheinungen oder sogar Vergiftungen möglich. Etwa wenn wir forsch zu einer Hochpotenz greifen oder unsere Eigendiagnose „chronisch“ lautet und/oder eine Arznei das entsprechende Symptom zwar im Arzneimittelbild hat, aber unreflektiert und/oder zu lange gegeben wird – sodass, etwa mit Arsenicum album, eine Arsenvergiftung provoziert wird, die sogar zum Tod führen kann. Im besten Fall bleibt „nur“ der Heilerfolg aus. Hilft’s nicht, schadet’s nicht trifft also nicht zu.

Die sogenannte Erstverschlechterung (die auftreten kann, es zumeist aber nicht tut) indes bedeutet, dass das Mittel an sich richtig gewählt war, obwohl die Symptome zunächst stärker werden. Relativ unverzüglich, in der Regel bereits nach der ersten oder zweiten Gabe. Das Mittel wird ausgesetzt, bis sich diese Reaktion verflüchtigt hat, was nie länger als einige Stunden dauern darf. Hält die Erstverschlechterung länger an und/oder die Katze leidet sehr, ist unverzüglich der Tierarzt zu kontaktieren.

 

 

 

ARZNEIEN AUFBEWAHREN – WO?

 

Homöopathische Arzneien reagieren wie erwähnt sehr sensibel und sollten weder Wärme noch (Sonnen-) Licht ausgesetzt werden und nicht in Nachbarschaft streng riechender Substanzen wie Parfums, Desinfektions– oder Reinigungsmitteln aufbewahrt werden, auch nicht im Badezimmer (Wasserdampf). Ein eigenes Schränkchen oder eine Schublade im Kühlen ist gut geeignet, ebenso eine luftdicht schließende Kunststoffbox im Gemüsefach des Kühlschrankes. Besser: In der Kühlschrank-Tür (Kälte „fällt nach unten“), die Temperatur in der Tür ist idealer. Die richtige Verwahrung bestimmt die Haltbarkeit und bei sachgerechter Lagerung können die Mittel jahrelang verwendet werden, weit über das (aus rechtlichen Gründen) angegebene Verfallsdatum hinaus, weil die Wirkung erhalten bleibt.

 

Und nun geht’s los. Ich wünsche gutes Gelingen!

 

 

 

ERBRECHEN

 

 

Nicht nur frischgebackenen Katzenbesitzern gefriert mitunter das Blut in den Adern ob der schauerlichen Geräusche, die ihre zusammengekauert und fast platt auf dem Bauch liegende Mieze produziert, während sie mit langgestrecktem Hals und oft wechselweise seitwärts verdrehtem Kopf würgt und hustet - und kann kommt nix. Also, nichts, was im Vergleich zu diesem Todesszenario stünde. Nur Erfahrene seufzen und wissen, dass keineswegs ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Jetzt nicht. Kann sich freilich schnell ändern ...

 

Das Fazit sei vorweggenommen: Ohne NUX VOMICA wird’s vermutlich nicht gehen.

Es sollte in keiner Hausapotheke fehlen!

 

 

NATURGESETZE

Erbrechen ... oder Erbrechen?

 

Vor allem häufigeres Erbrechen ist so gut wie immer ein Alarmzeichen, dem wir unbedingt auf den Grund gehen müssen. Wobei, das sei vorausgeschickt, die Katze eine ganz andere Haltung einnimmt, meist aufrecht sitzend und im Vergleich zur in der Einleitung geschilderten Situation beinahe entspannt. Paradox, weil die Ursache sehr viel ernster sein kann, während das gespenstische Würgen und die damit verbundene typische Kauerstellung darauf hinweisen, dass sich die Katze eines im Prinzip harmlosen störenden Mageninhaltes entledigt – wo immer sie sich gerade befindet, also nicht wie üblicherweise bei einem Brechakt aus unerfindlichen Gründen eilends den nächsten Teppich aufsucht. Und vermittels weniger abgehackter Rülpser das Frühstück auf dem Wohnzimmerplüsch deponiert. Von der Übelkeit übermannt, kann sie leider freilich genauso mit einem Schwall mehr oder weniger das gesamte Rundum beglücken ... oder es vom Kratzbaum herunterregnen lassen. Der Ort des Geschehens lässt also keine gezielten Rückschlüsse zu, die Haltung aber schon.

Haarballen, in Speichel gebettete Grashalme, Teile davon oder solche von unbekömmlichen Zimmerpflanzen können jedenfalls zumeist nur unendlich mühsam herausgewürgt oder -gehustet werden und das wirkt eben so beängstigend, ohne es zu sein.

Soll heißen: Noch alles im grünen Bereich!

Ja, wie man’s nimmt natürlich, denn einerseits ist der Zeug raus, andererseits wissen wir, dass unsere Katze möglicherweise eine unziemlich Neigung zum wohnlichen Grünschmuck hegt – der hoffentlich wenigstens nicht giftig ist? Kleinteile, die etwa von Spielzeug abgeknabbert und verschluckt wurden, kommen übrigens seltener auf diesem Wege wieder raus, sondern meist am anderen Ende. Wahrscheinlich. Wenn nicht, kann’s verdammt grimmig werden, im Zweifel also bitte lieber einmal zuviel zum Doc düsen als zu spät ...

Ganzjähriger Zugang zu grüner Verdauungshilfe in Form von KATZENGRAS oder ähnlich Geeignetem ist für jeden Stubentiger freilich ein absolutes Muss und wir müssen damit leben, dass das Verschlucken so gut wie immer Erbrechen auslöst (wiewohl in der Regel nur Spucke mit Hälmchen) – einer Katze das Grünzeug zu verwehren, nur weil uns nicht gefällt, dass sie sich dafür immer unseren Lieblingsteppich oder das Sofa aussucht, wäre mehr als fies. Weil das Grün als Regulativ dient und bisweilen durchaus Schlimmeres verhüten kann, etwa Haarballen, die sich im Magen verklumpen können, Magenausgang oder Darm verstopfen und dann unter Umständen sogar nur noch operativ entfernt werden können. In den meisten Fällen werden zudem die Halme gar nicht aufgenommen, Katzen grasen nicht wie Schafe, sondern perforieren sie nur mit den Zähnen, um an den verdauungsfördernden Saft zu gelangen. Welcher wiederum nur sehr selten hochkommt, außer in Begleitung eines Haarpfröpfchens (das auch eine verfilzte dünne Wurst in der jeweiligen Haarfarbe sein kann) oder der Grünteilchen, die am Gaumen oder den Lippen kleben geblieben sind. Weshalb selbige bei Rückgabe eben nur Speichel und keine Futterbröckchen enthalten. Ein wenig (unverdaute) Nahrung wird maximal dann mit herausgewürgt, wenn Mieze das Grünzeug sozusagen als Dessert direkt nach der Mahlzeit genossen hat. Das müssen wir nur gottergeben hinnehmen, ohne behandlungstechnisch einzuschreiten.

Allerdings kann bei Erbrechen aufgrund einer ernsthaften Störung der halb-, ganz oder gar nicht verdaute Mageninhalt gleichfalls Haare oder Pflanzenteile enthalten. Um unterscheiden zu können, ob es sich um einen normalen Brechakt oder ein potentiell ernst zu nehmendes Problem handelt, sollten wir das Geschenk daher sowohl einer näheren Betrachtung unterziehen als auch die Häufigkeit im Auge behalten. Also – das heißt jetzt nicht, einfach tage- oder gar wochenlang tatenlos zuschauen, wenn die Katze sich quält. Immerhin gibt’s einen Ratgeber – diesen hier ...

 

 

FRÜHER WAR MEHR LAMETTA ... (© Loriot)

Von Zimmerpflanzen, Tannenbäumen und anders Unbekömmlichem

 

Um noch beim Grünzeug zu bleiben: Da vor allem Jungtiere gefährdet sind, weil sie nach allem haschen und den unterhaltsamen Zimmerschmuck auch gern kosten, sollte der auf Tauglichkeit geprüft werden, bevor es einzieht. Es gibt eine Reihe nützlicher Datenbanken und viele Züchter haben auch Schädliches auf ihren Websites gelistet, die natürlich jedem zugänglich sind, auch wenn er keine Edelmieze daheim hat. Wir bewaffnen uns also mit einer Liste aller herumstehenden Pflanzen ... jedes Mal hin- und herrennen, ob eine der Abbildungen übereinstimmt, ist vermutlich nur für Besitzer tragbarer Geräte (oder Katzenfreunde mit ausgesprochen begrenztem Grünzeug) lustig ... und prüft, was davon bei katzenlosen Verwandten oder Freunden besser aufgehoben ist.

Und weil Weihnachten mit ziemlicher Sicherheit wiederkommt, jedenfalls wenn sich der prophezeite Weltuntergang (der gleichfalls irgendwann wiederkommt) noch mal verschieben lässt, noch ein Wort zur saisonbedingten Dekorations-Problematik.

Möglicherweise haben wir ja aber auch schon anlässlich früherer Festivitäten einschlägige Erfahrungen gesammelt. Nämlich dass trotz Verzicht auf tödliches Engelshaar und ebenso gefährliches Lametta und trotz ungesäumter Entsorgung der Geschenkbändchen eine Katze auch mal Tannenbaum verkosten kann. Ohne die Äste abgrasen oder den Adventkranz dezimieren zu müssen. Schließlich entblättern sich diese interessanten Dinge ganz von alleine und in der Regel sind es jüngere Katzen, die beim Intensivkontakt mit diesem witzigen Spielzeug ein paar Baumnadeln verschlucken ... die üblicherweise zwar problemlos durchrutschen, es aber nicht zwingen immer tun. Und Harz als „Draufgabe“ kann sowohl eine Kotzorgie als auch ernsthafte Magenprobleme auslösen.

Dazu kommt, dass sich genauso wie Blumen die Zweige dekorativ in Vasen ausnehmen oder wir das Entblättern des Weihnachtsbaums hinauszögern möchten und seinen Fuß in Wasser betten. Dieses wird schon mal gern probiert und das ist definitiv ganz und gar nicht magenfreundlich. Also:

 

Ø                 Waren wir live dabei, heißt das 1. die Katze flugs mit einigen Gaben NUX VOMICA D6 versorgen (auch wenn sie noch nicht erbrochen hat), z. B. drei-, viermal im Abstand von einer halben bis ganzen Stunde; und 2. den Zugang ungesäumt strikt unterbinden;

Ø                 waren wir nicht live dabei, hegen aber einen finsteren Verdacht oder finden eine umgeworfene Vase oder gefolterte Pflanzenteile, gehen wir gleichermaßen vor, denn NUX leistet auch vielfach als allgemeines Gegenmittel zur Neutralisierung von Vergiftungen gute Dienste -

Ø                 die genauso ausgelöst worden sein können durch Katzen-, Zypern- oder sonstiges Gras, das zum Verzehr für Katzen in Blumehandlungen angeboten wird und so sicher wie das Amen im Gebet mit Pestiziden gespritzt wurde, damit es adrett aussieht und nicht vorschnell in einen nicht-verkaufsfördernden Zustand verfällt. Heißt: Unbedingt vorher gründlich einer warmen Dusche unterziehen! Ist das Unglück schon passiert, geben wir OKOUBAKA D2 wie folgt:

Ø                 Unter der Voraussetzung, dass der Katze lediglich blümerant zumute ist und sie erbricht, ohne sich gleich die Seele aus dem Leib zu kotzen, sind zunächst drei Gaben in unterschiedlich kurzen Abständen angezeigt. Je nach Befindlichkeit entweder alle zehn Minuten oder (bzw. danach) viertel-, halb- bis stündlich. Mit einsetzender Erholung wie immer seltener. In leichten Fällen werden am ersten Tag insgesamt fünf bis vier Gaben und danach eventuell noch täglich drei-zwei (wenige Tage lang) bis zur völligen Wiederherstellung ausreichend sein.

Ø                 ABER: Greift die Arznei nicht (genügend), das heißt nach wenigen Gaben lässt der Allgemeinzustand keine Besserung erkennen oder die Katze wirkt deutlich abgeschlagen, MUSS unbedingt der Tierarzt her - der im Prinzip bei jedem Verdacht auf Vergiftung unverzüglich kontaktiert respektive aufgesucht werden muss, weil in der Regel eine Vitamin-K-Injektion unerlässlich ist und das Leben der Katze auf der Kippe steht.

 

HINWEIS: Allen Vergiftungen eigen ist, dass sie kein Fieber erzeugen. Tipps fürs Fiebermessen ohne Blutbad siehe DURCHFALL, Seite 21.

 

 

HAARIGE ZEITEN

Haarballen im Magen – wie vorbeugen und wann wird’s gefährlich

 

Bis zu einem gewissen Grad verlieren Katzen das ganze Jahr über Haare, richtig aus der Wäsche steigen sie freilich nur zweimal jährlich, im zeitigen Frühjahr und im Herbst. Wann genau lässt sich schwer eingrenzen, weil das von verschiedenen Faktoren abhängt wie Tageslichtlänge, Garten ja/nein oder Umgebungstemperatur. Der Rhythmus lässt sich mit der Zeit durchaus herausfinden und die beste Vorsorge ist, Mieze Unterstützung bei der Fellpflege angedeihen zu lassen, damit sie bei der Katzenwäsche nicht zu viele Haare verschluckt. Ganzjährig moderat, in Krisenzeiten täglich oder zumindest zweimal wöchentlich bürsten und/oder kämmen, je nach Pelzchen und Unterwolle. Das gilt selbstverständlich auch für Rassen oder Katzen mit extrem kurzem Haarkleid und kaum bis keiner Unterwäsche.

 

Ø                 Wirkt sie nun unwohl, lustlos, mag nichts essen und versucht zu erbrechen, häufig ohne Erfolg, könnte das durchaus auf einen unkooperativen Haarballen hinweisen und wir versuchen zuerst, mit einem Esslöffel lauwarmem Öl (Sardinenöl, Olivenöl, Salatöl) die Sache in Gang zu bringen. Ist nach maximal sechs Stunden nicht wieder alles im Lot, sollte der Veterinär kundige Hand anlegen – bevor wir auf die unlustige Idee kommen, dem armen Opfertier ein Microklist ins Hinterteil zu schieben, denn die Ursache kann ja durchaus eine andere (noch ernstere) sein;

Ø                 geht „oben“ (freiwillig) noch was rein, kann auch ein Esslöffel geschabte, rohe Leber den gleichen Effekt erzielen. Wobei allerdings weder auszuschließen ist, dass es die Katze (weil derlei ungewohnt) sozusagen etwas „zerreißt“, noch dass der Erfolg in gewünschter Weise ausbleibt = der Darm entledigt sich gurgelnd seines Inhaltes, aber der Haarballen rutscht nicht mit. Hängt davon ab, wie groß er ist. Zeitlimit sind wie vor sechs Stunden.

Ø                 ist Miezes Verhältnis zur Bürste so unterkühlt, dass wir nicht ausreichend vorbeugen können (da haben wir wohl von Anfang an etwas falsch gemacht), versuchen wir während der Zeit des Haarens mit einer wöchentlichen Gabe SULFUR D30 vorzubeugen, wodurch zudem der Organismus (unter anderem) bei der Ausscheidung von belastenden Fremdstoffen unterstützt wird. Ein genauer Blick auf die Beschaffenheit der Exkremente bleibt uns dennoch nicht erspart, weil es wichtig ist herauszufinden, ob’s hilft.

 

Katzen mit nachlässigem oder hilflosem Pflegepersonal, die viel Fell, also entweder dichte Unterwolle oder überhaupt ein längeres Haarkleid haben, neigen zu Verfilzungen und einer sogenannten Plattenbildung = richtig feste Fellklumpen, die meist direkt an der Haut sitzen. Diese verursachen zuerst erhebliche Schmerzen und danach (bisweilen beträchtliche) Hautprobleme – und wir kriegen sie nicht weg. Bitte NIE mit der Schere oder gar einer Rasierklinge herumhantieren, das geht ganz sicher übel aus (für alle Beteiligten): Tierarzt, unter Leichtnarkose abscheren und hinterher nicht mehr soweit kommen lassen!

 

 

ERNSTE AUSSICHTEN

Erste Hilfe in leichten Fällen und Tipps für Senioren & Seelchen

 

Mit dem Brechakt versucht sich der Körper von schädlichen oder unverdaulichen Stoffen zu befreien. Eines der – noch - harmlosen Anzeichen, das relativ häufig beobachtet wird, ist

 

Ø                 wiederholtes Erbrechen von weißem Schaum, das bei gutem oder nur gering gestörtem Allgemeinbefinden mit einigen Gaben IPECACUANHA D6 gut in den Griff zu bekommen – wenn die Symptome in einigermaßen regelmäßigen Abständen auftauchen. Liegen diese weit auseinander (mehr als zwei Wochen), geben wir jeweils im Akutfall eine Gabe, die zweite nach 15 Minuten und die dritte nach weiteren 30 Minuten. Tritt diese Form von Erbrechen in kürzeren Intervallen auf, kann häufig eine Kur dem Spuk ein Ende machen: Wir beginnen wie vor und setzten danach dreimal täglich für rund zehn bis 14 Tage fort.

Ø                 Ist keinerlei Kontinuität bemerkbar oder bleibt die Wirkung aus, kann der Magen-Darm-Regulator Nummer eins, NUX VOMICA D6 (gleichermaßen verabreicht), erfolgreicher sein.

 

Nux ist eine sehr verlässliche Arznei für alle einfacheren Verdauungsprobleme und Katzen jeden Alters, weshalb wir bei unerklärlicher Ursache in der Regel damit gut beraten sind. Ganz besonders bei den reifen Semestern, hier also ein bisschen

 

SENIORENHILFE: Alte Katzen (der Alterungsprozess setzt ab dem siebten Lebensjahr ein) vertragen oft das gewohnte Futter nicht mehr, vor allem rohes Fleisch, das generell schwerverdaulich ist und daher lange im Magen liegen bleibt. Häufig ruft aber auch Dosen- oder Trockenfutter Erbrechen hervor und/oder sie rühren es kaum bis gar nicht mehr an.

 

Ø                 Spätestens jetzt sollte ganz allmählich eine Futterumstellung auf Magenschonend-Verträgliches in Angriff genommen und die Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen aufgeteilt werden. Wobei sich bewährt hat, die Auswahl der Katze zu überlassen. Sie weiß meist am besten, was ihr gut tut – und sollte auf ihre alten Tage Narrenfreiheit haben. Dickköpfe müssen wir freilich nicht vergrämen, wenn’s nicht sein muss.

Ø                 Wir beginnen mit einer Dreitage-Kur = drei Gaben NUX VOMICA D6 in kurzen Abständen (wie vor) am ersten Tag, und an den beiden Folgetagen dreimal täglich. Gibt sich der beleidigte Magen danach beruhigt, setzen wir mit einer Gabe täglich fort (tunlichst morgens), mindestens für acht Wochen.

Ø                 Möglicherweise wird unser Oldie diese Unterstützung aber auch bis ans Lebensende brauchen, dann empfiehlt sich je nach Beeinträchtigung und Reaktion: Nach der Dreitage-Kur entweder einmal täglich D6 als Routinegabe oder einmal wöchentlich D30.

 

SEELCHEN und STRESSANFÄLLIGE Katzen sind ein besonderes Kapitel, zumal sie oft nicht als solche erkannt werden – das heißt, es fällt nur auf, dass sie ohne erkennbaren Grund immer wieder mal erbrechen. Ohne dass wir einen Zusammenhang herstellen mit Veränderungen oder Vorkommnissen, die sich offenbar mehr oder weniger leicht auf den Magen zu schlagen scheinen. Oft wissen wir freilich um ihre Sensibilität (in der Regel verbunden mit besonderen Eigenheiten wie „kann Besucher nicht ausstehen“ oder „ist beleidigt, wenn ich mal später nachhause komme) und dass der empfindliche Magen plus Neigung zum Erbrechen wahrscheinlich in Beziehung zueinander stehen. Mangels erkennbarer Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung (mit Ausnahme einer meist eher trägen Verdauung = die Katze setzt nicht täglich Kot ab), finden wir uns eben damit ab, eine komplizierte Katze zu haben. Aber ihr kann geholfen werden – soll heißen:

Wir können den organischen Aufruhr regulieren und bis zu einem gewissen Grad sogar das seelische Gerüst stützen ... aber DER Balsam schlechthin sind Zuwendung und Aufmerksamkeit. Bitte mehr davon! Sensible Katzen leiden still und vereinsamen leicht, weil sie sich meist ihre Streicheleinheiten nicht (oder nicht im benötigten Ausmaß) holen können, sodass wir sie ihnen „nachtragen“ müssen ... Übrigens: Seelchen finden auch schon mal ein Ventil, indem sie auf die Polsterbank oder sonst wohin pinkeln. Besser schmusen als putzen, oder?

 

Ø                 Also: Die Empfehlung für den homöopathischen Part lautet:

**  NUX VOMICA D6, dreimal täglich eine Gabe eine Woche lang;

** danach in nahtloser Fortsetzung einmal wöchentlich NUX VOMICA D30 – wir testen das gut ein- bis eineinhalb Monate aus und machen Notizen: Geht’s der Katze gut dabei (= kein Erbrechen),

**  reduzieren wir in Folge die D30 auf eine Gabe zweiwöchentlich und, bleibt alles im Lot

**  danach auf dreiwöchentlich und schließlich einmal im Monat. Tritt irgendwann dazwischen ein Rückfall ein, kehren wir zurück zum vorigen Zeitfenster und behalten diesen Abstand bei. Tritt kein Rückfall ein, kann das Mittel nach einigen Monaten abgesetzt werden. So mühsam ist es freilich nur in seltenen Fällen – aber wenn’s hilft?

**  Sollte Mieze wider Erwarten zwar auf die Basis-Kur (= dreimal täglich eine Woche lang) ansprechen, aber auf keinerlei vergrößerte Abstände, bleiben zwei Möglichkeiten: Wir geben die D6 nur bei Bedarf (= im Akutfall dreimal in kurzen Abständen) oder, wenn die Brechanfälle die Katze sehr hernehmen, lassen das doch einmal vom Doc abklären.

 

 

EINFACH ZUM KOTZEN

Fortsetzung folgt: Akute Gastritis oder Anzeichen einer schweren Erkrankung?

 

Bleibt eine Magenverstimmung unbeachtet, ist die Gastritis nicht weit. Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen sind die Kennzeichen. Meidet Mieze die Wärme, zieht sich mit gekrümmtem Rücken in kühle Ecken zurück oder liegt platt auf kalten Fliesen und reagiert unwirsch auf Berührung in der Bauchgegend, sind das ebenso weitere Hinweise wie das Erbrechen von jedem Schluck Wasser, zu dem sie sich aufrafft.

Achtung: Besteht eventuell ein Verdacht auf verschluckte Fremdkörper, Vergiftung oder eine Infektion oder wir bemerken Fieber, dann dürfen nur Profis Hand anlegen – gehören wir nicht dazu, dann bitte ab zum Tierarzt. Das sollten wir auch tun,

 

Ø                 wenn einige Gaben NUX VOMICA D6 im Wechsel mit PULSATILLA D4 (jeweils vier/drei mit 10-15-30 Minuten Abstand) einen schier unstillbaren Brechreiz nicht zumindest insofern lindern, dass bei weiterer Behandlung mit Heilung zu rechnen ist (in diesem Fall mit je dreimal täglich gemeinsam gegeben fortsetzen), oder

Ø                 wenn Mieze unter Schmerzen erbricht und PHOSPHORUS D30, vier Gaben im Abstand von ein bis zwei Stunden keine Besserung bringen.

 

Abgesehen davon, dass derlei Symptome Ausdruck einer schweren Erkrankung sein können (wie Diabetes, Nierenleiden, Gelbsucht) kann sich theoretisch zwar unspektakuläres, aber anhaltendes Erbrechen insofern zu einer ernsten Gefahr mausern, als der Verlust von Flüssigkeit zum Austrocknen des Körpers führt (mit Kreislauf-, Leber- und Nierenproblemen im Gefolge), sodass der Doc eilends entsprechend gegensteuern muss, weil das Leben der Katze auf dem Spiel steht. Also bitte niemals zu lange warten = je nach Allgemeinbefinden und Reaktion etwa zwei, maximal drei Tage!

Tipp: Ob Gefahr einer Austrocknung droht, lässt sich testen: Siehe DURCHFALL, Seite 21.

 

 

WAS HAT SIE BLOSS?

Weitere Tipps zur Behandlung von Erbrechen nach Symptomen

 

Nur zur Information: Wenn eine etwaige Grunderkrankung diagnostiziert wurde, in deren Begleitung Erbrechen auftritt, wird im Zuge einer umfassenden ärztlichen Therapie die Übelkeit sozusagen mitbehandelt und sich bessern. Zur Unterstützung können wir dennoch homöopathisch eingreifen, wobei die Wahl der passenden Arznei unabhängig von der auslösenden Krankheit ist – das heißt, die Symptome haben Priorität = das, was wir sehen und erleben, nicht der (mögliche) Hintergrund/Auslöser. Nichtsdestotrotz kann natürlich das gewählte Mittel auch in den allgemeinen Genesungsprozess mit eingreifen, in erster Linie geht es aber darum, das Erbrechen zu stoppen.

Ist uns keine Grunderkrankung bekannt, schließt das logischerweise eine solche nicht aus. Zeichnet sich also innerhalb der ersten zwei, drei Tage keine deutliche Besserung ab und/oder der Zustand verschlechtert sich, sollte der sorgliche Homöopathie-Anfänger das Schicksal seiner Katze in ärztliche Hände legen. Nur wenn Verhalten und Befindlichkeit keinen besorgniserregenden Eindruck vermitteln, sei beherzt ein Wechsel der Arznei empfohlen. Erfahrung macht den Meister – was freilich nicht heißt, ein Mittel nach dem anderen auszuprobieren, derweil die Katze in den Seilen hängt ...

 

Ø                 Eine chronische Gastritis kennzeichnet meist kapriziöser Appetit, häufiges Erbrechen, Blähungen und/oder seltsame Bauchkontraktionen – es „kugelt“ darin, als würden die Mäuse Fußball spielen: CARBO VEGETABILIS D6 zusammen mit NUX VOMICA D6 schafft hier Abhilfe, zweimal täglich für zwei Wochen, danach einmal täglich für mindestens acht Wochen (bei Bedarf die Kur wiederholen);

Ø                 erbricht Mieze häufig nach dem Füttern und wir bemerken eine eher unnatürliche Gier auf Gras und Grünes, oft mit deutlicher Müdigkeit verbunden, lässt das auf eine Störung der Magensaftsekretion schließen, die wir mit NUX VOMICA D6 und PULSATILLA D4, viermal täglich im Wechsel bis zur Genesung, beheben können;

Ø                 ARSENICUM ALBUM D12 ist das Mittel der Wahl, wenn verdorbenes oder zu kaltes Futter als Ursache vermutet wird, wobei Erbrechen (klarer, weißlicher Schaum) zusammen mit nach Aas riechendem Durchfall auftritt und Mieze Angst und Unruhe zeigt, oft, aber wenig trinkt und wir manchmal auch kleine Schuppen finden (große Schuppen brauchen zusätzlich SULFUR D30 einmal täglich für einige Zeit).

 

Kurz und bündig geht’s weiter, wobei die Dosierung jeweils gleich bleibt:

Ø                 Anfangs dreimal eine Dosis in kurzen Abständen (zehn bis 15 Minuten), danach je nach Befinden/Heilerfolg täglich sukzessive seltenere Gaben wie angegeben:

Ø                 Erbrechen sofort nach dem Fressen (gelegentlich schaumig gelb), zusammen mit flüssigem Kot, kalten Gliedmaßen, Erschöpfung: VERATRUM ALBUM D12, drei-zwei-einmal täglich;

Ø                 Erbrechen kurze Zeit nach der Mahlzeit = nachdem sich das Futter im Magen erwärmt hat, oft in Verbindung mit blutigem Durchfall: PHOSPHORUS D30, zwei- bis einmal täglich. Weitere Symptome: Neigung zu Blutungen und Augenentzündungen;

Ø                 Erbrechen (meist) mehrere Stunden nach reichhaltiger Kost: NUX VOMICA D6, drei-zwei-einmal täglich. Zusätzlich meist harter und/oder nur selten (alle zwei, drei Tage) abgesetzter Kot;

Ø                 Erbrechen (meist) mehrere Stunden nach viel zu fetter Kost: PULSATILLA D12, drei-zwei-einmal täglich. Neigung zu Bindehautentzündung, eitrig-schleimige Sekrete, Eierstock-Unterfunktion;

Ø                 häufiges Erbrechen (meist gelblich) im Wechsel mit ständigem Wassertrinken, viele Speichelfäden: MERCURIUS SOLUBILIS D12, drei-zweimal täglich. Tendenz zu Anämie, schleimigem Durchfall, Zahnfleischbluten;

Ø                 häufiges, heftiges Erbrechen (wässrig-schaumig) zusammen mit starkem Durst: MERCURIUS CORROSIVUS D12, drei-zweimal täglich. Nierenschaden möglich!

 

Wichtiger Hinweis: Ungesäumt die Praxis stürmen müssen wir, wenn das Erbrochene an Kaffeemehl erinnert – es lässt auf eine Magenblutung schließen!! und der Verdacht auf ein Magengeschwür oder einen Tumor liegt nahe.

 

 

SELTEN HARTNÄCKIG

Ausnahme von der „Regel“ - Magenpförtnerkrampf

 

Oftmaliges Erbrechen ohne jeden erkennbaren Grund, in dessen weiterem Verlauf als einzige Auffälligkeit schnell die Austrocknung einsetzt, wäre ein möglicher Hinweis auf einen Magenpförtnerkrampf – vor allem dann, wenn die Katze schon als Jungtier schwer Nahrung bei sich behalten konnte.

 

Ø                 Im Säuge- und Babyalter (Jungtiere je nach Entwicklung bzw. Rasse in etwa bis ins sechste/siebte Lebensmonat) kann AETHUSA D30, einmal täglich, den Spasmus lösen;

Ø                 bei der erwachsenen Katze sollten wir das vom Doc abklären lassen, besonders wenn wir ihre Vorgeschichte nicht kennen und weil es wirklich schwer ist, zielführend zu diagnostizieren – und können dann mit seiner Zustimmung eine Therapie versuchen mit NUX VOMICA D6 und MAGNESIUM PHOSPHORICUM D6, je nach Besserung drei-zwei-einmal täglich;

Ø                 zusätzlich CHINA, siehe DURCHFALL = Austrocknung

 

Bitte nicht herumdoktern, wenn die angegebenen Mittel nicht greifen, denn das Problem ist ein schwieriges und kann in Folge schwere Beeinträchtigung im Gepäck haben.

 

 

ÜBERMUT TUT SELTEN GUT

Erbrechen ohne Stuhlgang

 

Bei Erbrechen ohne Stuhlgang könnte es sich auch um einen Fremdkörper im Darm handeln, vor allem, wenn a) Samtpfötchen lediglich Flüssigkeit bei sich behält, sozusagen das Einzige, das am Fremdkörper vorbeikommt, und/oder sich b) entweder noch im jugendlichen Flegelalter befindet oder sich seine Neigung, alles zu essen, das nicht angenagelt ist, selbst bis ins reifere Alter erhalten hat. Dass Naturheilkunde bei Darmverschluss nichts zu vermelden hat, ist ja wohl klar – besteht also diese Möglichkeit auch nur entfernt, dann rasen wir bitte wie die Feuerwehr zum Veterinär. Ein Röntgen wird Klarheit bringen.

Übrigens, weil wir grade beim „alles essen“ sind: Falls Mieze an allem herumkaut, das definitiv nicht einmal entfernt dafür geeignet ist – könnte es sich um das sogenannte

 

 

PICA-SYNDROM

 handeln. Ob Plastik, Bettlaken, Teppich oder was auch immer an unverdaulichen Gegenständen der Katze in die Krallen fällt, wäre ein Hinweis – leider fehlt die Lösung für das Problem, denn selbst Tierärzte rätseln, ob Langeweile, Stress, ein Gen-Defekt oder eine psychische Störung die Ursache sein kann. Auch eine frühzeitige Trennung von der Mutter wird als Auslöser diskutiert, allerdings kommen genauso Leber- oder Nierenschäden infrage, sodass es ratsam ist, Mieze vorweg auf den gesundheitlichen Zahn fühlen zu lassen.

Verschiedenen Berichten zufolge kann Ablenkung hilfreich sein – aber wer hat seine Katze schon ständig im Auge? Auch eine Futterumstellung auf Naturnahes wird angeraten, also z.B. größere Fleischbrocken oder Hühnerhälse oder anders Geeignetes, auf dem sie herumkauen muss/kann. In diesen Bereich fällt auch der Tipp, den Futterplatz häufiger zu wechseln und Leckerli zu verstecken, um sie zur „Nahrungssuche“ zu animieren, ebenso die Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen aufzuteilen, die zu unterschiedlichen Zeiten gereicht werden – indes kann es sein, dass die Katze kein Verständnis hat für das rüde Unterbrechen ihrer Gewohnheiten und unliebsam protestiert, da geht nur Probieren über Studieren.

Mit der Weisheit letzter Schluss kann ich nun auch nicht dienen, aber allein diese Ratschläge sprechen dafür, dass die Seele aus dem Lot ist und sich die Katze nicht wohlfühlt. Weshalb Strafen sicherlich unangebracht sind und die Misere höchstens verschärfen.

Die Geschichte einfach so aus der Welt schaffen kann Homöopathie jedenfalls nicht – aber es könnte immerhin eine Chance bestehen, mit sogenannten „Konstitutionsmitteln“ eine positive Umstimmung zu erreichen. Denn korrekt gewählt berührt es alle körperlichen Strukturen und beeinflusst mögliche funktionelle oder organische Schwächen genauso wie seelische Disharmonien und Blockaden, welche die Persönlichkeit so behindern können, dass sie sogar körperliche Beschwerden auslösen. Klingt nach einer eigenen kleinen Wissenschaft und ist es auch – und würde hier nicht nur den Rahmen sprengen, sondern hat im Grunde auch nichts mit dem Themenkreis dieses Ratgebers zu tun.

 

 

 

 

DURCHFALL

 

 Meist hat Mieze etwas gemopst oder bekommen, das der Magen zwar behalten hat, aber dafür den Darm vorübergehend beleidigt. Ähnlich wie bei uns, wenn wir etwa im Urlaub fremde Kost mit zuviel Fett oder ungewohnten Gewürzen zu uns nehmen und die Eingeweide ungnädig reagieren. Daneben gibt es freilich eine ganze Reihe weniger harmloser Ursachen, denen wir auf den Grund gehen sollten. Nicht zuletzt um herauszufinden, ob der Veterinär ran muss – der im Zweifel immer Vorrang hat!

BITTE

besonders bei Durchfall nicht einfach eine Weile zuschauen, ob’s nicht doch von allein vergeht – möglicherweise steht das Leben der Katze auf dem Spiel!

 

 

LEICHTER DURCHFALL ODER DOCH NICHT?

Und wann kleine „Geschenke“ an den Tierarzt sinnvoll sind

 

War die Diagnose richtig und die Arznei(en) wurde/n korrekt gemäß den Anwendungsempfehlungen verabreicht, wird der Erfolg nicht auf sich warten lassen und es der Katze rasch besser gehen. Die Ursache einer Erkrankung oder einer Unpässlichkeit herauszufinden, ist freilich keineswegs immer leicht und Irrtümer nicht ausschließen. Wir wissen ja oft nicht mal von uns selbst, warum wir uns mies fühlen. Durchfall ist zwar kein Leiden, das lange unbemerkt bleibt – aber ab wann ist lange zu lange?

Grundsätzlich gilt: Bei leichtem oder immer wieder mal auftretendem Durchfall ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens können wir tapfer zu Werke gehen. Bekommen wir jedoch sowohl in diesem Fall als auch dann, wenn der Durchfall heftiger ausfällt, innerhalb von wenigen Tagen das Problem nicht insoweit in den Griff, als eine deutliche Besserung erkennbar ist - oder der Zustand der Katze verschlechtert sich sogar -, sollten Homöopathie-Anfänger nicht zögern, den Doc hinzuzuziehen. Kein Meister fällt vom Himmel und mit Durchfall ist nicht zu spaßen. Fortgeschrittene mit Erfahrung werden besser abschätzen können, wann der Hut brennt, und zügig das Mittel wechseln – oder im Zweifel gleichfalls die Praxis aufsuchen. Ohne Verzug bei Jungtieren, weil die ungemein schnell verfallen können. Wenn wir’s hinkriegen kann es nicht schaden, dem Mediziner als Präsent

 

Ø                 eine möglichst frische Kotprobe zur Untersuchung mitzubringen (das heißt jetzt nicht Joghurtbecher unters Hinterteil und los, sondern vom gleichen Tag)

 

Nicht jeder Veterinär freut sich darüber, aber wenn seine Intervention Erfolg hat, darf er unsere Vorsorge gerne milde belächeln. Hat sie keinen Erfolg, beschenken wir ihn neuerlich mit einer Kotprobe (wenn er selber testen kann) oder wandern mit dem entfremdeten Joghurtbecher in ein Labor, um Diagnose und Therapie zu optimieren.

Übrigens: Eine mittlere Tonne kotgetränkter Katzenstreu lässt jede Labormaus verzweifeln. Ein kurzfristig aufgestelltes, leeres und sauberes Kistchen kann Abhilfe schaffen. Notfalls darf ein Blatt Zeitungs- oder Küchenpapier rein, falls die Katze ohne Grabungsarbeiten nicht zur Sache kommen mag. Die Schnipsel sind weniger hinderlich ...

 

 

GEFAHR IM VERZUG

Eigentherapie, Tierarzt – oder besser beides?

 

Bei überraschend quasi von einer Minute zur anderen einsetzendem schwerem Durchfall, der mit einer rapiden Schwächung der Katze verbunden ist, die kraftlos und matt wie ein Häufchen Elend in einer Ecke liegt, müssen Anfänger den Tierarzt aufsuchen. Und einen Zahn zulegen Richtung Praxis, wenn die Katze zudem häufig erbricht oder Fieber vermutet wird (ab circa 400C ist die Krise perfekt), das dritte Augenlid (die Nickhaut) sichtbar vorrutscht und/oder das Fell etwas struppig aussieht. Symptome dieser Art, vor allem aber rasanter Kräfteverlust sind immer lebensgefährlich!

 

Ø                 Fortgeschrittene können ihr Heil mit VERATRUM ALBUM D30 versuchen – sofern das Mittel unverzüglich zur Verfügung steht -, drei Gaben in stündlichem Abstand. Spricht die Katze gut darauf an, setzen wir danach mit vier bis drei Gaben über den Tag verteilt fort. Das Mittel hat kolikartige Durchfälle, die mit Schwäche einhergehen, im Arzneimittelbild und stützt außerdem den Kreislauf. Das heißt, die Besserung sollte zügig einsetzen. Ist sie im Verlauf der Behandlung nicht vollständig oder stagniert - ODER

Ø                 die Katze zeigt zusätzliche Symptome wie vor geschildert, wäre es ratsam, zur Abklärung den Doc einzubinden, weil die Ursache einer fundierten Diagnose bedarf, um Schlimmeres zu verhüten.

Ø                 Aus diesem Grund sei Anfängern bei derart gravierenden Symptomen empfohlen, die Patientin auf jeden Fall in der Praxis vorzustellen. Ist der Doc nicht schnell genug verfügbar (bitte notfalls aus dem Bett schmeißen) und auch keine Veterinär-Uni mit Notdienst vorhanden – das Mittel aber schon, werden zur Überbrückung bis zum Termin drei Gaben VERATRUM ALBUM D30 in viertel- bzw. halbstündigem Abstand zumindest als Kreislaufstütze wertvolle Dienste leisten.

 

 

WEITERE GEFAHRENANZEICHEN

Fieber und Austrocknung

 

Die Sache mit dem FIEBER übersteigt häufig unsere Kompetenzen, einerseits mangels Kenntnis der Normaltemperatur, hauptsächlich aber weil es wohl kaum eine Katze gibt, die fürs Messen etwas übrig hat. Und ihr komplettes Waffenarsenal auspackt, wenn wir nur an „rein ins Hinterteil“ denken, spätestens jedoch in der gleichen Sekunde, wo wir sie festzunageln versuchen. Dann wird gern empfohlen, sie doch in einem dicken Handtuch zu arretieren. Hat bei mir nie geklappt, irgendein wehrhafter Teil war immer draußen und das vergewaltigte Opfertier schlussendlich dermaßen grimmig drauf, dass wahrscheinlich das allein schon die Temperaturkurve hinaufgetrieben hätte – wie immer in einer Stresssituation.

Geht’s aber nicht anders oder die Katze gibt sich willig, macht man das am besten zu zweit. Während eine Person Mieze in Front an den Schultern hält = Schultergelenk z.B. in der Kuhle zwischen Fingern und Daumen, und beruhigend flötet (oder mit einer Hand im Nacken bzw. ganz  freihändig mit Vitaminpaste ablenkt), hebt Person Nr. 2 am anderen Ende leicht den Schwanz zur Seite und schiebt sachte das mit Vaseline eingefettete Thermometer ein. Hinterher knuddeln und loben, um die unangenehme Erinnerung abzuschwächen. Also:

 

Ø                 Mehr als leicht erhöhte Temperatur ist in der Regel an heißen Ohren erkennbar, aber als Indiz nicht wirklich ausreichend. Um Gewissheit zu erlangen, müssen wir messen:

Ø                 Wer Kleinkinder im Haus hat, wird auch über ein opferfreundliches Gerät verfügen (etwa ein Infrarot-Haushaltsthermometer, das berührungslos die Körpertemperatur anzeigt, oder eins fürs Ohr), sodass wir die Katze nicht plagen müssen. Digitalthermometer zeigen die Temperatur nach einer Minute an, herkömmliche nach zwei. Ohne Jungvolk in der Familie: Apotheken verkaufen qualfreie Thermometer. Tierärzte gäb’s auch noch. Findet Mieze zwar nicht lustig, aber der hat’s gelernt ...

Ø                 Der Normalwert einer Erwachsenen liegt bei 37,8 bis 38,5ºC, maximal 39,2oC; bei Jungtieren aufgrund des intensiveren Stoffwechsels bei 38,5 bis 39,5ºC. Die Obergrenzen würden mich schon bedenklich stimmen, liegt jedoch der Wert tiefer als die Untergrenze, besteht Lebensgefahr und der Doc muss das schleunigst abklären!

 

Hat die Katze schon eine Weile Durchfall, ohne dass wir’s bemerkt hätten, weil sie beispielsweise kein Solotiger ist und die Betroffene schwer herauszufinden war und/oder aus unerfindlichen Gründen keine Anzeichen (?) einer gestörten Befindlichkeit gezeigt hat – könnte freilich schon der Hut brennen. Durchfall entzieht dem Körper Flüssigkeit, der durchs Trinken allein nicht ausgeglichen werden kann – die Folge ist AUSTROCKNUNG. Diese wiederum zieht Kreislauf- und Nierenprobleme nach sich, die ihrerseits ohne unverzügliche Intensivbehandlung die Katze das Leben kosten können. Besonders kleine Kätzchen sind massiv bedroht, und zwar gewissermaßen schneller als die Polizei erlaubt. Nicht in Ohnmacht fallen: Testen:

 

Ø                 Wir ziehen mit drei Fingern den Fellbalg auf der Kruppe/Rücken hoch, bleibt er stehen oder sinkt nur elend langsam, ist Feuer am Dach und eilends der Doc gefragt;

Ø                 ist es nicht ganz so schlimm oder wir möchten die ärztliche Therapie unterstützen, geben wir CHINA D6, vier bis fünf Gaben in ein-/zweistündlichem Abstand am ersten Tag und je nach Besserung vier-, dreimal am Folgetag. Was zumeist ausreicht, falls nicht, können wir mit dreimal täglich fortsetzen, bis alles wieder im Lot ist – daran erkennbar, dass der hochgezogene Fellbalg leicht wieder zurückrutscht.

Ø                 CHINA ist allgemein nützlich bei starkem Verlust von Körperflüssigkeit und lässt sich mit anderen Heilmitteln fabelhaft kombinieren, das heißt zusätzlich zu jeder Therapie. Austrocknung hat ja einen Grund und muss mit gleicher Priorität angegangen werden.

 

Durchfall (Diarrhö) ist jedenfalls nicht gleich Durchfall, denn neben einer mehr oder minder leichten Darmverstimmung kann es sich genauso um eine Entzündung der Darmschleimhaut (Katarrh, Enteritis) handeln. Der Auslöser ist nicht immer präzise herauszufinden und teils auch sekundär, da die Behandlung von den jeweiligen Symptomen abhängt. Um das Nachlesen querbeet durch die Kapitel kommen wir allerdings dennoch nicht herum.

 

 

KLEINE SÜNDEN oder

wenn außer Appetithäppchen (geklaut/spendiert) bzw. sonstig Unverträglichem auch neues/fremdes Futter als Grund infrage kommt

 

Für den Spruch „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“ könnte genauso gut eine Katze Pate gestanden haben. Weiß jeder spätestens dann, wenn der Doc Diät verordnet hat, denn kaum ein anderes Geschöpf untersucht alles dermaßen bis zum Gehtnichtmehr, schnuppert, probiert – und spuckt es prompt wieder aus, wenn’s nicht gefällt. Das heißt indes keineswegs, dass Katzen nie Unbekömmliches verspeisen würden ...

Nun, jegliche Futterumstellung von jetzt auf gleich geht meistens „in die Hosen“, weil Magen und Darm die Kost nicht gewohnt sind und rebellieren. Eine diesbezügliche Reform muss immer ganz allmählich und schrittweise erfolgen. Das ärztlich Befohlene seufzend auf den Teller zu pappen und auf „der Hunger treibt’s rein“ hoffen, war selten Erfolg beschieden - oder es verlässt eben mit unerwünschter Eile Magen und Darm. Das kann auch passieren, wenn wir ihr die gewürzte fette Haut vom Brathähnchen spendieren, sie heimlich von der Schoko-Sahnetorte genascht hat oder Abwechslung nicht gewohnt ist und ein wohlmeinender Besucher als Geschenk das teure, vielbeworbene XY anschleppt. Wird es nicht verschmäht, rast Mieze vielleicht mehr oder weniger kurz darauf Richtung Lokus, um den „Durchmarsch“ vermittels unbotmäßiger Gurgelgeräusche samt erheblicher Geruchsentwicklung anzuzeigen.

Jedenfalls gäbe es da mehr Situationen aufzuzählen als ein Lexikon Seiten hat. Solch kleine Sünden regelt das Verdauungssystem glücklicherweise fast immer alleine und wir müssen nicht eingreifen – sofern anderntags alles wieder im Lot ist. Allerdings könnte schon Portion Nummer zwei unter Umständen das Dilemma perfekt und Unterstützung notwendig machen, damit die Innereien sich wieder einkriegen.

 

Ø                 Das erste Mittel in derlei Situationen oder bei unklarer Ursache ist NUX VOMICA D6, das bei fast allen Verdauungsproblemen (Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, auch im Wechsel) recht schnell regulierend eingreift (sofern eine Vergiftung oder Infektion ausgeschlossen werden kann) und daher in keiner Hausapotheke fehlen sollte. Wir verabreichen drei Gaben im Abstand von 15 Minuten. Ist das Problem dann nicht aus der Welt, können wir in größeren Abständen fortsetzen: Beispielsweise am ersten Tag noch zwei Gaben und, falls erforderlich, danach zwei, drei Tage lang dreimal täglich – ist bis dahin nicht zumindest eine gravierende! Besserung eingetreten, greift das Mittel nicht (mehr) und muss gewechselt (oder der Doc aufgesucht) werden.

Ø                 Wiederholungstäter, die gern allerlei mopsen oder solche, die sich leicht überfressen, können je nach Situation vorsorglich ein bis drei Gaben wieder auf die Reihe bringen.

Ø                 NUX ist zudem eine gute Hilfe für Katzen mit „nervösem Magen“, wo in der Regel Durchfall mit Erbrechen und/oder Verstopfung wechselt. Das lässt sich meist gut mit drei- bis zweimal täglich einer Gabe begradigen. Je nachdem, welches Symptom im Vordergrund steht und/oder inwieweit wir mit unserer Diagnose richtig liegen, kann eine andere Dosierung erforderlich sein – siehe Erbrechen bzw. Verstopfung.

 

 

IST DA DER WURM DRIN? – SAG NIEMALS NIE

Über Sinn und Unsinn von Entwurmungspraktiken

 

Können wir Darmparasiten als Durchfallursache nicht definitiv (?) ausschließen, wird die Untersuchung einer Kotprobe zum Muss, BEVOR wir auf Verdacht Wurmmittel geben und die Katze – vom Baby bis zum Senior - dadurch zusätzlich schwächen. Medikamente zur Wurmbekämpfung sind zuverlässig wirksam, aber für einen bereits entkräfteten Organismus eine große Belastung! Weil es eben Medikamente sind und kein vollmundiger Hokuspokus – das heißt, jedes Wurmmittel, das diesen Namen auch verdient, also tatsächlich hilft, trägt auf seiner Verpackung das Signet einer seriösen Pharmafirma und die listet in der Gebrauchsinformation alle erforderlichen Daten auf: Gegen welche Würmer, wie häufig und für welche Katzen (Alter, Gewicht, Säugende/Tragende) geeignet, Gegenanzeigen etc. Bitte - auch wenn’s vielleicht schmerzt: Es ist absolut sinnlos (und schad ums Geld), Parasiten (innere wie äußere, gilt also genauso für Flöhe, Zecken usw.) anders als mit Chemie effektvoll bekämpfen zu wollen! Und: Niemals eine Pille für den Hund aufs Gewicht der Katze umrechnen, das wäre Sparen am falschen Platz, denn viele Medikamente werden von Katzen nicht nur nicht vertragen (und umgekehrt), sondern können Vergiftungen provozieren.

Somit wäre es wirklich wichtig, zuerst den Durchfall einigermaßen in den Griff zu bekommen und die Katze erst dann zu entwurmen, wenn sie wieder leidlich bei Kräften ist. Unter der Voraussetzung, dass mittels Kotprobe die Wurmart identifiziert wurde und die Katze wirklich sehr schlecht drauf ist, können wir ihr zur Überbrückung homöopathisch zumindest ein wenig Erleichterung verschaffen:

 

Ø                 Spulwürmer – Jungtiere: ABROTANUM D3, dreimal täglich eine Gabe zehn Tage lang. Erwachsene: ABROTANUM D2 wie vor. Bis spätestens zum neunten Tag sollten die meisten Würmer abgewandert sein. Ob es Überlebende gibt, ist nur mittels neuerlichen Testens einer Kotprobe herauszufinden; wenn ja, bietet sich CUPRUM OXYDATUM NIGRUM D4 an, dreimal täglich etwa sieben bis zehn Tage lang.

Ø                 Bandwürmer: Ohne chemische Keule werden wir sie nicht los, können ihnen aber mit CALCIUM CARBONICUM C200 oder NATRIUM MURIATICUM C200 immerhin das Leben schwer machen: Wöchentlich eine Gabe vier Wochen lang. Welches der beiden Mittel effektiver hilft, lässt sich leider nicht vorhersagen

 

ACHTUNG: Die Würmer werden nicht abgetötet! Homöopathie tötet nicht, sondern stärkt das Darmmilieu und die Parasiten fühlen sich sozusagen nicht mehr wohl und wandern ab – landen also im Kistchen (bei sehr starkem Befall können sie auch erbrochen werden). Das Katzenklo sollte daher zumindest zweimal täglich komplett geleert und heiß gespült werden, um eine Neuinfektion zu verhindern. Kistchen mit zerkratztem Boden sind übrigens „Bakterienfarmen“, wo auch Desinfektionsmittel nichts ausrichten können. Eine gute Gelegenheit, sie auszutauschen.

UND: In jedem Fall muss nach Abschluss einer Kur eine Kotprobe zur Untersuchung gebracht und bei Bedarf eine chemische Behandlung in Angriff genommen werden – definitiv bei Bandwürmern!! Bitte beachten: Bandwürmer werden von Flöhen übertragen und beiden Parasiten müssen wir logischerweise parallel den Kampf ansagen!

Dass nachlässige Entwurmungs-Praktiken vor allem bei Jungtieren, Zuchttieren und Freigängern Untermieter begünstigen und folglich als Urheber von Durchfallerkrankungen häufig infrage kommen, sollte nicht neu sein. Allerdings sind auch reine Wohnungstiger nicht davor gefeit, selbst wenn sie nur Fertigfutter bekommen. Bei diesen sollte je nach Präparat vorsorglich einmal jährliches Entwurmen indes ausreichend sein. Der Doc kann raten ... und wird bei einer Durchfall-Patientin vermutlich danach fragen, also nehmen wir den Impfpass mit, in dem ja zweifellos alle Wurm-Kampftage eingetragen sind?

 

 

SCHLUSS MIT LUSTIG

Behandlung nach Symptomen, ungeachtet der Ursache

 

Zeichnen sich keinerlei Dramen ab, schreiten wir zur Tat und stecken erst mal unsere Nase ins Klo (bildlich gesehen), denn Farbe, Geruch und Konsistenz der Hinterlassenschaft sind maßgebend für die Wahl einer homöopathischen Arznei, weshalb wir um eine nähere Betrachtung nicht herumkommen.

Tipp: Es kann ausgesprochen nützlich sein, die Symptome aufzulisten, ohne zu verzweifeln, wenn nicht alle geschilderten Kennzeichen der jeweiligen Arznei auf das aktuelle Problem passen. Heißt: Wir wählen entweder das Mittel, mit dem wir am meisten Übereinstimmung erzielen oder jenes, das die schwerste Beeinträchtigung anspricht. Bisweilen werden wir, wie erwähnt, am Folgetag oder im Verlauf der Behandlung die Arznei wechseln müssen. Im Zweifel verabreichen wir einen Mix, mehr als zwei (gemeinsam), maximal drei (im Wechsel) Arzneien sollten es aber nicht werden – den ganzen Beton grade mal so einzuwerfen, um ja nichts falsch zu machen, dürfen wir nämlich nie! Da ist die Katze beim Tierarzt Wirklich besser aufgehoben.

 

 

KLEINE ARME MÄUSE

Spezielle Mittel für Jungtiere

 

Diesen können wir zwar in der Regel mit den gleichen Arzneien helfen wie Katzen jeden Alters – bitte die Symptome vergleichen – aber für die Kleinen gibt es zusätzlich einige Mittel, die sich bei diesen besonders gut bewährt haben:

 

Ø                 Heller, teilweise unverdauter Kot, der säuerlich riecht, wobei die Schätzchen häufig einen deutlichen Blähbauch haben (Würmer können wir hoffentlich ausschließen?), spricht gut an auf MAGNESIUM PHOSPHORICUM D6, besonders (aber nicht nur) wenn der Durchfall hartnäckig ist: Wir verteilen fünf Gaben über den ersten Tag und setzen mit drei-/zweimal täglich fort, bis das Problem behoben ist;

Ø                 kleine Kätzchen, die eine Neigung zu hellen, säuerlich riechenden Durchfällen (mit/ohne Blähungen) haben und nichts vertragen, das auch nur entfernt mit Milch zu tun hat (auch keine laktosefreie oder Milchpulver-Präparate), brauchen CALCIUM CARBONICUM D12, drei Gaben täglich, mit Besserung reduziert auf zwei-/einmal täglich bis zur Heilung. Als zusätzlicher Hinweis mag gelten, dass es sich meist (aber nicht nur) um rundlich-kräftige, friedliche Brummer von ruhigem, tapsigem Wesen handelt, die nichtsdestotrotz bei gutem Appetit sind. Leichte, immer wiederkehrende Infektionen der Atemwege wären ein weiteres Indiz (das durchaus fehlen kann). Die Arznei hilft hier zuverlässig und kann so ganz nebenbei über den Kalkhaushalt noch andere Problemchen dauerhaft regulieren – ein Wirklich mächtiges Mittel!

Ø                 Erinnert der flüssige Kot an Reiswasser und der Zustand verschlechtert sich relativ zügig, kann VERATRUM ALBUM D30 helfen: Am ersten Tag drei Gaben im Abstand von jeweils etwa zwei bis drei Stunden; zeichnet sich Erfolg ab, setzen wir danach dreimal täglich bis zu einer Woche lang fort. Bleibt die Besserung aus, rasen wir zum Doc;

Ø                 spricht ein Jungtier auf eine Therapie nur langsam an, geben wir als Unterstützung BARIUM CARBONICUM D6, jeweils zusammen mit der gewählten Arznei dreimal täglich. Barium kann auch eine ärztliche Therapie unterstützen.

 

 

GROSSE ARME MÄUSE

Hilfe für Katzen jeden Alters

 

Für erwachsene Katzen (oder Jungtiere, falls die Symptome hier besser passen) sind nachfolgende Arzneien gedacht – die allesamt (sofern nicht anders angegeben!) je nach Heftigkeit am ersten Tag bis zu fünfmal gegeben werden, danach dreimal täglich bis zur Heilung:

 

Ø                 Lassen sich Beschaffenheit und Farbe des Kotes nur schwer bestimmen, weil er jedes Mal anders aussieht, mal fester, mal cremiger oder wässriger und/oder mal grünlich, dann wieder eher gelb, greifen wir zu PULSATILLA D6. Ein gute Hinweis, der für die Wahl dieses Mittels spricht, ist weiters, dass der Stuhl immer schleimig ist und die Katze trotzdem auffallend wenig trinkt. Ursache kann zu kaltes oder zu fettes Futter sein.

Ø                 Kommt Mieze vor allem nachts vom Klo kaum herunter, wobei der manchmal mit Blut und Schleim durchzogene Kot oft, aber nur in geringen Mengen abgesetzt wird und der faulige Geruch an Aas erinnert, ist ARSENICUM ALBUM D6 angezeigt. Als weitere Anhaltspunkte für diese Arznei gelten ein großes Verlangen nach Wärme, schnelle Erschöpfung, Abmagerung und Unruhe, weshalb die Katze häufig ihren Liegeplatz wechselt. Ein weiteres Indiz wäre, dass sie ständig zum Wassernapf läuft, aber jedes Mal nur ein paar Schlecker aufnimmt. Die Augen scheinen oft eingesunken und bisweilen wirkt sie unüblich ängstlich.

Auslöser ist in der Regel verdorbenes Futter oder eines von zweifelhafter hygienischer Beschaffenheit. Hier bietet Arsen zuverlässige Hilfe und die Wirkung ist bereits nach einigen Gaben, zweistündlich verabreicht, an der deutlichen Besserung des Allgemeinbefindens zu sehen. Bleibt sie aus, können wir am Folgetag und maximal am nächsten mit jeweils drei Gaben fortsetzen - und müssen danach bei Bedarf auf ein anderes Mittel umsteigen, weil Arsen (in diesem Fall) dann nicht mehr wirkt.

Ø                 Wohnt Mieze schon fast auf dem Kistchen, einem ständigen (meist vergeblichen) Drang folgend, weil sie nach jeder Entleerung meint, es müsse noch etwas kommen – oft an ihrem etwas ratlosen Gesichtsausdruck ablesbar, der den Eindruck erweckt, als würde sie in sich hineinhören. Der Kot tendiert deutlich ins Grünliche, manchmal ist er grünlich-gelb, aber immer schleimig und manchmal mit Blut durchsetzt. Das spricht für MERCURIUS SOLUBILIS D6. Auffallend ist außerdem die wundmachende Wirkung, der After ist hochrot und entzündet; erholsame Ruhephasen sind selten und eher erschöpfungsbedingt, weshalb wir am ersten Tag durchaus bis zu fünf Gaben verabreichen können und mit dreimal täglich weitermachen. Bei aggressivem Verlauf, der die Katze sehr hernimmt, wird MERCURIUS CORROSIVUS D6 wirksamer sein.

Da MERCUR (beide) bei Durchfallpatienten erfahrungsgemäß generell effektive Hilfe leisten kann, sei ein Versuch auch in diffusen Fällen empfohlen. Wenn die Katze darauf anspricht, erkennbar auch am Heilungsschlaf in zunehmend entspannter Lage, sind Normalisierung und Gesundung nicht weit, in der Regel reichen wenige Tage. MERCUR ist ein ungemein mächtiges Mittel, das sich zudem erwiesenermaßen ausgesprochen gut mit

Ø                 PHOSPHORUS D12 kombinieren lässt, auch wenn der Durchfall nicht dem typischen Phosphor-Bild entspricht = weißer oder weiß-grauer Stuhl, ohne dass die Katze beeinträchtigt oder geschwächt wirkt. Soll heißen: Ist die Mieze richtig arm dran, machen wir keinen Fehler, wenn wir dreimal täglich beide Arzneien geben.

Ø                 Ein aufgeblähter Bauch und meist gelblich gefärbter, immer stark wässriger Durchfall, der wie aus einem kaputten Wasserrohr herausschießt, braucht PODOPHYLLUM D4. Vor allem (aber nicht nur) junge/jüngere Katzen, deren Magen-Darm-Trakt in Konfusion geraten ist, sprechen exzellent darauf an. Ein weiterer Hinweis ist der sporadische Wechsel mit Verstopfung und dass die Katze aufgrund der kolikartigen Blähungen gern platt auf dem Bauch liegt, was ihr offenbar gut tut. Wir geben drei bis vier Gaben in zweistündlichen Abständen und verringern je nach Besserung auf dreimal täglich;

In der M1 (alternativ D200) leistet das Mittel auch gute Dienste, wenn die Katze auf andere Therapien nicht angesprochen hat und/oder sich ihr Zustand besonders morgens verschlechtert: Eine Gabe täglich eine Woche lang.

Ø                 Durchfall aufgrund Unterkühlung oder Nässe braucht DULCAMARA D4. Freigänger oder Stubentiger, die auf unterschiedliche Weise kühler Feuchtigkeit ausgesetzt sind (weil unbeirrt auf dem regennassen oder verschneiten Balkon-Betonboden sitzend oder versehendlich ausgesperrt, beispielsweise), können sich bisweilen derlei einhandeln. Das Mittel gilt auch als zuverlässige Hilfe bei Durchfall durch Wetterumschwung oder jahreszeitlich bedingtem Wechsel von heiß auf kühl/kalt und feucht.

 

 

STÄNDIG UNBESTÄNDIG

Stoffwechselstörungen oder was?

 

Katzen, die zu lockerem Kot oder immer wiederkehrendem Durchfall neigen und auch den Veterinär allmählich ratlos machen, wird oft Trockenfutter als Hauptnahrung „verordnet“. Da nun die Katzenartigen einen viel kürzeren Dickdarm haben als Pflanzenfresser, der vermittels Wasserentzug den Kot eindickt und mit der erhöhten Flüssigkeitsmenge bei Durchfall heillos überfordert ist, kann der Saugeffekt von Trockenfutter tatsächlich Abhilfe schaffen – allerdings nur vordergründig die Hinterlassenschaft „schönen“ (genauso wie die Behandlung mit Tierkohle), aber eine mögliche Erkrankung verständlicherweise nicht heilen.

Ein penibler Doktor wird in solchen Fällen sicherlich einen Gesundheits-Check durchführen, denn Darmprobleme können auch infektiös bedingt durch Viren oder Bakterien sein sowie als Begleiterscheinung von Grunderkrankungen auftreten. Wie eine vom Herzen ausgehende Beeinträchtigung der Darmdurchblutung, ebenso wie Leber- oder Nierenschäden. Gleichfalls nicht auszuschließen sind Vergiftungen, für die neben Pflanzen, -schutzmittel, Reinigungsmittel oder Schwermetalle auch Medikamente verantwortlich sein können. Wird die Behandlung zur endlosen Geschichte und der Doc ist, weil er keine Ursache finden kann, mehr um Schadensbegrenzung bemüht, können wir’s freilich auch homöopathisch angehen. Heißt: Zurück zum Start = den oben genannten Symptomen und Behandlungsvorschlägen.

Bei diffusen, hartnäckigen Fällen werden auch gern STOFFWECHSELSTÖRUNGEN ins Spiel gebracht. Ein weitreichender Begriff, deshalb ein bisschen Erklärung: Im gesunden Darm leben verschiedene natürliche Bakterien, deren Aufgabe darin besteht, sich an der biologischen Erschließung der Nahrung zu beteiligen und so die Verdauung zu unterstützen. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle bei der Bildung der Vitamine B6, B12 und K, die für die Katze sehr wichtig sind. Diese physiologische Darmflora benötigt für ihre Existenz nun ein bestimmtes Lebensmilieu mit genau abgestimmten Säureverhältnissen im Magen-Darmbereich. Wird diese natürliche Keimbesiedelung aber gestört, sei es durch schlechte oder ungewohnte Ernährung oder nach einer (massive bzw. länger andauernden) Behandlung mit Antibiotika, kann sie von Krankheitserregern überwuchert werden – allgemeine Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung, chronische Übelkeit, deutliche Erhöhung der Infektionsanfälligkeit und sogar bestimmte Hauterkrankungen können die Folge sein. In der Regel wird der Doktor das Problem bei Verdacht, sofort oder quasi als letzte Möglichkeit mit

 

Ø                 HYLAK-Tropfen angehen (die Katzen allerdings nicht schmecken). Sie enthalten in keimfreier, konzentrierter Form Stoffwechselprodukte natürlich vorkommender Darmkeime und können die normale Funktion entscheidend begünstigen.

 

Es handelt sich dabei um ein Medikament aus der Humanmedizin und wird hier nur deshalb erwähnt, weil es tatsächlich wirksame Hilfe bieten kann, wenn die Katze auf keine Behandlung dauerhaft anspricht und das Ende der Fahnenstange erreicht scheint. Da die Pharmaindustrie indes nicht schläft, können natürlich Alternativpräparate erhältlich sein oder werden – jedenfalls kann es nicht schaden, den Doc darauf anzusprechen. Es „einfach halt mal so ausprobieren“ (weil man’s halt irgendwo rezeptfrei bekommt oder ein anderes Mittel gleichen Erfolg verspricht) ist nicht empfehlenswert, weil es sich wie gesagt um ein Medikament handelt und die sinnvolle Anwendung eine zielführende medizinische Diagnose voraussetzt. Und wir wollen aus unserer Patientin ja auch kein Versuchskaninchen machen.

 

 

DIÄT MUSS SEIN

Muss sie?

 

Das hängt davon ab, wie krank die Katze ist. Schonende Behandlung der Innereien während des Genesungsprozesses ist immer hilfreich, sofern Mieze keine Einwände erhebt. Dass Milch, Fett und Öl in jeglicher Form vom Speisezettel gestrichen sind, ist auf jeden Fall Regel Nummer eins. Durchfall-Patienten sollten jedoch auch kein Dosenfutter bekommen (und die Umstellung zurück zu diesem nach der Heilung muss behutsam und mit Geduld erfolgen), sondern tunlichst nur frisch Gekochtes (schadet auch dem Trinkwasser nicht. Sofern Mieze nichts dagegen hat, können wir stattdessen oder zusätzlich ganz schwachen Kamillen- oder Fencheltee reichen),

 

Ø                 bevorzugt mageres Hühnchen (Brust) und etwas Fisch (der Tierarzt kann raten);

Ø                 gibt sich das Opfertier willig, haben sich untergemixter Hüttenkäse, Hafer- oder Reisschleim sehr bewährt, ohne Mühsal zubereitet mit Flocken aus der Babynahrung. Wichtig ist die locker breiige Konsistenz, weil die Katze viel zusätzliche Flüssigkeit braucht. Und weil viele Schlecken und Schlabbern dem Kauen vorziehen ... Auch eine winzige Prise Salz sollte dabei sein. In Hühner- oder Gemüsebrühe weich gekochte und fein zerdrückte Karotten (Möhrchen) werden gleichfalls gern genommen und die Brühe selbst ist (entfettet = durch einen Kaffeefilter laufen lassen) gut geeignet, um den Breit gewünscht mehr oder weniger dickflüssig zu machen. Bitte keine Brühwürfel verwenden, weil in der Regel Zwiebel oder Zwiebelgewächse (wie Lauch) darin enthalten sind.

Ø                 Tipps, wie sich der Appetit homöopathisch unter Berücksichtigung der individuellen Situation ankurbeln lässt, werden in einem „Ernährungs-Special“ (in Planung) näher erläutert.

 

In jedem Fall gilt: Weniger ist mehr. Keine Zwangsernährung!!, lieber päppeln. Mieze hat sich die zusätzliche Aufmerksamkeit verdient. Jedes Bröckchen, das freiwillig genommen wird, zählt doppelt (und unser Bemühen streichelt die Seele), denn einfach reingestopft kann umso schneller wieder Ungemach zeitigen. Eine vergrämte Katze hat schlicht viel weniger Lust, gesund zu werden ... geht uns ja auch nicht anders, oder?

 

  

 

 

VERSTOPFUNG

 

 

Während sich Durchfall durch vielerlei Anzeichen ziemlich deutlich bemerkbar macht, kann eine Katze eine ganze Weile unter dem „Gegenteil“ leiden, bevor wir dahinterkommen – das macht Verstopfung gefährlicher als sie eigentlich wäre ...

 

 

REGELMÄSSIGE TRANSAKTIONEN

Schwierige Geschäfte? Beobachtung bringt’s

 

Gelegentliche Verstopfung (= alle paar Monate mal) muss nichts Schlimmes bedeuten, aber reine Wohnungskatzen oder ältere Tiere haben oft nicht genügend Bewegung und dann kann es sein, dass sie nur jeden 3. oder 4. Tag oder schlimmstenfalls in noch größeren Intervallen Kot absetzen. Ein auf diese Weise entstehender Kotstau führt jedoch zu einer Überdehnung des Dickdarms, und weil die in den meisten Fällen nicht wieder zurückgeht, büßt das Organ sukzessive seine Widerstandskraft ein. Fazit: Eine Katze sollte täglich, zumindest aber jeden zweiten Tag Kot absetzen, andernfalls wir eingreifen sollten.

Denn: Bliebe eine akute Verstopfung unbemerkt, lähmt die starke Anschoppung den Dickdarm und der Bauch bläht sich auf. Dadurch entsteht Druck auf die Harnleiter, der Urin staut sich in den Nieren und Erbrechen, Lähmung der Hinterhand und sogar Tod können die Folge sein. Und um gleich alle schlechten Nachrichten loszuwerden, sind sowohl ein Darmverschluss als auch eine Darmlähmung möglich.

Den täglichen Griff zur Streuschaufel sollten wir daher jedenfalls immer mit einem Beäugen dessen, was wir grade entsorgen, verbinden. Nicht nur die Konsistenz ist wichtig, sondern eben auch die Häufigkeit. War allerdings bisher alles im geregelten Bereich und wir bemerken bedrohliche Anzeichen wie in Folge geschildert, dürfen wir keineswegs lange herumdoktern, sondern suchen den Veterinär auf.

 

 

WORAN SICH VERSTOPFUNG ERKENNEN LÄSST

Und Erste Hilfe in akuten, leichten Fällen

 

Üblicherweise wäre der erste Fingerzeig Richtung Verstopfung Appetitlosigkeit, aber wer kommt schon gleich besorgt ins Grübeln, wenn Mieze wieder mal das Futter einscharrt? Die Reaktionen der leidenden Köche sind mindestens so vielfältig wie die sattsam bekannten Launen unserer Schätze bezüglich der Menüfolge. Gut Erzogene schmeißen das Zeug gleich ins Klo und servieren etwas Frisches, während am anderen Ende der möglichen Konsequenzen der Inhalt des Futternapfes bis zur Unkenntlichkeit vor sich hingammelt. Hunger soll ja bekanntlich der beste Koch sein ... Scherz lass nach, wer kennt (nicht nur vom Hörensagen) eine Katze, bei der das je genützt hätte? Jenseits jeglichen Scherzes sei darauf verwiesen, dass, lassen wir sie hungern, (unter anderem) Leberverfettung die Folge sein kann.

Freilich ist Verweigerung die effizienteste Art der gnadenlosen Erziehung von Zweibeinern und wir müssen höllisch aufpassen, Mieze nicht in die Falle zu tappen – sie kann ja nicht wissen, dass einseitige Ernährung ihrer Gesundheit ganz und gar nicht zuträglich ist.

 

Ø                 Zunächst gilt es jedoch herauszufinden, ob ihr einfach das Angebot (wieder einmal?) nicht unter die Nase geht oder ob sie überhaupt das Interesse verloren hat = beispielsweise auch die Alternative verschmäht oder gar nicht erst antrabt, wenn serviert wird, sich also nicht einmal die Mühe macht, die Mahlzeit einzugraben. Verweigert sie auch mehrere Häppchen von Hand oder überhaupt, ist definitiv „etwas im Busch“, das unbedingt abzuklären ist – aber nicht zwingend Verstopfung sein muss.

 

Was jetzt?

 

Ø                 Wir fassen beherzt in die „heilige“ Gegend, das heißt, wir tasten den Unterbauch mit mittelfestem Druck zum „Ausgang“ hin ab, die verhärteten Kotmassen sind durch die Bauchdecke recht gut zu fühlen.

Ø                 Funktioniert am besten (der Doc hat das sicher schon mal vorgemacht), wenn die Katze mit dem Kopf abgewandt steht, uns also das Hinterteil präsentiert, sodass wir mit beiden Händen den Bauch umfassen (mit den Daumen seitlich etwas arretieren) und uns nach hinten arbeiten können. Unwillige sollten am vorderen Ende mit Ohrenkraulen abgelenkt werden. Manche lieben Bauchkraulen und können zaghaftes Zugreifen schon mal damit verwechseln, fallen um und zeigen, was sie haben – geht so auch.

 

Werden wir fündig und der Verdacht auf Verstopfung erweist sich als begründet, können wir in leichten, akuten Fällen zunächst mit „normaler“ Erster Hilfe versuchen, die Sache anzugehen:

 

Ø                 Zum Beispiel mit roher Milch, sofern die Katze diese nicht gewohnt ist und sich bereit erklärt, ein paar Esslöffel davon anzunehmen; Gleiches gilt für ein (walnussgroßes) Stück Butter oder in etwa ein Esslöffel roher, geschabter Leber;

Ø                 nimmt sie nichts davon freiwillig, bleibt ein letzter Versuch mit (am besten) Sardinen- oder Olivenöl. Zweistündlich ein Kaffeelöffel voll (insgesamt drei- bis maximal viermal) sollten ausreichen, bis sich die Katze lösen kann. Die ersten beiden Male können wir’s notfalls „einfüllen“, und, falls Mieze sowohl aufschlecken als auch Mäulchen auf und rein verweigert, es behutsam (= immer darauf achten, dass sie wirklich schluckt!) mit einer Plastik-Einmalspritze (natürlich ohne Nadel!!) versuchen. Wehrt sie sich indes vehement gegen Gabe Nummer drei und/oder vier (oder überhaupt), würde ich sie nicht weiter plagen, sondern

Ø                 ein- bis zweistündlich NUX VOMICA D6 geben (gerne natürlich auch zusätzlich, jedenfalls bevor wir die Nerven wegschmeißen).

Ø                 Eine richtig gute Unterstützung, den Vorgang zu beschleunigen, wäre, ihr jedes Mal hinterher eine Massage mit der Bürste angedeihen zu lassen (von der Kruppe zur Schwanzwurzel reicht), so kräftig sie es eben zulässt. Und, sofern in entsprechend rüstigem Alter, dann zum Ausgleich zehn bis 15 Minuten lang Bewegung in die Katze bringen: Bällchen werfen, mit einer Spielangel etwas auf Trab bringen, was auch immer ihr gefällt.

 

ABER wenn Mieze jegliche Kooperation verweigert, sinkt nicht nur die Hoffnung auf Nutzen und aller Wahrscheinlichkeit würde auch gewaltsamen Einfüllen der Erfolg versagt bleiben – sondern diese „natürliche“ Reaktion kann durchaus ein Hinweis auf „zu spät“ sein.

 

 

WENDE INS DRAMATISCHE

Nicht ohne meinen Tierarzt

 

Häufig stürmen wir nämlich erst dann die Praxis wenn das gesteigerte Ruhebedürfnis in Lethargie umschlägt oder – und das ist nun ein absolutes Alarmzeichen – wenn nach wenigen Tagen des Herummümmelns oder der kompletten Nahrungsverweigerung Erbrechen auftritt. Miezes Allgemeinbefinden driftet rasant bergab – so lange dürfen wir nicht warten!

Ausgesprochen heikel wäre auch eine „freihändige“ Diagnose, wenn wir beim Abtasten gar nichts gefühlt haben, aber Mieze irgendwie angeschlagen und nicht ganz auf der Höhe wirkt = ein forschender Blick ins Gesicht: Sieht sie müde aus?, sind die Augen womöglich leicht eingesunken und/oder der Glanz ist irgendwie weg und/oder das dritte Augenlid, die Nickhaut, ist ein bisschen zu sehen (kann auch vor- und zurückrutschen) - dann ist immer !! Handlungsbedarf angesagt. Denn es könnte zum Beispiel eine Darmlähmung vorliegen, bei welcher sich weder einen Kotstau noch die geringste Darmbewegung feststellen lässt, die Peristaltik ruht wie tot.

 

Ø                 Der erfahrene Homöopath wird vermutlich zu OPIUM D30 greifen – eine Einzelgabe sollte ausreichen; mitunter können mehrere Gaben D6 (5-4-3 in kurzen Abständen) das gleiche Ergebnis zeitigen. Ist das Mittel zur Hand, dürfen auch Anfänger tätig werden, aber für alle Nichtprofis gilt: Es gibt hier kein zu früh, nur ein zu spät. Tritt nicht zügig Besserung ein, muss der Doktor her!

 

Das bedeutet aber nicht zwingend, dass wir arbeitslos sind, denn mitunter macht es Sinn, seine Therapie in Absprache zu unterstützen oder im Anschluss an eine vorangegangene ärztliche Versorgung homöopathisch einzugreifen, um je nach Ursache Wiederholungen zu vermeiden.

 

 

AUF DIE SYMPTOME KOMMT ES AN

Praxistipps für Fortgeschrittene und Anfänger, die mit dem Doc zusammenarbeiten

 

Weil: Etliche Symptome „mit freiem Auge“ nicht zu erkennen oder nicht richtig zuzuordnen sind. Weil ich ja lediglich mittels „Ferndiagnose“ Anregungen geben kann und jeglicher Zweifel selbstverständlich immer in studierte Hände gehört! Und weil wir unsere Katze ja nicht zu ihrem Schaden zum Versuchskaninchen machen wollen/dürfen.

Übrigens: Dass sich NUX VOMICA durch alle Kapitel zieht wie ein roter Faden, bedeutet keineswegs, dass es ein Allheilmittel ist. Die Arznei ist eben besonders bei Magen-Darmproblemen sehr effizient, genauso aber auch in anderen Bereichen. Viele Mittel haben einen teils breitgestreuten Wirkungskreis, der bisweilen so auseinanderdriften kann, dass es schwer verständlich scheint, wie ein Mittel „wissen“ kann, wo es gebraucht wird ... Lange Rede, kurzer Sinn: Nicht verwirren lassen, aber bitte genau auf die Symptome achten und ohne ärztliche Anweisung auch nicht von der angegebenen Medikation abweichen!

 

Ø                 NUX VOMICA D6 also, zuständig für vor allem unerklärliche Verdauungsstörungen, das wir dreimal täglich auch einsetzen, wenn die Katze an Blähungen leidet. Oder alle naselang aufs Klo rennt und nach langem Pressen nur wenig harten Kot absetzt. Die Kur kann zwischen sechs und 14 Tage dauern. Kommt es danach gelegentlich zu einem Rückfall, lässt sich dieser mit einmal täglich auffangen, wobei in der Regel wenige Tage ausreichend sind – je nach „Ergebnis“;

Ø                 LYCOPODIUM CLAVATUM D12 beeinflusst gleichermaßen hauptsächlich das Verdauungssystem, aber auch die Nieren. Heißhunger, doch satt nach wenigen Bissen kennzeichnen die mangelhafte Magentätigkeit. Die Atemwege können betroffen sein und die Leberfunktion beeinträchtigt = erkennbar am übel riechenden Urin mit rotem Satz. Verschlechtern sich die Symptome am Nachmittag/gegen Abend (und würde ein Labor Aceton im Blut nachweisen), wäre alles klar und Lycopodium schlechterdings ideal: dreimal täglich bis zur Heilung;

Ø                 ALUMEN D30 ist einmal täglich für sieben Tage das Mittel der Wahl, wenn Mieze öfter mal erbricht und die Lymphknoten verhärtet sind;

Ø                 NATRIUM CHLORATUM (syn. Muriaticum) D6 (auf ärztliche Anweisung auch D9 oder D200) einmal täglich für drei Wochen setzen wir ein, wenn Mieze Bläschen im Maul hat, schlapp wirkt und sehr viel trinkt;

Ø                 auch bei BRYONIA ALBA D6 hängt die Katze über dem Wassernapf, aber die Schleimhäute sind trocken und die (häufig viel zu großen) Kotwürstchen sind steinhart, trocken und sehen wie verbrannt aus.

 

 

GARFIELD LÄSST GRÜSSEN

Hilfe für Faule und „Filosofische“

 

Alles kann man übertreiben, auch den Frieden. Einige der homöopathischen Helferlein sind bevorzugt für die „unter-großen“, stattlichen, meist bereits in mittleren Jahren (oder darüber) befindlichen Katzen – ein Tag verläuft eher mehr denn weniger wie der andere, das Leben hat keine außergewöhnlichen Überraschungen mehr in petto. Sie beschränken sich auf ein wenig Augengymnastik und „lassen spielen“, indem sie ihren Zweibeiner beobachten, der womit auch immer vor ihnen herumhampelt, und das größte Ereignis sind die Mahlzeiten. Oder nicht mal mehr diese. Kurz: Der Schwung ist raus. Ein extrem ruhiger Haushalt kann die gleiche Wirkung allerdings auch auf jüngere Stubentiger haben ...

Klar, dass auch die Verdauung ihren Teil zur allgemeinen Trägheit beiträgt – und dann üblicherweise chronisch wird, das heißt, Kot wird nur alle drei, vier Tage abgesetzt oder gar noch seltener. Die Dinger sehen dann meist auch recht mumifiziert aus (muss aber nicht sein). Abgesehen von den eingangs bereits erwähnten folgenschweren Auswirkungen auf den Dickdarm – die offenbar noch nicht eingetreten oder noch nicht so ausgeprägt sind, sodass sie nicht erkannt wurden (andernfalls ja Mieze lägst beim Doc vorstellig geworden wäre) -, wird es Zeit, etwas zu unternehmen:

 

Ø                 Für beide Tipps gilt: Wir beginnen mit drei Gaben im Abstand von 30-60 Minuten und setzen ab dem Folgetag mit dreimal täglich fort.

Ø                 CALCIUM CARBONICUM D12 für gut zwei Wochen ist sozusagen eine wahre Wunderkur für gemächliche Stubenhocker, die fast immer recht gewichtig sind und bei denen sich alles verlangsamt hat, nicht nur die Bewegung. Die Arznei reguliert über den Kalkhaushalt die Darmträgheit und ein paar andere Probleme gleich mit – ein richtiger Jungbrunnen!

Vom Alter unabhängig kann sie nicht minder Phänomenales leisten – siehe letztes Kapitel – es ist ein wirklich mächtiges Mittel.

Ø                 Träge, etwas schwerfällige Phlegmatiker mit unansehnlichem Fellkleid = trocken, rau, brüchig, die ein bisschen traurig dreinschauen und womöglich auch noch zu Schreckhaftigkeit neigen, leicht klebrige Ekzeme (Ohren, Gelenkbeugen) bekommen und deren Schweißabsonderungen von den Pfotenballen häufig unangenehm riechen, sind „klassische“ GRAPHITES-Katzen. Alle Symptome jeweils und/oder!! - aber sie kennzeichnen eine insgesamt gesehen irgendwie unansehnliche Katze – sprechen für dieses Mittel. GRAPHITES D6 also, das, haben wir richtig gewählt, eine erstaunliche Wirkung zeitigt – überraschend schnell (wenige Tage), kann freilich auch in etwa zwei Wochen Geduld erfordern.

 

Weilt die Patientin schon länger auf dem Globus, hat die Homöopathie auch allerlei andere interessante Tipps zu bieten, die in die Jahre gekommene Müde wieder munter machen können ... Klicken Sie im KatzenJournal bei „Senioren“ auf Wenn Mieze in die Jahre kommt oder auf Fit und fidel altern, da gibt’s allerlei Fitnesstipps für Bewegungsmuffel.

 

 

STRUNZ FÜR KATZEN

Die Sache mit der Bewegung

 

Grundsätzlich gilt, dass Bewegung immens wichtig ist für eine funktionierende Verdauung und wir für den entsprechenden Anreiz zuständig sind. Vor allem bei Solotigern oder Katzen einer Gruppe, die altersmäßig zu weit auseinander liegen, um sich gegenseitig ausreichend zu animieren. Da müssen wir eben in die Bresche springen, nicht zuletzt weil außer Streicheln und Schmusen auch gemeinsames Spielen Kommunizieren und Aufmerksamkeit bedeuten und eine gesunde Seele und ein gesunder Körper Zwillinge sind.

Heißt: Zumindest zweimal täglich jeweils 15 Minuten mit einer Federangel/Wedel, Schnur (oder was immer) tüchtig auf Trab gebracht, bringt’s in der Tat! Bei Senioren heißt es freilich mit Maß und Ziel, eine alte Katze von jetzt auf gleich über den Teppich zu jagen, wäre zuviel des Guten. Jedenfalls wenn sie derlei nicht gewohnt ist und sofern sie überhaupt mitmacht. Hier liegt das Heil in langsamer Steigerung. Räumen wir nach jeder Spiel-Session das Spielzeug weg, damit keine Gewöhnung einsetzt, wird sie sich drauf freuen. Vorausgesetzt wir vergessen auch nicht, Mieze vor Beendigung jeder Interaktion immer gewinnen zu lassen, andernfalls das Interesse schneller dahin ist als die Maus im Schlupfloch.

Und: Die Ursache gelegentlicher Verstopfung liegt in den meisten Fällen in einer Kooperation von falscher Ernährung und zu wenig Bewegung. Soll heißen: Katzen, die bevorzugt auf der faulen Haut liegen, benötigen eine ganz anders zusammengestellte Nahrung als Energiebündel oder Freigänger.

 

 

 

 

 

 

PRIVATE PRACTICE

Zum Abschluss noch eine kleine private Story Marke „Man lernt nie aus ...“

 

Ein „jugendliches Verstopfungs-Problem“, mit dem ich seinerzeit als aktiver Züchter selbst konfrontiert wurde, bescherte mir ein Kitten, das seine vergleichsweise großkalibrigen Würstchen trotz Plage nicht und nicht vollständig herausbrachte. Wie fast alle Katzen mit Darmproblemen dachte der kleine Kater, das Kistchen wäre „schuld“ daran ... und benutzte es fortan auch nicht mehr. Sondern rannte jammernd durch die ganze Wohnung – umringt von den staunenden Geschwistern und besorgten Altvorderen – und versuchte mit den seltsamsten Verrenkungen, die meist nur zur Hälfte aus dem kleinen Hinterteil ragende Hinterlassenschaft loszuwerden.

Abgesehen davon war sein Allgemeinbefinden absolut unbeeinträchtigt, er wusste, was gut schmeckt und schaufelte aufgrund seines übervollen Terminkalenders jegliche Mahlzeit in affenartiger Geschwindigkeit ins Mäulchen. Auch der sicherheitshalber kontaktierte Doktor (es war „meine“ erste Verstopfung bei einem kleinen Kätzchen) konnte sonst keinerlei Störendes feststellen und riet zu mehr Gemüse. DAS kam nicht gut an und befriedigte auch mein aufgescheuchtes Hilfebedürfnis nicht ausreichend. Ein klarer Fall für die homöopathische Trickkiste!

Zunächst hatte schnelle Wirksamkeit Priorität. Und weil ich ja sozusagen noch am Üben war, entschied ich mich für einen vergleichsweise reichhaltigen „Cocktail“ in der (nicht ganz unberechtigten Hoffnung), durch sukzessives Weglassen jeweils eines Mittels herauszufinden, welche Arznei im Endeffekt für die Heilung zuständig ist.

 

Ø                 After gerötet = Sulfur D12

Ø                 zögerlicher Abgang: Silicea D12

Ø                 dazu Nux Vomica D6, weil zu Anfang immer das „Allheilmittel“ für alle mysteriösen Magen-Darmprobleme

Ø                 sowie Calcium carbonicum D12 als allgemeiner Regulator bei jungen Kätzchen

 

Wie gelernt anfangs drei Gaben in 10/15-Minuten-Abständen. Der Brave zeigte sich willig, also rein damit. Zumindest die Hälfte klebte zwar an Zunge und Gaumen, aber es war halt schon viel – einmal Prusten genügte und er staubte mir das Überschüssige vor die Füße ... Von Gabe Nummer zwei gab’s also von jedem Mittel nur ein paar Brösel, das klappte gut, aber würde es reichen? Ich gedachte danach jedenfalls erst einmal unverdrossen mit 3 x zweistündlich fortzusetzen (ab dem Folgetag war 3 x täglich vorgesehen) ... die Wirkung setzte freilich unübersehbar bereits nach der zweiten zweistündlichen Gabe ein, der kleine Kerl tat sich eindeutig leichter: Er werkte zwar noch immer herum und maunzte ein bisschen, aber er brachte das Ding ganz allein vollends heraus und nicht mehr nur in Etappen. Zwei Tage später war die Afterrötung verschwunden und ich ließ Sulfur weg, tags darauf Silicea und danach Nux – alles paletti. Damit war Calcium carbonicum als wesentlichstes Heilmittel „entlarvt“ – probehalber weggelassen kehrten die Beschwerden zurück, wiewohl deutlich weniger dramatisch. Aber eine 14-tägige Kur allein damit sorgte für bleibendes Wohlgefallen, seither gab es nie wieder ein Problem.

Abgesehen davon, dass er verlernt hatte, ein Katzenklo zu benutzen und deshalb zur Wiederauffrischung des Erinnerungsvermögens samt wechselnder Spielgefährten Papa im Herrenzimmer Gesellschaft leisten musste – in diesem ihm fremden Terrain wusste er auf Anhieb, was sich für eine anständige Katze gehört und nach wenigen Tagen (die ich zur Generalreinigung nutzte) konnte die Verbannung wieder aufgehoben werden ... Schien ihm und den Geschwistern aber gefallen zu haben, denn sie forderten wiederkehrend Besuchsrecht ein ...

 

 

 

Quellen (u. a.):

Dr.med.vet. Wolfgang Becvar, Naturheilkunde für Katzen (Kosmos)

H.G. Wollf, Unsere katze, gesund durch Homöopathie (Sonntag)

Dr.med.vet. Barbara Rakov, Der homöopathische Katzendoktor (Kosmos)

Das große Hausbuch der Homöopathie (Orbis)

Dr. Hans Martin Steingassner, Homöopathische Materia Medica (Maudrich)

Christopher Day, Homöopathischer Ratgeber Heimtiere (BLV)

George McLeod, Homöopathischer Ratgeber Katzen (BLV)

Hartwig Gäbler, Gesund durch Heilpflanzen (Paracelsus)

Roth/Daunderer/Kormann, Giftpflanzen/Pflanzengifte (Nikol)

Kraft/Dürr/Hartmann, Katzenkrankheiten (Schaper)

Horzinek/Schmidt/Lutz, Krankheiten der Katze (Enke)

Birgit & Heinz Mehlhorn, Gesunde Katzen (Springer)

Ch. Schwartz, TCM für Hunde und Katzen (Sonntag)

www.dhu.de, www.heel.de, u. a.

 

 

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